Führungszeugnis - Gesetzesverblödung Deluxe.

Ich will in der Gemeinde meiner Partnerin einen Ferien-Kinderkurs machen, da brauche ich ein Führungszeugnis. Selbstredend indiskutabel heutzutage, kein Thema.

Genaugenommen wurde ich zwar in mein eigenes Kursangebot "reingegaslighted" (ich bin nicht die hellste Kerze auf der Torte), nachdem ich von meiner Partnerin "genötigt" wurde als Kurshelfer im Sommer für ein Ferienprogramm teilzunehmen. Die Gemeinde suche dringend, und man muss Ehrenamt ja auch mal machen, wenn sich niemand kümmert... In Ordnung, warum nicht. Hatte dann an besagtem Helfer-Vorstellungs-Abend der Gemeinde dann spontan, von der positiven Stimmung mitgerissen, eine Idee für einen eigenen Kurs (sh. oben, garantiert Kalkül meiner Partnerin gewesen), natürlich nichtsahnend was folgen würde. Mein Vorschlag wurde sogar - entgegen meiner gehegten Zweifel - sehr wohlwollend aufgenommen.

Bekomme zum Abschluss der Veranstaltung noch einen Zettel der Gemeinde in die Hand gedrückt, "damit ich die Antragsgebühren nicht bezahlen muss". Fand ich super nett, dachte mir, mei, die paar Euro und dafür der Bürokratieaufwand, aber ist ja nett, dass die für diese Formalität aufkommen.

Auftritt Behörden.

  • In der Gemeinde selbst, eine Woche später, am Schalter, wird mir mein Ausweis direkt wieder zurückgeschoben und mitgeteilt: ich darf dort kein Führungszeugnis beantragen, das geht nur an meinem Meldeort. Wunderbar, umsonst dort hin, nicht weit weg, aber naja. Dann eben in meiner Stadt. Sie setzt sich wieder zum ratschen hin mit ihren drei Kolleginnen, alle am Kaffee saufen und lachen mitanand, grod schee is. Alle Displays im Login Screen. Kein weiterer Kunde weit und breit. Beamter müsste man sein. Tja.
  • Im KVR in meiner Stadt: geh ich heute endlich mal hin, natürlich dutzende Leute, keine Klima, brutale Hitze, wo sind die Nummern zum ziehen? Gibt es nicht. Es gibt nur noch exklusiv Onlineterminvereinbarung. Ooookay. Wo ist hier ein Terminal zum Terminausmachen - ach, gibt es auch nicht? Oh. Gut, dass ich doch noch mein Telefon dabei habe, wollte es eigentlich daheim lassen.
  • Setze mich im Wartebereich hin, quäle mich durch das "Beamteninternet" und buche einen Termin.... hmmm... was ... wie bitte ... einen Termin gibt es nicht? Ich kann es kaum glauben. Prüfe es nochmal. Und dann nochmal, um nicht vom Glauben abzufallen. Es gibt für Führungszeugnisse keinen einzigen Termin. Punkt. "Aktuell ist kein Termin verfügbar". Was zum Fick??
  • An der Rezeption, was ich nun machen solle. "Ja Sommer und so, alle in Urlaub, dann gehen Sie doch in eine andere Stelle?" - Das geht also doch???? Okay, selbe Stadt, fair enough, wieder hingesetzt. Andere Dienststelle sachter, na dann, hmhmhmhm ... in fünf von sechs (!) Ämtern kein einziger Termin für ein Führungszeugnisantrag. "Aktuell ist kein Termin verfügbar". TOLL! IN FÜNF VON SECHS ÄMTERN!! WUNDERBAR!! Ein Amt hat einen Termin, in genau einer Woche dann frei, aber mit Kurverei, quer durch die Stadt. Mega. Freue mich schon. Super.
  • Währenddessen ich so dasitze, und Termine raussuche, mir denke, warum das eigentlich nicht einfach die Gemeinde selber beantragt, unterschreibe doch gerne den verfickten drecks-DSGVO-Befreiungsantrag, und derweil mein Gemüt immer weiter Richtung Zorn abdriftet: ein Termin nach dem nächsten einfach "no-show". Keiner geht rein, die Nummer plingt dann jeweils noch einmal auf, um dann sang und klanglos zu verschwinden. Ich sitz so da.... für was macht man dann eigentlich Termine, wenn sich keiner dran hält, und wieso kann ich den Slot nicht einfach bekommen, wenn alles so "perfekt exklusiv" durchgetaktet ist?
  • Sag ich "Sie, ich brauche bitte das Führungszeugnis bald, der Versand dauert ja auch noch, oder zumindest meinen eAusweis aktiviert. Das kann's doch nicht sein, dass nur ein Amt das anbietet." => supernetterweise Ausnahme, ich werde doch noch reingemogelt, direkt zur Chefin des Amtes. Ich warte, komme dran. Bedanke mich höflich für die nette Ausnahme.
  • "Brauchen Sie ein normales oder erweitertes Führungszeugnis?". Ich biete einen Kinderkurs an. "Ja dann brauchen Sie wahrscheinlich ein erweitertes." Okay, dann das bitte. "Ja, haben Sie dafür das Schreiben der Gemeinde?" Nein leider nicht, aber ich zahle das auch selber. "Ja dann geht das nicht." uhmmmm.... wie gesagt, ich zahle es gerne selber, wirklich kein Thema. "Nein, das geht nicht. Sie brauchen den Zettel der Gemeinde." ich bedanke mich nochmal höflich, und gehe unverrichteter Dinge wieder aus dem Amt.

Herrgottnochmal, geht es eigentlich noch.

Ja, wir müssen die Kinder schützen, bin ich kompromisslos dafür.

Aber wenn dieser verfickte Scheissdrecksbürokratieapparat so dermassen saudumm mono-dimensional vorgegeben und umgesetzt wird, dadurch ulllllltra unnötig verkompliziert ist, dann hab ich einfach keine Lust mehr!!

Ich verdiene nichts an dem Kurs, will ich auch gar nicht, es ist ja Ehrenamt für Kinder, ich zahl ja auch gerne die Gebühr für das Führungszeugnis selber! Das ist doch null Thema!!

Nur, was ich schon an Zeit für diese rotz Bürokratie - OHNE ERGEBNISSE zu erzielen - gesteckt habe, nur, um NOCHMAL hinzugehen, NOCHMAL zu warten, NOCHMAL auf die Post zu warten, das darf doch nicht wahr sein!!! Alleine schon die verlorene Arbeitszeit, OHNE JEGLICHE ERGEBNISSE!!! Und jetzt geht mir noch mehr Arbeitszeit verloren, um diesen Drecksrant zu schreiben!!!111einself

Ach ja, eAusweis aktivieren, dann online beantragen - geht nicht. Ich bin gezwungen auf die Behörde zu gehen und zu warten - auf Termine die nicht existieren - der Kurs wird dann leider denke ich einfach von mir wieder abgesagt. Ich habe die Schnauze dermassen gestrichen voll. Mir tun halt die Kinder leid, die können ja nix für diesen saudummen Bürokratieirrsinn, aber meine Fresse geht's eigentlich noch.

"Es gibt keine Angebote mehr für Kinder und Jugendliche! Jammer jammer heul heul..." RLY?????? RLYYY???????????????

Ihr seid doch nimmer ganz sauber!!!!!

reddit.com
u/Kraeftemangel2025 — 20 days ago
▲ 10 r/de_EDV

Websites unbedienbar

Juhu, mal ne kurze Frage, sanity check:

Öfter kommt es vor im letzten halben Jahr, dass sich Websites nicht mehr richtig, oder gar nicht mehr bedienen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich an einem Desktop oder Mobile Browser sitze, es verblüfft mich, dass manche Site einfach gar nicht mehr funktionieren:

  • Ich kann noch scrollen, aber nichts mehr clicken.
  • Website lädt, ich clicke den üblichen Cookie+DSGVO+Marketing Spam (2000er Internet lässt grüßen) weg, und dann ist Stillstand. (ublock und priacy badger an oder aus, spielt keine Rolle)
  • Mainstream sites, reddit.com oder gerade eben zb lenovo.com
  • Reload, Addons aus (am mobile Client gibt es keine Addons), spielt keine Rolle. Die Sites sind einfach schlicht nicht mehr bedienbar.
  • Anderer Browser Vanilla settings, anderes OS, same game - mit noch mehr Spam, aber Site unbedienbar.

Nachdem ich keine Lust habe, fremde Sites zu debuggen, fehlerhafte Layover zu identifizieren oder zu filtern, lasse ich das dann einfach und surfe wo anders.

Geht es euch ähnlich? Oder ist das nur der Bundestrojaner auf allen meinen Geräten?

Jaichweissenshittification - ist nur ein sanity check, ob das nur bei mir so ist.

u/Kraeftemangel2025 — 1 month ago

"Quasileerstand" Immobilien auf dem Land

Ich bin mit Partner mangels üppigem Gehalt auf's Land gezogen. Bezahlbare Wohnung, kein Luxus, hatten lange gesucht.

Nun, ein paar Jahre "dort draußen", stellten wir immer wieder erstaunt fest: Der Leerstand und "Quasileerstand" an Immobilien auf dem Land ist bizarr - was uns bei der Wohnungssuche damals auffiel, vs. der Beobachtungen die letzten Jahre, vs. Gesetzeslage.

Ich gönne jedem, und damit meine ich wirklich jedem, seine Unterkunft, von Herzen. Sie sollen/müssen sich weder für ihre Wohnsituation schämen, rechtfertigen, genötigt fühlen, und bitte nicht angegriffen fühlen.

  • Der Leerstand.

Wie viele, und das sage ich mit aller Deutlichkeit, wie viele Häuser und Wohnungen hier in der Umgebung leerstehen, hat uns dann doch dazu bewegt, uns mal umzuhören, warum das denn so ist.

Nach ein paar Jahren "kennt man sich" und die ganzen Dorfgeschichten werden einem ungefragt so oder so aufgetischt, warum hier in den umgebenden Kuhkäffern teilweise knapp ein Viertel aller Häuser, in denen locker eine Großfamilie jeweils unterkommen könnte, seit knapp fünf Jahren leerstehen.

Riesen Wohnungen, die Fenster mit Grauschleier - man sieht durch die Wohnung durch das andere Fenster wieder raus: Unmöbliert, unbewohnt, seit Jahren. Das selbe gilt für Gewerbeimmobilien. Alte Gaststätten, riesige Räume, seit Jahren leer.

"Der Besitzer will nicht vermieten. Hat schlechte Erfahrung gemacht.", "Der Besitzer ist nun im Altenheim, keiner weiß was ist.", "Ja, da gab es einen Käufer, der hat was rennoviert, und war dann eines Tages spurlos verschwunden, und seitdem ist auch nie wieder jemand ans Haus gekommen."

Okay, dass jemand nicht vermieten will, naja, deren gutes Recht... brach liegen lassen, wäre nicht meine erste Wahl, aber was soll ich sagen??

  • Der Quasileerstand.

Ich habe keinen dümmeren Begriff gefunden. Hier befinden sich riesige alte Dreiseit-Höfe, perfekt saniert, riesen mehrstöckiges Wohnhaus, ausgebaute Tenne, ausgebaute Scheune, bewohnt von einem Mann, oder einem einzigen, ur-alten Ehepaar.

Ich spreche hier von locker weit über 200m² Wohnfläche - pro Gebäude - genutzt werden: 40m². Der Rest, des für dramatischen Effekt erfundenen Wohnraumes von 560m², steht leer. Jahrzehnte.

"Wir wollen hier nicht weg.", "Wir können uns nicht vom Garten trennen", "Seit dem Erbstreit vor 20 Jahren sind weder ich noch meine saudumme Schwester je in das Haus gezogen","Ja, so ein Haus macht schon viel Arbeit, deswegen nutze ich auch nur zwei der zwanzig Räume.", "Die beiden Wohnungen oben stehen leer, wenn die Kinder mit Ihren Kindern mal übes Wochenende kommen (einmal im Jahr), wir nutzen nur die Wohnung im Erdgeschoss.", "Wir hatten mal vermietet, aber die haben die Klopapierrollen falsch rum hingehängt, das tun wir uns nicht mehr an.". Ultimativ, um die erhabene Überlegenheit über den Vermietermarakt zu untermauern: "Wir müssen ja nicht vermieten." - in der Tat. Müsst ihr nicht.

  • Die Wohnungssuche.

Als wir damals die Dörfer auf und abfahrend zur Wohnungsbesichtigung bezahlbahren Wohnraum in Augenschein nahmen, begegneten uns verzweifelte, junge Familien, die gefühlt alles in den Ring warfen, um bei dem Massenansturm auf die feuchte Kellerwohnung von 60m² für 1200 Euro warm den Zuschlag zu erhalten. Sie kümmert sich ums Kind, er beim Bund, das Geld sitzt nicht locker, das mit dem Schimmel hätten sie schon gesehen, was will man machen, es gibt halt keine günstigen Wohnungen. Sie ist Krankenschwester, er LKW Fahrer, die Arbeit in der Stadt - dort, oder in der Umgebung, die Wohnungen mit ihrem "sozialen Status" unerreichbar, hatten drei Jahre lang gesucht, hätten selbst 30m² für 1200 genommen (was noch das günstigste in er Stadt war), Absage.

Wir besuchten Rentnerpärchen, die Wohnungen Ihrer Mehrparteien-Häuser, am ARSCH DER WELT ohne Öffiinfra zur Besichtigung feilboten. Im Schnitt alle um die 50-60m², letzte Rennovierung 1960, wollten dann doch alle schon so 1300 Euro warm. Weil, die Heizung ist ja schon sehr teuer geworden mussmanwissn, und außerdem eigentlich müssten sie ja nicht vermieten, man will ja nicht "irgendwelche" da wohnen haben, siewissnschon, und nachdem die anderen Wohnungen heute ja so teuer sind, na dann orientiert man sich halt am Markt. Aber ja, eigentlich muss man ja nicht vermieten, die Wohnungen standen nun eh die letzten 20 Jahre leer, seit die Kinder weg sind, man hat es einfach nicht eilig einen Mieter zu finden, und nachdem ja die Mieten so gestiegen sind letztens, kommt man halt schon ans überlegen die letzten Jahre.

In der Stadt schlagen sich die Leute bildlich die Köpfe ein um Wohnraum zu ergattern, auf dem Land aber Leerstand ohne Ende?

  • Die Gesetzeslage.

Eigentum Verpflichtet. Ja. Richtig. Aber nicht zu Vermieten. Im Gegenteil, bei Gewerbeleerstand kann man den Mieteinnahmenausfall sogar von der Steuer absetzen. Phantastisch.

Gaststätten oder alte Tante Emma Läden, oder Handwerksbetriebsstätten, welche perfekten Wohnraum darböten, der geneigte Leser zuckt schon den belehrenden Zeigefinger des Nutzungsumschreibungmussmanwissen, wird anstattdessen einfach lieber als Verlust abgeschrieben. Jahrzehnte. Oder es zerbröseln die Immobilien einfach vor sich hin.

Weil der Besitzer <irgendeine scheissdrecksbegründung von oben>, aber eben auch nicht vermieten muss.

So. Nun ein drittes Mal. Es ist deren gutes Recht alleine oder zu zweit in riesigen Häusern zu hocken, oder ihrem Nachbarhaus beim Zerfall zuzuschauen. Die sollen tun und lassen, was die wollen mit ihrem Eigentum. Gönnt euch. Ganz ehrlich, wieso solltet ihr auch wegziehen, wenn es euch glücklich macht - ja, man kann das Argument "Dekadenz" gerne in den Ring werfen, finde ich aber auch verwerflich. Die Leute sollen tun und lassen, was sie wollen mit ihrem Zeug (sofern sie nicht andere schädigen, was sie faktisch aber nicht tun). Sie hatten den Grund damals gekauft, selber gebaut, deren Ding - Ende.

Dass anstatt durch Mieteinnahmen Steuergelder generiert werden würden, obendrein Steuergelder durch diesen künstlichen Leerstand auch noch verloren gehen, das steht - meines Erachtens nach - auf einem anderen Blatt.

Denn, wenn jemand sich seinen Leerstand nicht leisten kann, der wird nach einem Verkauf der Immobilie sicher nicht am Hungertuch nagen. Und wenn doch, ganz ehrlich, Pech. Luxus soll vefickt nochmal kosten. Leerstand soll nicht vom Staat begünstigt werden.

Das ist doch auch genau der Ursprung des Spekulationsirrsinns, welcher dem Kleinanleger oder Geringverdienerimmobilienbesitzers (um die <10 Immobilien) im Anblick meines Rants jetzt den Schaum vor den Mund treibt.

reddit.com
u/Kraeftemangel2025 — 1 month ago