knoten im kopf
vier uhr nachts. wieder. ich starre an die decke und die gedanken kreisen. der druck liegt schwer auf meiner brust. schlaf jetzt. du musst schlafen. je mehr ich mich zwinge, desto lauter wird das rauschen im kopf. die zeit vergeht, ohne dass ich teil von ihr bin. mein kopf ist voll von der lähmenden angst, nach all den jahren wieder wie ein versager dazustehen.
dann schrillt der wecker. die hand haut drauf, ton aus. die welt soll einfach noch etwas warten. als ich das nächste mal die augen öffne, bin ich völlig desorientiert. das display zeigt elf uhr. panik kriecht hoch. in zwei stunden muss ich draußen sein, ein mensch sein, funktionieren.
mein körper fühlt sich an wie aus blei. um das blei nicht spüren zu müssen, greife ich sofort nach dem handy. stumpfe videos ballern auf mich ein. betäubung. bloß nicht nachdenken, bloß nicht diesen riesigen knoten im kopf zulassen. dann die routine: unter die dusche zwingen, den kaffee runterwürgen, atmen, funktionieren.
ich treffe freunde. es tut weh, sie zu sehen, weil der abstand zwischen ihnen und mir so riesig ist. alle scheinen weiter zu sein, während ich feststecke. ich schäme mich für das, was in mir vorgeht. ich schäme mich für diese lähmung, für die panik, die mich immer wieder einholt.
also ziehe ich sie auf, die maske. ich lächle, ich liefere ab, ich spiele den, den sie kennen. hochleistungssport, während man innerlich ertrinkt.
zuhause fällt die tür ins schloss und die maske bricht in tausend teile. die erschöpfung tritt ein, mir wird schwindelig. mein magen meldet sich. außer kaffee war da heute nichts. eigentlich wollte ich das ändern, endlich gesund essen, die kontrolle zurückholen. ich löffle lustlos magerquark mit haferflocken in mich rein. es schmeckt nach nichts.
und dann sehe ich den haufen aufgaben. sie liegen da wie ein unbezwingbarer berg. mit dem blick darauf bricht der damm: die zukunftsangst walzt alles nieder. diese unerträgliche überforderung bei jeder entscheidung. die gedanken an sie, an die trennung, an das, was hätte sein können.
das licht geht aus.
es wird spät.
die schatten werden immer länger.
ich lege mich hin.
ich schaue auf die uhr.
vier uhr nachts.