Ändere meine Meinung: Minijobs abzuschaffen wäre extrem schwierig umzusetzen (Barista FIRE)
Die Rentenkommission schreibt "Die Kommission empfiehlt, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse (Minijobs) ohne Opt-out-Möglichkeit in die GRV einzubeziehen und ihren steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus abzuschaffen." Ebenso Midijobs. Die FinanzKommission Gesundheit hat es weniger explizit gesagt, aber in eine ähnliche Richtung argumentiert ("keine Sonderlösungen"). Das hieße Renten- und Krankenkassenbeiträge ab dem 1. Euro.
Wie aber könnte man das konkret umsetzen?
Renten- und Krankenkassenbeiträge wirklich ab dem 1. Euro und prozentual vom Lohn. Das hieße aber jemand könnte 5 Stunden im Monat arbeiten gehen, 70 Euro verdienen und sich für 7 Euro im Monat krankenversichern - der Traum für alle, die Barista FIRE anstreben.
Um das zu verhindern gibt es einen Mindestbeitrag von 200 Euro - ähnlich wie bei den freiwillig Versicherten. Das hieße aber für Familienversicherte wäre es völlig unattraktiv Arbeit aufzunehmen. Dies läuft auch den formulierten Zielen der Kommissionen konkret entgegen. Es würde darüber hinaus eine Abgabenerhöhung für alle Arbeitnehmer bis über 2000 Euro Monatslohn bedeuten. Man müsste die Familienversicherung so weit einschränken, dass diese nur noch für Eltern mit kleineren Kindern gilt, so dass Ehepartner ohne oder mit älteren Kindern sowieso nicht mehr versichert sind. Über die Anreiz- und Verteilungswirkung für andere Gruppen (Sozialhilfeempfänger, Geringverdiener) bin ich mir noch nicht ganz im Klaren.
Es gibt einen Mindestbeitrag von 200 Euro, aber der Staat übernimmt für diejenigen, die keine sonstigen Einkünfte haben und unter das Existenzminimum fallen. Dies würde einen Antrag und eine Bedürftigkeitsprüfung bei jedem bisherigen Minijob bedeuten. Oder zumindest eine Prüfung anhand der Steuererklärung im Folgejahr, ob Bedürftigkeit im Vorjahr gegeben war. In jedem Fall eine ziemliche Bürokratie.
Die Minijobgrenze wird einfach auf z.B. 250 Euro abgesenkt oder es gilt "mindestens 10 Arbeitstage pro Monat" für Versicherungspflicht - noch immer ein Traum für alle, die Barista FIRE anstreben, aber keine "Abschaffung der Minijobs".
Es werden nur Rentenbeiträge auf Minijobs verpflichtend - das meiner Einschätzung nach realistischste Szenario. Aber das wäre der Erhalt des sozialversicherungspflichtigen Sonderstatus.
Es kommt die Bürgerversicherung und alle Einkunftsarten werden zur Beitragsermittlung herangezogen. Politisch von der CDU nicht gewollt und auch die Rentenkommission hat sich explizit(!) gegen eine Einbeziehung anderer Einkunftsarten ausgesprochen.
Interessanterweise hat auch Österreich ein ähnliches Problem gehabt und dazu eine Opt In-Lösung beschlossen: wer geringfügig arbeitet, kann sich für 83 Euro im Monat freiwillig versichern - auch dies noch ein ziemlich guter Deal für Barista FIRE, da es wohl keine Mindeststundenanzahl gibt.
Übersehe ich ein Szenario, das realistisch umsetzbar wäre?