Erst hieß es ‚kein Autismus‘ – wenige Wochen später plötzlich ‚autistische Züge‘. Ich bin völlig verzweifelt. Erfahrungen von Erziehern
Hallo zusammen,
ich hoffe, hier lesen Erzieherinnen, Erzieher oder andere Fachkräfte mit, die mir ihre ehrliche Einschätzung geben können. Ich bin im Moment einfach nur verzweifelt und weine seit Tagen.
Es geht um meinen 4,5-jährigen Sohn.
Ich habe seine Bezugserzieherin irgendwann direkt auf Autismus angesprochen, weil sie zuvor immer wieder Bemerkungen gemacht hatte, die für mich in diese Richtung gingen. Einmal fragte ich sie, ob nicht alle Kinder müder oder schwieriger seien, wenn sie erschöpft sind. Sie antwortete: „Nein, bei Ihrem Sohn ist das anders.“ Es gab noch weitere ähnliche Aussagen.
Deshalb fragte ich sie ganz offen: „Denken Sie, dass mein Sohn Autismus haben könnte? Bitte beschönigen Sie nichts. Ich möchte einfach eine ehrliche Antwort.“ Sie sagte ganz klar, dass sie das nicht denke und bei meinem Sohn keinen Autismus sehe.
Kurz darauf bat sie mich zu einem Gespräch mit dem Sozialpädagogen. Ich fragte sie sogar noch, ob etwas Ernstes dahinterstecke. Sie antwortete: „Nein, das muss nichts Großes sein.“
Im Gespräch sagte der Sozialpädagoge dann plötzlich, dass der Kindergarten bei meinem Sohn „autistische Züge“ sehe. Gleichzeitig sagte er aber auch, dass er meinen Sohn nur zwei- bis dreimal gesehen habe und ihn eigentlich länger beobachten müsste.
Seitdem kreisen meine Gedanken nur noch darum.
Natürlich ist mein Sohn nicht wie jedes andere Kind. Aber ich kenne ihn besser als jeder andere.
Er zeigt uns ständig Dinge, die ihn begeistern – Zeichnungen, Spiele oder Videos. Momentan liebt er Insekten und Schmetterlinge, erkennt verschiedene Arten und erzählt uns voller Begeisterung davon. Er möchte seine Interessen mit uns teilen.
Er sucht Blickkontakt, erzählt von seinem Tag und führt mit uns richtige Gespräche. Wenn jemand nicht antwortet, fragt er sogar, warum die Person nichts sagt.
Im Kindergarten erzählt er seiner Erzieherin morgens oft sofort etwas von zu Hause. Reagiert sie nicht, spricht er sie noch einmal an.
Als er mit 3,5 Jahren in den Kindergarten kam, waren wir gerade nach Deutschland gezogen. Er war Einzelkind und hatte vorher kaum Kontakt zu anderen Kindern. Anfangs war er sehr aufgeregt und lief viel herum, hat sich aber mit der Zeit deutlich weiterentwickelt.
Schon mit 2,5 Jahren kannte er alle Planeten, später auch Kometen und Asteroiden, weil wir viel zusammen gelesen haben. Heute interessiert er sich vor allem für Insekten. Er liebt es einfach, Neues zu lernen.
Der Sozialpädagoge erwähnte außerdem eine Situation, in der mein Sohn einem Streit mit einem anderen Kind aus dem Weg ging. Ich habe ihm erklärt, dass ich meinem Sohn genau das beibringe: Wenn sich zwei Kinder um ein Spielzeug streiten, soll er lieber weggehen, als selbst zu streiten.
Was mich am meisten belastet, ist die Art und Weise, wie das Ganze abgelaufen ist. Wenn eine Mutter aufgrund mehrerer Andeutungen direkt nach Autismus fragt, ausdrücklich um Ehrlichkeit bittet und gesagt bekommt: „Nein“, anschließend mit „Das muss nichts Großes sein“ beruhigt wird und dann plötzlich hört, der Kindergarten sehe „autistische Züge“, finde ich das sehr unprofessionell.
Ich hoffe, dass so etwas keiner anderen Mutter passiert.
Deshalb meine Frage an euch: Habt ihr Kinder erlebt, die mit drei oder vier Jahren noch auffällig wirkten und sich später sozial deutlich weiterentwickelt haben? Oder Fälle, in denen zunächst an Autismus gedacht wurde und sich später eine andere Erklärung fand?
Ich wünsche mir keine Beschwichtigung – nur ehrliche Erfahrungen. Im Moment habe ich das Gefühl, dass ich das alles kaum noch aushalte.
Vielen Dank fürs Lesen