▲ 74 r/Psychologie+1 crossposts

Was war der ungewöhnlichste Wahn, der euch im Berufsleben begegnet ist?

Liebe r/medizin Community – und vor allem an die Psychiater:innen unter euch:

Was ist die interessanteste oder ungewöhnlichste wahnhafte Störung, die ihr bisher in eurem Berufsleben gesehen habt?

Ich fange mal an:
Ich habe einmal eine Patientin gesehen, sicher in ihren 60ern, bereits berentet und ehemalige Apothekerin. Sie war fest davon überzeugt, dass ihre Nachbarn ihre Eigentumswohnung „stehlen“ wollten, weil diese mehr Platz für ihr behindertes Kind bräuchten.

Im Rahmen dieses Wahns war sie überzeugt, dass die Nachbarn sie seit Jahren abhören und überwachen würden. Außerdem würden sie sie mit einer Art „Elektrokanone“ durch die Wände beschießen. Einmal sei sie deshalb sogar im Treppenhaus gestürzt, weil die Nachbarn mit dieser Elektrokanone gezielt auf ihr Knie geschossen hätten. Tatsächlich fanden sich in ihrer Krankengeschichte entsprechende Vorstellungen in der Orthopädie bzw. Notaufnahme wegen des Sturzes – natürlich ohne Hinweise auf irgendeine Fremdeinwirkung.

Zu uns kam sie schließlich, nachdem es erneut Streit mit den Nachbarn gegeben hatte. Sie hatte deren Wohnungstür mit einem Duftspray eingesprüht, woraufhin die Nachbarn die Polizei verständigten.

Im Gespräch erklärte sie uns dann ausführlich, dass das Ganze schon seit Jahren so gehe.

Besonders bemerkenswert fand ich, dass sie irgendwann sogar einen Privatdetektiv engagiert hatte, um Beweise für die Überwachung zu finden. Gemeinsam hätten sie wohl sogar Wände geöffnet bzw. untersuchen lassen – Kameras, Kabel oder andere Überwachungstechnik fanden sie selbstverständlich nicht.

Die Reaktion des Privatdetektivs laut ihrer Erzählung war sinngemäß: „Wissen Sie, manchmal findet man solche Dinge erst, wenn das Haus irgendwann abgerissen wird und man sieht, wo die Kabel herauskommen.“

Der hat sie halt einfach für ihr Geld ausgenommen und in ihrer Überzeugung gelassen.

Ich konnte sie schließlich dazu bewegen, zumindest einmal ein Antipsychotikum einzunehmen.

Am nächsten Tag entließ sie sich allerdings selbst. Eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung bestand letztlich nicht.

Was mir an dem Fall besonders im Gedächtnis geblieben ist, war weniger die Absurdität des Wahns als die Tragik dahinter. Sie berichtete, dass sich ihre Familie weitgehend von ihr zurückgezogen habe bzw. nur noch wenig Kontakt bestehe – und dass sie darunter durchaus leide.

Gleichzeitig fehlte ihr natürlich jede Krankheitseinsicht. Man weiß also, dass sie wieder nach Hause in genau dieses Wahnsystem zurückkehrt, das inzwischen einen erheblichen Teil ihres Lebens und ihrer Beziehungen bestimmt.

Jetzt würde mich interessieren: Was waren die ungewöhnlichsten, komplexesten oder einfach eindrücklichsten Wahninhalte, die ihr in eurer klinischen Tätigkeit erlebt habt?

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u/Psychisch_am_Ente — 4 days ago

Auf der Suche nach Anregungen: Welche Patientenaufklärungsmaterialien oder Stationsstandards haben sich in Ihrer psychiatrischen Abteilung bewährt?

Hi everyone,
I’m a resident working on a general adult inpatient psychiatry unit in Austria 🇦🇹, and I’ve been thinking a lot about how we could improve our ward.

One thing I’ve noticed is that we don’t really have a standardized “unit concept.” There isn’t a typical treatment pathway, no welcome packet for new admissions, and not much in the way of standardized psychoeducation or take-home materials. Most education happens during rounds or individual conversations, which is valuable, but often depends on who is working that day.

I’m curious how other hospitals approach this.

Do you have patient handouts, psychoeducation materials, worksheets, crisis planning tools, discharge resources, or other handouts that you routinely give to patients? Are there specific books, websites, apps, or printable resources that you consistently recommend?

More broadly, are there aspects of your unit that have become standard because they’ve clearly improved patient care or the overall patient experience?

I’m interested in ideas from any psychiatric setting—acute inpatient, general adult psychiatry, geriatric psychiatry, addiction, day hospital, consultation-liaison, etc.

I’m hoping to build a collection of evidence-based resources and practical ideas that could be incorporated into our unit over time. I’d really appreciate hearing what’s worked well in your department.

I know your recommendations will probably be in english, I would try to find the same things in german or maybe translate them.

Thanks in advance!

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u/Psychisch_am_Ente — 2 months ago

Was hat euch während eines Aufenthalts in der Psychiatrie wirklich geholfen?

Hallo zusammen,

ich arbeite auf einer psychiatrischen Station und würde gerne einmal eure Perspektive hören.

Mich interessiert vor allem: Was hat euch während eines stationären Aufenthalts wirklich geholfen? Damit meine ich nicht unbedingt Medikamente, sondern eher die kleinen oder größeren Dinge, die euch den Aufenthalt erleichtert oder euch nachhaltig etwas mitgegeben haben.

Zum Beispiel:
Informationsblätter oder Broschüren, die euch eure Erkrankung oder Behandlung verständlich erklärt haben.

Arbeitsblätter oder Übungen, die ihr auch nach der Entlassung noch genutzt habt.
Krisenpläne, Notfallkarten oder andere Hilfen für zu Hause.

Bücher, Apps, Webseiten oder Podcasts, die euch empfohlen wurden und tatsächlich hilfreich waren.

Feste Angebote oder Rituale auf der Station, die euch gutgetan haben.

Dinge die einem „Aha-Moment“ bei euch ausgelöst haben.

Genauso interessiert mich aber auch die andere Seite: Gab es Dinge, die euch gefehlt haben? Bei denen ihr euch gedacht habt: “Das hätte ich mir während meines Aufenthalts gewünscht.”
Ich sammle gerade Ideen, wie man Patient:innen auf einer psychiatrischen Station besser unterstützen kann – sowohl während des Aufenthalts als auch für die Zeit danach.

Deshalb freue ich mich über jede Erfahrung oder Anregung.

Vielen Dank fürs Teilen!

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u/Psychisch_am_Ente — 2 months ago
▲ 5 r/ADHS

Was hat euch während eines Aufenthalts in der Psychiatrie wirklich geholfen?

Hallo zusammen,

ich arbeite auf einer psychiatrischen Station und würde gerne einmal eure Perspektive hören.

Mich interessiert vor allem: Was hat euch während eines stationären Aufenthalts wirklich geholfen? Damit meine ich nicht unbedingt Medikamente, sondern eher die kleinen oder größeren Dinge, die euch den Aufenthalt erleichtert oder euch nachhaltig etwas mitgegeben haben.

Zum Beispiel:
Informationsblätter oder Broschüren, die euch eure Erkrankung oder Behandlung verständlich erklärt haben.

Arbeitsblätter oder Übungen, die ihr auch nach der Entlassung noch genutzt habt.
Krisenpläne, Notfallkarten oder andere Hilfen für zu Hause.

Bücher, Apps, Webseiten oder Podcasts, die euch empfohlen wurden und tatsächlich hilfreich waren.

Feste Angebote oder Rituale auf der Station, die euch gutgetan haben.

Dinge die einem „Aha-Moment“ bei euch ausgelöst haben.

Genauso interessiert mich aber auch die andere Seite: Gab es Dinge, die euch gefehlt haben? Bei denen ihr euch gedacht habt: “Das hätte ich mir während meines Aufenthalts gewünscht.”
Ich sammle gerade Ideen, wie man Patient:innen auf einer psychiatrischen Station besser unterstützen kann – sowohl während des Aufenthalts als auch für die Zeit danach.

Deshalb freue ich mich über jede Erfahrung oder Anregung.

Vielen Dank fürs Teilen!

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u/Psychisch_am_Ente — 2 months ago

Was sind eure “Must-haves” auf einer psychiatrischen Station?

Liebe r/Medizin-Community,

ich arbeite in einer kleineren Allgemeinpsychiatrie und bin aktuell auf einer Therapiestation.

Mir fällt immer wieder auf, dass wir eigentlich gar kein richtiges Stationskonzept haben. Es gibt keine standardisierte Aufenthaltsdauer, keine krankheitsspezifischen Abläufe und auch keine Materialien, die Patient:innen standardmäßig mitbekommen.

Psychoedukation passiert natürlich, aber meistens eher im Gespräch oder in der Visite.
Ich frage mich deshalb, wie das bei euch aussieht?

Habt ihr Dinge, die bei euch einfach Standard sind? Also zum Beispiel: Jeder Patient mit einer Alkoholabhängigkeit bekommt dieses Infoblatt, jeder mit Depression diese Broschüre oder dieses Arbeitsblatt, jeder Borderline-Patient einen Krisenplan …

Mich interessieren aber nicht nur Materialien, sondern auch euer Stationskonzept allgemein.
Gibt es feste Bausteine, bei denen ihr sagt: Das hat sich wirklich bewährt? Egal ob Akutstation, Therapiestation, Gerontopsychiatrie, Tagesklinik oder Sucht.

Ich würde mir gerne über die Zeit eine kleine Sammlung an Ideen und guten Ressourcen aufbauen. Also alles, was ihr regelmäßig empfehlt oder verteilt: Arbeitsblätter, Psychoedukation, Bücher, Webseiten, Patientenleitlinien, Apps oder was euch sonst einfällt.

Ich freue mich über alle Tipps und Erfahrungsberichte. Danke euch!

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u/Psychisch_am_Ente — 2 months ago
▲ 33 r/medizin

Frust in der Psychiatrie

Liebe r/Medizin-Gemeinschaft,

ich, W28, bin im dritten Jahr meiner Psychiatrie-Ausbildung in einer mittelgroßen Stadt in Österreich. 🇦🇹

Die Arbeitszeiten sind super: 8–13 Uhr Kernarbeitszeit, ungefähr drei bis vier 25-Stunden-Dienste pro Monat. Nachtstunden werden voll angerechnet und nicht als Bereitschaft gezählt, deswegen sind bei 40-Stunden-Wochen mit einem Dienst 25 Stunden erledigt und den Rest der Tage jeweils etwa 5 Stunden. Im Nachtdienst ist eine Fachärztin immer im Haus und auch wach. Sie muss rechtlich bei den Polizeieinweisungen dabei sein und macht auch Konsile und ZNA-Begutachtungen. Als Assistentin übernehme ich unsere psychiatrische Ambulanz, die auch nachts ganz gut besucht ist.

Wenn möglich, habe ich durchschnittlich zwei Wochenenden frei. Überstunden kann ich mir aufschreiben, mache maximal eine, in seltenen Fällen auch mal zwei extra Stunden. Ich kann an den meisten Tagen pünktlich um 13 Uhr gehen. Dazu kommen 14 Gehälter pro Jahr, insgesamt etwas mehr als 90.000 Euro brutto. Urlaub sind 30 Tage und je nach Schulferiensituation jederzeit möglich, zwei Wochen am Stück pro Jahr stehen mir zu.

Hätte ich mir im Studium in Deutschland und nach dem PJ nie gedacht, dass es so gut sein kann, was die Arbeitsbedingungen angeht, aber …

Das große „Aber“: Wir haben konstant Fachärztinnenmangel. Teilweise führt eine Assistentin die Station (20 Patienten) alleine, sofern verfügbar mit Stationsärztin und KPJlern. An guten Tagen sind es immerhin zwei Assistentinnen. Eine Fachärztin ist nur an etwa 75 % der Tage anwesend, wenn nicht, dann nur telefonisch von anderen Stationen aus erreichbar.

An den Tagen, an denen die Fachärztin dann da ist, gibt es leider wenig Teaching. Medikamentöse Entscheidungen werden oft nur von der Fachärztin getroffen. Fortbildungen haben sich die Assistentinnen bisher gegenseitig gegeben, Vorträge von unseren Fachärztinnen sind extrem selten. Dafür gibt es etwa alle zwei Wochen eine externe Fortbildung. Irgendwie muss ja für die Zertifizierung etwas vorgewiesen werden.

Jetzt aber mehr zu meinem Punkt: Ich glaube, wir machen in der Klinik gar nicht so gute Arbeit. Es gibt keine Verwendung diagnostischer Fragebögen wie Hamilton oder PANSS. Medikamentös wird sich leider nicht so genau an die Leitlinien gehalten. Antidepressiva werden ohne klare Evaluation des Ansprechens oder Ausschluss von Kriterien für Nichtansprechen, wie etwa Spiegelkontrollen, nach kurzer Zeit gewechselt. Antipsychotika werden schnell aufdosiert, bis die Leute teilweise einen Rigor bekommen. Insgesamt gibt es viel Polypharmazie. Sicher ein Drittel der Patienten hat mehr als fünf Psychopharmaka, kaum eines davon wird ausdosiert. Drei verschiedene Medikamente zum Schlafen sind keine Seltenheit. Kaum wird sich getraut bei so Verzweiflungsmedikationen mal was abzusetzen.

Psychotherapeutisch kommen wir Ärztinnen leider kaum zum Arbeiten. Auch richtige Aufklärungen über Diagnose und Prognose gibt es kaum. Man muss auch sagen, dass die Tage mit fünf Stunden recht kurz sind. Anderthalb Stunden davon gehen für Morgenbesprechung und Stationsbesprechung drauf, dann etwa anderthalb Stunden Visite und anschließend zwei Stunden Labore sichten, Briefe schreiben etc. Da ist man schnell schon bei 13 Uhr und geht nach Hause. So richtig Zeit mit Patienten hat man da kaum.

Ich habe immer das Gefühl, alles wird so Pi mal Daumen entschieden, aus dem Bauch heraus, ohne klare Struktur. Ich beneide immer die Internisten, die an Laborwerten klar sehen können, ob Therapien gut ansprechen oder nicht. Struktur fehlt mir extrem und das merke ich immer und immer wieder.

Ich hab das Gefühl, bei uns geht es mehr darum, dass die Leute nicht zu lange stationär bleiben und schnell wieder gehen, und das obwohl wir eine Therapiestation sind. Es kommt dann auch oft dazu, dass Patienten schnell wiederkommen, weil es draußen eben doch noch nicht geklappt hat.

Wenn ich dann Vorträge der DGPPN schaue oder mal mit Assistentinnen aus anderen Krankenhäusern spreche, merke ich, wie viel besser und strukturierter es dort läuft. Unsere Abteilung hatte in der Vergangenheit auch Personalprobleme, das erklärt es vielleicht, aber es fühlt sich manchmal so an, als ob es kein klares Stationskonzept und keine klaren Behandlungsabläufe für bestimmte Diagnosen gibt.

Das Fach finde ich super und wollte es auch schon immer machen, aber irgendwie unterscheidet sich die Realität der Univorlesungen und des PJ an der Uniklinik sowie die dortige Struktur deutlich von der Arbeit in einem Kreiskrankenhaus.
Klar Uniklinik im PJ war auch nicht perfekt aber ich hatte das Gefühl das ich allein schon viel lerne weil man merkt das die Klinik ein gutes Konzept hatte was Struktur gegeben hat.
Ich kann mir zwar alles anlesen und Vorträge anhören aber irgendwie frustriert es mich dann nur noch mehr zu sehen wie viel von den etablierten Dingen bei uns nicht gemacht werden. Klar kann ich hier und da mal was einbringen aber es fühlt sich einfach an wie ein Kampf.

Ich fühle mich einfach extrem frustriert.

Vielleicht ist das auch nur Jammern auf hohem Niveau oder ich sehe irgendetwas falsch oder habe zu hohe Ansprüche. Wie soll ich damit am besten umgehen? Was würdet ihr tun?

Gibt es von euch Leute, die in ähnlichen Situationen waren oder sind? Wie seid ihr damit umgegangen? Was würdet ihr mir empfehlen?

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u/Psychisch_am_Ente — 3 months ago