Mein Herbst
Die Bäume rascheln ein Flüstern vergangener Tage, doch nur, wenn der Wind sie zum Leben erweckt. Das trockene Knistern gefallenen Laubs schleift surrend über den Platz, dirigiert vom Hauch des Herbstwinds. Sich ein letztes Mal in Gold kleiden, bevor die Kälte für ein Ende sorgt. Es ist wie der letzte Protest, in Anmut zu sterben, statt lautlos dahinzuscheiden. Es wirkt wie Stoizismus, ist aber fehlinterpretierte Theatralik. Denn der Baum kleidet sich in falschem Heroismus goldgefärbter Blätter, wohl wissend, dass er im Frühjahr ein neues Leben geschenkt bekommt.
Ich bin 32. Andere in meinem Alter suchen noch den Sinn des Lebens, während ich versuche, zu verstehen, warum ich sterben muss. Ich habe Krebs. Der Schrecken liegt nicht darin, wie die Krankheit heißt, was sie mit dem Körper anstellt oder einfach darin, dass es Sterben bedeutet, sondern darin, darauf zu warten. Ohne goldenes Kleid und ohne die Hoffnung auf einen weiteren Frühling.