Update: Blitzerbescheid von fremder Person bekommen - nach Einspruch kam Termin vom Amtsgericht
Original Post: Im November lag ein Brief der „Landeshauptstadt Potsdam“ mit einer „Anhörung“ in meinem Briefkasten. Offenbar soll ich Anfang August in Potsdam mit dem Auto 18 km/h zu schnell gefahren sein. Ich soll dafür 98,50 € zahlen.
Das Problem ist:
• Die Person auf dem Foto bin ich nicht.
• Ich habe gar kein Auto und das Kennzeichen sagt mir auch nichts.
• Ich wohne in Hamburg und war noch nie in Potsdam.
Ich habe daraufhin dort angerufen und die Sachlage erklärt. Die Dame konnte sich das auch nicht erklären und meinte, ich solle eine E-Mail schreiben, den Fall schildern und Einspruch erheben. Das habe ich anschließend auch getan.
Im Februar, als ich noch nichts gehört hatte, habe ich dort noch einmal angerufen und nach dem aktuellen Stand gefragt. Zu diesem Zeitpunkt war der Fall laut Auskunft noch in Bearbeitung. Ich habe dann noch ein wenig mit der Mitarbeiterin gesprochen und gefragt, wie so etwas passieren kann und wie sie überhaupt auf mich gekommen sind. Anscheinend war das Auto auf eine Firma zugelassen. Bei der Firma habe ich jedoch nie gearbeitet. Ich habe dann selbst mal bei Google die Firma + meinen Namen (eher ungewöhnlicher Name) eingegben und habe tatsächlich ein LinkedIn Profil von jemanden gefunden der so heißt wie ich und auch bei der besagten Firma arbeitet.
Lange Zeit habe ich nichts mehr gehört. Jetzt ist letzte Woche ein Brief vom Amtsgericht eingetroffen, in dem ich zu einer Hauptverhandlung Anfang September in Potsdam geladen werde. Es geht um meinen Einspruch und im Schreiben steht ausdrücklich: „Erscheinen ist verpflichtend.“
Jetzt bin ich ehrlich gesagt ziemlich durcheinander. Was kann ich tun? Ich habe Besseres zu tun, als mir einen Tag Urlaub zu nehmen und an einem Donnerstag nach Potsdam zu fahren, um dort diesen völlig absurden Fall zu klären.
Was kann ich in dieser Situation am besten tun? Macht es Sinn zum Anwalt zu gehen (habe eine Rechtsschutzversicherung) oder reicht es vor Ort denn Fall selbst zu klären?
______
Update:
Viele haben ja nach einem Update gefragt.
Nachdem ich den Brief bekommen hatte, und den Post verfasst habe, habe ich noch einmal - nach eurem Rat - bei der Sachbearbeiterin im Amtsgericht angerufen und den Fall erneut erklärt. Sie konnte es nachvollziehen und bat mich, ein Foto von meinem Reisepass und meinem Führerschein zu schicken, was ich auch getan habe. Sie wollte dann noch einmal mit der Richterin sprechen.
Ein paar Tage später kam dann die E-Mail:
„Es wird mitgeteilt, dass der Hauptverhandlungstermin bestehen bleibt.“
Ich bin jetzt schon sehr wütend mich mit sowas weiter rumschlagen zu müssen und habe mehrere Fragen:
- Wie soll ich jetzt am besten vorgehen? Ich habe meine Rechtsschutzversicherung informiert. Da ich allerdings eine Selbstbeteiligung habe, finde ich es ziemlich bescheuert, 100,-€ Selbstbeteiligung für etwas auszugeben, weil die zu dämlich sind den richtigen Fahrer zu finden. Vor allem da ich aktuell sehr knapp bei Kasse bin.
- Wie könnte ich vor Ort denn meine Unschuld beweisen? Ich habe noch einmal nachgeschaut und an dem Tag, an dem das Blitzerfoto entstanden ist, war ich bei meinen Eltern. Sie können das bezeugen. Reicht da eine Schriftstück aus?
In meinen Handy-Fotos habe ich auch ein Foto um 13:36 Uhr, das ich bei meinen Eltern im Garten gemacht habe. Das Blitzerfoto wurde um 8:58 Uhr aufgenommen, und der Fotostandort war knapp 480 km entfernt.
- Ich habe irgendwie Angst, dass ich dann doch „schuldig gesprochen“ werde und anschließend auf allen Kosten sitzen bleibe. Welche Kosten könnten auf mich zukommen, wenn ich „verlieren“ sollte?
Schon einmal Danke für eure Hilfe!