Welche queeren Bücher habt ihr abgebrochen?
N'abend zusammen,
mich würde mal interessieren, welche queeren Bücher ihr nicht zu Ende gelesen habt, vielleicht sogar gerade die, die andere gut fanden. Bin auf euer hot takes gespannt 🤓
N'abend zusammen,
mich würde mal interessieren, welche queeren Bücher ihr nicht zu Ende gelesen habt, vielleicht sogar gerade die, die andere gut fanden. Bin auf euer hot takes gespannt 🤓
In Atmosphere von Taylor Jenkins Reid geht es um die Wissenschaftlerin Joan, die sich in den USA der 80er Jahre ihren Weg durch ihre anstehende Karriere als Astronautin, Tante und queere Frau bahnt. Dabei durchsteht sie neben physisch Aufregendem auch psychisch Aufregendes✨.
Ich hab das Buch als Hörbuch gehört, gelesen von Sandra Voss. Und es hat nicht lange gedauert, bis das Buch mich mitgerissen hatte. Die Handlung springt immer wieder zwischen einem dramatischen Ende der Geschichte und den Jahren davor hin und her. Bei Reids bekanntestem Buch, The Seven Husbands of Evelyn Hugo, hat mich das noch total gestört, hier sind aber beide Handlungsstränge gleich spannend.
Insgesamt fühlen sich die Handlung und die Charaktere sehr umfangreich an. Wir begleiten sie über mehrere Jahre, durch diverse Lebensphasen und Situationen. Besonders stark empfand ich die Beziehung von Joan zu ihrer Nichte, die im Verlauf des Buches einen immer größeren Teil einnimmt, der sich aber lohnt! Es scheint fast so, als wäre der Autorin beim Schreiben des Buches aufgefallen, dass diese Seite der Geschichte eigentlich spannender ist als der Rest, weswegen sie ihr einfach mehr Raum gegeben hat. Ebenso stark war die Darstellung von Queerness. Das Entdecken der eigenen Sexualität sowie gesellschaftliche Probleme und insbesondere die damit verbundenen Emotionen haben sich sehr authentisch angefühlt. Ich war damals in den 80ern nicht dabei, fühlte mich aber dorthin „zurück“ versetzt. Der Umfang hatte aber auch seine Schattenseiten. Zum einen gab es lange Ausführungen über Astronomie und Raumfahrt, die ich, hätte ich nicht das Hörbuch gehört, wahrscheinlich übersprungen hätte. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Leute das wahnsinnig spannend finden, ich leider nicht. Zum anderen macht die Hauptperson in ihren Gedanken und Diskussionen immer wieder philosophische und religiöse Ausflüge, mit denen ich wenig anfangen konnte. Gerade die Gedanken über Religion fühlten sich sehr US-amerikanisch-kompromisslos an, worauf ich persönlich ein wenig allergisch reagiere. Wer damit etwas anfangen oder ein paar Absätze überspringen kann, sollte damit aber keine Probleme haben.
Im Ganzen lohnt sich das Buch für die Romanze und die Familiengeschichte. Wer zudem noch Interesse an Raumfahrt und Astronomie hat kommt voll und ganz auf seine Kosten. War nicht mein Lieblingsbuch, aber gern gehört hab ich's trotzdem. 🙃
Schon wieder ein Debütroman, aber was für einer! Erneut einer Empfehlung aus dem wunderbaren Podcast Lesen ist schwul folgend, hab ich diesen queeren Coming-of-Age / Romance-Roman gelesen und werde hier – kleine Vorwarnung – nur fangirlen.
In The No-Girlfriend Rule geht es um Hollis (auf dem Cover links). Hollis geht in die letzte Klasse der Highschool, zeichnet gerne und gut, ist dick, wahnsinnig niedlich und seit 6 Jahren mit ihrem Freund Chris zusammen. Der ist riesiger Fan von S&S (≈DnD) und trifft sich jeden Freitag Abend mit seinen Kumpels zum Spielen. Allerdings ist Hollis nicht eingeladen, da die Gruppe eine No-Girlfriend Rule eingeführt hat. Um Chris zu beweisen, dass sie sich ganz doll für S&S interessiert und um eine erfahrene Spielerin zu werden, sucht sie sich ihre eigene Gruppe und landet schließlich in einer queeren Flinta-Runde. Im und um das Spiel mit ihren neuen Friends lernt Hollis sich von einer neuen Seite kennen...
Christen Randall beweist mit ihren Charakteren eine wahnsinnig gute Beobachtungsgabe. Alle Charaktere, selbst die Nebencharaktere, haben immer irgendeine Art angedeutete Tiefe, die sie unglaublich realistisch erscheinen lassen. Die nicht geringe Anzahl an Hauptcharakteren sind super divers; sie sind dick, BiPoC, neurodivergent oder trans. All diese Eigenschaften sind aber kein Hauptproblem der Geschichte, sondern Eigenschaften, die zwar in ihrer Nonkonformität ernst genommen werden, aber nicht die nächste Leidensgeschichte einer Minderheit erzählen. So geht Repräsentation. Ich bin begeistert.
Eine besondere Rolle nimmt auch das Pen & Paper spielen in der Geschichte ein. Die Spielerinnen leben in den Charakteren des Spiels ihre Wünsche und Träume aus, wodurch man sie alle nochmal mehr lieben lernt. Die sich anbahnende Romanze ist durch Andeuten und Ausprobieren im Spiel besonders elegant gelöst. Denn wir fühlen durch Hollis und ihre Unsicherheit mit, wie sie sich mit sicherem Abstand in ihre Gefühlswelt hinein tastet.
Auch außerhalb des Spiels zeigt die Autorin ein unglaubliches Feingefühl für unangenehme Situationen. Ich bin eine Person, der es oft sehr schwer fällt, negative Emotionen und unangenehme Situationen auszuhalten. Ich habe mich aber total an die Hand genommen gefühlt, mich sicher in die Gefühle von Hollis hinein zu begeben und mit ihr zu fühlen, wenn sie Panik, Liebe oder Herzschmerz oder alles auf einmal empfindet. Auch hier schafft Christen Randall einen beeindruckenden Drahtseilakt.
Ein winziges potentielles Manko hat das Buch: Wer eine starke Abneigung gegenüber Pen & Papers hat oder im Leben noch nie etwas davon mitbekommen hat, ist vielleicht zunächst etwas verloren, weil das Buch ein gewisses Grundwissen über das Konzept voraussetzt und das Spiel eine sehr große Rolle spielt.(Außerdem gibt's das Buch bisher nicht auf Deutsch.) Allen anderen sei gesagt:
Ganz tolles Buch. Ich hab's geliebt. Super süß. Sehr viel giggling and kicking my feet. Ich werd's mir auf jeden Fall kaufen und all meinen Friends ausleihen. Einfach richtig schön. <3
TW: Suizidalität, minimale sexualisierte Gewalt
Nachdem sich Violet's Bruder versucht, das Leben zu nehmen, braucht die Familie eine Auszeit und Violet soll einige Zeit im alten Heimatort der Familie bei ihrem dort lebenden Onkel verbringen. Das eingeschlafene Örtchen ist nach dem Schiffswrack der Lyric benannt, welchem Violet's Urururgroßmutter entkommen und sich dort niederlassen konnte. Im ortseigenen Aquarium lernt sie zunächst Orion und durch ihn die Hobbyforscherin Liv kennen, die versucht den Ort des verschollenen Schiffswracks aufzuspüren.
Der Roman, mit einem meiner Meinung nach hervorragendem Cover, ist der Debütroman von Julia Drake. Ich hatte das Buch zwar von einer Empfehlungsliste für queere Bücher, dennoch wenig Hoffnung auf eine komplexe queere Geschichte, als ich die ersten Seiten las. Es fühlt sich nämlich zunächst an wie eine sehr generische Liebesgeschichte. Denn natürlich ist unsere Protagonistin skinny, white, beautiful und hat wohl ein Problem damit, dass sie ständig zu viele Leute aufreisst. So scheint es anfangs, als sie beginnt, im Aquarium zu arbeiten und Orion wie nichts anhimmelt.
Nach ca. 60 Seiten schlägt der Roman aber plötzlich einen anderen Ton an. Ab dem Kapitel Fun's night out: Lyric Edition zeigt die Autorin, was sie drauf hat und beginnt, die Vergangenheit der Protagonistin wirklich ernst zu nehmen und ihre Hookup culture als Traumareaktion zu etablieren.
Von dem Moment an hab ich mich in den Roman verliebt. Tolle Charaktere, verschiedenste Themen und ein extrem realistisch und spannend zu erlebender Prozess innerhalb der Protagonistin, die ihre Gefühle ordnet und im richtigen Moment viel zu oft das Falsche sagt. Fühlte sich sehr queer an. Toll.
Klar, zwischendurch gibt es ordentlich plot armour, ein wenig Teenie-Pathos und ein etwas zu schnelles Ende. Aber das kann ich dem Buch absolut verzeihen, weil es mich so eingesaugt und mitgerissen hat.
Große Empfehlung! :)
(Gibt's allerdings nur auf Englisch)