„Gibt es einen Passagier an Bord, der diesen Zug weiterfahren kann?“
Ich bin gestern mit einem ICE 605 von Hamburg nach München gefahren. Es war der ICE, der um 18:35 Uhr ab Berlin Südkreuz fahren sollte.
Schon in Berlin hatten wir knapp 40–50 Minuten Verspätung wegen einer Verspätung des Personals. Dann lief die Fahrt normal: Lutherstadt Wittenberg, Bitterfeld -
Einige Kilometer vor dem Flughafen Leipzig/Halle war dann allerdings plötzlich Schluss. Der Zug blieb mitten auf der Strecke stehen, ziemlich genau im Bereich der Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Sachsen.
Nach einiger Zeit kam die Durchsage, dass unser Lokführer für die kommende Strecke nicht ausgebildet sei (WAT!?) und wir deshalb auf einen Ersatzlokführer warten müssten. Das könne mindestens eine Stunde dauern, da wir irgendwo zwischen Halle und Leipzig auf freier Strecke standen. Man begann damit Wasser zu verteilen...
Soweit schon etwas überraschend, insbesondere weil es meines Wissens keine Umleitung oder sonstige kurzfristige Änderung der Strecke gab. Wir waren einfach auf der normalen Strecke Richtung Leipzig unterwegs.
Ein paar Minuten später kam dann allerdings die zweite Durchsage:
„Befindet sich ein Passagier an Bord, der diesen Zug weiterfahren kann?“
Das war dann doch ein ziemlich surrealer Moment. :D
Kurz darauf stand tatsächlich ein Passagier in meinem Wagen auf. Ein Zugbegleiter kam vorbei und sprach mit ihm. Der Passagier meinte, er könne den Zug fahren, müsse nur noch mit der Zentrale telefonieren und das entsprechende Go bekommen.
Die beiden gingen nach vorne und ungefähr zehn Minuten später setzte sich der Zug plötzlich wieder in Bewegung.
Jetzt würde mich die Schwarmintelligenz interessieren: Was ist hier genau passiert? Wie kann man mit einem ICE ganz normal Richtung Leipzig fahren und erst mitten auf der Strecke feststellen, dass der Lokführer für den nächsten Abschnitt nicht die nötige Qualifikation hat?
Ich würde einfach gerne verstehen, wie so etwas betrieblich ablaufen kann.
EDIT: Zugnummer und korrekte Uhrzeit hinterlegt.