Sich angemessen kleiden zu können ist ein Skill

Ich finde es absolut traurig, dass "Hauptsache bequem" bei den allermeisten das Nonplusultra in ihrem modischen Empfinden geworden ist.

Keiner erwartet, dass du bei 40 Grad im Dreiteiler durch die Stadt rennst. Aber dass man in Hemd und Stoffhose beim Abendessen im Restaurant gefragt wird, warum man sich denn so schick gemacht hat, finde ich schon arg befremdlich.

Auch und gerade Herrenmode bietet so viele Möglichkeiten sich selbst auszudrücken, zu experimentieren und ein bisschen Ästhetik in den eigenen Alltag zu bringen.

Aber wo man hinschaut sieht man Typen in schlecht sitzenden Jeans, ausgelatschten Sneakers und verwachsenen Tshirts, weil das "ja so bequem" ist.

Dass man seine Garderobe dem Anlass entsprechend wählt hat etwas mit Kommunikation, sozialer Kompetenz und auch ein bisschen mit Selbstrespekt zu tun.

Dass du zu jeder Gelegenheit dein super-bequemes, aber dezent zerschlissenes 08/15-Go-To-Outfit trägst, lässt dich gar nicht so unabhängig und gefestigt wirken, wie du vielleicht denkst. Es macht immer ein bisschen den Eindruck eines bockigen Teenagers, der sich schon aus Prinzip jeder gesellschaftlichen Konvention verweigert.

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u/enharmonic_equiv — 3 hours ago

Warum gehen Sympathisanten demokratischer Parteien davon aus, die Mobilisierung von Nichtwählern würde der AfD schaden?

"Wählen ist wie Zähneputzen, wenn mans nicht macht, wirds braun" etc. - vor jeder Wahl die immergleichen Sprüche aus dem bürgerlich-progressiven Lager, als wären die 11 Millionen Nichtwähler ein nicht-erschlossenes Reservoir politisch moderater Bürger, die nur ein bisschen motiviert werden müssen, um ihre Stimme irgendwem zu geben, der nicht AfD heißt.

Soweit ich weiß gibt es wenig belastbare Zahlen zur konkreten politischen Ausrichtung von Nichtwählern, dafür aber eine Reihe von Aussagen, denen Nichtwähler zustimmen (infratest dimap, 2025):

Unzufriedenheit mit der Politik (72 %), Parteien seien alle gleich (46%), Wahlen hätten keine Bedeutung (43%).

Es ist nur mein subjektiver Eindruck. Aber Leute, die solche Motive angeben, klingen für mich nicht unbedingt wie die heimliche Reserve einer Politik der Mitte.

Zusätzlich hat die AfD 2025 am stärksten von der Mobilisation von Nichtwählern profitiert.

Klar ist eine hohe Wahlbeteiligung mit einer größeren gesamtgesellschaftlichen Repräsentanz vergesellschaftet, aber ich glaube nicht, dass wir ein kleineres rechtes Lager hätten, läge die Wahlbeteiligung bei 100%.

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u/enharmonic_equiv — 6 days ago

"Ich bin halt ehrlich"

ist in der Regel auch nur ein anderer Ausdruck für "Ich bin ein Arsch, der nie gelernt hat, empathisch zu kommunizieren".

Das geht schon beim Adressaten los. Selbstverständlich kann man einem engen Freund, der 30kg zugenommen hat, sagen, dass man sich um seine Gesundheit sorgt. Man sagt aber nicht irgendwelchen entfernten Bekannten oder Fremden, dass sie fett geworden sind (gleich ob on- oder offline). Und dem Freund sagt man dann auch nicht "friss weniger", sondern fragt vielleicht mal, was so los ist in seinem Leben.

Genauso im alltäglichen Miteinander. Wenn die Nudeln im Restaurant verkocht sind, kann man das freundlich anmerken und um einen neuen Teller bitten. Aber halt nicht den Kellner ranwinken, in publikumswirksamer Lautstärke zur Sau machen und sich dann weigern, zu bezahlen.

Auch im Bildungs-/Arbeitsbereich: Klar muss ich einem Schüler sagen, dass seine Leistung nicht ausreichend war oder einem Angestellten, dass er Mist gebaut hat. Das kann man aber wunderbar unter vier Augen machen und genauso gut kann man die Leistung kritisieren, ohne die Person des Gegenübers miteinzubeziehen.

Ich bin wirklich immer wieder baff, wenn ich sehe und höre, wie erwachsene Menschen miteinander umgehen und das für vollkommen normal halten.

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u/enharmonic_equiv — 13 days ago

Behaltet eure scheiß Pfoten bei euch

Ich bin männlich, Anfang 20. Bisschen dick war ich schon immer; in den letzten Jahren hab ich gut Muskeln draufgepackt und deshalb nun wohl das, was man im locker room talk als ✨Arsch und Titten✨ bezeichnen würde.

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Und bei jeder fucking Party, an der Männer in Kombination mit Alkohol teilnehmen, habe ich seitdem früher oder später irgendwessen Hände an meiner Brust oder meinem Arsch.

Nicht nur um kurz mal meinen Trainingszustand auszuchecken (was ja auch schon dezent übergriffig wäre), sondern einfach, um mich zu betouchen.

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Immer Männer. Alles selbstverständlich Heteros, haben in der Regel ne Freundin und sind oft vom eher so vom Typ "Schwulsein ist bäh". Hält sie nicht davon ab, mich zu begrabbeln; ich vermute mittlerweile eher im Gegenteil.

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Ich weiß - trotz jahrzehntelanger Bemühungen kriegen es immer noch nicht alle Männer hin, Frauen nicht ungefragt an den Arsch zu fassen. Wäre trotzdem irgendwie nett, wenn wir das vielleicht einfach auf alle beziehen und schlicht niemanden willkürlich, renintent und immer wieder ungefragt begrabbeln.

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u/enharmonic_equiv — 16 days ago

Wie kann es sein, dass Krankenhäuser nicht klimatisiert sind?

Ich arbeite an einer deutschen Uniklinik, wir sind keine Kaffklitsche, wir sind kein spendenfinanziertes Wohlfahrtsprojekt, sondern Maximalversorger - also relativ am Ende der medizinischen Fahnenstange.

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Wie kann es sein, dass auf unseren Normalstationen flächendeckend keine Klimatisierung vorhanden ist? Die Leute liegen da, kardial dekompensiert, Ödeme von hier bis Timbuktu und sieden bei teilweise 30 Grad im Patientenzimmer im eigenen Saft vor sich hin. Ganz zu schweigen von Pfelgern und Ärzten, die bei diesen Temperaturen konzentriert arbeiten sollen.

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Klimawandel ist Realität, auch in DE. Wir haben hier immer mehr Hitzeperioden und tendenziell in Zukunft mehr als weniger davon. Dass ÖPNV, Unrernehmen und Behörden keinen vernünftigen Hitzeschutz hinbekommen, hinterfrag ich ja schon gar nicht mehr.

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Aber Krankenhäuser, Altenheime, Schulen? Das ist doch echt unhaltbar.

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u/enharmonic_equiv — 18 days ago

Warum hat sich in Mitteleuropa das Bidet nicht durchgesetzt?

In Südeuropa, auf dem Balkan, im Nahen und Mittleren Osten... Überall trifft man eher häufiger als selten auf Bidets.

Wir halten aber irgendwie daran fest, uns solange Papier durch die Kimme zu schieben, bis wir glauben, halbwegs den größten Batzen Fäzes weggekratzt zu haben.

Warum?

Was übersehe ich hier, das das Bidet nicht zur besseren Lösung auf jeder Ebene macht?

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u/enharmonic_equiv — 1 month ago

ß-Blocker bei Auftrittsangst

Hallo zusammen,

ich studiere im 3. klinischen Semester Medizin und parallel Musik.
Von Kommilitonen habe ich jetzt des Öfteren gehört, dass sie vor Auftritten und praktischen Prüfungen ß-Blocker wie Propanolol einsetzen, um Tremor und vegetative Symptomatik zu reduzieren.

Ich weiß, dass die Studienlage dazu überschaubar ist.

Habt ihr aus dem persönlichen Bereich Erfahrungen mit so einem Off-Label-Use? Weil ihr Musiker oder ähnliche Berufsgruppen betreut oder vielleicht sogar selbst betroffen seid (vielsagender Seitenblick rüber zur schneidenden Zunft)?

Würde mich über Erfahrungsberichte freuen!

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u/enharmonic_equiv — 1 month ago

Ich liebe unsere dunkle Erdgeschosswohnung

Ja, im Winter ist es dauerhaft dunkel und Pflanzen fristen bei uns eher häufig als selten ein trauriges und kurzes Dasein. Aber während jetzt die ersten im Dachgeschoss schon wieder rohes Hackfleisch hochwerfen und gebratene Buletten fangen können, sind es bei uns konstant maximal 22 Grad in der Wohnung und ich liebe es.

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u/enharmonic_equiv — 1 month ago

Iss dein Fleisch, trink deine Milch, aber steh wenigstens dazu

Ich bin nichtmal Vegetarier, aber ich kann's trotzdem nicht mehr hören.

"Also wir essen ja nur ganz selten Fleisch, und wenn, dann vom Bauern gegenüber"

"Ich esse nur noch Wild, da geht es den Tieren viel besser."

"Unsere Eier holen wir alle nur vom Hofladen"

"Die Milch kommt immer vom Hof nebenan"

Niemand hat gefragt, niemanden interessiert deine halbgare Rechtfertigung vor dir selbst. Wenn es Teil deiner Ethik wäre, Tieren nicht zu schaden, äßest du sie gar nicht.

Tust du aber, also steh auch dazu.

Dass man glaubt, sich aus seiner moralischen Misere (die man ja offensichtlich doch irgendwie anerkennt, sonst würde man nicht so einen Eiertanz aufführen) mit ✨gutem Fleisch✨ rauskaufen zu können, ist schon armselig genug.

Noch armseliger ist nur, dass bei den gleichen Leuten dann doch die 1,19€-Salami vom Aldi aufm Tisch liegt (mehrfach erlebt).

Ich esse selbst Fleisch. Ich weiß, dass mir, wie man es auch dreht, Vegetarier und Veganer da ethisch einen Schritt voraus sind.

Aber zumindest steh ich dazu.

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u/enharmonic_equiv — 2 months ago

Du bist nicht besser, weil du nicht fett bist

Tagtäglich liest man auf dieser Plattform Beiträge von irgendeinem Hanswurst, der dicken Leuten erzählt, dass sie an alledem selbst Schuld sind und eine Abnahme das einfachste der Welt ist.

Diese Leute waren entweder

a) ihr ganzes Leben noch nie von Übergewicht, einer Essstörung oder ähnlichem betroffen oder

b) selber fett, haben massiv abgenommen (Chapeau!) und ziehen jetzt ihren gesamten Selbstwert daraus, sich moralisch über Dickgebliebene zu erheben.

Es ist legitim, darauf hinzuweisen, dass Adipositas gesundheitsschädlich ist (deshalb hat ein BMI >30 per defintionem Krankheitswert), auch, wenn ich nicht weiß, warum Otto-Normal-Büger den Gesundheitszustand anderer kommentieren müssen.

Es ist auch legitim, auf die immensen Kosten von Adipositas und ihren Folgeerkrankungen für die ✨ Solidargemeinschaft✨ hinzuweisen, weshalb in Therapie und vor allem Prävention dieser Krankheit(en) schon rein volkswirtschaftlich gedacht dringend investiert werden sollte.

Es ist aber nicht legitim, und noch dazu ein Zeichen ziemlicher geistiger Armut, Betroffene eines Krankheitsbildes, das in den seltensten Fällen seine Ursache in "ist zu faul sich zu bewegen und zu gierig um weniger zu fressen" findet, bei jeder sich bietenden Gelegenheit herabzuwürdigen.

Adipositas, besonders alles überhalb von Grad I, ist in der Regel extrem multifaktoriell in seiner Ursache. Die überkalorische Ernährung ist in vielen, wenn nicht den meisten Fällen, eher Symptom von tiefer liegenden Pathophysiologien. Das kann eine Hypothyreose sein, ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt (Ghrelin/Leptin), eine Hyperplasie von Adipozyten durch Übergewicht in der Kindheit, aber auch irgendein psychisches Leiden.

Das hat alles gehört adäquat behandelt anstatt verurteilt. Haben wir uns bei anderen Krankheiten Gesellschaft eigentlich auch drauf geeinigt.

Natürlich entbindet das niemanden von der Verantwortung für sich selbst. Grundlage von Übergewicht ist in letzter Konsequenz immer ein Missverhältnis von Kalorienaufnahme und -verbrauch und es liegt an jedem selbst, die Ursache ggf. behandeln zu lassen.

Der Gang zum Endokrinologen, zum Psychologen o.ä. ist aber nunmal ein immenses Hinderniss, gerade für psychisch erkankte, und das letzte was diese Menschen brauchen sind externe Schuldzuweisungen von Unbeteiligten.

(Die Krone wird dem nur aufgesetzt von Leuten, die Dicke verteilen, weil sie die "Abnehmspritze" für eine erfolgreiche Abnahme nutzen. Das ist so widersinnig und heuchlerisch, dass ich eigentlich gar nicht drauf eingehen möchte.)

Dicke bieten allein aufgrund ihrer Optik und der oberflächlichen Ursache ("frisst zuviel") eine hervorragende Angriffsfläche für jeden, der ein anderes Problem mit sich rumträgt, um sich selbst nochmal ein bisschen besser zu fühlen. "Immerhin bin ich nicht so faul und habe keine Selbstkontrolle".

Das aber andauernd in die Welt zu krakelen und ggf. Betroffenen noch ins Gesicht zu sagen, ist einfach ein armseliger und noch dazu unfassbar verletzender Kompensationsmechanismus.

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u/enharmonic_equiv — 2 months ago

Die jüngere Generation hat ein massives Problem mit Eifersucht und Vertrauen

Ich lese gerne in den einschlägigen Subs mit, die sich mit Beziehungen und Liebe beschäftigen, und mir fällt dabei immer wieder auf, wie rigide und kompromisslos die Meinungen beim Thema Eifersucht / Kontakt mit Menschen des anderen Geschlechts sind.

Er schreibt zu freundlich mit einer Kollegin? No go. Sie geht Kaffee trinken mit einem männlichen Freund? Red Flag. Er fährt mit seiner gemsichtgeschlechtlichen Freundesgruppe in den Urlaub? Trenn dich. Sie pennt bei einem gemeinsamen Freund, weil der letzte Bus weg ist? Hundertpro betrügt sie dich.

Natürlich muss jedes Paar selber definieren, wo es seine roten Linien zieht. Aber wenn ich mir als Mann in einer langjährigen Beziehung (bzw: meine Partnerin sich) die Ratschläge hier zu Herzen nehmen würde... Ich hätte ausschließlich männliche Freunde, würde mit anderen Frauen maximal kurze Sätze zum sachdienlichen Informationsaustausch wechseln und meine Freizeit ausschließlich und ungeachtet der Umstände mit meiner Partnerin verbringen.

Mich stört gar nicht so sehr, dass das an Prüderie und Spießigkeit mehr nach den USA der 50er-Jahre als nach 21. Jahrhundert im ach so modernen Europa klingt...

Sondern dass die Menschen ihre Partner und Freunde für triebgesteuerte und zur reflektiven Entscheidungsfindung unfähige Schürzenjäger*innen halten, denen einzig und allein die Gelegenheit zum Fremdgehen fehlt - insgesamt ein sehr fragwürdiges Menschenbild und eigentümliches Anspruchsdenken.

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u/enharmonic_equiv — 2 months ago