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Altersvorsorgedepot - Finger ran!
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Altersvorsorgedepot - Finger ran!

Gestern wurde hier ein Post geteilt, der dargestellt hat, dass das Altersvorsorgedepot (AVD) vermeintlich signifikant schlechter sei, als es ein normaler ETF-Sparplan wäre. Es wurden verschiedene, meiner Meinung nach, falsche Annahmen getroffen, die das Ergebnis sehr stark in Richtung ETF getilted haben. Daher habe ich meine letzte Betrachtung nochmal etwas erweitert. Und spoiler: das Altersvorsorgedepot ist genauso gut, wie es eigentlich von jeder Seite bisher kommuniziert wurde.

Annahmen Person:

  • Alter heute: 30 Jahre
  • Bruttojahresgehalt: 85.000 € (für die Grenzsteuersatz-Berechnung)
  • Kinder: 0 (keine Kinderzulage)
  • Berufseinsteiger-Bonus (unter 25): nein

Annahmen Sparphase

  • Monatlicher Eigenbeitrag: 150 € (1800 €/Jahr); Grundzulage 540 €/Jahr)
  • Renteneintritt: mit 67, also 37 Jahre Sparphase
  • Erwartete Rendite p.a. 7,0 %
  • Kosten AVD (TER) 0,10 % p.a.
  • Kosten ETF-Vergleich (TD, reale Kosten): 0,00 % p.a. (für den Gral jedenfalls)
  • Steuererstattung aus Günstigerprüfung wird nicht-gefördert in das Depot reinvestiert
  • ETF-Vergleichsmodus ist „parallel" geschaltet, also gleicher Eigenbeitrag fließt in einen ETF, ohne Zulagen, mit Vorabpauschale

Rente:

  • Auszahlung von: 67 bis 85, also die Minumum 18 Jahre Entnahme
  • Einmalentnahme zu Rentenbeginn mit 30 % des Depotwerts
  • Restkapital wird über Auszahlplan entnommen (gleichmäßige Entnahme über 18 Jahre)
  • Rendite Auszahlphase AVD 4,0 % p.a. (das ist ein großer Unsicherheitsfaktor wie das im auszahlplan von den Anbietern gehandled wird. WEnn man frei entscheiden kann, ist es nur logisch es identisch wie beim ETF zu machen)
  • Rendite Auszahlphase ETF 4,0 % p.a. (partielle Umschichtung in sicherere Assets, aber dennoch >60% Aktienquote)
  • Kosten Auszahlphase AVD 0,50 % p.a. (naja, fraglich, aber mal im Zweifel angenommen, tilted also ggf. dann noch in Richtung AVD)
  • Sonstige Alterseinkünfte (gesetzl. Rente etc.): 35000 € p.a. (nur das Depot wird zusätzlich betrachtet)

Besteuerung in der Rente:

  • Steuer läuft progressiv auf AVD-Entnahmen (nachgelagerte Besteuerung), also sonstige Alterseinkünfte liegen angenommen pauschal bei 35000 € brutto pro Jahr). BEi Interesse kann man es auch mit maximalem Steuersatz modellieren, aber selbst dort ist das Delta immer noch positiv)
  • Halbeinkünfteverfahren für Erträge aus dem nicht gefördertem Topf aus der Steuerrückzahlung!! Hier kann es sogar sein, dass es sich signifikant lohnt, wenn man über die 150 € einzahlt. Aber tbd, das muss man sich noch genauer anschauen
  • ETF-Vergleich konsistent, also Vorabpauschale (gerechnet mit 2.29% Basiszins; aktuell ist er bei 3.2%) in der Ansparphase + finale Kapitalertragsteuer (26,375 %, 30 % Teilfreistellung) auf Gewinne bei Entnahme

Ergebnisse:

  • Endkapital AV-Depot (brutto): 460.738 € bei Renteneintritt
  • Endkapital ETF-Depot (brutto): 286.005 € bei Renteneintritt
  • Einmalzahlung AV-Depot netto: 87.308 € (Steuer 50.914 €)
  • Einmalzahlung ETF-Depot netto: 73.649 € (Steuer 16.653 €)
  • Laufende Auszahlung AV-Depot ~1400€ netto pro Monat
  • Laufende Auszahlung ETF-Depot ~1130€ netto pro Monat
  • Kumuliertes Kapital AV-Depot: 388.744 € (+27%)
  • Kumuliertes Kapital ETF-Depot: 306.374 €

Das ist jetzt alles für jemanden gerechnet, der 42% Grenzsteuersatz während der Ansparzeit und keine Kinder hat. Wenn man mit median und 2 Kindern rechnet, ist das Endvermögen und Delta für das AV-Depot etwa genauso hoch (leicht höher, +28%). Ich denke es ist trivial, aber Durchschnittsfamilien profitieren überdurchschnittlich vom AV-Depot als DINKS, und das ist gut so (wenn man hohes Einkommen und viele Kinder hat, bringt es natürlich absolut wieder etwas mehr)

Für das, was es erreichen soll, also Rentenlücke schließen, kann es gutes Werkzeug werden. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Betriebliche Altersvorsorge und die ungeförderte private Vorsorge verdienen auch "gute" Produkte

Hoffe ich habe keine Annahme übersehen oder eine falsche gemacht..

edit: mir ist aufgefallen, dass die Steuerdaten (also Formel für Grenzsteuersatz und Freibetrag) 2 Jahre zu alt waren. Das führt dazu, dass das AVD nach Korrektur noch etwas besser performt (etwa 12k € mehr kumulativer Betrag nach den 37 Jahren)

u/smallDeltaBigEffect — 1 day ago

Betriebliche Altersvorsorge ist für die meisten sogar schlechter als das alte Riester

Annahmen: 200 € brutto pro Monat Entgeltumwandlung (sind dann 86,5 € Monat netto bei median Einkommen in DE) eingezahlt in eine bAV (3% nominalrendite und 1.4% Kostenquote; Versicherungstypisch find ich) mit 15 % Arbeitgeberzuschuss, 32 Jahre Laufzeit

Nach den Annahmen kommt die bAV nach Steuern, Krankenversicherung der Rentner, niedrigerer gesetzlicher Rente und Versicherungskosten auf so grob 58.000 € netto bei einer Einmalzahlung. Ein MSCI World, der nur die 86 € Nettoaufwand investiert, landet bei ca. 83.000 € netto.

15% (gesetzlich vorgeschriebener) Zuschuss sind ja eine reine Geldverbrennung. Für die Firma zwar Betriebsausaben, aber dieses Geld schlechter zu investieren wird wohl kaum möglich sein. Der Zuschuss reicht ja nichtmal ansatzweise um Kosten, nachgelagerte Besteuerung und Sozialabgaben auszugleichen. Bei den o.g. Kosten muss der Arbeitgeber 55 % zuschießen, damit es zugunsten der bAV ausgeht.

Gibt euer AG, ich kenn es aus dem ÖD bspw. dass VBL extra komplett vom AG getragen wird (nobrainer), mehr als 15% dazu? Mir war zwar immer bewusst, dass betriebliche Altersvorsorge echt schlecht ist, aber dass es extra Geldverbrennung plus >40% weniger ist, war dann doch neu. Wie sehen Verzinsung und Kosten bei eurer Betriebsrente aus?

Bei Gutverdienern jenseits der Beitragsbemessungsgrenzen siehts ja noch viel schlimmer aus, weil die Reduktion der Sozialversicherungsbeiträge dann nicht mehr greift. 200 € sind dann ja ziemlich genau 116 € und der Unterschied wird über den o.g. Zeitraum noch krasser (~58k € vs. 111k €)

Wann Altersvorsorgedepot bAV? Wäre das nichtmal ne sinnvolle Ergänzung / Erweiterung zum kommenden Altersvorsorgedepot?

reddit.com
u/smallDeltaBigEffect — 5 days ago

Innerhalb von 10 Jahren spart man mit einem ID.3 gegenüber einem Golf 10.000 €

Der VW Golf ist nach wie vor mit eines der meist zugelassenen Autos, sowohl im Bestand (so approx 5.5 Mio) als auch bei Neuzulassungen (April 26 und gesamt 2025 jeweils auf dem ersten Platz). Und das logische Äquivalent der neuen Antriebe ist der ID.3. Ich finde man hört und liest noch sehr oft, dass Elektroautos signifikant teurer sind, als ihre elektrischen Geschwister. Ist ja (hier im Sub vermutlich Grundwissen) nicht mehr so ganz der Fall (bspw Tagesschau Artikel hier)

Die meisten Leute kaufen allerdings nicht neu, weswegen ich mir im Kontext von ner Anschaffung eines Autos im letzten MOnat die genauen Gesamtkosten von verschiedensten Elektroautos und deren Verbrennern angeschaut hab. Ein ID.3 ist es nicht geworden, sondern ein Enyaq, aber den Vergleich ID.3 zu Golf finde ich dennoch relevant. Daher hier der Vergleich, bzw. die (triviale) Berechnung dazu die ich teilen wollte. Vielleicht hat ja jemand noch Anmerkungen, oder ich hab was übersehen. Erstmal die zwei konkreten Angebote auf mobile.de die ich vergleichbar finde

VW Golf VIII 1.5 eTSI mit DSG für 24500 €, EZ 08/23, 50k km

VW ID.3 Pro S 77 kWh, 24950 €, EZ 10/22, 42k km

Annahmen:

  1. 15k km / Jahr
  2. Benzin 1,92 € / L, Strom 0,35 € / kWh
  3. Verbrauch: Golf 5.5 L / 100 km; ID.3 16,3 kWh / 100 km
  4. Versicherung: Golf 980 €, ID.3 1030 € p.a (joa hängt halt individuell von SF-Klasse ab)
  5. Wartung pro Jahr: 500 € für den Golf, 300 € für den ID.3
  6. THG Prämie 250 € / Jahr
  7. Restwert erstmal 0 € Differenz; habe eher die Mentalität ein Auto "zuende" zu fahren; hier könnte die größte Differenz entstehen, ist aber auch am unsichersten

Eine einfache Berechnung bedeutet bei den km / Jahr dann eine Kostendifferenz der laufenden Kosten von etwa 910 € weniger pro Jahr für den ID.3. Etwa 4% weniger pro Jahr, wenn man das auf den Kaufpreis rechnet. Nach 10 Jahren (ohne potentielle Reparaturen und Reifen) ergeben sich die hier dargestellten Gesamtkosten A ist entsprechend ID.3.

kritischer Punkt allerdings: das gilt für 0,35 € / kWh gemittelten Ladepreis. Wer hauptsächlich an DC-Ladern lädt, und dann 0,60 € / kWh zahlt, der wäre dann rein kostentechnisch bei etwa 300 € günstiger pro Jahr im Vergleich zum Golf (hätte gedacht wäre schlimmer). Wenn man gar nicht irgendwie regelmäßig laden kann, ist ein Elektrowagen ja eh raus, trifft aber auf nur sehr wenige Szenarien wirklich zu

Soft Faktoren (oder je nach Wichtigkeit für einen persönlich) die wohl typabhängig sind

  • Akku-Tausch Risiko nach Garantie (statistisch sehr klein, aber emotional schon noch sehr relevant (in Deutschland))
  • Subjektive Faktoren wie Standheizung, Fahrgefühl, DSG-Verhalten, usw
  • Wallbox-Investition, falls möglich. Zu Hause laden ist nicht kostenlos und hängt auch sehr von der Wohnsituation ab
  • Ideologie?

Also wenn es rein ums finanzielle geht, man planbar laden kann UND (vermutlich das essentiellste) man sich keinen extrem günstigen Benziner / Diesel für <10k € anschaffen möchte, sind Elektroäquivalente vermutlich immer besser, vielleicht ists ja interessant, Cheers

u/smallDeltaBigEffect — 7 days ago

Vorweg: trigger Warnung für Dividendensammler, sorry. Folgenden Satz liest man hier eher weniger, aber dafür umso mehr in anderen Echokammer-Subs: "Meine Allianz/Siemens/sonstwas Aktie zahlt mir mittlerweile 14% auf den Einstand, krasse Rendite, das schafft ihr mit euren ETFs nicht". Klingt oberflächlich ja erstmal ganz gut, ist auch mathematisch prinzipiell richtig, aber die Schlussfolgerung ist halt einfach sinnlos, bzw. falsch

YoC (Yield on cost) = aktuelle Jahresdividende / Kaufpreis × 100, oft auch als "meine" persönliche Dividendenrendite bezeichnet. Relativ trivial, also das ist keine Kennzahl oder sonst irgendwas besonderes.

Ich hab die Aktie für 50 € gekauft, damals 1 € Dividende. Zehn Jahre später Kurs 100 €, Dividende 3 €. Aktuelle 3%, aber dein YoC liegt bei 6%. Eine Verdreifachung der Ausschüttung! Klingt erstmal toll, ist aber nur eine Funktion davon wie stark der Kurs gestiegen ist und wie lang man die Aktie hat.

Der gleiche Mechanismus funktioniert genauso mit einem ausschüttenden ETF, bspw MSCI World, Kaufpreis 100 €, Ausschüttungsrendite 1,5%, Kursverdopplung in 10 Jahren auf 200 €, Dividende ist bei 3 € und meine "persönliche Dividendenrendite" ist bei 3%. Bei einem MSCI World 3% Dividenden! krass oder?

Dividenden sind (ganz offensichtlich) keine kostenlose Rendite

Ich denke das ist für den wirklichen regular Nutzer hier nix neues, aber der Irrglaube ist schon immer noch sehr, sehr verbreitet. Knüpft ein wenig an meinen Vorabpauschale-Post vor ein paar Wochen an. Jede Ausschüttung löst direkt Kapitalertragssteuer + Soli aus, also ~26 %, mit Aktien-Teilfreistellung effektiv 18,46 % beim ETF. Das ist, über dem Freistellungsauftrag, erstmal weg. Zusätzlich sinkt der Aktienkurs nahezu proportional zur Ausschüttung.

Das Problem bei Dividendenstrategien ist, dass gleich gut sein nicht reicht

Wenn deine Aktien-Dividendenstrategie exakt dieselbe Brutto-Gesamtrendite liefert wie ein thesaurierender Index-ETF, hast du am Ende trotzdem deutlich weniger im Depot. Wegen der jährlichen Steuer auf die Ausschüttungen. Und, was dann dazu kommt, ist die Teilfreistellung. Selbst wenn ich vor Steuern mit dem Index nominal im Depot auf einer Höhe bin, zahle ich deutlich mehr Steuern auf den Gewinn der Aktien, als auf einen Index-ETF. Sicherlich kann man irgendwie modellieren, wie Quellensteuern, etc. sich in den einzelnen Aktien verhalten und die nötige Überperformance etwas schmälern, aber letztlich ändert das nichts am Fakt, dass der Index Brutto erstmal mehr als geschlagen werden muss, um ihn >wirklich< zu schlagen.

D.h. die Breakeven-Schwelle ist nicht "Markt matchen", sondern "Markt um die Steuerdifferenz dauerhaft schlagen". Das gilt aber natürlich nicht nur für Dividendenaktien, sondern für jegliche Art von Einzelaktieninvestment. Oder hab ich hier einen Denkfehler?

ABER: Value Tilt

Hochdividenden-Aktien korrelieren systematisch mit dem Value-Faktor. Niedriges KGV, hoher Buchwert und günstige Bewertung. Value hat in der Vergangenheit eine oftmals eine positive Risikoprämie geliefert. ABER: value traps existieren, und wenn man da reinfällt, sieht man sein Geld so schnell nicht wieder. r/valueinvesting ist da ein Top Beispiel, sind vermutlich die größten PayPal und UnitedHealth bagholder, buy high, sell low

Ich bin der Meinung, dass der Mehrertrag, den Dividendenanleger historisch gesehen erreicht haben (KÖNNTEN!), kommt nicht von der Dividende, sondern vom Value-Charakter der Aktien. Und das aber eher unabsichtlich. Aktien mit hoher Dividendenrendite filtern ist halt nur ein ziemlich beschissener Value-Screen.

edit: typos

reddit.com
u/smallDeltaBigEffect — 19 days ago