Mir hend nöd z’vill Lüüt. Mir hend es System, wo Vermöge und Oberschicht a allne Ecke bevorzugt.
S’geniale a dere Debatte isch: Millionär und Milliardär im Parlament, Immobilie-Bsitzer, Verbänd und Partei-Elite zeiged permanent uf "z’vill Lüüt" - und de Pöbel diskutiert brav über Zuwanderig, statt über Bodebsitz, Hypothekarabzüg, BVG-Optimierig, Erbschafte, Kapitalgwünn und Mietwucher.
Das Problem isch nöd, dass z’vill Lüüt i de Schwiiz läbed. S’Problem isch, dass z’vill Regle so gmacht sind, dass Vermöge automatisch meh Vermöge wird - und Arbeit, Miete, Krankekass und Alltag immer meh drunter begrabe werded.
Wer Bode het, profitiert devo, dass Bauland knapp bliibt, Bauhöche begrenzt sind und Verdichtig überall blockiert wird. Für Eigentümer heisst das: Boderente. Für Mieter heisst das: meh Miete, weniger Wohnige, meh Druck.
Wer scho Vermöge oder Immobilie het, bechunt billigi Hypotheke als Hebel. Wer nüt het, zahlt Miete und finanziert indirekt d’Rendite vo de andere. Schöns Prinzip: "Du hesch scho vill? Da hesch no billigs Gäld dezue."
Hypozinse chasch vo de Stüüre abzieh. Miete nöd. Das belohnt verschuldeti Immobilie-Besitzer, vor allem bi hohem Iikomme und hohem Grenzstüürsatz. Wenn d’Hypothek optimiert wird, heisst’s Finanzplanig. Wenn d’Miete z’tüür isch, heisst’s halt: zieh doch weg.
Denn BVG. Wenn öpper Karriere macht und plötzlich 250k oder 300k verdient, tuet d’Pensionskass so, als hätt die Person dä Lohn scho s’ganze Läbe gha. Zack: "Vorsorgelücke". Und denn chan mer massiv stüürabzugsfähig iichaufe. Für Normalverdiener theoretisch au möglich - praktisch fehlt halt de Stutz.
Über em obligatorische BVG wird’s no schöner: Kader-Vorsorg, überobligatorischi Plän, 1e-Plän, individuelli Anlage, alles schön im Stüürmantel. Je höcher de Lohn, desto nützlicher s’Instrument.
Süüle 3a isch au so es Ding. Offiziell für alli. Real für die, wo nach Miete, Krankekass, Chind und Alltag no paar Tuusig Stutz vorig hend. Wer knapp lebt, het kei Stüürvorteil, sondern es leers Konto.
Privati Kapitalgwünn sind oft stüürfrei. Lohn wird brav bestüürt. Wenn s’Depot oder Beteiligige wachsed, isch’s elegant. Schaffe wird voll abgrächnet, Bsitz wachse loh viel weniger.
Erbschafte und Schänkige vererbed Klasse ziemlich bequem wiiter: Immobilie, Depots, Firmäanteil, Startvorteil. Und nachher heisst’s denn: "Mer muess halt fleissig si."
Pauschalbestüürig und Stüürwettbewerb helfed vor allem de Mobile und Riiche. Wer gnueg Gäld het, chan Kanton, Gmeind, Wohnsitz und Struktur optimiere. Normali Lüüt hanged a Job, Schuel, Familie und Wohnigsmarkt. Mobil sii isch sälber scho es Privileg.
Und all die Einsprach, Zoneplanig, Heimatschutz, Quartiercharakter, Ortsbild, Schattewurf, Verkehr, Lärm, Grünflächi - tönt alles neutral. I de Praxis schützt’s aber oft eifach bestehendi Eigentümer vor meh Wohnraum und damit vor sinkender Boderente.
Eigenmietwert-Debatte? Wird gern verkauft als Entlastig fürs Rentner-Päärli im alte Hüüsli. Je nach Usstaltig profitiere aber vor allem Lüüt mit vill Immobilievermöge. Mieter bechömed devo: exakt gar nüt.
Und wer nur Lohn het, isch stüürlich ziemlich nackt. Wer Firmä, Holdings, Dividende, Spese, Vorsorgelösige und Berater het, chan ganz anders jongliere.
Unde gits denn d’Gegesiite vom gliiche Spiel:
Kei schwiizweite Mindestlohn. Für es Land mit Schwiizer Miete, Krankekass und ÖV-Preise scho speziell.
Arbeitsverträģ mit 0 Stunde. Arbeit uf Abruf heisst: Arbeitgeber het Flexibilität, Arbeitnehmer trägt s’Risiko. Hüt 40 Stunde, nächsti Wuche 5, Corona 0 - aber Miete, Krankekass und Esse laufed normal wiiter.
Mehreri Jobs, aber trotzdem kaum BVG. Wer drei Teilzeitstelle het, cha zäme es normales Iikomme ha - aber jede Job frisst separat Eintrittsschwelle und Koordinationsabzug. Jahrelang gschafft, aber kaum PK-Guthabe mit Zinseszins. Super fair.
Zahnarzt nöd grundversicheret. Zäh sind medizinisch schibar Luxus. Wer Gäld het, macht Kontrolle, Dentalhygiene, Füllige, Spange und Implantat rechtziitig. Wer knapp lebt, wartet bis es weh tuet - und denn wird’s richtig tüür. Prävention für Riichi, Notfallmedizin für alli andere.
Und denn luegsch ufe zu de Lohnbubble.
Wenn Zürcher Stadträt Richtung 300k statt 250k gönd, wundert’s eim nöd, dass e Tram-Hin-und-zrugg für a Familie mit zwoi Teenager 35 Franke als "günstig" gilt. I dere Bubble isch s’Portemonnaie halt anders kalibriert.
Nationalrat isch offiziell Miliz. Real heisst das aber au: Wer scho Vermöge, Firma, Verwaltungsrät, Lobby-Netzwerk oder sogar Milliarde im Rugge het, cha mitentscheide, was für Normalverdiener „z’tüür“ oder „z’vill Staat“ isch. Und dezue git’s no Taggelder, Spese und Vorsorgbeitrag. Bundesrat sowieso obere Liga. Und gliich tönt Politik oft so, als wär mer ganz nöch bim normale Haushaltsbudget.
Oder Migros: Wenn en Chef mit ca. 900k Jahrlohn (75k im Monat) öffentlich jammert, dass Herr und Frau Schweizer ennet de Grenze günstiger poschted, wirkt das chli speziell. Für ihn isch’s Strategie. Für Familie isch’s Monatsbudget.
Und während mer Kundschaft moralisch gern im Inland bhalte würd, het Migros sälber im Usland und i Nebegschäft sehr hunderti Millione verlocht. Aber klar: Wenn obe verzockt wird, heisst’s Strategie. Wenn unde gspart wird, heisst’s mangelndi Solidarität.
Mini Pointe:
Wenn e Kassiererin drei Jobs het und trotzdem kei richtigs BVG zämebringt, isch das "Flexibilität". Wenn de Chef 900k verdient und d’Lüüt im Dütsche poschted, isch das plötzlich es nationales Problem.
Wenn Arme z’wenig hend, heisst’s Eigenverantwortig. Wenn Riichi z’wenig Stüüre zahled, heisst’s BVG-Optimierig, Hypothekarabzug oder Standortattraktivität.
Mir hend nöd primär es Problem, dass z’vill Lüüt da sind. Mir hend es Problem, dass z’vill politischi und finanzielle Regle so baut sind, dass Vermöge automatisch stärker wird - und Arbeit, Miete, Krankekass und Alltag immer meh drunter verschwinded.