
Kurzer Blick in die Zukunft, Elektrifizierung, Hitze und Strommarkt
Zur Auflockerung jetzt mal nicht Hitzepost Nr 569, sondern ein kleines Preview wo die Reise hin geht.
Die Portasplit Anlagen sind ausverkauft, woraus man schließen kann, dass all jene die nicht für die Hitze gemacht sind jetzt langsam geschnallt haben, dass es ohne Klimatisierung nicht gehen wird. Die Goldgräberstimmung, die es während dem Solarboom für PV gab kommt jetzt für die Installation von Klimaanlagen.
Woher jetzt aber die Energie dafür nehmen? Wird das nicht unsere Strompreise ins unermessliche treiben?
Nur wenn wir weiterhin in traditionell Österreichischer Manier bei den Stromtarifen auf "hamma immer schon so" beharren.
In den letzten Tagen sieht man recht schön einen solchen Verlauf an der Strombörse. Gegen die Mittagszeig günstig, am Abend sehr Teuer. Das ist nicht nur bei uns so, sondern gilt für die EU, ausgenommen Skandinavien https://www.epexspot.com/en/market-results
Kurz erklärt wird der Preis aus Angebot und Nachfrage bestimmt. Viel PV zu Mittag, niedriger Preis. Keine PV am Abend, aber alle kommen heim und kochen sich was, stecken das Auto an, nehmen eine lauwarme Dusche, Fernseher, PC, Klimaanlage etc.
Jetzt haben wir in Österreich das Glück, dass unsere Pumpspeicherkraftwerke einen Großteil dieses Peaks abfangen, aber auch wir verstromen Gas dazu. Polen und Tschechien fahren mit der Kohle hoch und genauso wie Deutschland wird Gas dazu geschaltet. Und wie wir wissen: Gas so ziemlich der teuerste Strom den wir haben. https://app.electricitymaps.com/map/zone/AT/live/fifteen_minutes
Jetzt ist es natürlich so, dass das dem Durchschnittsbürger absolut wurscht ist. Man hat beim Stromanbieter einen Fixtarif und zahlt pro kWh immer das selbe.
Wenn das Thema Marktarif angesprochen wird kommen folgende Gegenargumente:
- Ich habe keine Zeit jeden Tag nach dem Preis zu schauen
- Ich brauche Planungssicherheit für mein Budget
- Mein Fixtarif kommt mir unterm Strich günstiger wegen solchen Peaks
Nur 1 können wir gleich mal so abarbeiten: brauchst eh net. Sonne? Waschmaschine. Warmwasserboiler? Zeitschaltuhr. Abendessen? Leichte Kost. Auto am Abend anstecken? Besser zu Mittag, aber wenns sein muss mach eine Zeitverzögerung ab 00:00 oder so.
Fertig. Da braucht man nicht täglich nachsehen sondern kommt damit schon günstiger, weil der Verlauf generell zu 95% genau so aussieht.
- Ja, der Preis ändert sich mit der Großwetterlage. Uns fehlt gerade der Regen, daher weniger Wasser, daher in der Nacht teurer als sonst. Tagsüber günstiger wegen PV, aber auch nicht soo günstig weil es noch nicht annähernd genug PV gibt (!!) , am Abend Peak weil alle heim kommen und alles anschalten.
ABER
Auch der Stromanbieter braucht Planungssicherheit für sein Budget. Und der hat Leute angestellt deren Job es ist genau so was zu berechnen. Der Fixstrompreis der gezahlt wird ist so kalkuliert, dass der Stromanbieter um 40ct Strom am Markt einkaufen kann, euch um eure 20ct weiterverkauft und dann unterm Strich immer noch positiv aussteigt, weil er in den anderen Stunden weniger dafür zahlt.
Wann ist der letzte Stromanbieter pleite gegangen? Wenn Fixpreise unterm Strich günstiger für die Kunden wären, dann würden ständig welche pleite gehen.
Hier mal als Beispiel Smartenergy Control, Markttarif. 2,99 Euro pro Monat Grundgebühr macht rund 36 Euro pro Jahr. 1,44ct Abwicklungsgebühr pro kWh, da komme ich bei 2500kWh im Jahr auch auf 36 Euro, also ingesamt 72 Euro die der Stromanbieter pro Jahr an mir verdient. Der Rest meines Strompreises geht an die Produzenten, an das Netz und an den Staat.
Das praktische für den Stromanbieter ist hier, dass er die 72€ fix bekommt. Es ist egal, ob der Strom irgendwann 50ct oder minus 20ct kostet, ich zahl die Grundgebühr und die 1,44ct pro kWh.
Bei einem Fixtarif hat der Stromanbieter diesen Luxus nicht. Der muss den Preis eben so wählen, dass er auf seine Marge kommt, auch wenn ein neuer Krieg den Gaspreis pusht. Wie wahrscheinlich ist das? Wie hoch wird der Preis damit gepusht? Wie hoch wird die Marge dadurch? Alles Rechnungen, die der Stromanbieter machen muss. Wenn er weniger als 72€ rausbekommt, dann hat er verloren. Wenn er mehr als 72€ rausbekomm hat er gewonnen.
Wie viele Stromanbieter habt Ihr in letzter Zeit pleite gehen sehen?
Diese Peaks die wir am Abend sehen werden in die Fixtarife einkalkuliert.
Dadurch das wir diese Peaks mit unserem Stromkonsumverhalten auslösen, treiben wir den Preis nach oben.
Je mehr Leute ein bisschen auf den Markt schauen und den Stromverbrauch anpassen, und sei es nur eine Zeitschaltuhr für den Boiler, desdo mehr drücken wir den Preis für uns alle. Desdo weniger Gas und Kohle wird verstromt. Desdo besser sind wir für die Zukunft gerüstet.
Dankeschön.