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apollo-news.net„Wie im Feudalismus“: EU-Kommission schaltet Klimaanlagen ab – aber nur für einfache Mitarbeiter
>Wegen der Hitzewelle hat die EU-Kommission in Teilen ihres Hauptquartiers die Klimaanlagen abgeschaltet. Allerdings nur in den unteren Etagen für die einfachen Mitarbeiter. In den oberen Stockwerken mit den Büros der Kommissare blieb die Kühlung in Betrieb.
>Eine vorübergehende Abschaltung der Klimaanlage im Hauptsitz der Europäischen Kommission hat unter Beamten und Mitarbeitern für Entrüstung gesorgt. Ausgerechnet während einer Hitzewelle mit Rekordtemperaturen wurden die Klimaanlagen im Brüsseler Berlaymont-Gebäude am Freitag in den unteren Stockwerken außer Betrieb genommen, während die oberen Ebenen weiterhin gekühlt wurden.
>Wie aus einer internen Mitteilung hervorgeht, über die Politico berichtete, erhielten die Beschäftigten gegen Mittag eine SMS mit dem Hinweis: „BERL – DRINGEND – Aufgrund extremer Wetterbedingungen muss die Klimaanlage in den Etagen 1 bis 7 für den Rest des Tages außer Betrieb genommen werden.“
>Das Berlaymont-Gebäude ist der Sitz der Europäischen Kommission und beherbergt die Büros von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, den übrigen 26 EU-Kommissaren sowie rund 3.000 Mitarbeitern. Von der Leyens Büro befindet sich im 13. Stockwerk; dort liegt auch ihr Dienstappartement. Die meisten Kommissare und ranghöheren Beamten arbeiten ebenfalls ab der achten Etage aufwärts.
>Dass die Klimaanlagen in den ersten sieben Etagen abgeschaltet, in den höheren jedoch weiterbetrieben wurden, sorgte bei den Mitarbeitern für erheblichen Unmut. Ein Beamter, der in einem der unteren Stockwerke arbeitet und gegenüber Politico anonym bleiben wollte, zog einen drastischen Vergleich.
>„Das ist wie im Feudalismus“, sagte er. Er bezog sich dabei ausdrücklich darauf, dass die Kommissare in den oberen Etagen ihre Klimaanlagen weiter nutzen konnten, während die Kühlung in den unteren Stockwerken abgeschaltet wurde. Ein zweiter Mitarbeiter schloss sich der Kritik an und bezeichnete die Situation als „Schande“.
>Selbst in den weiterhin gekühlten Bereichen waren die Temperaturen offenbar hoch. Ein Mitarbeiter aus dem achten Stock berichtete Politico, dass im Gebäude trotz funktionierender Klimaanlage noch immer 25,7 Grad Celsius gemessen worden seien.
>Hintergrund der Maßnahme ist die sommerliche Hitzewelle, die Belgien und weite Teile Europas seit Tagen erfasst. Die Europäische Kommission hatte ihren Beschäftigten bereits zuvor Verhaltenshinweise übermittelt. Darin wurden die Mitarbeiter unter anderem aufgefordert, direkte Sonneneinstrahlung während der heißesten Tageszeiten zu vermeiden, ausreichend Wasser zu trinken und gegebenenfalls früher mit der Arbeit zu beginnen.
>Diese Empfehlungen hatten allerdings bereits zuvor für Verärgerung gesorgt. Beschäftigte aus Gebäuden ohne Klimaanlage sollen die Hinweise demnach als wenig hilfreich kritisiert haben. Besonders Mitarbeiter der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung hätten ihrem Unmut in internen Mitteilungen Luft gemacht.
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tagesschau.deStalin, Mao, Antisemitismus: Was in der Linksjugend sagbar ist
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Funktionäre und Vorstandsmitglieder der Linksjugend inszenieren Stalin, Mao und die DDR als Vorbilder. In einem internen Forum und in Chats verbreiten sie zudem antisemitische Parolen. Das zeigen BR-Recherchen.
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Zwei Personen halten eine Flagge in der Hand, darauf das Staatswappen der DDR, mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz. Sie stehen in einer Gruppe von rund 30 jungen Menschen, viele von ihnen haben Palästinensertücher um den Hals gelegt. Einige halten die geballte Faust in die Kamera. Das Foto ist beim Bundeskongress der Jugendorganisation der Linkspartei im April entstanden.
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Recherchen des Bayerischen Rundfunks (BR) zeigen, dass Funktionäre der Linksjugend Josef Stalin, Mao Zedong und die DDR verherrlichen. Zugleich verbreiten Amtsträger der anerkannten Jugendorganisation der Partei Die Linke antisemitische Aussagen und verharmlosen die Terrormiliz Hamas. Das belegen Posts in Sozialen Netzwerken, Veranstaltungsfotos, Beiträge in Chatgruppen sowie im internen Forum der Linksjugend, in das BR Recherche exklusiv Einblick nehmen konnte.
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Die Linksjugend verzeichnet starken Mitgliederzuwachs; seit 2024 hat sich ihre Mitgliederzahl fast verdoppelt. Derzeit zählt sie rund 14.300 Mitglieder. Beim Bundeskongress wählte sie 30 Delegierte für den Bundesparteitag der Linken, der an diesem Wochenende in Potsdam stattfindet. Bei dem Linksjugend-Bundeskongress hing die Flagge mit dem DDR-Staatswappen an der Wand. Nach BR-Informationen schritten weder Tagungsleitung noch Bundesvorstand ein.
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#Stalin, Mao und die DDR als Bezugspunkte
Eine wichtige Rolle spielt der Bundesarbeitskreis "Agitationspropaganda", kurz BAK Agitprop. Auf der Linksjugend-Website stand bis vor Kurzem, der BAK wolle die Jugend "radikalisieren". Auf Instagram verbreitet er Bilder von Stalin, Mao und Erich Honecker und verortet sich in der "Tradition realsozialistischer Staaten wie der DDR". Im Arbeitskreis sind zu dem Zeitpunkt Funktionäre aus mehreren Landesvorständen aktiv.
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Etwa Finn P., Landessprecher der Linksjugend Hamburg, der im Verbandsforum schreibt: "Lang Lebe Stalin!" und "Lang Lebe Honecker!". Nila K., Landessprecherin der Linksjugend Baden-Württemberg, ist nach BR-Recherchen Mitgründerin des BAK Agitprop und gehört zur Leitung des sogenannten Zentralkomitees des Arbeitskreises. Im internen Forum nennt K. den Arbeitskreis "stalinistisch".
Nach BR-Anfragen an Linksjugend, Funktionäre und BAK Agitprop löst sich der Arbeitskreis am 1. Juni auf. Auf Instagram löschte er alle Posts.
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#"Die Revolution fordert Opfer"
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Einen Tag nach der Auflösung des BAK Agitprop antwortet dessen "Zentralkomitee" dem BR ausführlich. Es schreibt, Stalin habe die "Modernisierung vorangebracht" und "Kapitalisten bestraft". Es habe auch Fehler gegeben, "aber es war eben noch die Übergangsstufe des Sozialismus". Zu Stalins totalitärer Herrschaft und den Gulags erklärt der BAK Agitprop, er wolle sich auf die positiven Seiten des "Realsozialismus" beziehen. Über Mao schreibt das Zentralkomitee, er habe viele Seiten gehabt; bei der "Organisierung der Klasse" könne man von ihm lernen.
Zu inhaftierten Oppositionellen und Mauertoten in der DDR erklärt der Arbeitskreis: "Die Revolution fordert Opfer." Der Politikwissenschaftler Lars Rensmann von der Universität Passau sagt: "Wer Mao und Stalin als Heroen einer Linken hochhält, tritt für autoritäre Diktatur und Massenverbrechen ein."
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#FDJ-Fahnen und DDR-Erbe
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Der Bundesvorstand der Linksjugend besteht nach BR-Informationen ausschließlich aus Mitgliedern eines weiteren Bundesarbeitskreises, dem BAK Klassenkampf; Bundessprecher Limes Schäfer gehört zur Leitung. Auch dieser Arbeitskreis bezieht sich auf Instagram positiv auf die DDR. Zum früheren DDR-Nationalfeiertag schreibt der BAK Klassenkampf: "Die DDR ist Teil unseres Erbes und dieses lassen wir uns nicht wegnehmen." Und weiter: "Was einst funktionierte, kann auch wieder erfolgreich sein."
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Im Mai postet Bundessprecherin Selina Pfister auf Instagram ein Foto mit Symbolen der Freien Deutschen Jugend (FDJ), dem DDR-Jugendverband. "FDJ-Fahnen für die Tradition", schreibt sie, "wir knüpfen an eine Tradition an, die heute relevanter ist denn je". Auf Anfrage teilt der Bundesvorstand der Linksjugend mit, der Post stelle "einen Ausschnitt ethnographischer Beobachtungen" aus ihrem Studium dar.
Weiter schreibt die Linksjugend, sie lehne die DDR wegen fehlender Demokratie, Grundrechtseinschränkungen und Repression ab. DDR-Symbole bewerte sie kritisch. Sie distanziere sich zudem von "stalinistischen und maoistischen Gruppen sowie deren Ideologien". Der Bundesvorstand werde die Sachverhalte intern prüfen. Nach den BR-Anfragen löschten Linksjugend-Mitglieder mehrere Beiträge und stellten Instagram-Konten auf privat.
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#Linksjugend auf Demo des Palästinensischen Nationalkomitees
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Die Recherchen zeigen zudem, wie sehr sich die Linksjugend in der Debatte um den Nahostkonflikt radikalisiert hat. Im Mai nahmen etwa ein Dutzend Mitglieder der Linksjugend an einer propalästinensischen Demonstration in Berlin teil.
Die Kundgebung wurde vom Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee organisiert - einer Gruppe, in der sich laut Verfassungsschutz auch Anhänger der islamistischen Terrororganisation Hamas organisieren. Unter den Teilnehmern war Jimi H., Landessprecher der Linksjugend Berlin, mit Cap des BAK Klassenkampf.
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Auf Fragen der BR-Reporter will er vor Ort nicht antworten. Auch andere Vorstandsmitglieder der Linksjugend Berlin geben kein Interview. Im internen Forum schreibt H. über das Palästinensische Nationalkomitee, es sei entgegen der Einschätzung des Verfassungsschutzes "weder islamistisch, noch Hamas-nah noch irgendetwas anderes".
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BR-Recherchen zeigen zudem, dass Limes Schäfer, Bundessprecher der Linksjugend, den islamistischen Charakter der Terrororganisation infrage stellt. Im März dieses Jahres schreibt er in einer internen Chatgruppe, es sei "wirklich peinlich", die Hamas "einfach als islamistisch abzustempeln".
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Der Politikwissenschaftler Lars Rensmann von der Universität Passau widerspricht dieser Darstellung. Die Hamas sei eine antisemitische und islamistische Organisation. Das infrage zu stellen, drücke den Willen aus, sie zu verharmlosen. Linksjugend-Bundessprecher Schäfer ließ eine BR-Anfrage unbeantwortet.
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#Politikwissenschaftler: "Variation des NS-Antisemitismus"
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Im Herbst vergangenen Jahres hat der Bundeskongress der Linksjugend einen Beschluss zur Situation im Nahen Osten verabschiedet. Der Beschluss verurteilt einen angeblichen "kolonialen und rassistischen Charakter des israelischen Staatsprojekts". Der Beschluss wurde unter anderem von den Vorsitzenden der Linkspartei als einseitig kritisiert.
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Äußerungen von Amtsträgern im internen Forum gehen weiter als der Beschluss. So schreibt etwa Lucas H., Landessprecher in Rheinland-Pfalz, es gebe über 10.000 Palästinenser "in israelischen Konzentrationslagern". Israel gefährde Juden weltweit, schreibt H., indem es "einen Genozid 'im Namen des Judentums' unter der Flagge des Davidsterns begehe". In einem weiteren Forumseintrag postet er die Darstellung einer israelischen Flagge in Flammen. Daneben steht: "Israel verrecke!"
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Politikprofessor Rensmann erinnert "Israel verrecke" an den nationalsozialistischen Spruch "Juda verrecke". Das sei "eine Variation des NS-Antisemitismus" und "aggressiv antisemitisch". Rensmann bezeichnet die Rede von israelischen Konzentrationslagern als "Teil eines Holocaust-relativierenden Diskurses". Linksjugend-Landessprecher Lucas H. äußert sich auf Anfrage nicht.
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#Linksjugend: "Einzelne Zuspitzungen"
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Der Bundesvorstand der Linksjugend schreibt auf BR-Anfrage, er lehne jede Form von Antisemitismus und jegliche Art von Gewaltaufrufen ab. "Einzelne Zuspitzungen oder polemische Verkürzungen" in internen Debatten seien nicht mit der offiziellen Beschlusslage gleichzusetzen.
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Janis Ehling, Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, sagt auf Anfrage, die Partei habe nun das Gespräch mit dem Jugendverband gesucht und nehme das Problem ernst: "Wir haben da ein Auge drauf und schauen, wie es sich entwickelt."
Angeblicher Gewaltaufruf von Musk: ZDF gibt Unterlassungserklärung ab und kürzt Anmoderation - Apollo News
apollo-news.netBSW vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: "Bürgerregierung" statt Brandmauer?
>#Der Ministerpräsident? Überparteilich. Neue Gesetze? Mit wechselnden Mehrheiten. Das BSW schlägt für Sachsen-Anhalt eine "Bürgerregierung" vor. Doch dafür müsste es die Partei erstmal in den Landtag schaffen.
>Noch sieht es schlecht aus für das Bündnis Sahra Wagenknecht: Mit den vier Prozent der jüngsten Umfrage zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September würde der Einzug in den vierten ostdeutschen Landtag scheitern.
>Was soll die Wählerschaft überzeugen? "Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir die einzige konsequente Friedenspartei sind. Dazu gehört, dass wir mit allen reden und keine Wähler ausgrenzen", sagt die Historikerin und BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig.
>Eine Linie, mit der Parteigründerin und Noch-Namensgeberin Sahra Wagenknecht immer wieder für Schlagzeilen sorgt: Die sogenannte Brandmauer zur AfD sei "idiotisch" und "gescheitert", außerdem grenze sie die wachsende Zahl der AfD-Wähler aus. BSW-Parteichefin Amira Mohamed Ali spricht von "Brandmauer-Parteien". In Sachsen-Anhalt habe der amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze keine Mehrheit, viele Menschen wünschten sich Veränderung, und die AfD gehe in Umfragen Richtung absolute Mehrheit.
>Was nun? BSW-Chefin Mohamed Ali sagt, das Bündnis stehe nach der Wahl in Sachsen-Anhalt nicht als Mehrheitsbeschaffer für einen Ministerpräsidenten Sven Schulze von der CDU zur Verfügung, nur um eine AfD-Regierung zu verhindern. Aber auch AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund könne nicht mit Stimmen des BSW rechnen.
>#Regieren mit wechselnden Mehrheiten?
>Als "kreative Idee gegen die politische Blockade" sieht die BSW-Spitzenkandidatin Wittig eine sogenannte Bürgerregierung. Unterschied zur klassischen Koalitionsregierung: Aushandlung in der Sache, konkrete Gesetze werden mit wechselnden Mehrheiten verabschiedet. An der Spitze stünde laut Wittig kein parteipolitischer Ministerpräsident, sondern: "Wir wählen im Landtag einen überparteilichen Ministerpräsidenten, auf den sich alle Parteien in einem Dialogprozess einigen. Dieser Ministerpräsident stellt dann ein Kabinett zusammen, in dem es überwiegend um Kompetenz und Expertise geht."
>Der neue Ministerpräsident: eine allseits anerkannte Persönlichkeit, im Idealfall aus Sachsen-Anhalt, aus dem Osten sollte er auf jeden Fall kommen. Einen Namen wollte keiner der befragten BSW-Politiker nennen. Einerseits, weil der dann "verbrannt" sei, als BSW-Kandidat für die anderen unwählbar. Andererseits gilt es, eine allseits geachtete Persönlichkeit zu finden, mit der alle Parteien im Landtag gut leben können.
>#"Ich habe Zweifel, ob die dafür zu begeistern sind"
>Aber ganz abgesehen von Unvereinbarkeitsbeschlüssen hat jede Partei ihre roten Linien. Auf wen sollen sich CDU, Linke, BSW und die AfD einigen? Das BSW wird sich wohl für ein Lager entscheiden müssen, vermutet Politikwissenschaftler Benjamin Höhne von der TU Chemnitz: "In Richtung parteipolitisch organisierter Rechtsextremismus, sprich AfD, oder Richtung demokratische Parteien", so Höhne. Bei der AfD wäre es ausreichend, eine Minderheitsregierung zu unterstützen. "Geht's in die Richtung der anderen Parteien, habe ich Zweifel, ob die dafür zu begeistern sind. Denn auch ein Experten-Ministerpräsident würde ohne politische Unterstützung schnell zur lahmen Ente."
>Skeptisch mach Politikwissenschaftler Höhne, dass sich das BSW - wie auch die AfD - als Anti-Mainstream-Partei positioniere, die den anderen Parteien mit einer Portion Populismus unterstellten, abgehoben zu sein, nur an sich selbst zu denken und nicht fähig zu durchgreifenden Entscheidungen. Wie soll da die "Bürgerregierung" funktionieren?
>#Chrupalla strebt absolute Mehrheit für die AfD an
>Auf der anderen Seite: Selbst wenn das BSW in Sachsen-Anhalt ohne Brandmauer bereit wäre zur punktuellen Zusammenarbeit mit der AfD, müsste die natürlich mitspielen. Aber sucht die künftig absehbar stärkste politische Kraft in Sachsen-Anhalt überhaupt die Kooperation? Parteichef Tino Chrupalla klang am Montag anders: "Warten wir erstmal die Wahl ab und ob das BSW überhaupt in den Landtag einzieht und ein Mitspracherecht hat. Wir sind ohnehin auf die absolute Mehrheit ohne Koalitionspartner fokussiert."
>Dem hält die BSW-Spitzenkandidatin entgegen, dass die AfD zwar gerade auf einer Welle oben schwimme, aber der Höhenflug werde nicht bis zum Wahltag halten. "Insbesondere wenn den Menschen klar wird, was eine AfD-Alleinregierung bedeutet."
>#Ein Modell, das Schule machen könnte?
>Ein Grundinteresse an der Idee der "Bürgerregierung" hat das BSW festgestellt im Bundesland. Und weil auch auf Bundesebene Unzufriedenheit herrsche mit dem status quo, hofft Spitzenkandidatin Wittig auf Strahlkraft, dass das Modell Sachsen-Anhalt Schule machen könne.
>Politikwissenschaftler Höhne sieht es deutlich nüchterner. Dem BSW gehe es nicht in erster Linie um neue Regierungskonzepte und die Auflösung politischer Blockaden. Sondern darum, "überhaupt in die Medien zu kommen. Sich als Zünglein an der Waage zu präsentieren, um die Chancen zu steigern, überhaupt die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen". Denn auch in Sachsen-Anhalt führe das Bündnis Sahra Wagenknecht letztlich einen Überlebenskampf.
Große Rohstoffvorkommen in Europa - und doch kein Abbau?
>#Große Vorkommen in Europa - und doch kein Abbau?
>Antimon ist einer der wichtigsten Rohstoffe für die Rüstungsindustrie. Den Abbau dominieren Russland und China. Europa könnte den Rohstoff selbst fördern, vor allem in der Slowakei. Doch dies wurde plötzlich gestoppt.
>Der Eingang zur Mine Trojarova war bis vor Kurzem noch frei zugänglich. Der verlassene Stollen galt als beliebtes Ausflugsziel in den Kleinen Karpaten. Die bewaldete Hügelkette liegt nur ein paar Kilometer nordöstlich der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Doch seit einigen Monaten ist alles abgeriegelt.
>Der kanadische Bergbaukonzern Military Metals will hier Gold abbauen - und besonders Antimon. Das silbrig glänzende Halbmetall ist sehr selten, aber essentiell für die Produktion von Batterien, Halbleitern oder Waffen. So wird es etwa zum Härten von Munition, für Präzisionswaffen oder für Wärmebildkameras benötigt.
>#Größtes Vorkommen in der EU
>Nach Probebohrungen sprach Military Metals im April vom größten Antimon-Vorkommen in der ganzen EU. Von 67.000 Tonnen ist die Rede oder von bis zu einem Drittel des jährlichen Antimon-Verbrauchs der EU. "Im vergangenen Jahr ist der Antimon-Preis um 200 Prozent gestiegen. Das heißt, der Wert des Antimons liegt bei rund zwei Milliarden US-Dollar", erklärt Martin Lendik, Bürgermeister der angrenzenden Gemeinde Pernek.
>Die Antimon-Mine Trojarova wurde in den 1980er-Jahren erkundet, aber nach der politischen Wende Mitte der 1990er-Jahre stillgelegt. In der Region wünschen sich viele, dass das auch so bleibt.
>#Sorge vor Umweltverschmutzung
>"Das abgebaute Gestein muss zermahlen werden. Für Investoren sind Antimon und Gold interessant, aber darin sind auch Quecksilber und Arsen enthalten, also Metalle, die unseren Lebensraum zerstören können", sagt Roman Macs, Bürgermeister von Pezinok. Die frühere Bergbaugegend kämpft noch mit Umweltbelastungen aus dem jahrhundertelangen Abbau von Gold, Pyrit und Eisenerz. Dazu kommen nun Sorgen vor neuen Verschmutzungen des Bodens und des Grundwassers.
>Die Kleinen Karpaten locken im Winter mit Skipisten, im Sommer mit Wanderwegen. Das romantische Gebirge ist außerdem die wichtigste Weinbauregion der Slowakei. 3.000 Anwohner unterzeichneten eine Petition, die Bezirkshauptstadt Pezinok geht den Rechtsweg.
>Michal Lukac, Sprecher von Pezinok, erklärt: "Wir haben den begründeten Verdacht, dass die Erkundungsarbeiten nicht im angegebenen Umfang ausgeführt wurden. Daher haben wir Beschwerden bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereicht. Wir fordern das Aussetzen der Arbeiten und eine transparente Überprüfung." Ehemalige Bergleute, die mit neuen Arbeitsplätzen werben, werden kaum gehört.
>#EU will unabhängiger von China und Russland werden
>Die Slowakei hatte das Antimon-Projekt vor zwei Jahren in ihre Erkundungsliste kritischer Rohstoffe aufgenommen und der EU-Kommission gemeldet. Im Juni wollte Military Metals eigentlich eine Machbarkeitsstudie beginnen.
>Doch nun gab Umweltminister Tomas Taraba dem öffentlichen Druck nach und entzog dem Unternehmen unerwartet die Explorationslizenz: "Ich komme selbst aus Pezinok. Ich habe kein Interesse daran, dass dort Antimon abgebaut wird." Offiziell heißt es, das öffentliche Interesse müsse geschützt werden.
>Das Antimon-Unternehmen bereitet eine Berufung vor. Es hält den Stopp des Projekts für unbegründet und für unvereinbar mit der Rohstoffstrategie der Europäischen Union.
>Die EU will endlich unabhängiger von Ländern wie China und Russland werden. China kontrolliert mehr als 70 Prozent der Antimon-Produktion und beschränkt seit zwei Jahren den Export. Seitdem sind die Preis explodiert. Das Hin und Her der Slowakei beschädige jedoch den Ruf des Landes als Investitionsstandort ebenso wie die Glaubwürdigkeit Europas, so Military Metals.
>#Rohstoffabbau soll beschleunigt werden
>Das slowakische Wirtschaftsministerium plant derzeit, den Abbau von Rohstoffen zu beschleunigen und Verfahren zu vereinfachen. Doch das Umweltministerium wird von einer rechten Kleinpartei kontrolliert, die auf eine destruktive Politik setzt und sich darüber hinaus mit ihrem Minister streitet.
>In der Slowakei gibt es noch ein weiteres großes Antimon-Vorkommen im Südosten des Landes. Auch dies ist eine ehemalige Bergbaubauregion mit alten Umweltbelastungen und neuen Sorgen. Umso wichtiger sei es, dass die beteiligten Akteure bessere Aufklärungsarbeit leisten, fordern Geowissenschaftler wie Peter Kodera von der Comenius-Universität in Bratislava.
>Er hält das Verbot der Erkundungsarbeiten für kurzsichtig: "Eine Erkundung ist noch keine Förderung. Die Kenntnis des eigenen Bodenschatzes sollte eine Priorität eines Landes sein." Besonders, wenn es sich um einen Rohstoff handelt, den die Welt zweifellos brauche.