u/Delamok87

Ende 30, Geld ist da aber keine Kraft - kündigen und 3 Monate mit dem Motorrad losfahren?

Moini ihr alle! (TL;DR: am Ende vom Text)

ich brauche mal ehrliche Einschätzungen von Menschen, die vielleicht schon ähnliches gemacht haben...

Ich bin ende 30, arbeite seit 15 Jahren quasi durchgehend in Vollzeit und habe eigentlich immer funktioniert. Urlaub gabs bei mir nur sporadisch. Viel Verantwortung in Leitungsfunktion übernommen und mittlerweile einen Tinnitus der am 08.06. ein Jahr alt wird... Ich arbeite im sozialen Bereich und merke langsam, dass ich emotional ziemlich leer bin. Nicht unbedingt depressiv, eher so: Ich funktioniere nur noch.

Ich habe ein vernünftiges Polster erspart und ein bisschen was angelegt. Keine Kinder, keine Immobilie, keine Verpflichtungen. Meine Partnerin zieht nächsten Monat aus und ich denke das es da mit uns zu ende geht. Das war aber geplant und ist okay so.

Seit "Jahren" denke ich immer wieder denselben Gedanken:

„Was wäre, wenn ich einfach mal für drei Monate ausbreche. Was zum Donnerwetter machst Du hier eigentlich? Pack Dein Motorrad und fahr los...LEBE“

Der Plan wäre tatsächlich, einfach mit meinem Motorrad loszufahren. Kein Luxusurlaub, eher spontan reisen, Natur, neue Menschen, Abstand bekommen, wieder etwas spüren. Vielleicht campen, vielleicht günstige Unterkünfte. Grobes Ziel ist Indien.

Meine Wohnung könnte ich währenddessen ziemlich problemlos untervermieten, weil in meiner Stadt extremer Wohnungsmangel herrscht. Das würde die laufenden Kosten natürlich massiv reduzieren.

Trotzdem habe ich brutal Respekt davor:

  • sicheren Job aufgeben?
  • danach nichts Neues finden..
  • finanziell Mist bauen 😃
  • feststellen, dass ich nur vor meinem Leben weglaufe? Tue ich das?
  • unvernünftig handeln...
  • welche Kosten unbedingt im Auge behalten?!

Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl:
Wenn ich jetzt nichts ändere, mache ich einfach die nächsten 10 Jahre genauso weiter. Arbeiten, Verantwortung tragen, funktionieren, älter werden. Jeden Abend liege ich im Bett und diese Frage kommt auf "Was mache ich hier eigentlich?!".

Und nochmal: Ich habe einen tollen Job, ich mag meinen Job, aber das kann doch nicht alles sein?

Ich frage mich halt auch, ob es noch andere Möglichkeit(en) gibt außer zu kündigen? Vielleicht hat ja jemand noch eine Idee?

  • Sabbatical?
  • unbezahlter Urlaub?
  • Stunden reduzieren? (Wobei das nicht wirklich sinn macht, kann ich ja nicht reisen 😃)
  • längere Auszeit vereinbaren? Wenn ja, wie?
  • einfach ehrlich mit dem Arbeitgeber sprechen? Und villeicht eben doch mal kündigen und abschließen mit einem Kapitel?

Rein finanziell müsste ich mit meiner Kohle locker auskommen und untervermieteter Wohnung eigentlich 3 Monate ziemlich problemlos überleben. Muss ich da was besonders beachten?

Hat jemand von euch sowas schon gemacht?

Einfach mit Motorrad/Rucksack los und mal Abstand gewonnen?

War das eine der besten Entscheidungen eures Lebens oder eher eine romantisierte Fluchtfantasie?

Bin wirklich für ehrliche Perspektiven dankbar.

TL;DR:
Ende 30, seit Jahren quasi nur am Arbeiten und emotional komplett leer vom ständigen Funktionieren. Habe eine gute finanzielle Reserve, könnte meine Wohnung problemlos untervermieten und überlege, mit dem Motorrad für 3 Monate einfach loszufahren. Habe Respekt vor der Unsicherheit und davor, etwas „Dummes“ zu tun, aber gleichzeitig das Gefühl, dass ich sonst einfach die nächsten Jahre genauso weitermache. Frage mich, ob Sabbatical/unbezahlter Urlaub realistischer wäre und ob andere mit so einer Auszeit gute Erfahrungen gemacht haben.

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u/Delamok87 — 6 days ago

Bevor das hier in die falsche Richtung geht:
Ich will weder Menschen diffamieren noch den Kündigungsschutz grundsätzlich angreifen. Ich halte ihn für extrem wichtig gerade bei Krankheit, Krisen oder in unsicheren Lebensphasen.

Aber in der Praxis, vor allem im sozialen Bereich, sehe ich eine Seite über die kaum offen gesprochen wird.

In kleinen Teams zum Beispiel mit acht Personen reichen ein oder zwei Mitarbeitende, die dauerhaft schlechte Arbeit leisten, sich entziehen, Stimmung ins Negative ziehen oder durch auffällige Krankheitsmuster immer wieder ausfallen und das ganze System gerät ins Wanken.

Formal ist oft alles korrekt.

Faktisch bedeutet es:
Die anderen im Team fangen es auf. Dauerhaft.

Und genau hier wird es schwierig.
Wir sprechen nicht über irgendein gewinnorientiertes Unternehmen sondern über den sozialen Sektor. Pflege, Betreuung, soziale Arbeit also Bereiche, in denen man nicht einfach Personal ersetzen kann, weil Stellenpläne und Finanzierung eng getaktet sind.

Das führt dazu, dass die Belastung im System bleibt und die engagierten Kolleginnen und Kollegen sie tragen.

Mir geht es nicht darum, Menschen etwas zu unterstellen.
Mir ist auch bewusst, dass viele Probleme strukturell sind, etwa schlechte Bezahlung, hohe Belastung oder Personalmangel.

Aber genau deshalb frage ich mich:
Welche Möglichkeiten brauchen Arbeitgeber in solchen Bereichen, um mit dauerhaften Schieflagen umzugehen ohne den Schutz für wirklich vulnerable Mitarbeitende zu untergraben?

Warum ist es so schwer, darüber offen zu sprechen ohne sofort moralisch abgekanzelt zu werden?

Ich habe das Gefühl, dass gerade Menschen aus der Pflege oder sozialen Arbeit sehr genau wissen, wovon ich spreche auch wenn man es selten laut sagt.

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u/Delamok87 — 24 days ago