Das Fitnessstudio ist der Hotspot für Menschen mit Körperdysmorphie
Die Rede ist immer von Gesundheit und Fitness, aber worum geht es den meisten in Wirklichkeit? Egal ob in der Arbeit oder in anderen Situationen: Die Leute sehen überall nur meinen Körper, die Muskulatur, den niedrigen KFA, die Venen und die Definition und fragen mich nach Tipps, wollen aussehen wie ich. Jeder denkt, dass ich extrem diszipliniert sei und sehen mich als Vorbild.
Was die Leute nicht sehen, ist, dass ich (neben einer sehr guten Veranlagung) unter Körperdysmorphie leide. Es ist keine klassische Disziplin, die mich das alles seit über 10 Jahren durchziehen lässt, sondern Leidensdruck. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen würde, wenn ich aus gesundheitlichen Gründen irgendwann nicht mehr wie eine in Stein gemeißelte Skulptur aussehen kann. Es würde mich wahrscheinlich wahnsinnig machen.
Da ich sehr viele Leute aus der Gym-Bubble kenne, weiß ich, dass ich keine Ausnahme bin. Egal ob Jungs oder Mädels. Das Wort Gesundheit oder Leistungsfähigkeit habe ich dort noch nie gehört. Es geht nur ums Aussehen, die Gesundheit spielt keine Rolle. Im Gegenteil sogar: Anabolika und andere leistungssteigernde Substanzen sind weiter verbreitet als Außenstehende vermuten würden. Bei den Mädels geht es wiederum oft nur darum, den Hintern unproportional aufzubauen. Athletische Leistungsfähigkeit oder eine funktionale, ausgeglichene muskuläre Entwicklung spielt keine Rolle. Sowohl bei den männlichen als auch bei den weiblichen Gym-Leuten stelle ich oft fest, dass dort ebenfalls mindestens körperdysmorphe Tendenzen vorhanden sind, kombiniert mit einem fragilen Selbstwertgefühl. Das Gym ist sozusagen eine Bewältigubgsstrategie für viele.
Insgesamt macht das das Gym aus meiner Sicht zu vielen aber mit Sicherheit nicht zu einem Ort in dem sportliche Leistungsfähigkeit oder Gesundheit im Fokus stehen (betrifft natürlich nie alle und in Reha-Gyms sieht es eh anders aus)