u/Stephan_Schleim

Harter Gegenwind auf dem 130. Deutschen Ärztetag: Nicht-medizinisches Cannabis soll wieder ganz verboten, die Telemedizin stark eingeschränkt werden
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Harter Gegenwind auf dem 130. Deutschen Ärztetag: Nicht-medizinisches Cannabis soll wieder ganz verboten, die Telemedizin stark eingeschränkt werden

Dass man mehr für die Prävention von Medikamenten- und Drogenabhängigkeit tun will, ist zwar gut – aber gleichzeitig ein alter Hut. Vom Drogenbeauftragten Streeck wurde immerhin offiziell bestätigt, dass das heutige System das Behandeln von Krankheit finanziert, nicht das Erhalten von Gesundheit:

>Nicht die Prävention sei zu teuer, sondern die Logik des Systems, das den Großteil seines Geldes in die Reparatur von Krankheiten stecke, statt in ihre Vermeidung. Prävention scheitere dabei nicht an mangelnder Evidenz, sondern an Zuständigkeiten und der Finanzierungslogik.

In einem Beschluss wurde "die ärztliche Verordnung von Medizinalcannabis außerhalb eines persönlichen Patienten-Arzt-Kontaktes ab[gelehnt]." Die derzeit schon geplanten Gesetzesänderungen würden "nicht ausreichen, um den besonderen Risiken von Medizinalcannabis im Therapieverlauf gerecht zu werden."

Mit gleich zwei Anträgen wurde der Gesetzgeber aufgefordert, "die vor zwei Jahren erfolgte Teillegalisierung von Cannabis als Genussmittel zurückzunehmen." Das würde nach meinem Verständnis auf ein Verbot von nicht-medizinischem Cannabis hinauslaufen. In der Diskussion dazu auf dem Ärztetag gab es aber auch die Kritik, dass Prohibition nicht funktioniere, wie man schon am Beispiel Alkohol gesehen habe.

Für Letzteren wurde hervorgehoben, dass die verringerte Impulskontrolle die Wahrscheinlichkeit von Gewaltkriminalität erhöhen könne. Für den Cannabiskonsum wurde kein derartiger Zusammenhang hergestellt. Warum soll er dann trotzdem verboten werden, wo er offenbar sozial verträglicher ist als Alkoholkonsum?

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 123, Heft 11, v. 29. Mai 2026 (vorab online)

aerzteblatt.de
u/Stephan_Schleim — 1 day ago

German media wonder: What makes Dutch children exceptionally happy? (Based on a new UNICEF study.) What do you think?

What the news article suggests:

"We let children be children," say many parents in the Netherlands – and this includes not only playing a lot and being outdoors in all kinds of weather, but also a conscious approach to parenting.

Experts point out that in the Netherlands, the concepts of freedom, personal experience, and independence play a special role from an early age. This is clearly visible, for example, in playgrounds, where Dutch parents tend to supervise their children from a distance and only intervene later. A child is allowed to fall down, in every sense of the word – to learn how to get back up.

And about the education system:

Performance pressure sets in later

Even in school, the pressure to perform through grades sets in relatively late. Primary school for all children begins at around four years old and lasts eight years. During this time, in addition to reading, writing, and arithmetic, the focus is primarily on social skills—for example, the ability to discuss ideas or to take responsibility.

The expectation of perfection is lower. This creates an atmosphere without fear of failure, in which the individual abilities of most children can develop more fully. The separation for secondary school then only occurs at the age of twelve.

tagesschau.de
u/Stephan_Schleim — 4 days ago
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Drogenprobleme und Traumata: Neue Studie untersuchte Zusammenhang bei Cannabis und Opioiden

Es ist lange bekannt, dass Menschen mit mehr traumatischen Erfahrungen auch mehr psychoaktive Substanzen/Genussmittel/Drogen konsumieren: das heißt, oft mehrere Mittel aber auch in höheren Mengen. Stärkerer Konsum führt häufiger zu unerwünschten Wirkungen.

Für diese neue Studie untersuchten US-Forscher, vor allem vom Center for Disease Control and Prevention in Atlanta, den Zusammenhang dieser beiden Faktoren: Wie viele der unerwünschten Wirkungen lassen sich statistisch durch traumatische Erfahrungen erklären? Letztere wurden hier als belastende Kindheitserfahrungen (Adverse Childhood Experiences, ACEs) erhoben.

Dafür wurden die Daten von rund 25.000 Erwachsenen aus den US-Bundesstaaten Arizona und Massachusetts ausgewertet. Neben Cannabiskonsum stand auch der in den USA stärker verbreitete, doch auch in Europa zunehmende Konsum von Opioiden im Fokus.

Von den 25.000 Personen gaben 18% an, Cannabis nicht-medizinisch zu verwenden, 6% Opioide und 2% beides. Diejenigen, die unerwünschte Wirkungen angaben, hatten fast immer zwei oder mehr belastende Kindheitserfahrungen (89%, 82%, 84% für die drei genannten Gruppen).

Im Ergebnis berichten die Forscherinnen und Forscher, dass 63% der unerwünschten Wirkungen bei den Cannabiskonsumierenden und 64% bei den Opioid-Konsumierenden auf belastende Kindheitserfahrungen zurückgeführt werden können. Daher ziehen das Fazit:

>"Die Vermeidung von belastenden Kindheitserfahrungen könnte die substanzbedingten Schäden im Erwachsenenalter erheblich reduzieren." (Aslam et al., 2026)

Meiner Meinung nach folgt daraus auch eine wichtige Konsequenz für die Therapie und Drogenpolitik: Strafen treffen vor allem diejenigen, die ohnehin schon schlechtere Startbedingungen im Leben haben; bei der Therapie von Substanzkonsum sollte an das Vorliegen traumatischer Erfahrungen gedacht werden.

Einschränkung: Die Studie liefert, wie fast immer, keinen 100% Beweis einer Ursache-Wirkungs-Beziehung. Aber der Zusammenhang liegt nahe. Und natürlich werden damit nicht 100% der Probleme beim Substanzkonsum auf frühere belastende Erfahrungen zurückgeführt, doch ein großer Teil von ihnen.

Quelle (open access): Aslam, M. V., Rooks-Peck, C., Florence, C., Barnett, S. B. L., Gaffney, C., & Swedo, E. A. (2026). Adverse Effects of Non-Medical Use of Cannabis or Opioids Associated with Adverse Childhood Experiences. International Journal of Environmental Research and Public Health, 23(5), 574.

u/Stephan_Schleim — 11 days ago

Hier im Sub geht es immer wieder um die Frage, wie gut Psychopharmaka bei bestimmten Störungsbildern helfen. Manche schwören darauf, die Medikamente hätten viel genutzt, während andere eher ergebnislos von Präparat zu Präparat wechseln und wieder andere über Nebenwirkungen klagen.

Ein psychiatrisches Forschungsteam der angesehenen Stanford- und Yale-Universitäten hat die Neuzulassungen psychiatrischer Medikamente durch die amerikanische Regulationsbehörde (FDA, siehe Abbildung) in den Jahren 2012 bis 2024 ausgewertet. Dabei geht es um 22 Zulassungen. Das Ergebnis erschien im Journal for Clinical Psychiatry.

Dabei ging es oft nicht um völlig neue Medikamente, sondern die Ausweitung eines schon verwendeten Psychopharmakons auf ein neues Störungsbild. Dieser Schritt kann für die Pharmafirmen finanziell lukrativ sein, wenn dadurch der Patentschutz verlängert wird, sie das Medikament also länger exklusiv vermarkten dürfen.

Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Von den 22 Neuzulassungen erwies sich laut den Forschern keine einzige als klinisch nützlich:

>"Hinsichtlich des klinischen Nutzens erhielt keines der Medikamente, für die Daten vorlagen, die Bewertung 'klinisch hilfreich' … Die Innovationen in der Entwicklung psychiatrischer Medikamente waren in den letzten 13 Jahren begrenzt; die meisten neuen Medikamente stellten eher inkrementelle Verbesserungen als bahnbrechende Innovationen dar. Im Vergleich zu anderen medizinischen Fachgebieten scheint die Entwicklung psychiatrischer Medikamente hinsichtlich Neuartigkeit und klinischer Wirkung hinterherzuhinken."

Wissenschaftliche Publikation: Havlik, J., Isaac, S., Radovan, C., Ostacher, M. J., Smith, D., & Rhee, T. G. (2026). Innovation in Psychiatric Drug Development: A Quantitative Analysis of FDA-Approved Psychiatric Drugs, 2012-2024. The Journal of Clinical Psychiatry, 87(1), 25m16063.

u/Stephan_Schleim — 25 days ago