KI-gestützte juristische Prüfassistenz vom Bund entwickelt - SPARK Workflow mit meiner Meinung nach erheblichen Mängeln für die Anwendbarkeit
Ich habe mir den SPARK-Workflow des BMDS angeschaut. Bezahlt mit Steuergeldern, und nicht billig. Die Idee finde ich grundsätzlich sinnvoll: KI soll Planfeststellungsverfahren unterstützen durch eine KI Assistenz bei der Subsumtion, Dokumente dafür zu strukturieren und Fundstellen schneller nutzbar machen.
Mein Hauptproblem nach Blick in den Code ist aber nicht der KI-Einsatz an sich, sondern ein gefährliches Muster. Den ganzen Bericht findet ihr hier
aber hier noch mal zusammengefasst:
Das System kann Ergebnisse erzeugen, die vollständig wirken, obwohl im Hintergrund relevante Dokumente, Normen oder Argumente fehlen.
Normen (Gesetzesparagraphen) können fehlen
Das System prüft offenbar nur manuell konfigurierte Einstiegsnormen. Es gibt laut Post keine automatische Normidentifizierung aus den hochgeladenen Dokumenten. Kontextnormen werden zudem begrenzt nachgeladen. Dadurch kann eine relevante Spezialnorm fehlen, ohne dass der Nutzer eine klare Warnung bekommt.
Unwichtige Kontextnormen können einbezogen werden, während wichtige fehlen
Kritisch ist nicht nur „zu wenig Kontext“, sondern der falsche Kontext: Wenn Normen eher numerisch nachgeladen werden, können weniger relevante Vorschriften im Kontext landen, während die eigentlich einschlägige Spezialnorm außerhalb des Limits liegt. Das Ergebnis kann dann juristisch vollständig aussehen, ist es aber nicht.
Der Gesetzeskorpus selbst kann unvollständig sein
Wenn Parser Normen, Absätze oder fehlerhafte Einträge still überspringen, arbeitet die spätere KI-Bewertung möglicherweise auf einem lückenhaften Rechtstext. Besonders gefährlich wäre das, wenn das System nicht sichtbar markiert, welche Normteile beim Einlesen verloren gingen.
Bewertungen arbeiten teilweise auf gekürzten oder gesampelten Daten
Laut Post werden Fundstellen bei großen Mengen gesampelt, Chunk-Texte gekürzt und Fallback-Micros erzeugt, ohne dass das Ergebnis zwingend sichtbar als gesampelt, gekürzt oder fallback-basiert markiert wird. Relevante Sätze können dadurch fehlen, obwohl sie im Dokument standen.
Juristische Recherche wird offenbar nicht konsequent in die Bewertung gegeben
Besonders kritisch wirkt der Punkt research_report=None: Recherche zu Gerichtsentscheidungen/Gesetzesbegründungen kann vorhanden sein, fließt aber laut Post nicht in die eigentliche Bewertungslogik ein. Dann sieht die Bewertung juristisch fundiert aus, obwohl zentrale juristische Substanz nicht genutzt wurde.
Auditability reicht für produktive Rechtswirkung nicht aus
Positiv sind Quellenbelege und Datenbank-Versionierung. Aber problematisch ist laut Post: Modellversion, Workflow-Run, Reviewer-Issues, Applicability-Begründungen und Fehlerzustände sind nicht durchgehend sichtbar/persistiert. Genau das bräuchte man aber, wenn später gefragt wird: Warum wurde etwas geprüft, übersprungen oder falsch bewertet?
Mein Fazit:
SPARK-Workflow wirkt als PoC interessant. Aber für produktive Verfahren mit Rechtswirkung wäre der zentrale Risikopunkt: Scheinsicherheit durch unsichtbare Unvollständigkeit.
Nicht „die KI macht Fehler“ ist das Hauptproblem, sondern:
- Dokumente können fehlen
- Normen können fehlen
- Normtexte können unvollständig sein
- unwichtige Kontextnormen können wichtige verdrängen
- relevante Fundstellen können durch Sampling/Kürzung/Fallbacks rausfallen
- Fehlerzustände werden nicht hart genug sichtbar gemacht
Ein solches System müsste sehr deutlich anzeigen:
Diese Prüfung ist nicht vollständig. Diese Dokumente wurden nicht verarbeitet. Diese Normen wurden nicht geprüft. Diese Fundstellen wurden gesampelt/gekürzt. Diese Bewertung basiert auf Fallbacks.
Ohne solche Warnungen sieht das Ergebnis belastbarer aus, als es technisch ist.
Was haltet ihr von dem System als Experten?