Abgestumpft im Privatbereich
Hallo werte Mitstreiter.
Es gab jetzt eine Ansage in meine Richtung, die mich dann doch nachdenklich gemacht hat.
Zunächst einmal zu meinem Hintergrund:
Ich bin seit einigen Jahren Berufsfeuerwehrmann. War bei einer großen BF, bin vor kurzem zu einer anderen großen BF versetzt worden. Beides krasse Städte. Bei beiden in Revieren tätig in denen es viele Menschen gibt die von der Gesellschaft abgehängt wurden. Drogen, Elend, Gewalt, Kriminalität, Tod, Suizid, tragische Schicksale. Alles jetzt schon in zig Varianten oft genug erlebt. Und ohne jetzt wie ein tough guy klingen zu wollen: Es ist mir inzwischen völlig egal.
Am Anfang hat mich die Häufigkeit und die Intensität der Tragödien zu denen man gefahren ist echt fertig gemacht, aber viele Einsätze die mir damals noch den Boden unter den Füßen weg gerissen hätten gehen mir inzwischen komplett am Arsch vorbei. Ich bin da um einen guten Job zu machen, und nicht um übermäßig Mitleid für Menschen zu empfinden die ich nicht kenne.
Am Wochenende war nun Familientreffen. Und dort wurde die Geschichte der rasanten Drogenkarriere eines jungen Familienmitglieds offen gelegt. Es wurde alles erzählt, es gab Tränen von vielen Zuhörern.
Und ich? Höre davon und hake es ab. Eine Lebensgeschichte wie so viele andere die ich schon gehört habe. Es ist nicht so dass ich gar nichts gefühlt habe. Ich dachte mir schon „Nun ja, krass, jetzt verkack die Therapie nicht, Junge.“
Am Ende habe ich meiner sichtlich mitgenommenen Schwester gegenüber noch einen Witz darüber gemacht. Und sie sagte „Merkst du noch was? Es geht doch hier nicht um irgendjemanden, sondern um XY“.
Sie hat ja Recht. Ich höre wie sich ein junger Mann Anfang 20, den ich seit seiner Geburt kenne, beinahe mit Drogen ins Jenseits befördert hätte, und das Einzige was mir dazu einfällt ist ein dummer Witz?
Ich habe jetzt selber gemerkt wie mir sowas immer egaler wird. Jemand aus der Verwandschaft ist schwer erkrankt? „Ja, scheiße, naja, wird schon.“ Todesnachricht aus dem persönlichen Umfeld? „Krass“, „Na schöne Scheiße.“, „Ach Mensch, schade.“
Ich denke dass der Job das zu verantworten hat. Aber geht es uns nicht allen so? Ich kann ja nicht der Einzige sein. Ich bin doch nicht einfach ein empathieloser Idiot. Wenn jemandem aus meinem engsten Kreis etwas passiert dann reagiere ich auch anders.
Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, gerade in Gegenden mit brutal hohen Einsatzzahlen. Wie ist das bei euch? Habt ihr das einfach akzeptiert? Wie reagiert euer Umfeld darauf? Würde einfach mal gerne ein paar Stimmen dazu hören.