Introvertiert / Extrovertiert?
Hey zusammen,
Mich beschäftigt das Thema Intro-/ Extraversion schon seit langem immer mal wieder.
Ich würde mich selbst eher als introvertiert beschreiben und auch von anderen bekomme ich es ab und zu zu hören und ich denke „Jap, hast wohl Recht.“
Ich nehme mich selbst oft als eher schüchtern und zurückhaltend wahr.
Gleichzeitig fühle ich mich innerlich aber eigentlich gar nicht so und es kommt mir oft so vor, dass es etwas anderes als ein bloßes persönlichkeitsmerkmal ist, was mich zurückhaltend sein lässt und als hätte ich dieses „Label“ inzwischen einfach akzeptiert.
Ich mag Gesellschaft, neue Menschen kennenzulernen, auch mit fremden ins Gespräch zu kommen, initiiere oft smalltalk mit wildfremden Leuten oder auch Kollegen, mit denen ich nicht unbedingt einen engen Draht habe. Ich fühle oft einen Drang, „mein inneres“ nach außen zu kehren aber es ist oft eine Angst vor Ver- bzw. auch nur Beurteilung und Sichtbarkeit, die das dann im Keim erstickt und ab und zu auch dazu führt, dass ich in manchen Situationen innerlich komplett still bin und als wären wirklich alle Impulse erstickt. Das fühlt sich für mich in dem Moment nicht nach Schüchternheit an sondern nur nach absoluter Leere, sodass es in diesen Momenten gar nichts gibt, was ich zurückhalte, weil eben nichts da ist und gleichzeitig aber eine Erwartung von anderen wahrnehme, dass ich nun etwas beitrage.
Da fühle ich mich manchmal sehr unbeholfen und finde mich selbst im analysieren des Verhaltens der anderen wieder um zu „lernen“ wie man sich verhält.
Dabei weiß ich innerlich auch, dass ich natürlich nicht nur erlerntes, abgegucktes/kopiertes Verhalten an den Tag legen will und das auch wenig authentisch wäre.
In manchen Situationen, auch wenn sie noch so harmlos sind, bremst mich der Gedanke aus, dass das, was ich sage, denke, empfinde, wie auch immer, da nicht reinpasst und von anderen missverstanden wird.
Meiner damaligen Therapeutin hab ich’s vor Ewigkeiten mal so beschrieben, dass ich mich vor allem in gesellschaftlichen Interaktionen oft fühle wie ein Würfel in einer Murmelbahn.
Das steht für mich irgendwo total im Kontrast zu dem, wie ich mich eigentlich fühle und auch zu dem Umfeld, in dem ich mich wohlfühle - nämlich eher extravertierten Menschen. Ich bin recht abenteuerlustig, teils auch risikofreudig, mache mein Handeln, was meinen Lebensweg betrifft, nicht von Meinungen anderer abhängig, gehe auch gerne mal mit dem Kopf durch die Wand und stecke nicht zurück, wenn ich von etwas überzeugt bin, habe einen großen Bekanntenkreis und genieße es auch ihn zu erweitern, bin spontan, lasse mich gerne zu allem möglichen neuen und unbekannten hinreißen.
Nun zu meiner Frage an euch und der Frage nach einem Ratschlag:
Sind hier Menschen, die vielleicht schon selbst die Erfahrung gemacht haben, dass etwas anderes dahintersteckte als nur Introversion, die zum Beispiel durch eine Therapie andere Themen bearbeiten und überwinden konnten, die dazu beigetragen haben, dass die Angst vor Sichtbarkeit einen zurückhält?
Oder gab es vielleicht andere Erkenntnisse, Erfahrungen, Schlüsselmomente?
Ich habe vor, das Thema im therapeutischen Rahmen noch mal anzusprechen, jedoch ist der Weg zu regelmäßigen Terminen, bei denen man auch in die Tiefe gehen kann, ein langer.
Ich würde mich über eure Gedanken dazu freuen und hoffe auf etwas Input, den ich in der Zwischenzeit schon mal auf mich wirken lassen kann und mir neue beziehungsweise andere Perspektiven bietet.