u/ee_st_07

▲ 304 r/Studium

Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist Fächer wie Elektrotechnik, Physik und Mathematik in Regelstudienzeit durchzujagen. Man braucht Zeit um Interessen und Intuition aufzubauen und das ist sehr wichtig für die Spezialisierung die man sich aussucht.

Zuerst: ja ich verstehe, dass manche wegen Bafög keine andere Wahl haben. Aber das soll kein Hauptgegenstand der Diskussion sein.

Kontext: ich studiere Elektrotechnik an einer TU und bin da nur etwas überdurchschnittlich, bin aber auch der einzige in meiner Familie der studiert und erfahre keinerlei Unterstützung.

Meine Erfahrung: viele meiner Kommilitonen studieren nicht in Regelstudienzeit und ich selber auch nicht. Ich bin auch durch Prüfungen durchgefallen oder habe ich mich abgemeldet. Jedoch habe ich mich im Folgejahr immer ein zweites Mal in die Vorlesungen gesetzt und nochmal den ganzen Zyklus mitgemacht. Das hat mir extrem geholfen eine sehr gute Intuition für die Fächer aufzubauen.

Im Gespräch mit Leuten in unteren Semestern ist mir aber dann aufgefallen, wie oft die Leute meinen, dass sie Prüfungen einfach nur bestanden (mal gut mal weniger gut) und keine Intuition für die Inhalte haben bis zu dem Punkt, dass ganze Vertiefungsrichtungen für sie nicht infrage kommen. Sie studieren aber in Regelstudienzeit. Selbst Leute mit wirklich sehr sehr guten Noten also wirklich die top 0,01% meinten zu mir sie hätten keine Ahnung von Themen, bei denen ich durch das zweite Mal besuchen der Vorlesung wirklich eine sehr gute Intuition habe, schlicht weil ich einfach deutlich mehr Zeit hatte. Und ich spreche hier von Grundlagen wie Regelungstechnik oder Festkörperphysik, das sind Grundlagen für ganze Spezialisierungen. Natürlich bedeutet das nicht, dass man nicht auch noch später Intuition dafür aufbauen kann, aber es ist dann anstrengender.

Ich bin an einem Punkt wo ich Leuten davon abraten würde, das Studium in Regelstudienzeit durchzujagen, wenn sie eine gute Intuition für die Inhalte haben wollen. Studieren ist mehr als von Prüfungsphase zu Prüfungsphase zu lernen. Verständnis und Interesse für die Inhalte sind mehr wert als möglichst viele bestandene Klausuren und gute Ergebnisse. Natürlich heisst das nicht Langzeitstudium, aber so ein bis zwei Semester mehr können einem enorm viel Luft geben.

Mir ist bewusst, dass jeder seine Prioritäten anders setzt, manche wollen schnell fertig sein und Karriere machen, nur habe ich bewusst angefangen, den Prozess über das Ergebnis zu priorisieren, und habe dadurch ein viel ausgeglicheneres Verhältnis zu mir und dem Studium entwickelt und will anderen diese Perspektive aufzeigen.

Trotzdem erkenne ich die sehr guten Leistungen meiner Kommilitonen an. Es ist eine enorme Leistung, so ein Studium in dieser kurzen Zeit mit guten Noten zu absolvieren.

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u/ee_st_07 — 1 day ago
▲ 814 r/Studium

Wenn ihr ein MINT-Fach studieren wollt, bereitet euch bitte nicht groß aufs Studium vor

Immer wieder lese ich von Schülern die fragen inwieweit man sich aufs Studium vorbereiten kann und sollte und ganz ehrlich: macht einfach nichts. Baut gesunde Energiereserven für das erste Semester auf. Die nächsten Jahre werden arbeitsintensiv genug. Bevor das Semester überhaupt angefangen hat schon Energie raus zu blasen ergibt keinen Sinn und tut für den Start nichts Gutes. Eure Energie und Gesundheit ist eine wirklich wichtige Ressource.

Kräfte sparen, starten sobald es losgeht und dann ernsthaft am Ball bleiben. In dieser Phase entscheidet sich bei vielen nämlich wie das erste Semester laufen wird. Ja man kriegt auch mit verhauenem ersten Semester das Studium hin, aber positive Erfahrungen stärken die Lernerfahrung und jede negative muss man immer erstmal verarbeiten. Jeder der kann sollte das vermeiden.

Wenn ihr mich fragt, am besten vorbereiten tut ihr euch, wenn ihr eure Interessen ausbaut, irgendwas findet, dass euch neben des Studiums einen Ausgleich gibt. Verstehen was das für euch sein könnte. Probiert euch aus, wenn ihr sowas nicht eh schon habt. Macht was mit Freunden, fahrt in den Urlaub.

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u/ee_st_07 — 6 days ago
▲ 246 r/Studium

Struggeln ist Teil des Studiums, lasst euch nichts anderes erzählen

Wenn sich Studenten online über ihr Studium auslassen, lese ich online immer wieder „Wenn dir dein Studium so schwer fällt, dann studier halt was anderes“. Ich verstehe nicht, wie man so eine Haltung haben kann. Ja klar ist irgendwann ein Punkt erreicht, bei dem man zu viel struggeln und definitiv nachdenken sollte, sich umzuorientieren.

Aber wer nicht versucht, sich auch mal durch den struggle durchzuarbeiten, der wird im Nachgang nicht wissen, ob es nicht vllt doch geklappt hätte. Es darf halt nur nicht zum absoluten Dauerzustand werden. Jedoch denke ich gibt es einen gesunden Ausgleich zwischen Erfolgserlebnissen und Rückschlägen und ich finde es total valide und wichtig über Rückschläge zu sprechen.

Nichts hat mich für mein Studium mehr motiviert als zu hören, dass Leute von denen ich dachte, dass sie nie Probleme hatten, auch gestruggelt haben. Für mich hieß das nicht „oh nein die hatten Schwierigkeiten, was soll ich denn dann machen?“ sondern viel eher„wenn die Schwierigkeiten hatten, dann darf ich das auch. Außerdem trotz der Schwierigkeiten ist aus den Leuten etwas geworden, wo ich hin will!“

Deswegen lasst euch nichts einreden, von wegen euer Studium sei nur was für euch, wenn ihr keine Rückschläge erlebt und ohne Schwierigkeiten durchkommt. Schön für die Leute bei denen das ist, einem Großteil der Leute geht es aber nicht so, nur reden viele nicht drüber.

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u/ee_st_07 — 26 days ago
▲ 612 r/Studium

Danke danke danke für diesen Kommentar. Ich bin es leid, dass ständig das Problem bei den Studenten und Absolventen gesucht wird.

u/ee_st_07 — 1 month ago
▲ 368 r/Studium

Manche haben völlig unrealistische Erwartungen beim Thema Alter und Studium

Lese ich hier grad einen Beitrag ob es mit 20 zu spät sei mit Studium anzufangen.. wohlgemerkt die Person wollte in den 2 Jahren arbeiten und Geld sparen. Wirklich kommt mal alle runter und hört auf euch von Leuten Druck machen zu lassen, nur weil die mit 16 von der Realschule gegangen sind und ne Ausbildung mit 19 fertig gemacht haben oder Eltern hatten, die privat Berufsberater gespielt haben und den Kindern das ganze Studium finanzieren (so sollte es ja auch sein, aber ist leider bei den meisten nicht so)

Fakt ist: Schule bereitet einen nicht aufs Arbeitsleben vor und bietet keine Orientierung!! Hölle wir sollen unser ganzes Leben das arbeiten, womit wir uns mit fucking 16/18 Entschieden haben?? Zeigt mir eine Person die mit 18 intelligente Lebensentscheidungen von ganz alleine in anderen Bereichen getroffen hat. Die meisten von uns waren unwissend und unvorbereitet in so vielen Aspekten.

Nur gibt’s da ne kleine hin und wieder laute Gruppe an Leuten, die sich mit 18 oder 19 ein Studium anfangen, Glück haben, dass sie es nicht scheiße finden und einfach fertig machen. Cool für die nur bitte gehört dann einfach nicht zu den Leuten, die es einfach nicht raffen, dass nicht jeder Lebensweg so linear ist. Wirklich nicht. Glaube Leute die da judgen checken wirklich erst in der Arbeitswelt, wie unterschiedlich Dinge laufen können, je älter man wird desto öfter trifft man auf eben solche Leute mit nicht linearen Lebensweg.

Ich seh auch lowkey dieses Argument nicht ein mit „Ja und die andern zahlen Steuern und Leute die so ‚spät’ studieren, was ist mit denen??“ Sorry aber solange der Staat eine so schlechte Arbeit in Sachen Berufsorientierung bei jungen Menschen leistet, können die von einem echt nicht erwarten, dass man aus der Schule mit Plan rauskommt. Dazu kommt noch, dass Politik grade eh nichts für uns macht. Wofür soll man sich Druck machen? Auf welche Zukunft sollen wir grade hinstressen? Seit Jahren wird sich um unsere Zukunft gar keine Gedanken gemacht, jetzt sollen wir uns noch als Inkompetenz, faul und nicht schnell genug betiteln lassen? Absoluter Schwachsinn.

Sorry wollte ich mal los werden. Bitte bitte nehmt euch die Zeit nachzudenken, welches Leben ihr führen wollt und trefft nicht willkürlich Entscheidungen nur um 2 Jahre zu sparen.

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u/ee_st_07 — 1 month ago
▲ 1.5k r/Studium

Wie hoch ist so bei euch der Median/Durchschnitt?

Bei uns Bachelor Median bei 9 Semestern und Durchschnitt 10,5 (Elektrotechnik TU)

u/ee_st_07 — 2 months ago

Eigentlich sollte es in Anbetracht von Inflation genau andersherum sein. Was vor 10 Jahren 50.000 waren sind es heute einfach nicht mehr. Ist es nicht außerdem richtig Scheiße auch für Berufserfahrene wenn der Markt geflutet wird mit billigen Absolventen ? Am Ende heißt es : ja also der macht den Job für noch weniger, klar Einarbeitung fehlt, aber auf Perspektive Gehaltserhöhung ist nicht. Das macht alles doch nur schlimmer

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u/ee_st_07 — 2 months ago