
Irreführende AfD-"Angriffe": Was diese Statistik der Tagesschau alles nicht verrät
Die Zahlen stammen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zu „Angriffen auf Politiker, Parteibüros und Wahlplakate“ vom 10. April 2026. (Drucksache 21/5256) Die Antwort der Bundesregierung leitete die AfD dann offenkundig an Medien weiter, denn auf den Seiten des Bundestags ist die Antwort noch nicht hinterlegt. Dies ist ein gängiges Vorgehen, um Themen medial zu setzen.
Doch schon der Titel der AfD-Anfrage zeigt ein zentrales Problem: Unter „Angriffen“ wird ein sehr breites Spektrum völlig unterschiedlicher Delikte zusammengefasst. Das wird in der entsprechenden Drucksache sofort deutlich, wenn man sich die überschaubare Mühe macht, dort einmal hineinzuschauen. Denn in der Anfrage fragt die AfD ausdrücklich nach Gewaltdelikten, Äußerungsdelikten, Sachbeschädigungen, Angriffen auf Wahlplakate, Farbschmierereien und weiteren Straftaten. Die Bundesregierung listet diese Kategorien entsprechend auf.
Beschädigte oder zerstörte Wahlplakate
Und tatsächlich entfällt der weitaus größte Teil der registrierten Fälle nicht auf Gewalttaten, sondern auf andere Delikte wie Beleidigungen, Verleumdungen oder Sachbeschädigungen, hier vor allem Wahlplakate. Dies war auch bereits in vorherigen AfD-Anfragen und Antworten der Bundesregierung so gewesen. Drucksache 20/10177
Trotzdem entstand in vielen Medienberichten der Eindruck, vor allem in der Tagesschau um 20 Uhr, es habe fast 2.000 Gewalttaten gegen AfD-Mitglieder gegeben.
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Hinzu kommt ein weiterer Kontext, der in vielen Berichten fehlte: Die AfD arbeitet seit Jahren strategisch mit Selbstviktimisierung. Das Narrativ lautet, die Partei werde systematisch verfolgt, ausgegrenzt und sei Opfer „linker Gewalt“. Kleine Anfragen wie diese dienen deshalb nicht nur der parlamentarischen Kontrolle, sondern auch der politischen Kommunikation. Sie produzieren Zahlen und Grafiken, die sich emotionalisieren und öffentlichkeitswirksam verbreiten lassen.
Dass diese Strategie nicht nur theoretisch existiert, zeigt eine Volksverpetzer-Recherche zu angeblichen „linken Angriffen“ auf die AfD. Dort werden zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen Vorfälle aufgebauscht, falsch dargestellt oder sogar mutmaßlich inszeniert wurden. Die Recherche beschreibt unter anderem Fälle, in denen AfD-Politiker oder ihr Umfeld voreilig „linke Angriffe“ behaupteten, obwohl Videos, Ermittlungen oder spätere Erkenntnisse die Darstellung massiv relativierten oder widerlegten.