Kind (7) wurde bewusst in sehr vertrauensvoller Situation von seinem guten Freund belogen. Was tun?
Hallo zusammen,
ich hoffe, dass ich hier richtig bin. Mir geht das Thema seit gestern nicht mehr aus dem Kopf und ich bin irgendwie total traurig, aber auch enttäuscht von der Gesamtsituation. Was ist passiert:
Mein Sohn (7) sammelt, wie einige seiner Freunde auch, diverse Sammelkarten. Er versteht das Prinzip von häufig und selten. Er hat sich zum Geburtstag 4 ganz bestimmte Karten gewünscht, die er auch bekommen hat (ziemlich selten, jede Karte ein paar Euro wert. Für ihn völlig irrelevant, für uns auch, aber dass die Dinger besonders sind und alle Kids genau die haben wollen, wissen alle Kids um ihn herum). Er hat die Karten in seinem Ordner und gehegt wie ein Schatz. Wir haben ihm mal mitgegeben, dass er einfach immer nur Gleiches gegen Gleiches (Seltenheit, Glitzer usw...) tauschen soll. Das klappt bisher wunderbar, damit fühlt er sich sicher. Mit seinem Kumpel hat er auch schon sehr viel getauscht, das war immer alles cool.
Nun kommt er gestern vom Spielen nach Hause und erzählt mir, dass er 3 seiner 4 Karten gegen noch viel mehr von genau diesen Karten eingetauscht hat. Da wurde kurz stutzig, dachte aber, dass sein Kumpel einfach ein paar davon doppelt hatte und die sich so verständigt haben. Er zeigt mir die in deinem Ordner und siehe da: Das waren völlig andere Arten von Karten. Ich frage meinen Sohn also vorsichtig, wo denn das Zeichen, das all diese Karten aufgedruckt haben, ist. Er sagt: Mein Freund hat mir gesagt, dass die versteckt sind und man die nicht sieht. Mein Sohn ist bei sowas noch etwas zu gutgläubig, das ist uns bewusst. Aber nach mehrfachem Nachfragen hat er das dann akzeptiert und 12 Karten für seine 3 bekommen. Ich habs erstmal dabei belassen und überlegt, wie man das klären kann.
5 Minuten später kommt er mir in die Arme gelaufen und weint extrem bitterlich, selten so erlebt und schluchzt, dass er seine Karten wieder haben will, weil er jetzt verstanden hat, dass sein Freund gelogen hat, weil die Karten, die er bekommen hat, nicht die sind, für die ihm diese verkauft wurden. Ich frage ihn, warum er so extrem weint (mich hat die Intensität total verwundert) und er antwortet, nachdem er sich etwas beruhigt hat, ganz ernst:
Ja, ich will meine Karten wieder haben, aber ich bin so traurig, weil mein Freund mich einfach so belogen hat. Ich tausche nur mit ihm und vertraue ihm. Und er hat mich jetzt veräppelt. Er hat mich angelogen und mir mehrfach erzählt, dass das die gleiche Art von Karte ist. Warum macht er das?
So. Wie gesagt, er ist zu gutgläubig und hätte auf sein Bauchgefühl hören können. Jetzt haben wir aber den Salat und ich habe da ein Kind, in dem irgendwas zerbrochen ist.
Wir kennen die Eltern ganz gut. Ich schildere ihr also kurz die Situation, ohne ihrem Kind direkt vorzuwerfen, dass er das bewusst getan hat. Aber ich mache ihr schon klar, wie sehr es meinen Sohn belastet und wie traurig er nun ist, weil er das so empfunden hat. Sie sagt, nachdem sie mit ihrem Sohn gesprochen hat und der das alles als fair eingestuft hat: Lass die beiden das morgen mal allein klären und wir begleiten das, wenn das nicht klappt. Ihr Sohn würde solche Situationen immer besser verstehen und verarbeiten, wenn er gesagt bekommt, wie das andere Kind sich dabei fühlt (ich gehe jetzt nicht weiter darauf ein, dass sie mit ihrem Kind häufig Probleme hat, weil er ständig mit anderen Kindern aneckt und aus dem Unterricht fliegt. Er ist nicht einfach, aber spielt mit unserem Kind eigentlich super!)
Ich dacht mir: Joar, der Ansatz ist ok. Aber.... sorry, not sorry: Es geht hier nicht hauptsächlich um dein Kind. Was ich nicht gesagt habe, aber gern gesagt hätte ist: Dann frag doch dein Kind bitte mal direkt, warum er (und da sehe ich nicht mal subjektiv Vorsatz, er wollte die Karten haben und hat dafür gelogen, indem er bei Karten, von denen er wusste, dass die nicht das sind, was die beiden tauschen wollten, aktiv behauptet hat, dass es solche Karten wären, die Kennzeichnung dafür aber versteckt seien...) einfach einen seiner besten Kumpel aktiv und bewusst anlügt, um das zu bekommen, was er will.
Naja, ich bekomme gleich von meinem Kind nach der Schule berichtet, wie das lief. Aber ich bin so dermaßen sauer sowohl auf das Kind für diese - mit Verlaub - Arschigkeit, auf die Eltern, denn sie schrieb mir dann noch mal, weil sie das so ungern stehen lassen wollte, dass sie den Vorwurf von Absicht gern so nicht stehen lassen würde und es sicherlich nur um zwei unterschiedliche Empfindungen von Fairness geht und ich bin einfach nur traurig, weil mein Sohn so traurig und enttäuscht ist.
Wie würdet ihr reagieren? Ich möchte nur mal anhängen, dass sowohl ich (bin selber mit Sammelkarten mit meinen besten Freunden aufgewachsen, daher verstehe ich so ein verhalten unter Freunden noch weniger...) als auch meine Frau SOFORT unser Kind dazu gebracht hätten, sich für die Lügen zu entschuldigen und den Tausch rückgängig zu machen. Für mich ist sowas in einem Vertrauensverhältnis viel schlimmer als mal ne Rauferei oder so. Sowas macht man einfach unter Freunden nicht...
Sorry, dass ich so viel zu den Karten beschreiben musste. Die Karten sind nur der Aufhänger 😄 Hätte auch alles andere sein können.