u/sweetanimewaifu

▲ 23 r/Pflege

Qualitätsunterschiede

Bis vor kurzem war ich bei einem Qualitativ sehr hochwertigen Pflegedienst, der aber auch sehr viel von einem abverlangt hat in Sachen Doku und Nachweispflicht - weil der MDK so extrem genau alles geprüft hat. Bedeutete für uns aber auch, dass wir immer mit 1.0 bei den Qualitätsprüfungen abgeschnitten haben und daher ziemlich gut verdient haben. Nun musste dieser Insolvenz anmelden weil die Hauptfirma (wir waren nur eine kleine Zweigfirma die vor drölf Jahren aufgekauft wurde) scheinbar einen Geschäftsführer hatte, der vermeintlich Leistungsbetrug begangen hat. Das ganze war ziemlich beschissen, alle Kids die wir seit Geburt versorgt haben mussten sich innerhalb von nem Monat einen neuen Pflegedienst suchen.

Die Krankenkasse hatte den Kindern die ich betreut habe den gleichen zugewiesen, weswegen ich dann mit ihnen dort hin gewechselt bin.

Und junge

Ist der schlecht.

Das lustige ist, Bezahlung ist ziemlich gut und die dienstpläne waren auch noch nie so gut gefüllt weil er seeeehr viel Personal hat .... Aber das Problem ist wirklich die Qualität. Die halten sich an gar keine Regeln. Impfnachweis? Brauchen wir nicht. Erweitertes Führungszeugnis? Noch nie gehört. Pflegebasiskurs oder sonstige Weiterbildung im Umgang mit Beatmung? Ach das passt schon. Mitarbeiter kommen größtenteils aus der Altenpflege und halten nichtmal die aller kleinsten Hygiene Regeln ein, eines der Kinder hatte jetzt innerhalb von 4 Monaten 2x ne Pneumonie obwohl er 15 Jahre lang nichts hatte. Es gibt wohl mehr als einen Mitarbeiter der mit dem Beatmungsmaterial den Boden wischt und dann trotzdem noch weiter benutzt. Es gibt auch Mitarbeiter die den Eltern tatsächlich Religiöse ansprachen halten a la manchmal möchte Gott dass die Kinder bei der Geburt sterben. Dokumentiert wird in super vielen Diensten GAR NICHTS weil "bei uns steht das Kind im Vordergrund" ...

Die Eltern sind alle am Ende und wissen nicht weiter.

Und ich Frage mich wirklich ... Wie kann sich so ein Pflegedienst halten? Wie kann der MDK da nicht schon vor Jahren Mal auf den Tisch gehauen haben? Gibt es Menschen beim mdk die man kaufen kann damit man bei so Prüfungen durchgewunken wird? Ich verstehe wirklich die Welt nichtmehr.

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u/sweetanimewaifu — 4 days ago
▲ 39 r/Pflege

Ich möchte einmal ganz klar sagen: Wir brauchen Fachkräfte aus dem Ausland um das Gesundheitssystem irgendwie noch zu retten. Gleichzeitig stellt sich mir aber oft die frage, zu welchem Preis.

Ich selbst arbeite in der außerklinischen Intensivpflege mit Kindern, wir haben viele Pflegekräfte aus den Philippinnen aber auch aus Indien, meistens über Agenturen angeworben. Diese werden ganz oft erstmal in einer "zentrale" geschult bis sie dann bei uns landen. Bei der Einarbeitung wird bei vielen aber sehr schnell klar, dass man gar nicht weiß "was" man da Einarbeiten soll bzw wo man überhaupt anfangen soll, wenn es schon bei sprachlichen "Basics" scheitert. Dann kommen kulturelle Pflegerische unterschiede dazu, in ganz vielen Ländern wird ja eher der Fokus aufs medizinische gelegt von fast allen höre ich, dass sie sowas wie Lagerung oder Grundpflege/Hygiene Basics gar nicht kennen. Dazu kommt, dass unsere ganzen Gerätschaften wie zb Beatmung ja auch eher selten sind. Man fängt quasi in allen Bereichen von 0 an, kombiniert mit einer Sprachbarriere... Wir haben schon SEHR lange Einarbeitungszeiten für diese Kräfte(teilweise bis zu 6 Monaten) aber selbst wenn diese dann vorbei ist, gibt es kaum Familien die diese Kräfte als "Entlastung" wahrnehmen, weil sie einfach permanent angst um ihre Kinder haben. Doku ist dann nochmal ein Zusatz Problem. Man muss allerdings auch sagen, dass am Anfang die Motivation zu unterstützen und zu erklären sehr hoch war von den Kollegen, nachdem das aber kaum Früchte gezeigt hat, gab es da große Änderungen. Ganz oft wird jetzt auch gesagt, dass "xy"- Aufgabe besser gar nicht erst in die Hände von diesen Kräften gelegt werden sollte, weil das am ende nur in Mehrarbeit für alle mündet. Dass die Kinder mit denen gearbeitet wird, auch irgendwann frustriert sind wenn sie ihre Probleme nicht kommunizieren können, ohne dass Mama Dolmetscher spielt kann man sich natürlich auch denken.

So nun kommen wir zum eigentlichen Problem. Man hat ja die große Hoffnung, dass das Thema Sprache sich mit der zeit von selbst löst, wenn man mehr oder minder durch den Job gezwungen wird häufiger zu sprechen. Da beißt sich die Ratte in unserem fall aber leider in den Schwanz:

Person A spricht schlecht Deutsch und macht viele Fehler -> Kinder sind irgendwann frustriert und haben keine Lust mehr überhaupt irgendwas zu sagen wenn Person A es eh nicht versteht -> Eltern haben irgendwann auch keine Lust mehr und reagieren genervt -> Person A fragt und spricht weniger weil sie ja merkt dass die Klienten genervt sind.
Ganz oft passieren dadurch grob fahrlässige Pflegefehler, die dafür sorgen dass das fass überläuft und die Familien diese Personen nicht mehr im Team haben wollen.

Außerhalb der Arbeit Deutsch lernen? Ich glaube wir wissen alle, wie wenig Zeit für Privates nach der Arbeit übrig bleibt. Dazu kommt, dass in unserem Fall ganz oft WGs unter den gleichsprachigen Kräften entstehen, das heißt Privat sind sie auch nicht wirklich gezwungen die Sprache zu lernen.

und JA es wird mit Sicherheit der punkt kommen, an dem diese Kräfte GOLD wert sind, die frage ist ob in der Zwischenzeit nicht Patientengefährdung stattfindet.

Ganz oft kommt mir der überaus schlimme Gedanke dass wir "besser" dran wären, wenn wir Deutschsprachige, fachfremde Quereinsteiger hätten die wir bei den "einfacheren" Krankheitsbildern weiterbilden würden, so dass sie für diese Klienten und ihr Krankheitsbild "experten" sind. Ich weiß dass das nicht die Lösung sein darf, aber manchmal bin ich echt ratlos wie es weitergehen soll.

Was sind da eure Erfahrungen und wie läuft das eigentlich gerade in der Generalistik ab?
Bitte bleibt aber respektvoll, wie eingangs gesagt wir BRAUCHEN diese Kräfte und sie sind nicht schuld am System. Wir brauchen nur bessere Lösungen...

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u/sweetanimewaifu — 21 days ago
▲ 42 r/Pflege

Ich bin aktuell einfach nur noch frustriert und sauer. Kollegen die in der außerklinischen Intensivpflege im Kinderbereich arbeiten, können gerne gegenteiliges berichten, aber meine Erfahrungen in den letzten 3 Jahren sind wirklich frustrierend.

Vorab: Ich liebe diesen Bereich so sehr und möchte nichts anderes machen. Meine Arbeit besteht hauptsächlich daraus den Kindern zu ermöglichen, am normalen Leben teilzunehmen. Ich begleite sie in der Schule aber auch im Alltag und unterstütze die Familie in pflegerischer Hinsicht zu jederzeit, meistens auch nachts. Es erfüllt ungemein und man wird so wertgeschätzt wie ich es in meiner Zeit im Krankenhaus selten erlebt habe.

Der Knackpunkt? Krankenkassen und Politik.

Fangen wir doch damit an dass Förderschulen fast immer an den Stadtgrenzen gebaut werden, schön versteckt damit auch ja kein Otto normalo jemals Kontakt zu Rollstuhl Kindern hat. Denn wenn die Gesellschaft merken sollte dass es diese Gruppe gibt, könnte es ja passieren dass man sich für diese auch einsetzen möchte. Das darf ja nicht passieren :)

Familien die ruppig im Tonfall mit den Krankenkassen umgehen bekommen auch den 4. Stehtrainer noch genehmigt, Familien die eher eine sehr freundliche Natur haben, bekommen nichtmal den ersten genehmigt.

Kind wird 18? Ab da tritt es scheinbar seine Menschenrechte ab, etliche Bedarfsmittel werden eingeschränkt obwohl sich an der Grunderkrankung ja nichts ändert.

Wie geht's im Leben für die Kids weiter?

Option A: werkstatt. Viele Werkstätten nehmen aber nichtmehr jedes Krankheitsbild, die haben kaum pflegerisch examiniertes Fachpersonal und sobald es komplizierter ist wollen sie eine externe Pflegekraft, wenn diese aber nicht genehmigt wird dann werden die Kids abgelehnt und müssen mit einem Elternteil ihr Leben lang Zuhause bleiben, yippie. Auch cool für die Mutter/Vater, die ihren Job dafür kündigen muss, der bisher immer der einzige Stress Ausgleich war.

Option B: Kind ist geistig fitt genug für die Berufsschule, also werden Bewerbungen geschrieben und das Schulamt, dass für solche Fälle mitverantwortlich ist, sollte eigentlich bei der Suche unterstützen. Der Witz an der Sache ist, dass etliche Berufsschulen zwar auf dem Papier barrierefrei sind, aber nicht jedes Krankheitsbild ist ja gleich. Es gibt auch Kids die sich zb nicht eigenständig aus dem Rollstuhl bewegen weil sie kein Körpergefühl in der unteren Hälfte haben, oder in den meisten Fällen dann auch eine Pflegeliege braucht. Heißt für die berufsschule oft Umbau, kosten und Personal das sie nicht haben - also abgelehnt. Es wurden sogar schon Kids bei uns abgelehnt weil "der Notausgang nicht gross genug wäre für zwei Rollstühle die diesen evtl gleichzeitig benutzen" .

Option C: und das ist das worauf der Staat und die Krankenkassen ja hinauswollen- stationäre Einrichtungen mit minimal Belegschaft und hoffentlich schlechter Versorgung damit man für diese Menschen nichtmehr ganz so lange zahlen muss :) - widerlich.

Jetzt kommen wir kurz zur Politik. Die CDU möchte Schulbegleitungen reformieren. Hier kurze Info: Es gibt ja die integrationshelfer, die zb für Kinder mit ADHS sozio emotionalen Störungen ODER EBEN AUCH körperlichen Einschränkungen die keinen intensiven medizinischen Bedarf haben, zuständig sind. Diese Integrationshelfer brauchen keine Ausbildung, das kann jeder quasi machen. Der Verdienst ist meistens bei 1800€ netto und man hat alle Ferien Feiertage etc frei. Aktuell kommt ein integrationshelfer auf ein Kind. Die Lehrer an Förderschulen sind sehr oft sehr dankbar dafür, weil auch diese keine Kapazitäten haben für die extra Betreuung von speziellen Krankheitsbildern. Die lassen die Kids oftmals auch nicht zur Schule kommen, wenn die Integrationskraft fehlt.

Was will die CDU also? Richtig. Abschaffen. Bzw sie möchte dass eine einzige Integrationskraft für eine ganze Klasse zuständig ist. Dass diese Kids zur Toilette begleitet werden müssen, und die Integrationskraft da mit muss, das wird einfach Mal ignoriert. Spätestens nach der Pause wird es für die Lehrer bestimmt richtig geil, da kann man bestimmt super Unterricht machen. Alle weiteren konsequenzen, wie Burnout bei den Lehrern etc lasse ich Mal außen vor.

Mir geht's um die Kinder.

Die aller meisten haben keine Perspektive mehr ab dem Punkt an dem sie 18 werden und jetzt will man ihnen die Zeit davor auch noch nehmen.

Liebe CDU, dann sagt doch einfach ganz klar dass ihr zwar gegen Abtreibung während der Schwangerschaft seid aber für Abtreibung bzw Mord nach der Schwangerschaft, sobald die Kosten der Kids den "nutzen" übertreffen.

Ich will nichtmehr. Aber Hauptsache die boomer werden 100.

Sorry für den Frust. Hab euch lieb.

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u/sweetanimewaifu — 22 days ago