u/terribubblejill

Demokratie funktioniert nicht in einer dummen Gesellschaft

Demokratie funktioniert nicht in einer dummen Gesellschaft

Ich weiß, dass es vielleicht zu kurz gedacht ist, man müsste erst mal definieren, was dumm ist und was nicht, denn auch Menschen mit hohem IQ können unmoralisch handeln und der Gesellschaft damit schaden, also mit dumm meine ich in erster Linie die fehlende Bereitschaft, sich persönlich zu bilden und weiterzuentwickeln. Das ist m.M.n. die Grundlage für soziales Miteinander.

Mit dem Erstarken des Rechtspopulismus ist mir irgendwie klar geworden, dass Demokratie nur funktionieren kann, wenn sie auch von allen gewünscht ist. Wer sich Demokratie hingegen nicht wünscht und stattdessen einer Diktatur in die Hände läuft ist halt entweder korrupt, übel gebrainwashed, schlecht informiert, oder einfach nicht in der Lage, komplexere gesellschaftliche Zusammenhänge kognitiv zu erfassen. Sie suchen nach einfachen Lösungen, die es in einer Demokratie eben nicht gibt. Weil sie aber das Problem erst gar nicht verstehen können, verteufeln sie alles und jeden, der sich damit differenziert auseinandersetzen möchte. Und das schlimmste ist, wenn sie dann so tun als würden sie mitdiskutieren können, nur in ihrem kleinen Sichtfeld argumentieren und so auf ihrer undifferenzierten Meinung bestehen, dass sie am Ende nur wütend werden wenn ihre kleine Meinung leicht widerlegt werden kann. Und dann werden sie gewalttätig und wollen die Leute mundtot machen, die ihre kleine Meinung leicht widerlegen können.

Ich finde für eine funktionierende Gesellschaft muss man gute Regeln für Konfliktbewältigung haben, Vertrauen in die Institutionen die diese Regeln durchsetzen, Zugang zu verlässlichen Informationen, die Bereitschaft den anderen als gleichwertig anzuerkennen und eine politische Kultur, in der man Niederlagen auch akzeptiert ohne das ganze System zerstören zu wollen. Irgendwie ist das grad alles auf der Kippe und ich kann nicht so ganz greifen, wann der Punkt erreicht war, dass auf einmal alle wieder Deutschland 1933 haben wollen. Sind schon wieder 100 Jahre rum wiederholt sich der ganze Kack, als könnte man wirklich einfach nichts dagegen machen dass sich das immer wiederholt.

Edit: Offenbar kam mein Post teilweise so rüber, als würde ich pauschal „rechte Menschen“ oder Menschen mit anderer politischer Meinung als dumm bezeichnen. Das war nicht mein eigentlicher Punkt. (Auch wenn es dafür Belege gibt)

Mit „dumm“ meinte ich eher die fehlende Bereitschaft zur kritischen Selbstreflexion, Medienkompetenz und dazu, die eigene Meinung anhand neuer Informationen zu hinterfragen – unabhängig vom politischen Lager. Natürlich können auch akademisch gebildete oder intelligente Menschen irrational, manipulativ oder demokratiefeindlich handeln.

Mir geht es vor allem um die Frage, wie Demokratie funktionieren soll, wenn gemeinsame Grundlagen wie wissenschaftliche Standards, überprüfbare Fakten oder Vertrauen in demokratische Institutionen zunehmend abgelehnt werden und politische Debatten nur noch emotional oder identitär geführt werden. Dass viele Menschen andere Sorgen, Ängste und Prioritäten haben als ich, stelle ich dabei nicht infrage.

u/terribubblejill — 2 days ago