Ich habe das Gefühl, dass es mit 30 zu spät ist
Ich hab viele schlimme Dinge in meinem Leben erlebt. Ausgrenzung, Hass, Vernachlässigung, Misshandlung und Mobbing. Als Kind habe ich in meinem eigenen Urin geschlafen weil ich Bettnässer war und sich Niemand um mich gekümmert hat. An manchen Tagen wurde ich mit Klamotten voller Urin in die Schule geschickt. Meine Mutter hat Schizophrenie und mein Vater ist ein ehemaliger Soldat, der Angst und Respekt nicht voneinander unterscheiden kann. Den ersten Suizidversuch meiner Mutter habe ich mit 6 erlebt.
Seitdem ist viel passiert. Kurz bevor ich mir selbst das Leben genommen habe, habe ich mich doch dazu überredet eine Therapie zu machen. Und es hat funktioniert. Ich wurde autonomer. Habe gelernt meine Wäsche selbst zu waschen, mein Zimmer ordentlich zu halten, bin regelmäßig joggen gegangen. Und jetzt da ich Logopäde bin habe ich mit viel Mühe (Und zwei weiteren psychotherapeutischen Behandlungen) eine eigene Wohnung und Geld auf dem Konto.
Aber irgendwie fühlt es sich jetzt so an als wäre ich auf meinem Langen Weg nach oben an einer Wand angekommen. Ich arbeite Tag für Tag, komme dann nach Hause und spiele meist Videospiele oder schaue mir Filme an. Richtige Freunde mit denen ich was unternehmen kann habe ich nicht und den Gedanken an eine romantische Beziehung habe ich längst abgeschrieben.
Ich bin einsam und habe das Gefühl, dass ich all diese Dinge wie "Die erste richtige Freundin haben", "Das erste Mal Sex haben", "Echte Freunde finden" und und und... inzwischen nicht mehr für mich drin sind. Als wäre das nur für Jugendliche bestimmt.
Innerlich weiß ich eigentlich, dass das Unsinn ist. Man ist nie zu alt für etwas. Dennoch fällt es mir wahnsinnig schwer aus meinem Loch rauszukommen. Ehrlich gesagt wüsste ich nicht einmal wie.
Habt ihr einen Ratschlag für mich?