u/TrackKey1126

Wie seht ihr das
▲ 1 r/Arbeit+1 crossposts

Wie seht ihr das

ich brauche mal einen objektiven Blick auf meine aktuelle Arbeitssituation, da ich emotional gerade sehr feststecke und nicht weiß, ob meine Wahrnehmung stimmt.

Zu mir & den Rahmenbedingungen:

  • Qualifikation: Ich habe eine fundierte kaufmännische Ausbildung (Bürokauffrau) und eine darauf aufbauende kaufmännische Weiterbildung absolviert.
  • Aktueller Job: Seit rund 4 Jahren arbeite ich in einem inhabergeführten Hotel (ca. 75 Zimmer) an der Rezeption und mache dort „alles, was anfällt“.
  • Umfang & Gehalt: Teilzeit mit 50 Stunden im Monat (ca. 12 Std./Woche). Ich bekomme 15,40 € brutto/Stunde. Ich arbeite regelmäßig an Sonntagen und Feiertagen (ohne Zuschläge, die sind laut Chefin im Lohn "mit drin"). [123]
  • Gesundheit: Ich leide an einer chronischen Erkrankung (Depressionen) und falle deswegen immer mal wieder phasenweise aus.

Das emotionale Dilemma:
Die Inhaberin und ich sind privat befreundet. Als es mir gesundheitlich vor einiger Zeit sehr schlecht ging, war sie für mich da, hat mich nicht fallen gelassen und mir das Angebot gemacht: „Komm arbeiten, wie du dich fühlst, und nimm dir die Zeit, die du brauchst.“ Dafür bin ich ihr unendlich dankbar. Wenn geschäftliche Probleme auftreten, schlüpft sie im Betrieb allerdings sofort in die harte Chef-Rolle und trennt das strikt.

Das aktuelle Problem:
Ich habe meinen Urlaub eingereicht (den ich für meine gesundheitliche Stabilität dringend brauche). Mir wurde der Wunschtermin nun komplett gestrichen mit der Begründung: Die Chefin will an genau dem Termin selbst wegfahren. Das war völlig neu für mich. Es wird quasi erwartet, dass ich als 50-Stunden-Kraft die komplette operative Urlaubsvertretung für die Inhaberin stemme und dafür meinen eigenen Urlaub opfere.

Mein gesundes Bauchgefühl sagt mir: Ich arbeite hier als hochqualifizierte kaufmännische Kraft für gerade einmal 1,50 € über dem aktuellen gesetzlichen Mindestlohn (13,90 €), rette die unbeliebten Wochenenden und soll jetzt auch noch als Teilzeitkraft das operative Risiko des Hotels tragen, während sie an meiner Arbeitskraft verdient.

Auf der anderen Seite habe ich ein riesiges schlechtes Gewissen, weil ich eben wegen meiner Erkrankung ein „Risiko“ für den Betrieb bin und sie mir damals so geholfen hat. Eine befreundete Akademikerin meinte sogar zu mir, 15,40 Euro seien für eine "ungelernte Kraft" in der Hotellerie über Mindestlohn doch gar nicht so schlecht.

Meine Fragen an euch:

  1. Seht ihr mich hier wirklich als ungelernte Kraft? Sind ca. 15,40 € ohne Sonntagszuschläge für meine Qualifikation und Erfahrung im heutigen Marktumfeld fair?
  2. Ist es normal/rechtens, dass eine kleine Teilzeitkraft die komplette Urlaubsvertretung für die Geschäftsführung auffangen muss und der eigene Urlaub dafür gestrichen wird?
  3. Wie komme ich aus dieser emotionalen Schuld-Falle ("Sie hat mir damals geholfen, also muss ich jetzt zurückstecken") heraus?
u/TrackKey1126 — 4 days ago