
Femizidberichterstattung im Boulevard: eine Tirade (Krone vs Heute)
In Österreich gab es einen Mord. https://noe.orf.at/stories/3355181/
Der Mann ist extra losgefahren um seine Waffe zu holen und die Frau hinzurichten. Darauf hat er mehrere Tage still verhalten während die Eltern der Opfers verzweifelt versucht haben sie zu erreichen. Die Polizei hat nach dem Fund der Leiche ihn ausgeforscht weil sie das Handy des Opfers ausgewertet haben. Er ist mittlerweile geständig.
Wir reden also explizit nicht von:
- es geschah im Affekt, er hatte die Waffe bei der Hand, nein, er die Waffe geholt und ist bewusst in ihre Wohnung gefahren
- er sagt zwar jetzt es tat ihm leid, aber offensichtlich nicht so leid dass er sich gleich nach der Tat gestellt hätte, siehe, die Eltern haben mehrere Tage verzweifelt versucht die Tochter zu erreichen
Die Krone ist ein Boulevardblatt ala Bild. Sie behauptet die Motive als erstes Erfahren zu haben. Die meisten anderen Artikel zitieren die Berichterstattung der Krone.
Die Heute ist ebenfalls ein Boulevardblatt, mit generell denselben Problemen an reißerischer und fehlleitender Berichterstattung. Aber in den Artikeln zum selben Fall zeigt sich dass innerhalb des Boulevardmetier die Krone besondere Wichser sein können. Niemand zeichnet sich hier duch besonders woke oder sensible Femizidberichterstattung aus (heute: "Eine Liebesnacht soll völlig aus dem Ruder gelaufen sein."), aber wie sehr die Krone bereitwillig die Argumentation des Täters zu übernehmen ist wirklich schon was anderes.
Heute Artikel: "Kränkung" als Motiv
Krone Artikel: In Ehre Gekränkt
Die heute setzt die "Kränkung" in Anführungszeichen. Das suggeriert Sarkasmus. Es suggeriert dass das der Täter so gesagt hat, nicht dass das die Wahrheit ist. Die Krone lässt das so stehen als sei die Ehrenkränkung ein Fakt.
Man sieht auch den Heute Titel "Killer schoss Frau drei Mal in Kopf" versus Krone "Drei Kopfschüsse nach One-Night-Stand: Festnahme!". Hat die Heute etwa mal die Bücher drüber gelesen wo sich Leute drüber aufregen wo bei machen Taten so getan wird als wäre das Verbrechen (hier die drei Kopfschüsse) vom Himmel gefallen anstatt dass jemand dafür verantwortlich ist?
Bemerkenswert für mich auch die Motivberichterstattung:
Heute: Der Tatverdächtige soll sich demnach nach einer gemeinsamen Nacht in seiner Ehre gekränkt gefühlt und daraufhin die Frau erschossen haben.
versus
Krone: Der 27-Jährige fühlte sich ob der unverfrorenen Kritik in seiner Ehre gekränkt und gedemütigt.
Das "soll" der heute macht mehr Distanz. Es lässt es offen dass das auch falsch oder gelogen sein könnte, es bringt mehr Distanz. Krone übernimmt seine Gefühle unhinterfragt. Man beachte dass dem Mordopfer Unverfrorenenheit unterstellt wird (Zitat google: Das Adjektiv unverfroren bedeutet so viel wie dreist, unverschämt oder frech. Es wird meist verwendet, um ein kühnes, respektloses oder allzu keckes Verhalten zu beschreiben). Auch das der "27-Jährige" (statt: der Täter, der Tatverdächtige, der Killer) humanisiert mehr. Im Artikel finden wir auch "der als introvertiert beschriebene Mann" und das fast schon bewundernd klingende "Der Sportschütze". Wir schließen herzerreißend mit "Bei seiner Einvernahme zeigte sich der von Anwalt Manfred Arbacher-Stöger vertretene Verdächtige geständig – unter Tränen." Da bricht der Krone fast das Herz... für den Mörder. Nicht das Opfer oder den Eltern des Opfers.
Die Menge an Mörderverständnis im Krone Artikel ist wirklich auch im Boulevard ned normal.