Wer auf "das Bürgergeld“ schimpft, sägt am eigenen Ast
Vorab: Ich verstehe den Frust.
Wenn Erwerbsarbeit sich gefühlt kaum mehr lohnt als zu Hause bleiben, läuft was falsch.
Aber der Finger zeigt hier in diesem Sub sehr oft auf den Falschen.
Es gibt zwei Wege, den Abstand zwischen Normalverdienst und Grundsicherung zu vergrößern:
- Die soziale Absicherung nach unten reißen
- Die Löhne endlich nach oben ziehen.
Weg 1 macht niemanden von uns reicher -
Er macht nur die permanenten Drohung der Konzernchefs glaubwürdiger, mit der man Leute zu jedem Job zu jeder Bedingung zwingt.
Je weniger Sicherheit es gibt, desto schwächer die Verhandlungsposition für Angestellte – und desto billiger wird der eigener Lohn. Wer die Grundsicherung kürzt, drückt am Ende auch die Löhne, die darüber liegen. Also die eigenen Löhne von Normalverdienern.
Weg 2 ist der einzige, der nach oben zeigt: ordentliche Löhne. Und die kamen historisch nie durch Appelle an die Vernunft der Chefs, sondern durch Organisierung der Angestellten.
Ein Schutz bei Jobverlust ist keine Wohltat für "die faulen anderen".
Er ist eine Versicherung für uns alle, die von ihrem Lohn leben. Ja, auch für dich selbst, wenn dich die nächste Kündigungswelle trifft. Und das kann heutzutage wirklich in jedem Betrieb passieren.
Der Neid auf die „unter uns“ wird strategisch von oben gesät.
Die Neiddebatte wird gezielt befeuert – von Medien, die offen nur die Milliardärsinteressen vertreten.
Lasst Euch doch um Himmels Willen nicht von so durchschaubaren Kampagnen von den eigentlichen Aufgaben in diesem Land ablenken.
Das Ziel kann doch nicht sein, dass es denen unter uns noch schlechter geht! Das Ziel muss sein, dass wir endlich wieder mehr Lohn für unsere Arbeit erhalten.