u/PsychologicalClub946

SEXUELLE BELÄSTIGUNG IM RETTUNGSDIENST, UND WIE VIELE SCHWEIGEN?

Über dieses Thema wird im Rettungsdienst erstaunlich wenig gesprochen. Dabei zeigen aktuelle Zahlen, dass wir nicht über ein Randproblem reden.

Eine 2026 veröffentlichte Studie zur Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern in Deutschland befragte 243 Personen. 65 Prozent berichteten von eigenen Erfahrungen mit sexueller Belästigung während ihrer Ausbildung. Besonders häufig waren verbale Übergriffe, und die Rettungswache wurde als zentraler Ort solcher Erfahrungen genannt. Frauen waren deutlich häufiger betroffen. Gleichzeitig wurde ein erheblicher Teil der Vorfälle überhaupt nicht gemeldet.

Und genau dieser letzte Punkt beschäftigt mich: Wie groß ist die Dunkelziffer?

Denn ein Schutzkonzept auf dem Papier ist das eine. Entscheidend ist, ob Menschen sich tatsächlich trauen, etwas zu sagen. Kann eine junge Auszubildende einem erfahrenen Kollegen widersprechen? Kann sie einen Vorfall melden, ohne anschließend als „schwierig“ zu gelten? Was passiert, wenn die betreffende Person innerhalb der Organisation gut vernetzt oder hierarchisch höhergestellt ist? Und wie häufig wird aus einem „Das war nicht in Ordnung“ am Ende ein „Ach komm, der ist halt so“?

Auch bei den Johannitern existieren inzwischen ausdrücklich Fürsorgekonzepte und Meldemöglichkeiten gegen sexualisierte Gewalt. Das ist wichtig und richtig. Entscheidend ist aber bei jeder Hilfsorganisation, ob solche Strukturen im Alltag tatsächlich funktionieren und Betroffene ihnen vertrauen.

Ich selbst habe in meinem Umfeld im Rettungsdienst immer wieder Erzählungen über sehr direkte oder grenzüberschreitende Umgangsformen gegenüber Frauen gehört. Diese Erzählungen kann und will ich nicht als nachgewiesene Einzelfälle darstellen. Aber zusammen mit den wissenschaftlichen Zahlen werfen sie für mich eine wichtige Frage auf:

Wie groß ist die Schweigekultur im Rettungsdienst wirklich?

Vielleicht sollten wir weniger darüber reden, ob jemand „einen Spaß versteht“, und viel mehr darüber, ob Menschen sich sicher genug fühlen, eine Grenze zu setzen und anschließend auch gehört werden.

Denn Kameradschaft bedeutet nicht, alles zu decken.

Kameradschaft bedeutet auch, Grenzen zu respektieren und hinzusehen.

reddit.com
u/PsychologicalClub946 — 11 days ago

SEXUELLE BELÄSTIGUNG IM RETTUNGSDIENST, UND WIE VIELE SCHWEIGEN?

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Über dieses Thema wird im Rettungsdienst erstaunlich wenig gesprochen. Dabei zeigen aktuelle Zahlen, dass wir nicht über ein Randproblem reden.

Eine 2026 veröffentlichte Studie zur Ausbildung von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern in Deutschland befragte 243 Personen. 65 Prozent berichteten von eigenen Erfahrungen mit sexueller Belästigung während ihrer Ausbildung. Besonders häufig waren verbale Übergriffe, und die Rettungswache wurde als zentraler Ort solcher Erfahrungen genannt. Frauen waren deutlich häufiger betroffen. Gleichzeitig wurde ein erheblicher Teil der Vorfälle überhaupt nicht gemeldet.

Und genau dieser letzte Punkt beschäftigt mich: Wie groß ist die Dunkelziffer?

Denn ein Schutzkonzept auf dem Papier ist das eine. Entscheidend ist, ob Menschen sich tatsächlich trauen, etwas zu sagen. Kann eine junge Auszubildende einem erfahrenen Kollegen widersprechen? Kann sie einen Vorfall melden, ohne anschließend als „schwierig“ zu gelten? Was passiert, wenn die betreffende Person innerhalb der Organisation gut vernetzt oder hierarchisch höhergestellt ist? Und wie häufig wird aus einem „Das war nicht in Ordnung“ am Ende ein „Ach komm, der ist halt so“?

Auch bei den Johannitern existieren inzwischen ausdrücklich Fürsorgekonzepte und Meldemöglichkeiten gegen sexualisierte Gewalt. Das ist wichtig und richtig. Entscheidend ist aber bei jeder Hilfsorganisation, ob solche Strukturen im Alltag tatsächlich funktionieren und Betroffene ihnen vertrauen.

Ich selbst habe in meinem Umfeld im Rettungsdienst immer wieder Erzählungen über sehr direkte oder grenzüberschreitende Umgangsformen gegenüber Frauen gehört. Diese Erzählungen kann und will ich nicht als nachgewiesene Einzelfälle darstellen. Aber zusammen mit den wissenschaftlichen Zahlen werfen sie für mich eine wichtige Frage auf:

Wie groß ist die Schweigekultur im Rettungsdienst wirklich?

Vielleicht sollten wir weniger darüber reden, ob jemand „einen Spaß versteht“, und viel mehr darüber, ob Menschen sich sicher genug fühlen, eine Grenze zu setzen und anschließend auch gehört werden.

Denn Kameradschaft bedeutet nicht, alles zu decken.

Kameradschaft bedeutet auch, Grenzen zu respektieren und hinzusehen.

Quelle:

https://www.fh-muenster.de/fhm-ejournals/gjops/article/view/52

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u/PsychologicalClub946 — 11 days ago

Meine Erfahrung im Ehrenamt bei den Johannitern: Über 100 Stunden Engagement, und am Ende frage ich mich, was deren eigenes Leitbild wert ist

Ich möchte hier meine persönliche Erfahrung mit meinem ehrenamtlichen Engagement bei der Johanniter-Unfall-Hilfe schildern.

Nicht, weil ich die gesamte Organisation oder jeden einzelnen Mitarbeitenden über einen Kamm scheren möchte. Ich habe durchaus Menschen kennengelernt, mit denen die Zusammenarbeit gut funktioniert hat. Aber die Summe meiner Erfahrungen hat mich schließlich dazu gebracht, mein Ehrenamt zu beenden.

Und je länger ich darüber nachdenke, desto größer wird für mich der Widerspruch zwischen dem, was die Johanniter offiziell über Gemeinschaft, Respekt und Integration schreiben und dem, was ich persönlich erlebt habe.

Ich kam ursprünglich aus dem Umfeld der Johanniter in Schwabach. Bereits dort hatte ich Schwierigkeiten und hatte zunehmend den Eindruck, dass eine wirkliche Integration neuer Ehrenamtlicher kaum stattfindet. Interessanterweise hatte auch meine damalige Frau, die sich ebenfalls dort engagieren wollte, unabhängig davon ähnliche Erfahrungen gemacht.

Später wollte ich in Nürnberg noch einmal neu anfangen. Ich hatte meine Sanitätshelfer-Ausbildung und wollte nicht einfach nur irgendwo auf einer Mitgliederliste stehen, sondern tatsächlich mitarbeiten, lernen und mich weiterentwickeln.

Also habe ich Gas gegeben.

Innerhalb weniger Monate habe ich über 100 Stunden bei öffentlichen Diensten geleistet. Ich habe Termine angenommen, mich für Dienste gemeldet, Unterlagen eingereicht, nachgefragt und versucht, mich einzubringen. Unter anderem war ich bei größeren Sanitätsdiensten und Veranstaltungen eingesetzt. Ich wollte Erfahrungen sammeln und mich weiterqualifizieren.

Genau deshalb verstehe ich bis heute nicht, warum man einem neuen Ehrenamtlichen das Gefühl gibt, er müsse permanent darum kämpfen, überhaupt eingebunden zu werden.

Bei Veranstaltungen habe ich versucht, Informationen über Abläufe zu bekommen und Gespräche mit anderen zu führen. Mein persönlicher Eindruck war jedoch immer wieder: Es gibt bestehende Gruppen, die unter sich bleiben. Beim Happy Life Open Air beispielsweise saß eine eingespielte Gruppe zusammen, während ich als Neuer kaum Anschluss fand.

Natürlich muss auch ein neuer Ehrenamtlicher selbst auf Menschen zugehen. Das habe ich getan. Aber Integration kann meiner Meinung nach keine Einbahnstraße sein.

Besonders deutlich wurde das für mich beim Thema KTW.

Ich wollte entsprechende Fahrten und Einweisungen absolvieren und habe mehrfach Termine angeboten. Teilweise erhielt ich keine Antwort. Dann wurde mir mitgeteilt, ich müsse zunächst einen Einarbeitungsplan abarbeiten. Also fragte ich nach, wo dieser Plan liegt und was konkret von mir erwartet wird.

Danach sollte erneut eine Einweisungsfahrt organisiert werden. Ich nahm Kontakt mit dem dafür vorgesehenen Kollegen auf. Nach meiner Erinnerung erklärte er mir, dass eine weitere Fahrt in dieser Form nicht erforderlich sei, weil entsprechende Fahrten bereits stattgefunden hätten.

Und damit war ich wieder an dem Punkt, den ich mehrfach erlebt habe: nachfragen, hinterhertelefonieren, Termine anbieten und versuchen herauszufinden, was eigentlich von mir erwartet wird.

Dabei wollte ich schlicht helfen.

Ein weiterer Punkt war meine Dienstkleidung. Eine mit meinem Namen gekennzeichnete Jacke verschwand aus meinem Spind. Vor einem weiteren Dienst sprach ich an, dass ich deshalb keine Jacke hatte. Auch aus dem vorhandenen Pool ließ sich nach meiner Wahrnehmung keine passende Lösung finden. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das Problem ernsthaft aufgegriffen wurde.

Hinzu kamen Situationen im zwischenmenschlichen Umgang. Ein Satz wie „Ach, du schon wieder“ mag für denjenigen, der ihn sagt, vielleicht belanglos erscheinen. Bei jemandem, der ohnehin versucht, Anschluss zu finden und sich einzubringen, kommt so etwas allerdings völlig anders an.

Besonders problematisch fand ich außerdem eine Situation, in der von mir nach meiner Erinnerung eine Tätigkeit im Zusammenhang mit einer Infusion verlangt wurde, obwohl mein damaliger Ausbildungsstand Sanitätshelfer war. Gerade im medizinischen Bereich erwarte ich klare Zuständigkeiten und eine saubere Kommunikation darüber, was jemand entsprechend seiner Qualifikation durchführen darf und soll.

Irgendwann habe ich mich ernsthaft gefragt:

Was hätte ich eigentlich noch tun sollen?

Mehr als 100 Stunden Dienste leisten?

Noch mehr Termine anbieten?

Noch häufiger hinterhertelefonieren?

Noch öfter nachfragen?

Ich bin ausdrücklich bereit, Kritik an meinem eigenen Verhalten anzunehmen. Wenn ich Fehler gemacht habe, möchte ich wissen, welche. Aber dann muss man mit einem Ehrenamtlichen sprechen. Man muss Erwartungen formulieren, Probleme konkret benennen und ihm eine Möglichkeit geben, darauf zu reagieren.

Später erhielt ich zudem Informationen bzw. Äußerungen, durch die bei mir der Eindruck entstand, dass meine Vorgeschichte aus Schwabach bei meiner Aufnahme bzw. Wahrnehmung in Nürnberg eine Rolle gespielt haben könnte. Ich kann nicht belegen, welche internen Gespräche tatsächlich stattgefunden haben oder wer was über mich gesagt hat. Deshalb stelle ich das ausdrücklich nicht als bewiesene Tatsache dar.

Aber genau deshalb hätte ich mir Transparenz gewünscht.

Wenn es Vorbehalte gegen mich gab: Warum hat niemand mit mir darüber gesprochen?

Warum gibt man einem Menschen nicht die Möglichkeit, sich selbst zu erklären und anhand seines tatsächlichen Verhaltens beurteilt zu werden?

Das Ganze bekommt für mich eine besondere Bedeutung, wenn man das offizielle Leitbild der Johanniter-Unfall-Hilfe danebenlegt.

Dort schreiben die Johanniter selbst, sie wollten Menschen, die sich haupt- oder ehrenamtlich engagieren möchten, „eine Heimat“ bieten. Außerdem heißt es dort ausdrücklich:

„Wir leben eine Gemeinschaft von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die vertrauensvoll zusammenarbeiten.“

Und:

„Unser Umgang miteinander ist geprägt von Achtung und Respekt.“

Genau daran möchte ich meine Erfahrung messen.

Wo ist die versprochene Heimat für Ehrenamtliche, wenn neue Leute Schwierigkeiten haben, überhaupt in bestehende Gruppen hineinzukommen?

Wo ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit, wenn man mehrfach Informationen und Terminen hinterherlaufen muss?

Wo sind Achtung und Respekt, wenn ein motivierter Ehrenamtlicher irgendwann das Gefühl bekommt, eher zu stören als willkommen zu sein?

Noch deutlicher wird der Widerspruch für mich beim 6-Punkte-Plan des Bundesvorstands der Johanniter-Unfall-Hilfe. Dort schreibt die Organisation selbst, dass ihre gemeinsamen Werte aktiv in den Arbeitsalltag übersetzt werden müssten. Genannt werden ausdrücklich Toleranz, Respekt und Vielfalt.

Johanniter

Im Jahresbericht formulieren die Johanniter sogar die Gegenüberstellung „Integration statt Ausgrenzung“.

Johanniter

Das sind starke Worte.

Aber ein Leitbild beweist seinen Wert für mich nicht auf einer Internetseite. Es beweist ihn dort, wo ein neuer Ehrenamtlicher zum ersten Mal zum Dienst kommt. Dort, wo jemand noch niemanden kennt. Dort, wo jemand eine Frage stellt. Dort, wo jemand einen Fehler macht. Und gerade dort, wo es zwischen Menschen Schwierigkeiten gibt.

Auch das eigene Hinweisgebersystem der Johanniter beschreibt den Anspruch einer transparenten, offen und kooperativ gelebten Unternehmenskultur und bezieht ausdrücklich sowohl haupt- als auch ehrenamtlich Mitarbeitende ein.

Johanniter

Und genau deshalb erzähle ich meine Geschichte öffentlich.

Nicht weil ich behaupte, dass bei allen Johannitern alles schlecht läuft. Das wäre genauso unfair wie falsch.

Ich habe auch engagierte und vernünftige Menschen kennengelernt. Und ich habe erlebt, dass Zusammenarbeit funktionieren kann, wenn Menschen miteinander statt übereinander reden.

Aber meine Gesamterfahrung war am Ende eine andere.

Ich bin nicht gegangen, weil ich keine Lust auf Ehrenamt hatte.

Ich bin gegangen, obwohl ich Lust darauf hatte.

Ich wollte Dienste machen. Ich wollte lernen. Ich wollte Verantwortung übernehmen. Ich habe dafür Zeit investiert und innerhalb weniger Monate mehr als 100 Stunden geleistet.

Am Ende hatte ich jedoch keine Lust mehr, zusätzlich zu meinem eigentlichen Ehrenamt ständig darum kämpfen zu müssen, überhaupt Teil dieses Ehrenamts sein zu dürfen.

Und deshalb interessiert mich besonders die Erfahrung anderer Menschen aus Hilfsorganisationen, Feuerwehren, THW, DLRG oder ähnlichen Strukturen:

Wie werden bei euch neue Ehrenamtliche aufgenommen? Gibt es feste Ansprechpartner und eine strukturierte Einarbeitung? Habt ihr selbst erlebt, dass bestehende Grüppchen oder interne Vorurteile neuen Leuten den Einstieg erschweren? Und was passiert bei euch, wenn jemand solche Probleme offen anspricht?

Denn Menschen fürs Ehrenamt zu gewinnen ist das eine.

Sie so zu behandeln, dass sie auch bleiben wollen, ist das andere.

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u/PsychologicalClub946 — 21 days ago