u/sylentiuse

Handlungsstränge sortieren: media res oder linear?

Hallo, ich schreibe an einer SciFi-Geschichte mit mehreren Ebenen und Plots:

- Ein Jugendlicher Held, der seine Kindheit in einer technologieablehnenden Enklave verbringt. Er flüchtet, (Leser entdeckt zusammen mit ihm die fortschrittliche Technologie der Welt)

- Als junger Erwachsener lehnt er die ihm zugedachte Rolle in der Gesellschaft ab und flüchtet auf ein Raumschiff (Leser entdeckt zusammen mit ihm die Raumfahrttechnologie).

- Das Raumschiff entdeckt einen Heimatplaneten der Aliens, deren Hinterlassenschaften auf der Erde erst die interstellare Raumfahrt ermöglich haben.

- Der Held verlässt heimlich das Raumschiff und landet auf dem Planeten (der Leser entdeckt mit ihm zusammen die Alien-Technologie).

Zusätzlich gibt es Rückblenden über Interaktionen der Aliens auf der Erde von der Antike bis ca. 1950.

Neben der originellen Version von Technologie und Worldbuilding ist der zentrale Konflikt das wiederholte Ausbrechen des Helden aus ihm zugedachten Rollen.

Später begegnet er einer Gefährtin, die ebenfalls aus ihrer Rolle ausbricht. Im Gegensatz zu ihm flieht sie aber nicht vor etwas, sondern hat ein klares Ziel im Leben.

Ich bin unschlüssig, ob ich die Geschichte linear mit Beginn der Kindheit des Helden erzählen soll oder ob ich besser mit der Fluch als junger Erwachsener auf das Raumschiff beginne und alles andere in Rückblenden erzähle.

Was spricht euch mehr an?

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u/sylentiuse — 2 days ago

Der Große Knall

Es war ein Sonntag, an dem meine Oma explodierte. Granatenhochzeit, sozusagen. Beinahe zumindest, wenn Opa seinen persönlichen Krieg gegen Lungenkrebs, den er gnadenlos mit Zigaretten bombardierte, nicht ein paar Monate zuvor verloren hätte. Das Lokal war gebucht, die Feier eingerichtet, und eine jahrzehntelange Tradition bekommt man sowieso nicht so einfach gestoppt. Und außerdem hatte Opa dem Leben bis zu seinem Abtritt eine Menge Reichtümer abgerungen. Also waren alle da.

Omas eigentliche Detonation wurde von einem Enkel ausgelöst. Nicht von mir, sondern von einem der vielen anderen. Vincent-Pascal, von seinen Eltern betont englisch ‘Vieh-Pieh’ gerufen. Für mich standen die Initialen VP eher für Vollpfosten. 

Mit seinen sechs Jahren war er unbehelligt von jeglicher Einflussnahme, damit die Entfaltung seiner Persönlichkeit nicht durch willkürliche Beschränkung künstlich beschnitten wird. Oder so ähnlich. Ich hörte schon lange nicht mehr hin, wenn seine Eltern ihren Nichterziehungsansatz wortreich begründeten, immer dann, wenn die Entfaltung der vollen pfostigen Persönlichkeit irgendwo irgendwem auf den Zeiger ging.

VP ließ sich an diesem Tag weder durch die liebevoll hergerichtete archaische Bastelecke inklusive Betreuung in der Entfaltung bremsen, noch durch das suchtbefriedigende Dopaminversprechen in Form des Fernsehers, vor dem sich weitere Enkel um die Controller einer Spielkonsole stritten. 

VP hatte seine Actionfigur in der Hand. Die Figur musste unglaublich wertvoll sein, so hässlich, wie sie war. Er hatte sie den ganzen Tag nicht aus den Fingern gelassen. Weder bei der Nahrungsaufnahme noch beim begleiteten Gang zur Toilette. Ich vermutete, er hatte sie unter höchstem Einsatz in einem Spielzeuggeschäft  erstritten und dabei das ganze Arsenal an Wutausbrüchen, Sich-auf-den-Boden-Werfen und Schreien zum Einsatz gebracht.

Die kakaobefleckte (hoffentlich!) Figur wurde unerbittlich über die Kante der Kaffeetafel geführt, bekämpfte dabei imaginäre Feinde und verursachte ein wildes Klappern und Scheppern des Geschirrs, begleitet von entsetztem Luftholen und erschreckten Ausrufen der Gäste, die zufällig in der Schneise des Angriffs saßen. Ein paar Plätze weiter startete gerade der nächste Durchlauf der elterlichen Erklärung zur Persönlichkeitsentfaltung, als VP durch eine Landung der Figur Omas Kuchenteller sozusagen in einen Aufschlagzünder verwandelte.

Oma war immer friedlich. Jahrzehntelang kannte man sie nur als den ruhenden Pol, der alles zusammenhielt. Im Nachhinein war sie wohl eher eine Weltkriegsbombe, die den Moment ihrer Detonation verpasst hatte. Für Jahrzehnte begraben unter häuslichen Familienritualen und sozialen Zwängen. Das Dahinscheiden von Opa eröffnete ihr nun völlig neue Möglichkeiten. 

Wie eine Bombe, die auf einer Baustelle völlig unerwartet durch einen Bagger freigelegt wird, war Oma plötzlich von allen einengenden Umständen befreit. Ihrer Entfaltung stand ebenfalls nichts mehr im Weg, es fehlte nur der richtige Impuls.

Die Actionfigur verursachte beim Aufschlag auf das Tortenstück einen beachtlichen Krater. Von der Einschlagstelle verteilten sich konditorierte Schrapnelle in alle Richtungen. Entsetztes Luftholen, erschreckte Ausrufe und die elterlichen Erklärungen erreichten Luftalarm-Pegel. 

Dann detonierte Oma.

„Ihr seid alle enterbt.“

Eine ruhige, sachliche Bemerkung mit einer Stimme, die jahrzehntelang jeden familiären Konflikt übertönt und die Parteien zu Waffenstillstandsverhandlungen gezwungen hatte. Sie hatte die Wucht einer Initialzündung, deren Schockwelle sich am Tisch in alle Richtungen ausbreitete.

„Enterbt… Enterbt?… ENTERBT!“

Die Schockwelle erfasste die nächsten Angehörigen und sorgte für Reaktionen über die kritische Masse vornehmer Zurückhaltung hinaus. Das Gemurmel wuchs zu lärmenden Stimmen. Onkel, Tanten, angeheirateter Anhang - alle sprachen durcheinander. Einige traten entsetzt einen Schritt zurück, andere stürzten auf Oma zu.

„Das kannst du nicht tun!“

„Das darfst du nicht!“

„Aber das ist unser Erbe!“

„Warum?!“

Die letzte Frage war die lauteste und die erste, auf die Oma reagierte.

Betont langsam schob sie den Teller mit der malträtierten Torte ein Stück zurück.

„In all den Jahren mit eurem Vater, eurem Großvater …“ Sie blickte in die Runde. „… ging es nie um mich. Immer ging es um ihn, um euch. Alle wollten nur haben, haben, haben. Tu dies, mach das, warum ist jenes noch nicht fertig … Und ich habe wirklich mein Bestes gegeben um für euch da zu sein. Und was ist der Dank?“

Das Schweigen nach der rhetorischen Frage wurde von einem scheppernden Geräusch unterbrochen. VP hatte das Kuchenbuffet entdeckt, setzte mit der Actionfigur zur Reise zum Mittelpunkt der Torte an und sonnte sich dabei in dem Moment alleiniger Aufmerksamkeit..

Oma wischte sich einen Kuchentrümmer von der Bluse, der von seinem ersten Angriff übrig geblieben war. Die Geste beantwortete ihre Frage endgültig.

„Aber – aber – aber …“ schnappatmte die Mutter des Balges. „Er ist doch noch ein Kind!“

„Ja“, knurrte Oma, in einem Tonfall, der an das Durchladen einer Schrotflinte erinnerte. „Ein Kind, dem nichts beigebracht wurde. Wenn ihr ihm keine Werte vermittelt, wie wollt ihr dann mit den Werten umgehen, die ich euch vererben soll?“

Kritik an der Erziehung vom VP! Unerhört! Die Mutter schnappte erneut nach Luft, an der Grenze zur Hyperventilation.

Ein anderer Teil der Familie hatte offenbar verstanden, dass dieser Ast soeben vom Stammbaum weggesprengt worden war und bemühte sich, den freien Platz zu annektieren.

„Unsere Kinder sind erzogen“, ertönte es süffisant von der anderen Seite der Tafel.

Oma blickte kurz in Richtung des Sprösslings nebst Anhang und nickte dann langsam.

„Oh ja, das glaube ich gern. Ich wette, ihr habt bereits überschlagen, welchen höheren Anteil ihr erhaltet, wenn andere Teile der Familie leer ausgehen. Doch ihr täuscht euch. Ich sehe keinen Grund, eure Raffgier zu unterstützen. Ihr alle!“

Sie richtete sich an die gesamte Verwandtschaft.

„Euch allen geht es gut. Ihr habt alle mehr als das, was ihr braucht. Und trotzdem habt ihr alles von mir gefordert. Oma war immer da, Oma hat sich immer gekümmert. Aber heute hat Oma genug. Ich werde mich auf Kreuzfahrt begeben – auf unbestimmte Zeit.“

„Verrückt… unzurechnungsfähig… dement… !“ zischte es in den hinteren Reihen.

Ich erkannte die Stimme. Heidi, die Gattin eines anderen Sprösslings. Wie immer verspritzte sie ihr Gift heimtückisch wie bei einem hinterhältigen Gasangriff.

Oma ergriff sofort Gegenmaßnahmen.

“Damit habe ich gerechnet“, unterband sie jeden weiteren Vorstoß und förderte aus ihrer Tasche einen Stapel Umschläge zutage. Einen für jeden Zweig der Familie.

„Ich bin im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Hier steht alles drin, was ihr wissen müsst.“

Die Nächststehenden stürzten sich auf die Papiere, weitere eilten von hinten herbei. Es bildeten sich Grüppchen und Diskussionen, Anrufe wurden getätigt.

Nur Oma wurde nicht weiter behelligt.

Sie griff nach ihrer Tasche, ließ ihren Blick noch einmal durch den Raum schweifen, schüttelte traurig den Kopf und ging zum Ausgang.

Ich wartete einen Moment, dann nahm ich den anderen Ausgang, ging zum Parkplatz und holte den Wagen. Am Eingang des Hotels wartete Oma bereits und stieg ein.

„Kreuzfahrt? Ich dachte zum Flughafen…” sagte ich mit Blick in den Rückspiegel.

„Ja, natürlich. Nach dem großen Knall lasse ich mich nicht so schnell an einem Fähranleger blicken.“ Sie seufzte, streckte den Arm über die Lehne aus und klopfte mir auf die Schulter. „Ich bin so froh, dass wenigstens aus einem Enkel etwas Anständiges geworden ist. Danke, dass du mich begleitest.“

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u/sylentiuse — 19 days ago

Hallo,

ich suche für (W40+) als Urlaubslektüre ein spannendes Buch.

Lieblingsbücher sind Romane von Michael Crichton, vor allem "Jurassic Park" und "Timeline". Gern gelesen: Jules Verne, historische Expeditionen (Norpol) usw. "Der Schwarm" war grenzwertig weil zu viel Gelaber.

Gesucht wird:
- Spannung / Thriller
- plausible Handlung
- gerne technisch, wenn im Buch für Laien verständlich erklärt
- "Kampf" gegen Katastrophen / Ereignisse

Geht nicht:
- Fantasy / Magie aller Art
- "Kampf" zwischen Menschen
- Love, Romance, Politik, Mafia, Crime, Verschwörung (darf in Spuren vorhanden sein)
- schlechter Plot (egal ob KI und/oder Mensch)
- offenes Ende

Ich würde mich sehr über Vorschläge für Bücher und Autoren freuen.

Edit: Danke für die bisherigen Vorschläge. "Richtige" SciFi kommt leider auch nicht gut an. Andy Weir - Hail Mary werde ich selber lesen, für sie ist es too much.

In der engeren Auswahl stehen:

Thilo Winter - Der Riss / Der Stich
Steve Watson - ich.darf.nicht.schlafen

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u/sylentiuse — 4 months ago