Als Junior bereits "der Senior im Team"
Hi zusammen,
ich befinde mich derzeit in einer Situation, die mir etwas zu schaffen macht.
Ich habe vor etwa einem Jahr mein Informatikstudium abgeschlossen. Man muss dazu sagen, dass ich bereits seit meinem zehnten Lebensjahr programmierem, viele private Projekte und Open-Source Contributions habe und bereits während meiner Schulzeit Apps verkauft habe, also mehr Wissen mitbringe, als der durchschnittliche Absolvent.
Ich bin dann direkt nach meinem Master in einem großen Konzern untergekommen. Dort bin ich an sich sehr glücklich, die Arbeit ist spannend und die Konditionen traumhaft (ich verdiene bereits 6-Stellig, viel HO möglich, alles sehr flexibel).
Offiziell bin ich dort als Junior eingestiegen. Damit habe ich an sich kein Problem, da ich zwar viel programmiert habe, aber kaum Erfahrung im professionellen Umfeld vorweisen kann. Meine Erwartung war, hier viel zu lernen und mich weiter zu entwicken.
Leider ist der Wissensstand vieler Kollegen, die zum Teil bereits Jahrzehnte dort arbeiten, zum Großteil deutlich hinter meinem. Nach bereits einem Jahr habe ich quasi eine Lead-Developer Rolle inne. Ich entwickle kaum noch, erstelle viel Architektur, verteile Arbeitspakete, erkläre Dinge, reviewe MRs und versuche Themen wie z.B. Qualitätsstandards voranzutreiben. Von Kollegen und Vorgesetzten bekomme ich ausschließlich sehr gutes Feedback, daher auch der hohe Gehaltssprung, vor kurzem bin ich offiziell "Mid-Level Entwickler" geworden.
Einerseits fühle ich mich durch das positive Feedback und die Möglichkeit Themen voranzutreiben natürlich geehrt, andererseits kann ich bei der Arbeit mein Wissen kaum erweitern, da es fast niemanden gibt, der mir etwas neues zeigen könnte. Daher habe ich trotz hoher Arbeitslast das Gefühl, fachlich auf der Stelle zu treten. Mich für ein vergleichsweise (ich weiß, Luxussituation) niedriges Gehalt "aufzuarbeiten", während die meisten anderen Kollegen deutlich mehr Geld mit "Dienst nach Vorschrift" (oder noch weniger) machen, ist zudem kein schönes Gefühl.
Ich versuche zwar so viele Zertifiakte und Schulungen wie möglich zu machen, trotzdem ersetzt das aus meiner Sicht nicht die tägliche Herausforderung im Job. Auch Open Source Contributions mache ich weiterhin, leider fehlt mir aufgrund der Arbeit dafür zunehmend Zeit und Kraft.
Meine große Angst ist, zwar in diesem Team der "High-Performer" zu sein, jedoch langfristig meiner Karriere zu schaden, und nach einem eventuellen Wechsel nicht mehr mithalten zu können.
War jemand von euch schon mal in einer ähnlichen Situation, bzw. hat einen Tip, wie man sich in einer solchen noch weiterentwickeln könnte?