Vermögensungleichverteilung - System Justification Bias oder auch "warum verändert sich nix?"

Vermögensungleichverteilung - System Justification Bias oder auch "warum verändert sich nix?"

Hallo ihr lieben Leute des Interwebs! Ich melde mich mit ein paar Gedanken zu *Trommelwirbel* Vermögensungleichverteilung. Nachdem ich zuletzt schon ein paar Aspekte bearbeitet hab, versuch ich mich heute an meinem persönlichen „Everest“; dem in meinen Augen mit großem Abstand wichtigsten Thema.

Nämlich der Frage: Wenn wir alle „eigentlich“ wissen, dass Vermögensungleichverteilung ein immenses Problem ist - warum tut sich trotzdem nichts? Weder in der Politik, noch generell gesellschaftspolitisch? Warum ist es einfacher, Leute für ein Fußballmatch zu motivieren, als für die Tatsache, dass seit Jahrtausenden in jeder erdenklichen Gesellschaftsstruktur ein winzig kleiner Anteil extremen Reichtum ansammeln konnte?

Die Antwort ist: System Justification Bias. Und ist in der Wissenschaft, Soziologie, mittlerweile tatsächlich erforscht. Belegt. Ich persönlich bezeichne das ganz gerne auch als „politisches Stockholm Syndrom“.

Ein ganz exzellentes, wirklich wichtiges, Video dazu gibt es hier. Bittebitte reinhören.

https://www.youtube.com/watch?v=g3_TB6NBViE

Mit ein bisserl mehr Augenzwinkern ist auch dieses gut (Barry’s Economics; nein nicht Gary’s)

https://www.youtube.com/watch?v=ApSH0fCIjTY

Die Psychologie dahinter ist eigentlich diabolisch. Wir Menschen sind evolutionär bedingt deshalb als Rasse so erfolgreich, weil wir extrem gut darin sind, uns auf widrige Verhältnisse einzustellen. Oder auch flapsig: Das Beste aus Sachen zu machen. Wenn wir Dinge aber nicht ändern können (vgl fight or flight syndrome) gehen wir instinktiv dazu über, den Stressor möglichst zu eliminieren. Was uns zum Thema bringt.

Bei System Justification Bias gehen wir unbewusst (!) dazu über, bestehende gesellschaftliche, wirtschaftliche Verhältnisse, den Status Quo, als fair und legitim zu sehen; ihn zu verteidigen, zu rechtfertigen. Das insbesondere dann, wenn er einem selbst schadet. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass ein unfaires System, das nicht geändert werden kann, oft von jenen, die darunter besonders leiden, noch stärker gerechtfertigt werden, als jene, die profitieren. Weil unsere Hirne nicht dafür ausgelegt sind, in einem Dauerstresszustand des Ungerechtigkeitsempfindens zu existieren. Das ist exakt derselbe Mechanismus wie beim Stockholm Syndrom, wo Opfer anfangen, positive Gefühle für den Peiniger zu entwickeln, um Stress abzubauen. Das ist ein evolutionär angelegter Überlebensmechanismus.

Im wirtschaftspolitischen Kontext führt System Justification Bias zur Illusion der Fairness. Auch bekannt als „Meritokratie-Mythus“. Wir überzeugen uns selbst davon, dass die Leute mit extremem Superreichtum diesen ja „verdient“ haben müssen. Wenn schon nicht selber, dann doch zumindest, weil ihre Vorfahren extrem gescheit, extrem fleißig gewesen sein müssen. Und die anderen? Haben sich halt nicht genug angestrengt. Kompensiert wird das dadurch, dass man sich einredet, dass Vermögen ja sehr belastet, den Charakter verdirbt und arme Leute ein ruhiges, beschauliches, schönes Leben führen können. Ja, in Wahrheit sind die sogar die wirklichen Gewinner. Aber unser System? Ist selbstverständlich fair. Es belohnt die Klugen und Fleißigen, die weniger Klugen und weniger Fleißigen bekommen eh auch noch ein „gutes“ Einkommen, also passts.

Wir gaslighten uns selbst. Unterbewusst. Evolutionär bedingt, ein Schutzmechanismus unserer eigenen Psyche.

Man sieht das auch am anderen Ende der Skala. Nämlich dass jene, die sich tatsächlich für Veränderung einsetzen, im Lauf der Zeit entweder in den Burn Out rutschen und aufgeben oder, sehr instruktiv, radikaler werden. Vgl. „Last Generation“. Wenn man monatelang, jahrelang, in diesem psychischen Stresszustand lebt, bricht das Gehirn irgendwann in die eigene oder andere Richtung aus. Entweder man gibt auf; oder man trägt den „Kampf“ auf die nächste Stufe und wird im worst case de facto zum Terroristen.

Wie hilft uns das jetzt ganz konkret in Österreich? Vorerst einmal nicht wirklich. Es wäre aber extrem wichtig, dass jeder bei Diskussionen dieser Art mal bei sich selbst anfängt und sich fragt „Bin ich wirklich davon überzeugt, dass dieses und jenes fair ist? Oder belüge ich mich nicht selbst, weil das systemkompatible Ergebnis einfach angenehmer zu verarbeiten ist?“ Im nächsten Schritt wäre es wichtig, exakt diese Muster auch bei anderen zu erkennen. Zu verstehen, dass die Menschen, zB ÖVP-ler am Land, nicht wirklich alle kleinkarierte Korrupte sind, sondern dass hier tief verwurzelte psychologische Prozesse am Laufen sind, die rationale Denkmuster „überschreibt“. Und evtl. gelingts dann auch, dem einen oder anderen seinen Bias vor Augen zu führen.

P.S. du scheiß Oaschloch "Wir ersuchen dich, eigenständig verfasste Beiträge zu erstellen, die ohne Zuhilfenahme generativer KI-Systeme entstanden sind." Redditwixalgorithmus, ich hab das alles selber getippselt und muss jetzt mühsam manuell deine verf1ckten Trigger korrigieren bzw entfernen; geh in eh-scho-wissen.

u/Odra_dek — 4 days ago

Gym Regeln - mal wieder

50% Rant, 50% Konstruktiv. Hoffentlich. Nachdems zumindest in meinem Gym gefühlt zuletzt wieder schlechter und schlechter wird, hier ein paar Regeln, die recht oft missachtet werden; der Menschenfreund in mir hofft, dass die Leute es tatsächlich nicht besser wissen und nicht einfach nur asozial sind.

a) Kurzhantel-Racks sind keine Trainingsstation: Kurzhantel-Racks sind dazu da, dass man sich die Gewichte nimmt. Und dann weggeht. Damit auch andere hinkönnen. Weder stehen wir direkt beim Rack vorm Spiegel um geil zu pumpen. Und schon gar nicht nützen wir das Rack für Übungen (Rudern zB).

b) Wir lassen Gewichte nach Möglichkeit (!) nicht frei runterfallen. Ich will mir nicht das Trommelfell reißen, nur weil du glaubst, es kommt cool, nachm letzten Satz Latziehen das Gewicht mit Schwung und Karacho runterknallen zu lassen. Für Freihanteln gilt ähnliches. Ausdrücklich ausgenommen ist schweres Kreuzheben.

c) Squat Racks sind für Squats. Squats. Kniebeugen. Nicht so schwer.

d) Wenn wer eine Übung macht, dann lässt man ihm Platz. Ich hab keine Lust mich zu verletzen, nur weil du glaubst, du musst dich unbedingt mit paar cm Abstand vorbeiquetschen, wenn ich gerade Lying Triceps Extensions mach.

e) Mein persönlicher Favorit; zugegeben etwas "fortgeschritten": Nach Möglichkeit machen wir einseitige (unilaterale) Kabelzug-Übungen nicht an der beidseitigen (bilateralen) Kabelzug-Station. Wenn eine einseitige Kabelzug-Station frei ist, dann benützen wir diese. Warum? Damit Leute, die tatsächlich den beidseitigen/bilateralen Kabelzug brauchen, diesen auch benützen können. Macht Sinn, nicht?

Danke. Ich habe fertig.

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u/Odra_dek — 6 days ago
▲ 109 r/zocken

Pile of Shame ist nichts Verwerfliches

Evtl. eher auch was für r/Unbeliebtemeinung oder so.

Jetzt ist ja wieder Steam Sale. Und ich werd auch wieder zuschlagen. Derzeit hab ich ca. zehn Spiele im Warenkorb, wird evtl. noch mehr werden. In meiner Library hab ich unzähle ungespielte Spiele. Und das ist per se kein Problem.

Es erinnert mich immer an das Interview mit einem Literaturkritiker, das ich mal gesehen hab. Der hatte eine monströs große Bibliothek. Der Interviewer hat ihn gefragt, ob er das eigentlich nicht irgendwie problematisch findet, so dermaßen viele Bücher zu haben - weil er könne doch unmöglich alle gelesen haben, nicht?

Der Kritiker hat gelassen geantwortet: Selbstverständlich habe er nicht alle Bücher gelesen. Vermutlich maximal 5-10% davon. Für ihn bedeutet es aber immense Lebensqualität, jederzeit, je nach Tagesverfassung, Lust und Laune, ein beliebiges Buch herausnehmen zu können. Es evtl. einmal anzulesen, wieder zurückzustellen, etc. Natürlich muss man sich das leisten können, leisten wollen.

Exakt so ist es bei mir mit meiner Steam Library. Ich kaufe nicht pervers exzessiv, ich kaufe aber vollkommen im Bewusstsein, dass ich viele der Spiele womöglich niemals spielen werde. Ich will sie aber besitzen, die Auswahl haben, die Option, mich jederzeit für eines davon entscheiden zu können. Und nein, einfach nur in der "Wunschliste" haben, ist nicht dasselbe, weil man hier nicht die Möglichkeit hat, Spiele nach Belieben einfach mal einen Abend für ein paar Stunden anzuspielen. Oder - wie insbes. zB bei Strategiespielen - diese mit mehrmonatiger Pause immer mal wieder zu spielen.

Klar, das Ganze ist eine Lebensentscheidung. Ein teures Hobby. Ich finde es aber faszinierend, wie viele dazu verfallen, sich für ihre Library schlecht zu fühlen, sich zu rechtfertigen oder - noch absurder - sich zu "verpflichten" ihren pile of shame "abzubauen" bevor sie Neues kaufen.

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u/Odra_dek — 7 days ago
▲ 808 r/wien+1 crossposts

Bald gehts los mit großer Öffi-Sperre

Nach dem Sudern is vor dem Sudern. Pünktlich zum (angeblichen?) Wetterumschwung gehts los mit den Öffi-Sperren, dann könn ma über den Schienenersatzverkehr sudern. Wenns dann die nächste Hitzewelle gibt, wirds richtig spaßig.

Und für alle die glauben "is ja nur zwei Monate" hab ich good news.

u/Odra_dek — 5 days ago
▲ 16 r/Austria

Kindeswohlgefährdung bei Hitze - juristische Überlegungen

Vorab: ja ich weiß, es hat zu dem Thema schon diverse Threads gegeben, aber soweit ich mitbekommen hab noch nicht wirklich was, wo die juristischen Aspekte durchgekaut wurden. Als ich heute gelesen hab, es gäbe keine gesetzliche Grundlage für "Hitzefrei" hats mir fast den Sprichwörtlichen aufd Seitn ghaut. Schauen wir uns mal die Rechtsgrundlagen zum Kindeswohl an:

§ 138 ABGB: Quasi die allumfassende "Generalkriterienklausel".

>In allen das minderjährige Kind betreffenden Angelegenheiten, insbesondere der Obsorge und der persönlichen Kontakte, ist das Wohl des Kindes (Kindeswohl) als leitender Gesichtspunkt zu berücksichtigen und bestmöglich zu gewährleisten. Wichtige Kriterien bei der Beurteilung des Kindeswohls sind insbesondere
[...]
2. die Fürsorge, Geborgenheit und der Schutz der körperlichen und seelischen Integrität des Kindes;              

Weiter gehts zB mit § 37 Bundes-Kinder- und Jugendhilfegesetz 

>Ergibt sich in Ausübung einer beruflichen Tätigkeit der begründete Verdacht, dass Kinder oder Jugendliche misshandelt, gequält, vernachlässigt oder sexuell missbraucht werden oder worden sind oder ihr Wohl in anderer Weise erheblich gefährdet ist, und kann diese konkrete erhebliche Gefährdung eines bestimmten Kindes oder Jugendlichen anders nicht verhindert werden, ist von folgenden Einrichtungen unverzüglich schriftlich Mitteilung an den örtlich zuständigen Kinder- und Jugendhilfeträger zu erstatten:

Und natürlich darf auch das Strafrecht nicht fehlen (§ 92 StGB):

>(1) Wer einem anderen, der seiner Fürsorge oder Obhut untersteht und der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder wegen Gebrechlichkeit, Krankheit oder einer geistigen Behinderung wehrlos ist, körperliche oder seelische Qualen zufügt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

>(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer seine Verpflichtung zur Fürsorge oder Obhut einem solchen Menschen gegenüber gröblich vernachlässigt und dadurch, wenn auch nur fahrlässig, dessen Gesundheit oder dessen körperliche oder geistige Entwicklung beträchtlich schädigt.

Hold your Horses, Strafrecht, ernsthaft? Ich mein... Warum nicht?. Der Klassiker ist, wenn man das Kind bei Hitze im Auto lässt. Vgl.: https://wien.orf.at/v2/news/stories/2864716/

Die Rsp verlangt ein krasses Missverhältnis zur Obsorgepflicht, die man sich hätte erwarten können. Davon soll insbes. dann auszugehen sein,  wenn es über einen längeren Zeitraum und/oder wiederkehrend zur Nichterfüllung der Fürsorgepflicht kommt.

Ich seh jetzt schon die ersten Leser die Augen rollen. Ist das bei "bloßer" Hitze wirklich schon erfüllt? Dazu zwei Punkte:

(a) Wir werden wohl hoffentlich alle übereinstimmen, dass es einen Temperaturbereich gibt, wo das definitiv vorliegt; wenn zB die Heizung einen Defekt hat und zusätzlich reinheizt, der Raum dann...wasweißich....50 Grad hat. Ok. Wenn wir uns darauf geeinigt haben, müssen wir uns jetzt nur mehr zu der Temperatur vorhanteln, wo die Grenzschwelle liegt. Was ist bei 45 Grad? Was bei 40 Grad? Ab wann ists noch zulässig, wann nicht?

(b) Das Strafrecht ist die härteste Sanktion überhaupt; eine Beeinträchtigung des Kindeswohls, die Maßnahmen erfordern, sollte - denklogisch - ja schon deutlich darunter vorliegen. Wäre ja pervers, wenn man von einer Kindeswohlgefährdung immer nur dann sprechen kann, wenn wer gegens Strafrecht verstößt. Wenn jetzt *sogar* ein Strafdelikt vorliegt, wenn man ein Kind für 40 Minuten im Auto einsperrt, sind wir dann wirklich so weit von einer generellen - strafrechtlich evtl. noch nicht einschlägigen - Kindeswohlgefährdung entfernt, wenn bei 40 Grad stundenlang, jeden Tag, unterrichtet wird?

Eins trau ich mich aber mit relativ hoher Sicherheit zu behaupten: Die Aussage, "es gäbe keine gesetzliche Grundlage für Hitzefrei" ist definitiv nicht korrekt. Sobald das Kindeswohl gefährdet ist, *muss* eingeschritten werden. Spätestens das Strafrecht fährt über den Rest drüber.

Für mich wirkt das so, als würde man das Problem in ganz klassischer Manier einfach aussitzen wollen. Die Lehrer (bzw sonstige Betreuungspersonen) sollens so gut es geht richten. Und "es wird schon nix Schlimmeres passieren". Bis evtl. wirklich mal was Schlimmeres passiert. Dann werden die Hände gerungen, die Politiker reiten aus, um ihre Betroffenheit auszudrücken und man verspricht, jetzt aber ganz sicher, etwas zu ändern. Ehrenwort!

u/Odra_dek — 12 days ago

Beste steuereinfache Krypto-Broker?

Nachdem Krypto - wenn man zyklisch investiert - jetzt langsam einen Boden erreichen sollte, will ich in den nächsten Wochen/Monaten wieder etwas zukaufen. Idealerweise über einen steuereinfachen Broker.

Bevor hier jemand schnell auf den Löschen-Knopf drückt. Ja, ich weiß, es gibt schon Threads zu dem Thema. Es hat sich aber die letzten 1-2 Jahre hier wirklich viel getan. Dh. ja, ich interessiere mich nicht dafür, wer vor zwei Jahren die besten Broker hierzulande waren, sondern wer es eurer Erfahrung nach heute sind. Ist zB Bitpanda Fusion zu gebrauchen? Vor vielen Jahren gabs ja Bitpanda Pro und das wurde wegtransferiert. Wie siehts mit Bybit aus, die haben ja direkt hier in Österreich eine Lizenz gezogen? Wird sich eurer Ansicht nach etwas mit KuCoin tun? Aufnahme des Geschäftsbetriebs ist ja weiterhin untersagt oder? https://www.fma.gv.at/fma-hebt-neugeschaeftsverbot-fuer-kucoin-eu-exchange-gmbh-auf-aufnahme-des-geschaeftsbetriebs-bleibt-weiter-untersagt/

Was gibts sonst so, was sind eure Erfahrungen?

u/Odra_dek — 14 days ago

U6 Grauslichkeitsdiagramm

Wennst glaubst, wurscht obs no mehr haß wird es geht eh nimma schlimma - höhö

u/Odra_dek — 14 days ago
▲ 11 r/Austria

Vermögensungleichverteilung - die Unmöglichkeit einer perfekten Steuer

*sigh* Net scho wieder. Vermögensthread vom Odradek. Und das bei dem Wetter. Muss das echt sein....Ja Leute es muss, sorry. Da müssts jetzt durch. Wie zuletzt, nehm ich mir auch diesmal einen Teilbereich der Thematik vor, um das ein bissl detaillierter aufzuarbeiten. TL;DR vorweg: es gibt keine perfekte Steuer. Schon gar nicht im ersten Wurf. Anfangen muss man gerade deshalb trotzdem.

Ok, die Selbstverständlichkeiten mal abhaken: Vermögensungleichverteilung ist das mit großem Abstand größte Problem unserer heutigen Wirtschafts- und Sozialpolitik. IMF, OECD, Sozialisten, Liberale - alle sind sich einig. Die Vermögensungleichverteilung ist horrend. (und nein, neofeudalistische Besitzstandswahrer-"Think"Tanks, die bezahlte Auftragsstudien machen, sind vieles, aber nicht liberal). Es gibt wenig, wo sich die VWL einig(er) ist.

Spannenderweise wissen wir alle seit der frühesten Kindheit, dass extremer Reichtum ein Problem ist, oft mit fehlender Empathie korreliert. Schauen wir uns doch mal zB Kinderfilme an. Robin Hood. Das große Krabbeln. Robots. Ab durch die Hecke. 101 Dalmatiner (Cruella de Vil). Oder Serien (Mr. Burns, Simpsons). Wenns erwachsener sein soll: White Lotus oder Succession. Dass Superreiche oft weniger Mitgefühl zeigen (können) ist sogar zigfach in psychologischen Studien untersucht.

Lange Rede kurzer Sinn: Wir wissen eigentlich alle, dass das ein Problem ist. Sind uns eigentlich alle einig. Aber dann, wenns drum geht, das Thema zu lösen, tauchen aufeinmal die Hürden und Stolpersteine auf. Wie soll die Steuer den aussehen? Wie schützt man die kleinen Häuslbauer? Flüchten dann nicht die Reichen zum Schaden von uns allen? Ist die Steuer überhaupt effizient durchsetzbar? Und hat der Staat nicht eh schon genug Steuern? Eigentlich fast unmöglich, das alles in den Griff zu bekommen, also lassen wirs besser gleich bleiben.

Genau hier will ich einhaken. Die gesamte Geschichte der Menschheit basiert auf Trial & Error. Iteration. Selbst in der Evolution. Schaun wir uns mal die ersten Amphibien an, die das Land verlassen haben. ...eh excuse me? Ok, that escalated quickly. Nein aber ernsthaft. Keine Lebensform war von Anbeginn an perfekt. Es hat teilweise Millionen von Jahren gedauert, das Ganze zu entwickeln. Spulen wir vor zur modern(eren) Zeit. Die Glühbirne. Hat viele hundert Fehlversuche gebraucht. Radioaktivität: Marie Curie hat sich selber verstrahlt. Die ersten Autos. Horrend unzuverlässig und gefährlich. Fliegen. Brüder Wright wurden für verrückt erklärt. Selbst trivialere kleinere Dinge: Haushaltsgeräte: die ersten Waschmaschinen und Geschirrspüler haben regelmäßig die Häuser unter Wasser gesetzt. Trotzdem. Die Menschheit hats gemacht. Hat ein Problem identifiziert, dann haben sich ein paar Spinner gefunden, die so lang mitm Kopf gegen die Wand gerannt sind, bis erste Lösungen da waren. Dann hat man von dort weg Schritt für Schritt weiterentwickelt.

...und ihr wollts mir ernsthaft weismachen, Vermögenssteuern sind völlig unmöglich? Der absolute Endgegner aus NG+++, den wir einfach nicht bezwingen können? Wir schicken Roboter auf den Mars, aber eine faire Verteilung der Effizienzgewinne, nah, das ist nochmal eine völlig andere Liga?

Um den Zirkel zu schließen und zu einem Ende zu kommen: Das Kernproblem ist, dass die Eliten es geschickt schaffen, die Ängste des Rests so anzuzapfen, dass wir uns selber in Diskussionen mit uns selber verlieren, nie beginnen. Alle Bedenken, die oben angesprochen wurden: Alle richtig! Selbstverständlich wird eine Steuer, die darauf abzielt, eine fairere Verteilung sicherzustellen, am Beginn fürchterliche Fehler, Lücken, etc. aufweisen. Daher will ich hier auch bewusst nicht diese Bedenken diskutieren, diese Bedenken entkräften. Ich sage: Ja, ihr habts Recht damit. Und *trotzdem* müssen wirs angehen. Weil wir - wie bei jedem noch so komplexen Thema - mittels Iteration, Schritt für Schritt, immer bessere und bessere Regelungen einführen werden. Das absolut schlimmste? Ist der Status Quo. Wo einfach gar nichts gemacht und alles nur zerredet wird. Über diese initiale Hürde müssen wir drüber. Und ich bin fest davon überzeugt, es geht; wir können das.

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u/Odra_dek — 18 days ago

Looking for challenging platformers

Ok so I have recently been making my way through Pharloom and this has reminded me how much I love platformers (please no Silksong spoilers, I am only about 2/3rds finished). I adored Celeste, have played Kaze afterwards, but since then have not had much luck in finding challenging platformers. Do you have any recommendations? If possible no old(er) games, chances are I either have played it or stayed away deliberately (I am in my early forties, so yeah, grew up with this stuff).

It definitely can be Metroidvanias, however most have only very mild platforming sections and focus more on bosses. Lost Crown for example was interesting, but still no comparison to real platformers like Celeste. Thanks in advance.

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u/Odra_dek — 19 days ago
▲ 30 r/Austria

Kassen- vs Privatärzte: ein klassisches Gefangenendilemma

Nachdem ich grad in einem sinnfreien Teamscall festsitz müsst ihr mal wieder ein Palaver von mir ertragen. Ich bin mir recht sicher, ca. 80-90% wissen "ungefähr" was das Gefangenendilemma ist, aber vermutlich doch recht wenige könntens präzise und punktgenau wiedergeben. Und Kassen- vs Privatarzt ist eines der perfekten Beispiele dafür.

Ok, kurze Rekapitulation, was besagt das Gefangenendilemma? Zwei Personen (A und B ) werden getrennt voneinander verhört. Folgende Szenarien gibt es:

  1. A gesteht, B schweigt --> A: 1 Jahr Gefängnis, B: 10 Jahre Gefängnis
  2. A schweigt, B gesteht --> A: 10 Jahre Gefängnis, B: 1 Jahr Gefängnis
  3. A und B gestehen --> A und B: je 6 Jahre Gefängnis
  4. A und B schweigen --> A und B: je 3 Jahre Gefängnis

Individuell ist es für A und B rational, zu gestehen: Egal, was der andere macht, man stellt sich besser, wenn man gesteht, statt schweigt (1 statt 3 Jahre wenn der andere schweigt; 6 statt 10 Jahre wenn der andere gesteht). Also gestehen beide. Und bekommen damit beide 6 Jahre Gefängnis statt 3 Jahre, wenn beide geschwiegen hätten.

Die Situation ist bei Privatärzten exakt dieselbe. Wenn alle anderen zum Kassenarzt gehen und nur ich zum Privatarzt bekomme ich die Exklusivbehandlung, vermutlich gar nicht mal so teuer, weil der Privatarzt ja drum kämpfen muss, Patienten zu bekommen. Wenn alle anderen zum Privatarzt gehen muss ich auch, um zumindest dieselbe Qualität zu bekommen.

Im Endergebnis sind alle guten Ärzte Privatärzte, alle müssen zum Privatarzt, alle zahlen kräftig drauf. Würden alle nicht individuell sondern kollektiv rational handeln, würde niemand aus Prinzip (!) zum Privatarzt gehen, alle guten Ärzte wären gezwungen, Kassenverträge zu nehmen und alles wäre im Lot.

Aus diesem simplen Grund braucht es hier zwingend eine stringente staatliche Lösung. Weil individuell wird sich alles immer mehr und mehr Richtung Zwei-Klassen-Medizin verschieben, bis irgendwann nur mehr die Privatärzte als die eine Klasse übrig bleiben.

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u/Odra_dek — 20 days ago

Erfahrungsbericht: Clean seit drei Monaten

Ich berichte, dass ich (ca.) jetzt seit (ca.) drei Monaten clean bin. Keinen Billa mehr betreten. Zu Beginn war es echt schwer. Überall die kreative Billa-Werbung, die mich mit wundersamen Säuselklängen in die Lokalitäten locken will. Die ausladenden Rabatt-Aktionen im Postkasterl, die mich wehmütig nostalgisch daran erinnern, dass ich schon länger nicht mehr mit "2+2" kräftig gespart habe. Der fehlende Endorphin-Kick, wenn ich bei der Kassa panisch meine Pickerl klebe, draufkomm, dass ich aufs falsche Produkt geklebt hab, dann noch rasch um-klebe, das Pickerl runterfällt und die nette Kassiererin mir das trotzdem durchgehen lässt.

Nach einigen Wochen aber dann: Mein Nervensystem stellt sich um, passt sich an. Mittlerweile kann ich die Werbungszettel mit den Rabattpickerl einfach wegschmeißen, ohne schweißnasse Hände zu bekommen. Ich gehe zum Hofer einkaufen, ohne Hass und Verachtung auf mich selbst, dass ich hier unnötig viel zu viel zahl. Ja, manchmal kaufe ich sogar schon wieder Artikel, einfach weil ich sie ausprobieren will, im Vertrauen, dass mir dafür ein fairer, nicht wucherisch-überzogener Preis verrechnet wird. Ich kaufe wieder Obst und Gemüse, ohne jedes Stück dreimal umzudrehen, weil so viel schimmelig. Und nach dem Einkauf gebe ich mein Wagerl einfach dem netten Herrn bei der Tür retour, ohne mich mit der 1-Euro-Sicherungsmünze herumplagen zu müssen.

Nächster Schritt wird sein, meine JÖ App für immer und endgültig zu löschen, auch wenn mir dabei dann ganz viele unverbrauche Ös verfallen.

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u/Odra_dek — 21 days ago
▲ 520 r/Austria

Pensionserhöhungen schon für 2027 beschlossen

Ja ich weiß eh, zuletzt war gefühlt jeder zweite Post zu Pensionen. Das ist hier aber tatsächlich (zumindest für mich?) neu. Was sind die Fakten?

2027 steigen die Mindestpensionen um 3,3 Prozent. Bis 6930 Euro steigen die Pensionen um 2,95 Prozent. Noch höhere Pensionen steigen um 204,44 Euro.

Zum Vergleich: Die Gehaltsverhandlungen bei der GÖD

https://www.goed.at/themen/gehaltsverhandlungen-fuer-2026

Sowohl 2027 als auch 2028 (!) erhalten Mitarbeiter einen total sozialen Erhöhungsbetrag der ab 6.203,5 Euro nur mehr stolze 21,20 Euro beträgt.

Das bitte mal auf der Zunge zergehen lassen und im Hinterkopf behalten, wenn man das nächste Mal zur Wahl geht: Penionisten über 6000 Euro erhalten das ZEHNFACHE an Pensionserhöhung als ein Mitarbeiter im öffentlichen Dienst mit demselben Gehalt.

Und das Perverse? Die meisten Zeitungen in diesem würdelosen Land bezeichnen das ernsthaft auch noch als "Einschnitt bei den Pensionen". Weil die nicht 1:1 die komplette Inflation abgegolten bekommen. In Wahrheit bräuchts einfach einen absoluten totalen Generalstreik von sämtlichen Mitarbeitern in sämtlichen Sektoren, die weniger als das bekommen. Das kann doch bitte so nicht weitergehen?

derstandard.at
u/Odra_dek — 28 days ago
▲ 1.0k r/wien

Wohnungssucher in Wien be like

Ok schauts, ich bin ja echt einer der letzten, der Immobilienspekulanten, Vermieteradel etc. schützen will (Leute die öfter hier mitlesen haben evtl. schon mitbekommen, dass ich "ab und zu" gegen Vermögensungleichverteilung/etc. schreib...)

Aber sowohl hier als auch im Bekanntenkreis ist echt bemerkenswert, mit welchen Ansprüche die Leut' teilweise auf Wohnungssuche gehen. Es fängt immer an mit "alles so hoch nachgefragt und extrem teuer". Dann, nach bissl diskutieren: "naja, es sollte schon ein Innenbezirk sein, 18. und 19. gehen auch noch, aber nur in U-Bahn-Nähe".

Excuse me? Seids ma net bös, aber es ist echt kein Wunder, dass sich hunderte Leute auf eine Wohnung melden, wenn alle die Bezirke 10, 11., 20-22. automatisch aussortieren. Ja, seid Covid ist der Mietmarkt eher sehr durchwachsen. Die Zustände vorher waren halt - speziell auch im internationalen Vergleich - eine komplette Anomalie. Im Vergleich zu München, Paris etc. ist eine mittelgroße, gut leistbare Wohnung in 10, 11., 20-22. immer noch Luxus.

u/Odra_dek — 28 days ago
▲ 203 r/Austria

Schenkungs- und Vermögenssteuer: "Das Geld wurde schon versteuert"

Anlässlich des heutigen Artikels im Standard, wo das "Argument" wieder häufig gekommen ist:

https://www.derstandard.at/story/3000000323221/zahlen-fuer-2025-sind-da-so-viel-vermoegen-verschenkten-die-menschen-in-oesterreich

Hoho ein Vermögenssteuer-Thread auf Reddit; vom Odradek. Ganz was Neues! Keine Sorge, ich seh eure rollenden Augen bis hierher. Typischerweise läuft das Thema ja so ab, dass jeder seine Punkte reinkübelt, dann gehts Kreuz und Quer und endet im Pallawatsch. Deshalb folgender Versuch: blenden wir mal alles andere aus; der Staat geht ineffizient mitm Geld um (richtig); der Staat besteuert eh schon zu hoch (richtig); Vermögenssteuern führen nicht automatisch zu niedrigerer Einkommenssteuer (richtig). Lass ma das alles mal. Sondern diskutieren wir ausschließlich das folgende Argument, das ich persönlich für besonders schwachsinnig halte: "Das Geld fürs Erbe/Schenkung wurde schon besteuert"

Dazu folgendes Beispiel: Fritz (28) und Lisa (26) sind Geschwister, haben beide den reichen Steuerberater-Onkel Herbert. Fritz und Lisa studieren beide Steuerrecht, Lisa ist schon fertig, Fritz eher faul und grad erst mitm ersten Abschnitt fertig. Herbert will beiden für den Start jeweils 100.000 Euro zukommen lassen. Fritz war immer sein Liebling, der bekommt das Geld geschenkt; Lisa soll was dafür tun müssen, daher stellt Herbert die Lisa bei sich im Unternehmen für ein Jahr 40h All-In für Lohnkosten pauschal 100.000 Euro als Trainee an (Herbert findet, das ist eh viel Geld, womit er auch Recht hat). Fritz bekommt die vollen 100.000 einfach 1:1. Lisa bekommt von den 100.000 Lohnkostenbasis ziemlich exakt 50.000 Netto.

Jetzt meine Frage: Warum zum Teufel soll das Argument "das Geld wurde schon besteuert!" jetzt nur (!) für die Schenkung eine Rolle spielen? Jedes Geld wurde schon 790185mal besteuert, Geld ist ein Tauschobjekt. Im Gegensatz zu echten Vermögenssteuern (wie Grundsteuer) geht es bei Schenkund und Erbschaft ja um die Besteuerung beim Empfänger. Warum zafix macht es jetzt einen Unterschied, ob der Geldgeber eine "Gegenleistung" erhält oder nicht? Ich will mit meinem Geld auch tun, was ich will. Trotzdem, wenn ich was kaufe, zahl ich Umsatzsteuer. Der Empfänger zahlt Einkommenssteuer. Usw. Ich kann auch nicht hergehen und zum Möbeltischler sagen "schau, ich *kaufe* den Schrank nicht, sondern ich schenke dir das Geld und du baust mir dafür was, weil du mich so gern hast". Ist Steuerhinterziehung.

Hinzu kommt: Bei Arbeit hat der Arbeitende/Arbeitnehmer auch "Opportunitätskosten" als verlorene Arbeits/Lebenszeit. Ein Geschenknehmer muss per Definitionem nichts fürs Geschenk tun; Im Beispiel oben musste aber Lisa ein Jahr arbeiten, konnte da nichts anderes machen. Der Staat bestraft hier eine volkswirtschaftlich sinnvolle Tätigkeit und privilegiert Vermögenstransfer für Nichtstun. Logisch wärs eigentlich genau umgekehrt, wenn wer was fürs Geld tut, sollte er Mehr rausbekommen, als wenn wer nichts dafür tut.

Mir wäre echt sehr Recht, wenn wir bei dem komplexen Thema zumindest diese eine komplett hirnrissige Pseudo-Argument kübeln könnten. Weil sonst ist echt alles komplett sinnlos.

u/Odra_dek — 1 month ago
▲ 453 r/Austria

Home Office Pauschale wird abgeschafft - irgendwie jedem wurscht oder?

Corona ist jetzt sechs Jahre her (ich weiß, wtf?) - war für die meisten eine echt schwere Zeit. Ganz getreu Schumpeters Theorie der Schöpferischen Zerstörung hatte der Knack aber auch ein paar gute Aspekte. Einer davon war, dass auf einmal die ganze Corporate Welt gelernt hat, dass Home Office tatsächlich funktioniert; die Welt nicht untergeht, sondern im Gegenteil die Leute sogar motivierter sind, die Dinge qualitiativ besser, schneller, erledigt werden.

Das bringt natürlich Kosten mit sich. Ein Arbeitsplatz bzw -zimmer muss eingerichtet werden, Internet muss gut und stabil sein, Strom- und Wasserverbrauch ist höher, Kantinenessen fällt weg, dh. selber kochen oder teures Takeaway.... als Ausgleich gabs: Die Home Office Pauschale.

Und die wird jetzt abgeschafft. Weil warum auch nicht? Eine einfache praktische Maßnahme, um den Arbeitnehmern neuerlich eins reinzudrücken. Empörung? Nicht in Sicht. Irgendwie haben die meisten anscheinend sowieso schon resigniert. Frei nach Richie Lugner: Weils auch schon wurscht ist. Kostentechnisch sind das Einsparungen von Daumen mal Pi 100 Millionen. Klingt viel. Aber nur zum Vergleich: hätten sich die Pensionisten statt mit 2,95 Prozent mit "nur" 2,8 Prozent zufrieden gegeben, wäre das komplett gedeckt.

Gut gefällt mir auch, dass die Pendlersubventionsfans immer argumentieren, dass Pendeln ja Kosten der Arbeit sind, also deshalb logischerweise auch berücksichtigt werden müssen. Schön, aber beim Home Office ist das klarerweise egal, korrekt? Die Kosten soll schön brav jeder vom Nettoeinkommen tragen.

sinnlos

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u/Odra_dek — 1 month ago

Selbst Jäger und Sammler hatten mehr Zeit für Kunst und Kultur als wir

Ich beschäftige mich schon seit längerer Zeit mit Sozioökonomie quer durch die Menschheitsgeschichte. Und es gibt wenig, das mich mehr ank*, als das "politische Stockholm Syndrom" der heutigen Zeit, wo hunderttausende, Millionen, von Menschen signifikante Teile ihres Lebens in BS Jobs verbringen und denken: "Hm, eigentlich gehts uns super, wir leben im besten Zeitalter ever"

Die traurige Wahrheit ist: der einzige Grund, warum das ansatzweise stimmt, ist moderne Medizin. Hygiene. Wissen über Nährstoffe, Ernährung. Zeit für Ästhetik? Down Only seit Jägern und Sammlern.

Ich lade diejenigen, die sich wirklich für das Thema interessieren, ein, sich mit Kunst und Kultur im Laufe der Jahrtausende zu beschäftigen. Extrem aufwändige Höhlenmalerei, die unfassbar lang gedauert haben muss. Töpferei, die keinen anderen Sinn hatte, außer schön zu sein (was haben wir heute? billiges Ikea Zeug, juhu!). Überall findet man Schmuckstücke, Musikinstrumente, für die Menschen in der damaligen Zeit Wochen zur Herstellung gebraucht haben müssen. Extrem aufwändige, geschmackvolle Kleidung. Dann Altes Rom? Alles bekannt. Renaissance? Detto. Es wurden Monumente der Menschheitsgeschichte geschaffen, aber Vermögensungleichverteilung war schon so fortgeschritten, dass nur mehr ein winziger Bruchteil davon profitieren konnte.

Und heute? Haben wir erfolgreich endgültig alles auf billigstes Effizienzdenken reduziert. Schöne Gebäude? Schöne Möbel? Schöne Bücher? Schöne Innenraumgestaltung? Schöne Kleidung? Gibts nicht. Bzw wenn dann für die obersten paar Prozent. Die Diokletiansthermen wurden in nur acht Jahren gebaut (298 bis 306). Heute undenkbar sowas. Farben sind sukzessive aus unserer Umwelt/Umgebung verschwunden, alles ist schwarz, grau, dunkelblau, beige. Autos, Anzüge, Möbel, egal was. 40-60h/Woche im Büro sitzen, dann in der kleinen potthässlichen Schuhschachtel-Wohnung bei Netflix abstürzen. Und irgendwie finden das alle superduper.

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u/Odra_dek — 2 months ago
▲ 16 r/Austria

Steigende Immobilienpreise - Grundlagen und Dynamiken

Nachdem auch zuletzt wieder viel Halbwissen (bzw schlicht unfundierter Schmarrn) dazu durch die Medien gegangen ist, wollte ich hier ein paar fundamentale Grundlagen und Dynamiken disktuieren; weils einfach wichtig ist, die basics zu reflektieren, bevor man gleich wieder zu irgendwelchen halbgaren politischen Ideen springt.

Worum gehts? Immobilien werden immer teurer. Ich weiß, so eine Neuigkeit. Mind = blown oder so. Jetzt liest man häufig über die diversesten Gründe dafür, Russland, Ukraine, Energie, Baukosten, Iran, Supply Chains, gesunkener Neubau, zu wenig geförderter Neubau, Inflation, wasweißich. Ja, das mögen in der einen oder anderen Form nicht komplett unwichtige Mosaiksteinchen sein. Die zentralen Grundlagen sind aber ganz woanders zu suchen. Nämlich in einer systematisch (sehr) hohen Verfügbarkeit von Cash, einer hohen Nachfrage nach "harten" Assets. Und einem fixen Angebot.

Dazu ein Beispiel aus meiner Kindheit. Die Mutter von einem sehr guten Freund von mir war Privatärztin (Gyn) am Land. Super gscheit, sehr fleißig, sehr sympathisch. Sie hat schon früh angefangen, sukzessive Immobilien zu kaufen. Nach und nach ihre ganze Familie mit Eigentumswohnungen ausgestattet. (Warum ich die Details kenne? Ich bin Jurist und helf bei rechtlichen Gschichten immer mal wieder aus). Das ist per se natürlich nicht verwerflich. Sie ist aber jetzt auch kein Mateschitz, sondern nur eine kleine Einzelperson aus der oberen Mittelschicht.

Wenn jemand zB 10 Millionen Euro halbwegs vernünftig veranlagt, gibt das im Jahr ca. 500k konservativen Ertrag. Wo soll das Geld hin? In knappe, "harte" Assets eben. Weil selbst als wirklich Reicher kannst so viel Cash einfach nicht ausgeben. Gestiegene Baukosten/usw. sind bei dieser makroökonomischen Dynamik völlig irrelevant. Produktion ist überall teurer geworden, trotzdem sind hypermoderne Handys für jeden leistbar. Warum? Weil beliebig reproduzierbar. Immobilien sind das nicht. Jedes Grundstück ist für sich gesprochen ein "Mini-Monopol", dieses eine Grundstück existiert nur ein einziges Mal auf der Erde. Für immer und ewig. Daher fließt das Geld dort hin.

Der Immobilienmarkt weltweit hat einen "Wert" von ca. knapp 400 Billionen (!) US-Dollar (70-80% davon Wohnungen/Häuser). Der gesamte Aktienmarkt weltweit hat im Vergleich dazu einen "Wert" von etwas mehr als 100 Billionen. Der Immobilienmarkt ist also ca. knapp 4mal größer. Nicht, weil er so innovativ ist, so viel Wertschöpfung generiert. Sondern simpel und einfach aufgrund der Knappheit. Angebot und Nachfrage.

Ok, ich weiß, das Ganze wird schon wieder recht lang. Was ist das TL;DR? Sämtliche Palaver der Politik, dass die Immobilienpreisentwicklung ja so schlimm ist, dass man helfen muss, usw. sind eine Komödie. Das Ganze ist systemisch so angelegt, so gewollt. Und wird auch immer so weiter gehen, sofern sich nicht etwas ganz, ganz grundlegend ändert. Wofür klarerweise jeder politische Wille weltweit fehlt.

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u/Odra_dek — 2 months ago
▲ 35 r/Austria

New York - neue Steuer auf Zweitwohnsitze für Superreiche

https://www.fr.de/politik/new-york-fuehrt-neue-luxussteuer-ein-trump-koennte-zahlen-zr-94299723.html

(sorry für den zweitklassigen Link, aber 90% der guten Reportagen sind mittlerweile hinter Bezahlschranke...)

Und das obwohl New York sowieso schon eine der höchsten property taxes US-weit hat.

https://www.tax.ny.gov/data/stats/taxfacts/property-tax.htm

...Österreich derweil: best I can do is Pensionistenprivilegierung. Und sich natürlich brüsten, wie super fair und sozial bei uns alles ist, im Vergleich zum ultraliberalen Trumpistan.

u/Odra_dek — 2 months ago