Ich habe mein Leben lang gedacht ich hätte Borderline & jetzt soll es doch Autismus sein. Und nun?
Ich weiß dass der Titel keine direkte Frage ist aber es beschreibt meine Situation einfach treffender. Ich bin w26 und habe quasi seit meiner Kindheit massive Probleme in sozialen Situationen, von Überforderung bis hin zur Vermeidung von "ich fühl mich wie ein Alien" bis hin zu ich bin charismatisch und danach super erschöpft.
Ich fühle immer extrem viel. Mir fällt es schwer Freundschaften zu schließen und Beziehungen zu halten. Demnach habe ich immer wieder Abbrüche erlebt.
Beziehungspartner haben mir oft gesagt "Du hast doch sicher Borderline, du übertreibst, du machst aus ner Fliege nen Elefanten, du bist zu kompliziert, du bist anstrengend". Ich ecke immer wieder an durch meine zu direkte Art. Ich nehme nie ein Blatt vor dem Mund. Ironie und Sarkasmus verstehe ich grundsätzlich nicht. Ich war aufgrund von Depressionen das erste mal mit 19, 3 Jahre in Therapie. Eine richtige Diagnose bekam ich dort aber nicht. Es ging viel mehr darum meinen Alltag auf die Kette zu kriegen was auch einige Zeit gut geklappt hat.
Lustigerweise arbeite ich in einem sozialen Bereich und es strengt mich so sehr an dass ich jedesmal flüchten möchte. Ich bin dann vor 2 Jahren in eine andere Stadt gezogen was mich wieder in ein tiefes Loch hat fallen lassen, so dass ich mich selber in eine Tagesklinik eingewiesen habe. Dort wurde ich dann auch auf Borderline getestet, habe dann aber die Diagnose nicht erhalten da ich nur 4 von 5 Kriterien erfüllt hatte. Also knapp daneben. Stattdessen wurde mir mitgeteilt ich sei hochsensibel.
Das hat mich eine gewisse Zeit ziemlich frustiert. Für meine ganzen Verhaltensweisen, Symptome keine richtige Diagnose zu haben ist für mich schwierig. Vorallem wenn diese so lange andauern. Es geht nicht darum mich mit irgendwas zu schmücken. Sondern um Erklärungen und viel mehr Verstehen warum ich bin wie ich bin. Warum es mir so schwer fällt in dieser Welt mit Menschen zu interagieren. Ich hatte das Gefühl, dass die Welt mir diesen Stempel nicht aufdrücken wollte aus wohlwollen. Durch diese Unklarheit und den ständigen Druck aus meinem Umfeld die mir weis machen wollten ich sei jenes und dieses hat mich das super fertig gemacht.
Ich habe hier zum Glück dieses Jahr einen netten Therapeuten bekommen. Dem ich ganz unverblühmt meine jetzige Situation geschildert habe. Er hat dann im Zuge der Diagnostik zig Fragebögen ausgekramt. Dann las ich Sachen wie: ASS, Autismus-Spektrum, Camouflaging. Und war erstmal super schockiert. Ich hab nie im Leben damit gerechnet, dass plötzlich der Verdacht besteht ich wäre Autistin. Nun steh ich hier, mit der Diagnostik sind wir noch nicht ganz durch und ich hab 10.000 Fragezeichen im Kopf. Dennoch sagt mir mein Therapeut mit jeder Sitzung es wäre "klinisch eindeutig" dass ich in das Autismus Spektrum falle. Er schließt Borderline komplett aus.
Ich frage mich wie das alles sein kann und warum so viele Menschen fehldiagnostiziert werden. Warum gibt es immernoch veraltete Fragebögen die speziell für Männer und Jungen entwickelt wurden?
Ist hier vielleicht eine Autistin die ähnliches durchgemacht hat? Mein Therapeut erklärte mir auch, dass Borderline und Autismus tatsächlich oft verwechselt werden. Ich versuche mich gerade irgendwie in diesen Autismus Kram reinzulesen. Aber ich sehe einfach nur das jeder scheinbar andere Symptome mit bringt und das bei Frauen und Männern auch nochmal unterschiedlich ist. Ich verstehe diese Spezialinteressen zbsp überhaupt nicht. Was soll das sein? Was kann es sein? Ich hab nur den stereotypischen Autisten Jungen im Kopf der super hochbegabt ist und mit Zügen spielt. Ich hab keinen blassen Schimmer warum mein Therapeut mich vermeintlich so einordnet. Ich bin total überfordert.
Würde mich freuen wenn jemand (gerne eine Sie) evtl. ähnliche Erfahrungen gemacht hat vielleicht einen Rat hat wie ich weitermachen kann? Welche Bücher, Filme, Dokus sind empfehlenswert um mich irgendwie damit auseinanderzusetzen?