Meinung: Nach Erfurt – Warum wir Religionskritik nicht der AfD überlassen dürfen und wieso sie transparenter sein muss!
Ich komme aus den Tiefen von Ostdeutschland und war bei der Widersetzen-Demo in Erfurt. Seitdem gehen mir einige Gedanken nicht mehr aus dem Kopf. Das hier ist keine wissenschaftliche Analyse, sondern meine persönliche Wahrnehmung — aber sie bestätigt sich leider oft in Gesprächen mit Freundeskreis, Umfeld und auch in der Wahlwerbung der AfD.
Die Rechte hat ein Narrativ geschaffen, viele eigentlich starke Werte als „links“, „naiv“ oder „schlecht“ darzustellen: Menschlichkeit, Solidarität, Antirassismus, Gleichberechtigung, offene Gesellschaft, Schutz von Minderheiten. Dadurch entsteht bei vielen gemäßigten Menschen ein Druckgefühl: Sie stehen eigentlich auf dem Boden der FDGO, laufen aber trotzdem politisch immer stärker der AfD hinterher.
Ich will die freiheitlich-demokratische Grundordnung erhalten, weil ich nicht glaube, dass die AfD unsere Probleme löst — weder kurz- noch langfristig.
Ein Teil des AfD-Erstarkens hängt für mich klar mit 2015 zusammen. Nicht, weil Geflüchtete als Menschen das Problem sind. Nicht, weil Hautfarbe, Herkunft oder Religion automatisch ein Problem wären. Aber weil viele Menschen seitdem das Gefühl haben, bestimmte Konflikte dürften nicht mehr offen angesprochen werden.
Dazu gehören auch Ereignisse, die sich tief ins Sicherheitsgefühl eingebrannt haben und von der AfD propagandistisch ausgeschlachtet werden, welche ich hier nochmal gerne dokumentieren möchte
- Breitscheidplatz 2016 – islamistischer Terroranschlag in Berlin.
- Würzburg 2016 – Axt-/Messerangriff in einem Zug, laut Ermittlern mit politisch-religiösem Motiv; IS-Bezug wurde geprüft.
- Ansbach 2016 – Sprengstoffanschlag eines syrischen Asylbewerbers, mit Hinweisen auf islamistischen Hintergrund.
- Dresden 2020 – tödlicher Angriff auf ein schwules Paar, islamistisch und homophob motiviert.
- Duisburg 2023 – Messerangriff im Fitnessstudio; die Bundesanwaltschaft sprach von IS-Ideologie und Angriffen auf vermeintlich „Ungläubige“.
- Mannheim 2024 – Messerangriff auf eine islamkritische Kundgebung, ein Polizist starb; laut Anklage gab es Sympathien für die Ideologie des IS.
- Solingen 2024 – Messeranschlag auf einem Stadtfest; laut Bundesanwaltschaft handelte der Täter aus radikal-islamistischer IS-Ideologie.
- Magdeburg 2024 Ja, kein „Islamist“ und „Ex-Muslim“ Trotzdem wurde auch diese Tat sofort politisch ausgeschlachtet und hat viele Menschen im „Narrativ“ der AfD bestätigt! Traurig, dass wir mittlerweile soweit sind!!!
Wenn Linke, Demokraten und Menschen, die eine offene Gesellschaft wollen, solche Themen komplett meiden, überlassen sie sie der AfD.
Aber die AfD spricht nicht darüber, weil sie Frauenrechte, queere Menschen, Ex-Muslime oder säkulare Muslime schützen will. Sie spricht darüber, um Angst zu erzeugen, Menschen zu pauschalisieren und „Remigration“ als Lösung zu verkaufen.
Wollen wir ihr das wirklich zulassen?🤷🏼♀️
Religion prägt Menschen ungemein in ihrem Sozialverhalten und in ihrer Persönlichkeit aber auch im Denken, Fühlen, Verhalten und in ihren Rollenbildern.
Das gilt für Islam, Christentum und jede andere Religion. Problematisch wird es wenn wir religiöse Vorstellungen über Grundgesetz, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Religionsfreiheit oder die Würde anderer Menschen gestellt werden.
Wenn wir das nicht offen ansprechen, wirkt Demokratie unehrlich und unglaubwürdig, dann entsteht genau das Vakuum, das Rechte füllen - wir sind ja mittlerweile alle „Zecken“ - „Alt-Parteiler“ - „Links-Grün-Versiffte“.
Meine Sorge ist, wenn demokratische Kräfte diese Debatte nicht führen, werden es andere machen — mit Hass, Pauschalisierung und extremen Forderungen.
Wir brauchen eine klare, säkulare, menschenrechtsbasierte und antirassistische Kritik an jeder Ideologie, die nicht mit der FDGO vereinbar ist.
Ich spreche mich mittlerweile auch soweit aus, dass sich Linke, Grüne, SPD und CDU oder zumindestens die Flügel, welche sich derer Probleme bewusst sind, zusammenzuschließen. Es ist nicht Rechts gegen Links, sondern Sicherheit gg. Angst und ich werfe es keinem Menschen vor, der Angst hat, nur müssen wir dafür sorgen, dass a) die real größere Angst am Ende von der AfD ausgeht und b) Angst, welche durch idealistisch-religiöse Events, Anschläge und Kultur, steigt, durch progressive Aufklärung minimieren.
Schweigen hilft am Ende nur den Extremen und ich möchte einfach nur mit meinen Mitmenschen zusammenleben und nicht dabei zusehen wie unschuldige Menschen am Ende unter der Politik von idealistischen Faschisten leidet 💔