Wie willkürlich sind Fahrprüfungen tatsächlich?
Ich schreibe mir heute mal etwas von der Seele:
Mein Führerschein vor 15 Jahren war die absolute Hölle. Ich habe erst bei der 4. Prüfung bestanden und konnte gefühlt kaum etwas dafür. Ja, ich weiß, wie sich das anhört. Im Laufe der Jahre habe ich ähnliche Geschichten zum Thema Führerschein gehört und wollte deshalb mal fragen: Ging es euch vielleicht ähnlich?
- Meine erste Prüfung war eigentlich total unspektakulär. Ich bin 45 Minuten gefahren und war mir sicher, bestanden zu haben. Dann sollte ich plötzlich aus dem Auto aussteigen, was mich komplett verwirrt hat. Ich sah dann meinen Fahrlehrer und den Prüfer eine Weile im Auto diskutieren. Als ich wieder dazukam, verkündete der Prüfer, dass ich nicht bestanden hätte, weil er „solche Leute wie mich“ nicht im Straßenverkehr haben wolle. Was meinte er damit? Nun ja, ich war damals der ruhige, stille, introvertierte Strebertyp. Er meinte, solche Frauen wie mich kenne er nur zu gut. Ich würde später auf der Landstraße bestimmt nur 60 fahren und solche Leute müsse er ständig überholen.
Dabei bin ich in der Prüfung kein einziges Mal zu langsam gefahren. Ich habe niemanden gefährdet, nichts. Ich bin einfach normal und nach den Regeln gefahren. Danach zog er sich weitere Gründe aus der Nase. Ich hätte an einer Stelle beweisen können, dass ich des Führerscheins würdig bin, indem ich einer Frau das Überqueren der Straße ermögliche. Ich meinte dann, das mache überhaupt keinen Sinn. Ich soll an einem steilen Berg einfach anhalten, von 50 runter bremsen? Damit jemand über die Straße kann? Damit hätte ich eher riskiert, dass mir jemand hinten reinfährt. Und es war da auch jemand hinter mir, das wusste ich noch.
Dann meinte er noch, ich hätte mich weigern sollen, so einzuparken, wie er es wollte, weil die Lücke zu eng gewesen sei und er sonst am Ende die Seite hätte wechseln müssen, um aussteigen zu können. Also völlig absurd. Mein Fahrlehrer hat sich mit dem Prüfer gestritten, später sogar sein Chef. Am Ende saßen wir alle beim TÜV, aber dort hieß es nur: „Das Urteil des Prüfers gilt. Mir hat die Fahrschule auch bestätigt das ich ganz normal gefahren bin, der Prüfer sei bekannt für solche Aktionen. E: Der Prüfer wurde dann auch von der Fahrschule gesperrt, die haben dem TÜV gesagt der braucht hier nicht mehr auftauchen weil das wohl nicht die erste Aktion von ihm war. Der Mann wurde dann auch versetzt.
- Bei der zweiten Prüfung bin ich durchgefallen, weil wir im Stau standen. Ich lebe auf dem Land und wir brauchen hier etwa 30 bis 35 Minuten bis zur Autobahn. Deshalb wurde mir schon in der Fahrschule gesagt, dass mehr als die Pflichtstunden nicht nötig seien. Ab und zu wollen aber Prüfer auf die Autobahn. Diese Prüfungen werden meistens abgebrochen, weil man gar nicht rechtzeitig hinkommt. Und man bekommt dabei so gut wie immer den Führerschein.
Als es bei meiner Prüfung hieß, wir fahren zur Autobahn, ging mein Fahrlehrer direkt dazwischen und meinte, dass das zu der Uhrzeit keine Chance habe. Der Prüfer setzte sich aber durch mit den Worten: „Er hat hier das Sagen.“
Das Ende vom Lied: Wir waren 1,5 Stunden unterwegs, weil alles voller Stau war. Der Prüfer war knallrot im Gesicht, weil jetzt sein ganzer Tag durcheinander war. Obwohl mein Fahrlehrer ihm das vorher gefühlt zehnmal gesagt hatte.
Den Führerschein bekam ich dann trotzdem nicht, weil er „nicht genug von mir gesehen“ habe. Ich meinte nur: „Wir waren 1,5 Stunden unterwegs, was soll denn der Mist?“ Der Prüfer zuckte nur mit den Schultern und meinte, ich solle halt einfach noch mal eine Prüfung machen. „So teuer ist das doch nicht.“
Außerdem sei ich ohnehin ein Risikokandidat, weil ich die vorherige Prüfung ja schon „verhauen“ hätte. Der Chef meines Fahrlehrers hat sich danach wieder mit dem TÜV gestritten, aber auch diesmal hieß es nur: Pech gehabt.
- Die dritte Prüfung habe ich wegen der letzten 500 Meter nicht bestanden.
Jemand kam durch die 30er Zone mit +50. Ich habe direkt gebremst und hatte die Situation eigentlich unter Kontrolle. Mein Fahrlehrer erschrak sich aber und trat reflexartig ebenfalls auf die Bremse. Dabei ertönt ja dieses Signal und damit ist man automatisch durchgefallen, weil der Fahrlehrer eingegriffen hat.
- Die vierte Prüfung habe ich dann endlich bestanden. Möglicherweise auch, weil ich dem Prüfer Angst gemacht habe.
Nach 20 Minuten waren wir schon wieder zurück. Ich hatte mittlerweile so viel Übung, dass mich nichts mehr überrascht hat. Ich habe den Prüfer auch ziemlich vollgelabert und gesagt, dass ich auf den ganzen Mist keine Lust mehr habe und die Straßen hier bald auswendig kenne.
Und das war wirklich so. Ich konnte inzwischen in wenigen Sekunden einparken, wusste genau, wie die Straßen verlaufen, und konnte teilweise schon sagen, wohin er mich wahrscheinlich schicken wird. Ich war mehr wie ein sprechendes Taxi, wohin er denn will. Beim einparken hab ich auch gefragt ob das jetzt nen Minuspunkt gibt wenn er nicht aussteigen kann. Von meiner ruhigen Art war da nix mehr übrig. Deshalb dauerte die Prüfung auch nur 20 Minuten. Ich glaube der wollte einfach nicht mehr mit mir in so einem geschlossenen Raum sein :D
Damals hat mich das Ganze extrem belastet. Ich musste mir während meiner Ausbildung ständig für Prüfungen freinehmen und hinterher verstand niemand, wie ich zum Teufel so oft durchfallen konnte. Jeder wusste davon, ständig wurde ich darauf angesprochen.
Meine Fahrschule meinte damals sogar, dass sie in 40 Jahren noch nie so viel Pech mit Prüfungen und Prüfern erlebt hätten. Ich habe bei den ersten drei Prüfungen auch jedes Mal Geld von der Fahrschule zurückbekommen. Aus Mitleid. Die TÜV-Gebühren musste ich zwar zahlen, aber meine Fahrschule kam mir finanziell entgegen, weil ihnen das Ganze selbst so leid tat.
Und nein, es war jedes Mal ein anderer Prüfer.
Heute kann ich darüber lachen. Ich fahre übrigens keine 60 auf der Landstraße, bin seit 15 Jahren unfallfrei, wurde noch nie geblitzt und habe auch noch nie irgendwo etwas gerammt.
Habt ihr auch schon mal solche Erfahrungen gemacht? Ich habe nämlich immer mal wieder gehört wie spontan sowas entschieden wird. Ein Freund von mir hatte nach 10 Minuten den Führerschein weil der Prüfer meinte sie sind so spät dran, er hat jetzt Urlaub und muss sein Flieger kriegen.