Kennst du das, Florian?

Du liest die Regeln. Klar. Verständlich. Eigentlich eindeutig.
Du weißt genau, welchen Flair dein Beitrag braucht.

Und dann passiert etwas Seltsames.

Du postest.
Du nimmst einfach irgendeinen Flair.
Der Mod passt den Flair nachträglich schon an. Er macht es gerne. Er ist dafür da.

Doch nein: Man weist dich darauf hin. Man bittet dich, das nächste Mal aufzupassen. Du nickst.
Dann wirst du nochmal darauf hingewiesen. Du grinst. Nicken und Grinsen gehen immer.
Beim nächsten mal: Man gibt dir die Chance, den Fehler zu korrigieren. Aber warum korrigieren? Ist doch alles richtig.
Jetzt werden deine Beiträge gelöscht. Mir doch egal. Mein Job ist es nur zu posten.

In deiner Vorstellung: „Ist doch nur ein kleiner Flair.“
Doch in der Realität, Florian: Regeln gelten für alle. Auch für dich.

Und manchmal ist der Abstand zwischen „ist doch nicht so schlimm“ und „war wohl doch zu viel“ genau ein Schritt.

Die Frage ist also nicht, ob du die Regeln kennst.
Sondern ob du sie ernst nimmst.
Oder ob du einer sein willst, der unnötig daran scheitert.

Und was ist deine Meinung? Kennst du das?

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u/Regenstern — 5 days ago
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Warum Talent eine schädliche Lüge ist

Lesedauer 15m — TLDR: das Fettgedruckte

Man fragt sich immer wieder, warum der eine Autor elegant und wirkungsvoll zu schreiben versteht, während ein anderer daran scheitert; warum einige im Sport oder in der Kunst und den Wissenschaften hervorstechen, während es anderen versagt bleibt. Fast reflexhaft wird in solchen Fällen das Wort Talent bemüht, vor allem von Laien, aber nicht selten (wenn auch seltener) auch von Experten. Doch unter den möglichen Erklärungen für bemerkenswerte Leistungen ist Talent m.M.n. die schwächste und unzutreffendste.

Mit diesem Beitrag sollen besonders Anfänger ermutigt werden, an sich selbst und an den Wert harter und intelligenter Arbeit zu glauben. Jeder, der schon einmal mit dem Urteil „Du hast kein Talent“ niedergestreckt wurde, möge hier eine Gegenstimme finden – und darüber hinaus stichhaltige Argumente, die zeigen, dass die gängige Alltagsvorstellung von Talent eine schädliche Selbsttäuschung und zugleich eine niederschmetternde, letztlich unbrauchbare Form der Kritik darstellt. Nicht zuletzt möchte ich gerade Kritiker dazu anregen, Defizite und Qualitäten nicht automatisch auf Talent zurückzuführen.

Was ist mit Talent gemeint?

Nagelt sie mal fest, die sich auf Talent berufen, und verlangt von ihnen, diesem Begriff eine konkrete Gestalt zu geben; man erhält meist zwei Antworten. Die einen sprechen von einer Gabe, die anderen von Genen, wobei manche die Vorstellung einer Gabe mit genetischer Veranlagung gleichsetzen.

Daneben existiert eine dritte, ausweichende Position: Talent sei lediglich ein Kompliment, ein Wort des Lobes ohne Anspruch auf Erklärung, verwendet für außergewöhnliches oder zumindest vielversprechendes Können. In diesem Fall erübrigt sich für uns jede weitere Diskussion, da dem Begriff kein Erklärungswert zukommt.

Talent als Gabe

Talent, sagen die einen also, sei eine angeborene, immaterielle Gabe, eine Zuweisung des Universums, ein Geschenk der Götter; Talent hafte etwas Mystisches und Schicksalhaftes an.

Diese Vorstellung setzt eine Welt voraus, die von unsichtbaren Kräften durchzogen ist, die einzelne Menschen auswählen und sie zu großer Literatur und bedeutender Kunst befähigen. Ein solches Weltbild impliziert jedoch zugleich, dass der Mensch das Schöne, Wahre und Gute nicht aus eigener Kraft hervorbringen kann, sondern dafür auf äußere Mächte angewiesen ist.

Wer so denkt, mag dies im Rahmen seines Glaubens und seiner Weltanschauung tun; mir persönlich liegt es fern, darüber zu spotten. Doch weil heutzutage immer noch viele Menschen so denken – besonders von Künstlern –, möchte ich nicht weiterziehen, ohne eine Anregung zu geben.

Selbst innerhalb eines solchen Weltbildes folgt nicht zwangsläufig, dass jedes Phänomen nur auf diese Weise erklärbar sei. Wir kennen unzählige natürliche Vorgänge, die ohne übernatürliche Intervention ablaufen. Warum sollte ausgerechnet das Neuropsychologische hiervon ausgenommen sein? Glaube und empirische Erklärung schließen einander nicht immer aus; mehr noch: ihre Vereinbarkeit scheint sogar geboten, gerade wenn aufgrund von lebensbestimmenden Vorstellungen die Frage nach unserer eigenen Handlungsmacht auf dem Spiel steht.

Talent als Veranlagung

Die dem Zeitgeist entsprechende Narrative verortet Talent in den Genen, besonders wenn es um athletische oder intellektuelle Leistungen geht. Diese Auffassung gibt sich nüchterner und wissenschaftlich, ist deshalb jedoch nicht weniger oberflächlich. Denn sie beruht auf einem verkürzten Verständnis der Forschungslage bzw. auf einer Überbewertung der Rolle genetischer Faktoren.

Der Mensch ist nicht bloß ein Produkt seiner Gene. Epigenetische, pränatale, soziale, biografische, sozioökonomische, kulturelle und andere Umweltfaktoren wirken tiefgreifend mit und formen gemeinsam mit den Genen, wer wir sind und was wir leisten können.

Im Forschungsbereich der Psycho- und Verhaltensgenetik arbeitet man mit dem Konzept der Erblichkeit (Heritabilität, h²). Dieses statistische Maß gibt an, wie sehr die Unterschiede zwischen Menschen in Bezug auf ein bestimmtes Merkmal (Phänotyp) durch genetische Unterschiede erklärt werden können.

Für bestimmte Merkmale wie Körpergröße, Augenfarbe, einige Krankheiten oder auch einzelne mentale Eigenschaften lässt sich diese Erblichkeit schätzen. Beispiel: Die Persönlichkeitseigenschaft ‘Offenheit für Erfahrungen’ (im OCEAN-Modell) kann je nach Studie zu 40 bis 60% genetisch erklärt werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass es sich um populationsbezogene Durchschnittswerte handelt; sie erlauben keine direkten Rückschlüsse auf einzelne Individuen. Ein Individuum könnte in einem Merkmal nahezu vollständig genetisch geprägt sein, ein anderes wiederum kaum. Es kann sein, dass jemand 1,90 m groß ist und dies nahezu vollständig auf die von den Eltern vererbten Gene zurückzuführen ist; es kann aber ebenso gut mehr durch Umweltfaktoren (Ernährung in der Kindheit und Lebensbedingungen) beeinflusst sein. Der Kernpunkt: Ohne genetische Analyse lässt sich dies nicht eindeutig feststellen.

I.d.R. weisen Merkmale wie die Augenfarbe, die von vergleichsweise wenigen Genen (ca. 16) beeinflusst werden und sich kaum verändern lassen, eine sehr hohe Erblichkeit auf. Auch komplexere Merkmale wie die Körpergröße, an denen Tausende von Genen beteiligt sind, können eine hohe Erblichkeit aufweisen. Generell gilt jedoch: Je komplexer ein Merkmal ist, mit vielen notwendingen Teilkomponenten – wie das Storytelling –, desto stärker treten Umweltfaktoren in den Vordergrund.

Die unmögliche Lotterie

Um die genetische Erklärung von Talent ernsthaft zu vertreten, müsste man also zeigen, dass komplexe Fähigkeiten wie das Erzählen von Geschichten eindeutig auf bestimmte Erbanlagen zurückzuführen sind. Versuchen wir, diese Vorstellung ad absurdum zu führen, indem wir sie einmal konsequent zu Ende denken.

Ein guter Autor benötigt sprachliches Können und handwerkliches Verständnis (u.a. für Wordbuilding, Handlung, Dramaturgie, Narratologie und Figurenkonzeption). Er benötigt ein gewisses ästhetisches Empfinden, Kreativität und Vorstellungskraft, aber auch das für sein Werk notwendige Fachwissen – vielleicht philosophisches, kulturelles, historisches und/oder naturwissenschaftliches Wissen. Dafür braucht es wiederum Neugier, Fein- und Beobachtungssinn und Recherchefähigkeiten. Um überzeugende Figuren zu erschaffen, sind Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen, psychologisches Verständnis und Humor hilfreich. Ein Buch zu schreiben erfordert darüber hinaus Mut, Disziplin, Ausdauer, Selbstkritik und Organisationsfähigkeit. Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften können einem Autor ebenfalls zugutekommen, wie Offenheit für Erfahrungen, Gewissenhaftigkeit oder eine ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit. Vor allem aber benötigt ein Autor Zeit, Muße, gewisse finanzielle Möglichkeiten und die fachliche und moralische Unterstützung seines Umfelds.

Schreiben erfordert somit ein komplexes Bündel aus Fähigkeiten, Eigenschaften und sonstigen Lebensbedingungen. Natürlich sind viele dieser Faktoren teilweise genetisch beeinflusst. Doch zu behaupten, ein Autor sei deshalb so gut, weil seine Gene die entscheidende Rolle spielen, gleicht der Annahme, jemand habe eine Lotterie gewonnen, bei der er hunderte Male hintereinander die richtigen Zahlen gezogen hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch die ideale Kombination all dieser Voraussetzungen genetisch in sich vereint, ist verschwindend gering.

Dass genetische Einflüsse existieren, lässt sich nicht leugnen. Sie sind jedoch zu verteilt und indirekt. Beim Storytelling dürfte der genetische Anteil aufgrund dieser Komplexität nur begrenzt aussagekräftig sein – jedenfalls nicht in einer Weise, die individuelle Leistung erklärt oder gar vorbestimmt. Kurz: Gene prädisponieren, sie determinieren nicht.

Die eigentlichen Faktoren

Wenn wir über Spitzenleistungen sprechen – bei denen zwischen Experten und der Durchschnittsbevölkerung in einem bestimmten Bereich ein Weltenunterschied besteht –, dann entstehen sie durch das Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren. Entscheidend sind u.a.:

  1. Motivation: das ernsthafte Wollen und die Bereitschaft, langfristig in eine Tätigkeit zu investieren;
  2. Übungserfahrung (Deliberate Practice): die über Jahre angesammelte, gezielte und bewusste Übung;
  3. Konzentration (Deep Work): der Grad der Versenkung und geistigen Fokussierung, der während des Übens regelmäßig erreicht wird;
  4. Methoden: nicht jede Lernmethode ist gleich effektiv (Faktoren 3 und 4 bestimmen gemeinsam die Qualität der Übungserfahrung);
  5. Anfangsalter: wer früh beginnt, profitiert von der höheren Plastizität des Gehirns;
  6. Förderung: Eltern, Lehrer, Mentoren und andere Bezugspersonen können Entwicklung inspirieren, beschleunigen und in produktive Bahnen lenken;
  7. Kognitive und geistige Voraussetzungen: Arbeitsgedächtnis, räumliches Vorstellungsvermögen, Verarbeitungsgeschwindigkeit oder allgemeine Intelligenz;
  8. Haltung und Einstellungen: Werte, Selbstverständnis, Sinnhaftigkeit und der Umgang mit Rückschlägen;
  9. Soziale Fähigkeiten und Persönlichkeitseigenschaften: Offenheit, Ausdauer, Gewissenhaftigkeit oder Empathie;
  10. Glück: der Umstand, von Unglück verschont zu bleiben und zur richtigen Zeit die richtigen Gelegenheiten zu erhalten.

Einige dieser Faktoren (3, 7, 8 und 9) besitzen höhere genetische Anteile. Die übrigen Faktoren sind überwiegend (wenn nicht gänzlich) umweltbedingt und von persönlichen Entscheidungen geprägt.

Die Forschungslage zu Spitzenleistungen ist natürlich nicht in allen Details einstimmig. Wissenschaftler diskutieren weiterhin darüber, welchen Faktoren welches Gewicht zukommt. Der weitgehende Konsens lautet jedoch: Außergewöhnliche Leistungen sind multifaktoriell; sie entstehen durch die Interaktion dieser Faktoren über die Zeit.

Ein Punkt gilt dabei als besonders gut belegt: Faktor 2, die gezielte Übung, ist eine notwendige – wenn auch keine hinreichende – Voraussetzung. Es gibt kein bekanntes Beispiel außergewöhnlicher Meisterschaft ohne viele Jahre intensiver Übung. Umgekehrt existieren zahlreiche Beispiele für hohe Leistungen ohne besondere genetische Begünstigung.

An diesem Punkt werden häufig Wunderkinder wie Mozart oder Magnus Carlsen und die ständig mediatisierten akademischen Child Prodigies angeführt. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass diese Kinder sehr früh begonnen haben (Faktor 5), spezielle Förderung erhielten (Faktor 6 und 4) und dadurch bereits in jungen Jahren enorme Mengen an Übungserfahrung (Faktor 1) sammeln konnten.

Was in der Forschung überhaupt als Talent bezeichnet werden könnte, wäre somit am ehesten eine frühe Leistungsdisposition oder eine überdurchschnittliche Lernrate und keine fertige Fähigkeit. Unterschiede in Lernfähigkeit, Aufmerksamkeit oder Gedächtnis sind real, doch sie setzen keine unveränderlichen Grenzen. Manche Menschen zeigen früh bestimmte Neigungen oder Stärken, doch daraus folgt nicht, dass diese Fähigkeiten ausschließlich angeboren oder für andere unerreichbar sind. Sie können weiterentwickelt oder durch andere Stärken kompensiert werden. Gerade im Bereich des Storytellings wissen wir, dass jede der zuvor genannten Fähigkeiten grundsätzlich entwickelbar ist, und dass manche vermeintlichen Schwächen sogar zu kreativen Vorteilen werden können (dazu demnächst eine eigener Beitrag).

Die Wahrheit ist also weitaus komplexer als sie die rein-genetische Erklärung vermuten lässt.

Der Glaube an Talent ist psychologisch

Viele Kognitionen tragen dazu bei, dass Menschen am Talentglaube festhalten. Man glaubt daran, weil diese Vorstellung die Welt vereinfacht und die Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Komplexität von Entwicklung und Leistung erspart; oder weil die inneren Mechanismen von gewissen Fähigkeiten für Laien kaum zu durchblicken sind; oder weil die Vorstellung bequemer ist, dass Größe ohne Entbehrung möglich sei, ohne sie mit jahrelanger Arbeit, Verzicht und Beharrlichkeit in Verbindung zu verdienen; oder weil es Teil eines Vermeidungsdenkens ist, denn wer sich selbst für unbegabt hält, muss es gar nicht erst versuchen und setzt sich damit auch nicht der Anstrengung oder der unangenehmen Möglichkeit des Scheiterns aus; oder weil es als akzeptable Erklärung für das eigene Scheitern dient, anstatt sich einzugestehen, dass vielleicht Übung, Strategie, Ausdauer oder Umstände eine Rolle gespielt haben; es erscheint leichter zu sagen: „Ich kann es nicht, weil ich dafür nicht gemacht bin“ – oder, in einer schicksalhafteren Variante: „Das Universum hat es nicht für mich vorgesehen.“

Schlusswort

Egal ob Gene oder Gabe, wird eine solche Denkweise Vermeidungsverhalten begünstigen. Man begrenzt sich selbst und andere von vornherein, denn nach dieser Logik gilt: Entweder man hat es, oder man hat es nicht, und braucht es demzufolge erst nicht zu versuchen. Ob man es jedoch hat, zeigt sich überhaupt erst dann, wenn man es ernsthaft versucht hat.

Letztendlich ist das fiktionale Schreiben ein sehr spezielles Kompetenzbereich. Jedes Werk verlangt seinem Autor unterschiedliche Fähigkeiten ab. Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien, Die unsichtbaren Städte von Italo Calvino, Hunter × Hunter von Yoshihiro Togashi, Hereditary von Ari Aster oder The Matrix von den Wachowski-Schwestern sind Werke, die jeweils völlig unterschiedliche künstlerische Herausforderungen stellen und dementsprechend unterschiedliche Fähigkeiten und Herangehensweisen erfordern.

Wenn die Motivation vorhanden ist und die Bereitschaft besteht, hingebungsvoll zu arbeiten, könnte jeder von uns eine Geschichte erschaffen, die nur er erzählen kann. Nicht jede Geschichte wird weltberühmt oder zum kommerziellen Erfolg, aber jeder Mensch besitzt eine einzigartige Perspektive und Erfahrungen und Schwächen, aus denen etwas Eigenständiges entstehen könnte.

Bestimmt gibt oder gab es irgendwo einen Autor, der mit außergewöhnlichen genetischen Voraussetzungen oder einer besonderen Begabung gesegnet war. Doch die Berichte großer und anerkannter Schriftsteller erzählen immer wieder von Mühen, Rückschlägen, jahrelangem Schreiben, Überarbeiten, Recherchieren, Lesen und Lernen. Genau das sollte uns motivieren. Denn letztlich geht es nicht um Ausnahmeerscheinungen, nicht um Wunderkinder und nicht um Legenden. Es geht um dich.

Am Ende behalten auch die platten, motivatorischen Facebook-Weisheiten einen wahren Kern: Hard work beats talent when talent fails to work hard; Talent will make you go fast, hard work makes you go far; Talent is what you want.

So beginne es zu wollen.

Du möchtest uns eine Geschichte erzählen? Dann lass dich niemals von uninformierten Urteilen davon abhalten oder niederstrecken. Du brauchst keine metaphysische Erlaubnis und keinen genetischen Freibrief. Misstraue dem Wort Talent; kehre dieser destruktiven Idee andachtsvoll den Rücken zu. Ersetze sie durch tägliches Lesen und Schreiben. Entwickle Selbstvertrauen und Zuversicht. Erkenne deine Stärken und Schwächen, kultiviere deine Fähigkeiten, lerne das Handwerk, übe, schreibe und lese regelmäßig. Suche Inspiration, lerne von anderen, bewahre deine Leidenschaft und habe Freude am Prozess. Forme dich langsam aber sicher zu dem Autor, den deine Geschichte braucht.

u/Regenstern — 12 days ago

Mehrere Feedback-Posts hintereinander werden gelöscht

Wir stellen immer wieder fest, dass einzelne Nutzer innerhalb kürzerster Zeit (manchmal Minuten) mehrere Beiträge hintereinander veröffentlichen und um Feedback bitten. Dafür haben wir Verständnis, dennoch hat dieses Verhalten einige unerwünschte Auswirkungen:

  • Eigene frühere Beiträge werden durch die nachfolgenden Posts im Feed nach unten gedrängt und dadurch weniger gesehen oder gelesen.
  • Auch die Beiträge anderer Nutzer verlieren an Sichtbarkeit, insbesondere wenn mehrere bild- oder screenshotlastige Beiträge hintereinander erscheinen.
  • Wer den Feed in kurzer Zeit mehrfach für sich beansprucht, kann bei anderen aktiven und hilfsbereiten Mitgliedern den Eindruck mangelnder Rücksichtnahme erwecken. Das verringert nicht selten auch die Bereitschaft, konstruktives Feedback zu geben.
  • Am wichtigsten ist jedoch: Ein noch wachsendes Subreddit wirkt schnell unmoderiert und verwahrlost, wenn der Feed von einzelnen Nutzern dominiert wird. Das kann potenzielle neue Mitglieder abschrecken und schadet der Entwicklung der gesamten Community.

Wir bitten daher alle Nutzer, nach einem Feedback-Post zunächst etwas Geduld mitzubringen und ausreichend Zeit verstreichen zu lassen, mindestens ein paar Tage, bevor ein weiterer Beitrag veröffentlicht wird.

Mehrere Feedback-Anfragen in kurzer Folge sind künftig nicht erwünscht. Entsprechende Beiträge werden von der Moderation konsequent entfernt.

Vielen Dank für euer Verständnis!

PS: Einwände sind natürlich gern gesehen, gleich hier in den Kommentaren.

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u/Regenstern — 1 month ago

Wie findet ihr mein Worldbuilding durch Dialog?

- Der Spiegel funktioniert mal wieder nicht. Super.

- Klar. Und das Licht ist auch tot.

- Wer hat das gesagt?

- Ich.

- Ja, sehr hilfreich. Und wer bitte ist ‘ich’? Siehst du nicht, dass wir hier nichts sehen?

- Moment. Wer bist du denn? Sind wir hier etwa zu dritt?

- Leute. Es ist scheißdunkel. Und ihr habt alle dieselbe Scheißstimme! Wie soll man hier scheiße nochmal durchblicken?

- Ach, entspann dich. Wir könnten auch hundert sein. Oder tausend. Macht kein Unterschied. Geil. Finde ich als Konzept einfach nur geil. Denkt ihr nicht?

- Ja nee, ist klar…

- Wer hat das gesagt?

- Deine Mudda. Ding Dong.

- War das eine Glocke?

- Nein, das war Eddy!

- Jetzt reicht’s. Kann bitte jemand das Licht anmachen?!

- Lass es. Das wäre ein Plot. So etwas tun wir hier nicht, vergessen?

- Ich bin wirklich im falschen Film gelandet. Bitte Licht. Licht. Licht. Jetzt.

- Ähm… Entschuldigung?

- Moment. Stopp. Leute. Das war ’ne neue Stimme.

- Entschuldigung, dass ich störe. Dürfte ich kurz aufs Klo?

- Die klingt wirklich anders. Wo kommst du denn her?

- Aus einer anderen Geschichte. Ich komm hier öfter vorbei um … zu pinkeln, héhé.

- Du bist das also, der mir hier immer wieder ans Bein … na warte!

- Mich rammt ein Einhorn. Ist hier jemand nah dran am Schalter?

- Geil. Wir sind wirklich hunderte. In einer riesigen, dunklen, geilen Toilette. Dunkelheit ist so ein geiles Konzept. Mich macht das so gaaaeil.

- Mann. Lass uns in Ruhe mit deinem Schwachsinn. Checkst du nicht, dass wir alle nichts checken?

- Also wer’s mag.

- Wer hat das gesagt?

- JETZT MACHT ENDLICH DAS LICHT AN, SCHEIßE VERDAMMT!

Das Licht ging an. Der Dialog brach abrupt ab.

In der vollständig gepolsterten Kammer saß eine einzelne Person. Ihre Zwangsjacke war übersät mit frischen Urinflecken. Ihr Blick war unstet. Die Lippen bewegten sich noch leicht, als würden Reste von Gesprächsfetzen nachhallen. Dann plötzlich richtete sich die Person direkt in die Kamera oben in der Ecke; sie zog das Gesicht zu einem breiten, unnatürlich wirkenden Grinsen.

Am Monitor im Labor standen zwei Männer in weißen Kitteln und verfolgten die Übertragung.

„Faszinierend“, sagte Dr. Regenstern. „Und du sagst, das passiert immer, wenn das Licht ausgeht?“

„Ja. Und er hört erst auf, wenn es wieder angeht“, antwortete Dr. Sylverblack. „Am Anfang hielt ich sein Gerede für random Quatsch. So wie bei Derrida oder Hegel. Aber wenn man genauer hinhört. Es entwickelt sich. Es hat Struktur und wiederkehrende Motive.“

„Motive?“

„Glocken. Ringe. Spiegel. Immer dieselben Fragmente. Es ist, als würde er versuchen, uns etwas mitzuteilen, bzw. sein noch Intaktes Bewusstsein. Ich werde es noch entschlüsseln.“

Dr. Regenstern presste die Lippen aufeinander. Er kannte diesen überoptimistischen von Hoffnung schimmernden Ausdruck in den Augen seines Kollegen. Es rief schmerzhafte Erinnerungen wach.

„Mein Guter, dir ist bewusst, womit wir es hier zu tun haben, oder? Du solltest es lieber sein lassen. Viele vor dir haben es versucht. Und du weißt, wo sie gelandet sind.“

Er zeigte mit dem Finger in Richtung der Gummizelle. Sylverblack reagierte nicht. Regenstern schaltete daraufhin den Bildschirm aus.

„Border-Story-Syndrom“, sagte Regenstern. „Chronische Andeutung ohne Auflösung. Simulation von Tiefe bei gleichzeitiger Verweigerung von Bedeutung. Quasi wie ein LLM-Centipede, der unverständliches Zeug ausspuckt. Wir haben das alles schon mehrfach gesehen.“

Dr. Sylverblack schaltete den Bildschirm wieder ein. „Erstens. Es ist kein Gedankenmatsch. Zweitens. Es ist nicht unheilbar. Und drittens. Ich werde es beweisen. Ich werde beides beweisen.“

„Hast du dir Dr. Schlickeysens Argumente dazu angehört?“, fragte Regenstern.

„Schlickeysen ist ein Penner.“

„Mein Guter.“ Regenstern schaltete den Bildschirm erneut aus. „Wie wäre es mit einem Bierchen? Es gibt diese neue Discord-Bar. Komm, lass uns über Patienten mit realistischen Heilungs-Chancen reden, wie Thomas Mann oder Kafka.“

„Weißt du was ich denke? Du bist einfach nur eifersüchtig. Ihr alle. Eifersüchtige kleine möchtegern-Paul-Watzlawicks seid ihr. Immer nur am Meckern. Ich sag dir was: Ich werde den Nobelpreis dafür kriegen, und ihr nicht. Akzeptiert es endlich. Jetzt geh und lass mich arbeiten.“

Er schaltete den Bildschirm wieder an und das Licht in der Zelle des Patienten aus. Sofort begann die furchterregende Stimme aus der Gummizelle zu sprechen.

- Ich bin da.

- LET THE GAMES BEGIN!!!!

- Noch einen bitte.

- Der hier geht’s aufs Haus.

- Bist du da?

- Ja ich bin da.

- Siehe und Staune.

- Bist du da dabadiba DING DONG!

Regenstern sah noch einen Augenblick in die Übertragung, wie sich der Patient hin und her rollte, dann wandte er sich wortlos ab. An der Tür blieb er kurz stehen, als wollte er noch etwas sagen, entschied sich jedoch dagegen und verließ den Raum.

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u/Regenstern — 2 months ago