
Vermögensungleichverteilung - System Justification Bias oder auch "warum verändert sich nix?"
Hallo ihr lieben Leute des Interwebs! Ich melde mich mit ein paar Gedanken zu *Trommelwirbel* Vermögensungleichverteilung. Nachdem ich zuletzt schon ein paar Aspekte bearbeitet hab, versuch ich mich heute an meinem persönlichen „Everest“; dem in meinen Augen mit großem Abstand wichtigsten Thema.
Nämlich der Frage: Wenn wir alle „eigentlich“ wissen, dass Vermögensungleichverteilung ein immenses Problem ist - warum tut sich trotzdem nichts? Weder in der Politik, noch generell gesellschaftspolitisch? Warum ist es einfacher, Leute für ein Fußballmatch zu motivieren, als für die Tatsache, dass seit Jahrtausenden in jeder erdenklichen Gesellschaftsstruktur ein winzig kleiner Anteil extremen Reichtum ansammeln konnte?
Die Antwort ist: System Justification Bias. Und ist in der Wissenschaft, Soziologie, mittlerweile tatsächlich erforscht. Belegt. Ich persönlich bezeichne das ganz gerne auch als „politisches Stockholm Syndrom“.
Ein ganz exzellentes, wirklich wichtiges, Video dazu gibt es hier. Bittebitte reinhören.
https://www.youtube.com/watch?v=g3_TB6NBViE
Mit ein bisserl mehr Augenzwinkern ist auch dieses gut (Barry’s Economics; nein nicht Gary’s)
https://www.youtube.com/watch?v=ApSH0fCIjTY
Die Psychologie dahinter ist eigentlich diabolisch. Wir Menschen sind evolutionär bedingt deshalb als Rasse so erfolgreich, weil wir extrem gut darin sind, uns auf widrige Verhältnisse einzustellen. Oder auch flapsig: Das Beste aus Sachen zu machen. Wenn wir Dinge aber nicht ändern können (vgl fight or flight syndrome) gehen wir instinktiv dazu über, den Stressor möglichst zu eliminieren. Was uns zum Thema bringt.
Bei System Justification Bias gehen wir unbewusst (!) dazu über, bestehende gesellschaftliche, wirtschaftliche Verhältnisse, den Status Quo, als fair und legitim zu sehen; ihn zu verteidigen, zu rechtfertigen. Das insbesondere dann, wenn er einem selbst schadet. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass ein unfaires System, das nicht geändert werden kann, oft von jenen, die darunter besonders leiden, noch stärker gerechtfertigt werden, als jene, die profitieren. Weil unsere Hirne nicht dafür ausgelegt sind, in einem Dauerstresszustand des Ungerechtigkeitsempfindens zu existieren. Das ist exakt derselbe Mechanismus wie beim Stockholm Syndrom, wo Opfer anfangen, positive Gefühle für den Peiniger zu entwickeln, um Stress abzubauen. Das ist ein evolutionär angelegter Überlebensmechanismus.
Im wirtschaftspolitischen Kontext führt System Justification Bias zur Illusion der Fairness. Auch bekannt als „Meritokratie-Mythus“. Wir überzeugen uns selbst davon, dass die Leute mit extremem Superreichtum diesen ja „verdient“ haben müssen. Wenn schon nicht selber, dann doch zumindest, weil ihre Vorfahren extrem gescheit, extrem fleißig gewesen sein müssen. Und die anderen? Haben sich halt nicht genug angestrengt. Kompensiert wird das dadurch, dass man sich einredet, dass Vermögen ja sehr belastet, den Charakter verdirbt und arme Leute ein ruhiges, beschauliches, schönes Leben führen können. Ja, in Wahrheit sind die sogar die wirklichen Gewinner. Aber unser System? Ist selbstverständlich fair. Es belohnt die Klugen und Fleißigen, die weniger Klugen und weniger Fleißigen bekommen eh auch noch ein „gutes“ Einkommen, also passts.
Wir gaslighten uns selbst. Unterbewusst. Evolutionär bedingt, ein Schutzmechanismus unserer eigenen Psyche.
Man sieht das auch am anderen Ende der Skala. Nämlich dass jene, die sich tatsächlich für Veränderung einsetzen, im Lauf der Zeit entweder in den Burn Out rutschen und aufgeben oder, sehr instruktiv, radikaler werden. Vgl. „Last Generation“. Wenn man monatelang, jahrelang, in diesem psychischen Stresszustand lebt, bricht das Gehirn irgendwann in die eigene oder andere Richtung aus. Entweder man gibt auf; oder man trägt den „Kampf“ auf die nächste Stufe und wird im worst case de facto zum Terroristen.
Wie hilft uns das jetzt ganz konkret in Österreich? Vorerst einmal nicht wirklich. Es wäre aber extrem wichtig, dass jeder bei Diskussionen dieser Art mal bei sich selbst anfängt und sich fragt „Bin ich wirklich davon überzeugt, dass dieses und jenes fair ist? Oder belüge ich mich nicht selbst, weil das systemkompatible Ergebnis einfach angenehmer zu verarbeiten ist?“ Im nächsten Schritt wäre es wichtig, exakt diese Muster auch bei anderen zu erkennen. Zu verstehen, dass die Menschen, zB ÖVP-ler am Land, nicht wirklich alle kleinkarierte Korrupte sind, sondern dass hier tief verwurzelte psychologische Prozesse am Laufen sind, die rationale Denkmuster „überschreibt“. Und evtl. gelingts dann auch, dem einen oder anderen seinen Bias vor Augen zu führen.
P.S. du scheiß Oaschloch "Wir ersuchen dich, eigenständig verfasste Beiträge zu erstellen, die ohne Zuhilfenahme generativer KI-Systeme entstanden sind." Redditwixalgorithmus, ich hab das alles selber getippselt und muss jetzt mühsam manuell deine verf1ckten Trigger korrigieren bzw entfernen; geh in eh-scho-wissen.