Das 25-Stunden-Teilzeit-Paradoxon: Warum man in sozialen Berufen trotz reduzierter Stunden immer Vollzeit (plus Überstunden) brennt
Hey r/erzieher,
nachdem ich mir vorhin schon wegen einer anderen Geschichte den Frust von der Seele geschrieben habe, muss ich hier direkt noch ein Thema droppen, das mich (und vermutlich viele von euch mit Teilzeitvertrag) absolut wahnsinnig macht.
Es geht um die Illusion von Teilzeit in unserem System.
Die Realität auf dem Papier vs. Realität im Dienstplan
Ich habe einen 25-Stunden-Vertrag. Klingt nach einem Modell, bei dem man noch Luft zum Atmen, für Freizeit oder andere Projekte hat.
Aber schaut man sich an, wie unsere Dienstpläne gestrickt sind, ist das Ganze mathematisch und strukturell schlicht auf Vollzeitkräfte ausgelegt – wir Teilzeitler dürfen den ganzen Rattenschwanz aber gefälligst trotzdem mitschleppen. Ein paar Klassiker, die ihr sicher alle kennt:
- Die brutalen Schichtblöcke: Wenn ich eine Nachtbereitschaft mache (z. B. von Freitag 18:45 Uhr bis Samstag 12:00 Uhr), hänge ich so lange im System fest, dass am Ende direkt mal stramme 11 Arbeitsstunden für einen einzigen Block auf der Uhr stehen. Damit ist fast die Hälfte meiner Wochenarbeitszeit mit einer Schicht weg.
- Geteilte Dienste als Lebenszeit-Fresser: Montag ist Team-Tag. Also wird die Schicht fröhlich so gelegt, dass ich um 11:00 Uhr auf der Matte stehe, bis 22:00 Uhr abends arbeite – mit einer „netten“ Pause von 13:00 bis 17:00 Uhr mitten am Tag.
- Das Pseudo-Frei in der Pause: Was ist das bitte für eine Pause? Zu Hause bin ich in den vier Stunden natürlich nicht, also sitze ich irgendwo fest, bin weder im Feierabend noch wirklich an der Arbeit, sondern warte nur darauf, dass der zweite Teil der Schicht losgeht. Der komplette Tag ist gelaufen, obwohl man „nur“ seine Stunden macht.
Das Ergebnis: Das automatische Überstunden-Abo
Durch diesen Rattenschwanz an Teams, Vor- und Nachbereitungen, Kolloquien und Meetings, die stoisch von allen im gleichen Maße erwartet werden, ist es fast unmöglich, im Rahmen der Stunden zu bleiben. Man wird systematisch in die Überstunden hineingezwungen, weil die Einrichtung strukturell gar nicht für echte Teilzeit ausgelegt ist.
Und wenn man dann, wie ich heute (im offiziellen Urlaub!), mal dankend ablehnt, für ein wöchentliches Zwei-Stunden-Meeting reinzukommen, gucken alle blöd, weil man ja gefälligst „flexibel“ zu sein hat.
Wie ist das bei euch? Habt ihr auch das Gefühl, dass ein Teilzeitvertrag in der Erziehung oft nur ein Etikett ist und man in der Praxis wie eine Vollkraft verheizt wird, nur mit weniger Gehalt und einem dauerhaften Überstundenberg?
Erzählt mal, wie ihr das handhabt – gibt es bei euch Teams, die das fair lösen, oder ist das überall der gleiche Kampf gegen Windmühlen?