Mitbewohnerin nach Selbstmordversuch rauswerfen?
Hallo, ich (39m) fühle mich gerade so schlecht aufgrund meiner besten Freundin (31f) und Mitbewohnerin. Entschuldigt dass das eine längere Geschichte ist, aber eine Kurzfassung wird der Sache evtl nicht gerecht.
Triggerwarnung: Selbstmord / Beziehung
TLDR: Mitbewohnerin hat sich wegen Ex-Freund fast das Leben genommen, ein Jahr später möchte sie ihn wiedersehen - ich drohte ihr mit Rauswurf, wenn sie das tut. Handle ich richtig?
Vorgeschichte: sie wohnt seit 4 Jahren bei mir, kennengelernt habe ich sie über einen Freund von mir, der sie an mich vermittelt hatte, da sie dringend ein Zimmer gebraucht hat. Während der ersten drei Jahre bestand zwischen den beiden eine sehr dramatische On-Off Beziehung, während der Zeit war ich permanent in jedem Entwicklungsschritt involviert, habe ihr immer beigestanden und ihre starken Depressionsphasen miterlebt und mit ihr durchgestanden. Zu den Zeiten war sie auch täglich von irgendetwas high - Alkohol, Gras, Medikamente, aber hauptsächlich Ketamin. Das hatte auf unser gemeinsames Zusammenleben keinen Einfluss - sie ist sehr zuverlässig, gewissenhaft und hat sich an problematischen Tagen auch eher zurückgezogen, als mich mit zu belasten.
Sie kommt aus einem nicht-EU Land und wollte in Deutschland ihre berufliche Karriere starten. Das war unter den Voraussetzungen erstmal nicht wirklich vorangegangen.
Die große Situation letztes Jahr:
Letztes Jahr im Mai ist die Situation zwischen den beiden komplett eskaliert. Über mehrere Tage war sie komplett aufgewühlt, wütend und am weinen. Das endete in einem Selbstmordversuch in meiner Badewanne - eine Kombination aus einer Überdosis Schlaftabletten und öffnen der Pulsadern. Ich habe sie am nächsten Morgen glücklicherweise lebendig in ihrem Zimmer gefunden.
Ich habe sie in die Klinik gebracht und mich in der folgenden Zeit intensiv um sie gekümmert. Den Ex hat sie dann auch nicht mehr getroffen, ebenso hat sie mir ausdrücklich versprochen, ihn nie wieder zu treffen und auch beteuert, dass sie das nicht mehr möchte.
Zu Ihr und mir:
Wir empfinden uns gegenseitig als die wichtigsten Menschen in unserem Leben. Sie hat mir auch über eine sehr langwierige Trennung hinweg geholfen und ist prinzipiell die beste Mitbewohnerin, treueste und lustigste Freundin die ich je hatte. Sie ist mir wichtiger, als Familienmitglieder von mir.
Vor ihrem Selbstmordversuch habe ich mich schon dazu entschieden gehabt, ihr 6000,- zu leihen - Geld das sie gebraucht hat, um überhaupt ein Visum beantragen zu können. Das zahlt sie auch jeden Monat weiter ab, seit sie wieder dazu in der Lage ist. Kurze Zeit vorher waren wir auch schon fast so weit zu heiraten, da es kaum eine bessere Option für eine sichere Aufenthaltsgenehmigung gibt.
Seit ihrem Klinikaufenthalt hat sie aber auch eine längere Zeit nicht arbeiten können - also habe ich ihr auch seitdem die Miete erlassen.
Sie hat ihr Leben und ihre Psyche momentan so gut im Griff wie noch nie. Sie ist auf einem guten Weg, eine Ausbildung anzufangen, hat ihre Angstzustände und den Drogenmissbrauch viel besser im Griff. Das ist ein langwieriger Prozess aber ich bin unglaublich stolz auf sie.
Die große Situation heute:
Im Winter hatte sie sich heimlich für eine kurze Zeit wieder mit ihm getroffen. Das hat sie mir verschwiegen, dann aber im Februar gestanden und mir gesagt, dass es nun endgültig vorbei ist und sie damit abgeschlossen hat. Ich habe keine Konsequenzen daraus gezogen und habe das eher als positive Nachricht angenommen.
Nun hat er sie aber wieder kontaktiert - ihr gesagt, dass er sie wieder zurück haben will.
Sie möchte ihn nun unbedingt treffen - um endlich auf ihre Weise ihm eine Abfuhr geben zu können. Sie sagt, jetzt ist sie zum ersten Mal am Zug und kann bestimmen, nicht er (zuvor hatte er immer wieder mit ihr Schluss gemacht).
Ich bin von der ganzen Geschichte und dem Selbstmordversuch ziemlich traumatisiert - das merke ich jetzt gerade auch sehr, da er wieder aufgetaucht ist. Ich habe ihr gesagt, dass sie aus meiner Wohnung ausziehen muss, wenn sie sich wieder mit ihm trifft.
Sie war unglaublich sauer und hat mir Machtmissbrauch vorgeworfen. Nach zwei längeren Gesprächen bin ich eingeknickt und habe das Ultimatum zurückgezogen. Sie hat mir mehrfach zugesichert, dass sie ihm nicht wieder verfallen wird.
Ich würde ihr gerne vertrauen, kann es aber irgendwie nicht, da sie ja auch schon zuvor hinter meinem Rücken einen Neuversuch mit ihm gestartet hat.
Bin ich das Arschloch, das ihr die Genugtuung und den Abschluss ihrer Geschichte verwehrt? Oder ist sie diejenige, die keine Rücksicht auf mich nimmt und meine Grenzen nicht akzeptiert?