
DSA-Transparenzdatenbank ausgewertet: Die Meldungen von X und Threads sind kaum plausibel
Der Digital Services Act verpflichtet Plattformen, Nutzern zu begründen, wenn sie deren Inhalte entfernen oder einschränken. Diese Begründungen müssen zusätzlich an die öffentliche Transparenzdatenbank der EU-Kommission gemeldet werden. Pro Fall steht dort unter anderem, was entfernt wurde, warum, wann und ob die Entscheidung automatisiert oder manuell getroffen wurde.
Ich habe die Daten für ein Video ausgewertet, rund 2 Milliarden Einträge aus 4 Monaten. Dabei sind mir zwei Dinge aufgefallen, die ich hier gern zur Diskussion stellen würde.
- X: manuelle Löschungen ausnahmslos am selben Tag
X meldet gut 1 Mio. Löschungen, davon ca. 900.000 automatisiert und ca. 130.000 manuell. Bei den automatisierten liegt die Bearbeitungszeit in 100 % der Fälle bei 0 Tagen. Das ist plausibel, weil Filter beim Upload greifen.
Bei den manuellen steht exakt dasselbe: 0 Tage, ebenfalls 100 %. Dass bei 130.000 Fällen jeder einzelne noch am Tag der Veröffentlichung von einem Menschen gefunden, geprüft und entfernt wurde, halte ich für ausgeschlossen. Naheliegender ist, dass das Feld nicht befüllt wird und leere Werte als 0 erscheinen.
- Threads: 100 % „Betrug“
Bei der Begründungskategorie gibt Threads in sämtlichen Fällen Betrug an. Keine Hassrede, keine Gewalt, keine andere Kategorie. Nachweisen kann ich nicht, dass das falsch ist, aber eine realistische Verteilung sieht anders aus.
Warum das für Nutzerrechte relevant ist:
Moderation wird zunehmend unsichtbar. Statt Inhalte zu sperren, wird ihre Reichweite gesenkt. Der Beitrag bleibt online, wird aber kaum noch ausgespielt. Betroffene merken das oft nicht und können sich entsprechend nicht wehren. Soweit ich den DSA verstehe, fallen auch solche Sichtbarkeitseinschränkungen unter die Begründungspflicht.
Die Transparenzdatenbank wäre damit eines der wenigen Werkzeuge, mit denen man von außen nachvollziehen kann, wie Plattformen moderieren. Wenn die gemeldeten Daten aber offensichtlich unvollständig oder pauschal befüllt sind, erfüllt sie diesen Zweck nicht. Ob Absicht, technischer Fehler oder Nachlässigkeit, lässt sich aus den Daten nicht sagen.
Das heißt nicht, dass Löschungen grundsätzlich problematisch sind. Ein großer Teil betrifft klar rechtswidrige Inhalte, und ohne Automatisierung ist das Volumen nicht zu bewältigen. Der Punkt ist die fehlende Überprüfbarkeit.
Das Video dazu ist von meinem eigenen Kanal: https://youtu.be/d8eGbjIYHGQ