u/Electronic_Cod_9193

Sinkendes Schiff verlassen?

Hallo ihr Lieben, mich würde mal interessieren, was ihr in meiner Situation machen würdet.

Ich bin seit 5 Jahren bei meinem aktuellen Arbeitgeber und extrem zufrieden. Mit Abstand die beste Stelle, die ich bisher hatte: Kollegen top, Chef top, Themen top. Eigentlich hab ich null Bock zu wechseln.

Das Problem: Der Firma geht es gerade wirtschaftlich unfassbar schlecht. Fast die Hälfte der Belegschaft soll gegangen werden. Mein Bereich ist aktuell nicht betroffen, weil wir im Vergleich noch ganz gut dastehen. Meine Abteilung entwickelt Software, wir sind aber nicht das eigentliche Kerngeschäft.

Dazu kommt, dass die Firma aus dem aktuellen Tarifvertrag aussteigt. In nächster Zeit ändert sich wohl einiges und keiner weiß so richtig, was das für bestehende Verträge bedeutet.

Für unseren Bereich gibts außerdem quasi eine Deadline bis August 2027. Bis dahin muss ein neues Produkt stehen und eine echte Perspektive haben, sonst siehts vermutlich auch für uns schlecht aus.

Ich selbst hab dafür einiges an Verantwortung bekommen. Wenn das Ding klappt, wäre das natürlich eine riesige Chance für mich. Wenn es scheitert, bin ich im spätestens nächsten August meinen Job los. Vielleicht zieht die GF aber auch vorher schon die Reißleine..

Meine aktuelle Strategie wäre, erstmal bleiben.
Wenn ich merke, dass es technisch schon nichts wird, schnellstmöglich abhauen. Das Problem ist nur, selbst wenn wir technisch liefern, heißt das ja noch lange nicht, dass der Markt das Produkt annimmt. Und wenn man das merkt, könnte es schon ziemlich spät sein.

Was mich zusätzlich nervös macht: Ich hab mit zwei Kollegen gesprochen, die beide noch wichtigere Rollen haben als ich und beide führen schon Gespräche mit anderen Unternehmen.
Ich hänge also zwischen „Warum eine Stelle verlassen, die ich eigentlich liebe?“ und „Nicht dass ich am Ende der letzte Idiot bin, der noch auf dem sinkenden Schiff sitzt.“
Was würdet ihr machen? Einige Beiträge hier und sonst im Netz machen den Eindruck, dass der Arbeitsmarkt in der IT aktuell auch nicht gerade das gelbe vom Ei ist und die Jobsuche entsprechend dauern kann.

reddit.com
u/Electronic_Cod_9193 — 20 hours ago

Vom Softwareentwickler immer mehr Richtung ??? gerutscht. Wie würdet ihr meine aktuelle Rolle einordnen?

Ich versuche gerade, meinen bisherigen Karriereweg einzuordnen und herauszufinden, in welche Richtung ich mich langfristig entwickeln möchte.

Kurz zu mir: B.Sc. Informatik, mittlerweile 6 Jahre Berufserfahrung.

2020–2022: Backend Entwickler in C# .NET

Einstieg als klassischer Softwareentwickler in einem kleinen Scrum-Team.

Der Einstieg fiel mir zunächst sehr schwer. Den switch von Studium in die Arbeitswelt hab ich am Anfang echt nicht gut gemeistert. Nach ungefähr einem Jahr hatte ich allerdings einen deutlichen Entwicklungssprung und war mit meiner fachlichen Entwicklung sehr zufrieden. Sowohl Team als auch Vorgesetzte waren sehr zufrieden mit mir und haben mir immer wichtigere Aufgaben gegeben. Fachlich hat mich das Thema aber so sehr gelangweilt, dass ich was neues brauchte.

2022–2025: Full-Stack-Entwickler im Industrieumfeld

Wechsel in ein Industrieunternehmen. Dort habe ich hauptsächlich an einem (für mich persönlich) komplexen, aber sehr interessanetem Projekt gearbeitet:

  • C++ im Backend (Multithreaded, Bildverarbeitung in echtzeit)
  • Vanilla JS/HTML/CSS im Frontend
  • gelegentlich Node.js für PoCs
  • relativ enge Hardwareanbindung

Sehr kleines Team, wenig formale Prozesse und entsprechend viel Eigenverantwortung.

Seit 2025: ursprünglich Backend Entwickler in Python. Inzwischen deutlich andere Rolle

Ich wurde intern von einer neu aufgebauten Abteilung abgeworben und wurde ursprünglich als Python Backend Developer eingeplant.

Python war für mich als Programmiersprache neu, ich bekam einige Monate zur Einarbeitung und habe anschließend erste Backend-Aufgaben übernommen. Aufgrund veränderter Produktprioritäten gab es in dem Projekt allerdings relativ schnell kaum noch Aufgaben, da die weiterentwicklung eingefroren wurde.

Seitdem hat sich meine Rolle zunehmend verändert.

Zunächst habe ich für ein anderes Backend eine CI/CD-Pipeline aufgebaut und daraus später ein modularisiertes und parametrisierbares Pipeline-Template für mehrere Repositories entwickelt.

Parallel entstand bei uns ein neues DevOps-Team. Dort habe ich unter anderem unsere historisch gewachsene Toollandschaft aus mehreren Quellcodeverwaltungssystem analysiert und eine Zielstrategie erarbeitet, wohin es in Zukunft gehen soll. Wir sind eine steinalte Bude (Industrieunternehmen in Deutschland halt) und wollen uns langsam aber sicher in Richtung Cloud bewegen.

Danach bin ich wieder stärker in ein Softwareprojekt eingestiegen.

Technisch war das Projekt grundsätzlich ordentlich aufgestellt, organisatorisch allerdings kaum:

  • veraltete Roadmaps
  • unklare Milestones
  • ungepflegtes Jira
  • abgeschlossene Tasks ohne übergeordneten Kontext
  • Sprints ohne vorbereiteten Scope
  • wenig Transparenz darüber, in welcher Reihenfolge ein Legacy-System in Richtung Microservice-Architektur weiterentwickelt werden soll

Ich habe daraufhin angeboten, für diesen Bereich mehr Verantwortung zu übernehmen. In den vergangenen Monaten habe ich unter anderem:

  • Jira und Confluence neu strukturiert
  • Milestones, Epics und Tasks neu geordnet
  • Business Outcomes stärker von technischer Umsetzung getrennt
  • Epic-/Scope-Plannings etabliert
  • Verantwortlichkeiten feste definiert
  • Roadmap und technischen Scope transparenter gemacht
  • versucht, einen Prozess aufzubauen, durch den das Entwicklerteam vorbereitet und strukturiert arbeiten kann

Wichtig dabei: Produktpriorisierung und Business-Entscheidungen treffe ich bewusst nicht selbst.

Ich sehe meine Aufgabe aktuell eher als Schnittstelle:

Ein gewünschtes Business Outcome so weit zu strukturieren und zu konkretisieren, dass daraus ein klarer Scope entsteht. Auf dieser Basis kann das Entwicklerteam anschließend die technische Lösung planen und umsetzen.

Gleichzeitig übernehme ich weiterhin technische Themen, aber eher im Bereich DevOps, CI/CD und Software Development Lifecycle.

Mein tatsächlicher Coding-Anteil ist dadurch mittlerweile allerdings sehr gering. Ich übernehme hier und da noch kleinere Tickets, bin aber mit Planung und anderem Kram auch so weit ausgelastet, dass größere Tickets bei mir nicht reinpassen.

Mein Einstieg in dieses Projekt ist vier Monate her. Als mein Chef mich in dieses Projekt reingebracht hat, hat er mir bewusst keine Vorgaben gegeben, an welchen Themen genau ich in dem Projekt arbeiten soll. Wir haben über meinen Einstieg gesprochen und alles was er gesagt hat war sinngemäß: "Bisher hast du an den Projekten an denen du Beteiligt warst, immer für positive Veränderungen gesorgt. Ich möchte sehen wie du dich hier in diesem Projekt schlägst". Ob er vorhergesehen hat, dass mir die Organisation in dem Projekt überhaupt nicht gefällt und ich daran arbeite oder einfach die Tickets umsetze, die mir gegeben werden und damit zufrieden bin, kann ich nicht einschätzen. Das Gefühl dafür hab ich aber schon. Mittlerweile beschäftige ich mich also wesentlich mehr mit Struktur, Planung und Delivery des Gesamtprojekts als mit einzelnen Entwicklungstasks.

Formell bin ich allerdings weiterhin einfach als Softwareentwickler angestellt. Mir machen meine aktuellen tätigkeiten sehr viel freude. Das möchte ich explizit noch erwähnen.

Ich frage mich deshalb aktuell:

  1. Wie würdet ihr meine heutige Rolle einordnen?
  2. Ist diese Entwicklung aus eurer Sicht karrieretechnisch sinnvoll? Oder besteht die Gefahr, zu einem „Mädchen für alles“ zu werden, das viel Verantwortung übernimmt, aber kein klares Profil entwickelt?
  3. Würdet ihr an diesem Punkt mit dem Vorgesetzten über ein offizielles Rollenprofil und einen konkreten Entwicklungspfad sprechen?
  4. Falls jemand Erfahrung mit IG Metall hat: Ich wurde ursprünglich als Entwickler in EG11 eingestellt und bin dort weiterhin, aktuell mit 12 % Leistungszulage. Ab welchem Punkt würdet ihr bei einer solchen Veränderung der tatsächlichen Aufgaben eine Neubewertung der Stelle ansprechen?

Mir geht es ausdrücklich nicht darum, mir möglichst schnell irgendeinen Lead-Titel zu geben.

Ich versuche hauptsächlich zu verstehen, was aus meiner ursprünglichen Entwicklerrolle inzwischen geworden ist und welchen Karriereweg ich daraus sinnvoll entwickeln könnte.

reddit.com
u/Electronic_Cod_9193 — 9 days ago