
Kuchen zur Einschulung
Basis: Zitronenrührkuchen
Minis: Schokorührkuchen
Deko: ja

Basis: Zitronenrührkuchen
Minis: Schokorührkuchen
Deko: ja
Für den Teig
5 mittelgroßeEier
130 g Zucker, 150 g Weizenmehl, 1 Teelöffel Backpulver ½ Teelöffel Zitronenabrieb, 1 Esslöffel Zucker zum Bestreuen des Backpapiers
Die Eier schamig schlagen, erst den Zucker dann das Mehl mit Backpulver (gesiebt) nach und nach zugeben. Alles auf ein mit Backpapier und Zucker ausgelegtes Backblech geben und bei 200 Grad Ober- und Unterhitze 8-10 Minuten backen. Vollständig auskühlen lassen.
Für die Füllung
200 g Sahne, 2 Päckchen Sahnesteif, 200 g Frischkäse oder Quark, 50ml (alkoholfreien) Aperol (oder mehr, nach Geschmack), etwas Zitronensaft.
Sahne steif schlagen, alles verrühren und mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank stellen.
Dann mit Dessertringen Kreise aus dem Boden stechen und im Ring stapeln: Boden, Füllung, Boden. Etwas von der Füllung zurückbehalten.
Mit Gelantine oder AgarAgar nach Packungsanweisung 400ml (alkoholfreien) Weißwein mit einem guten Schuss Blue Curacao zu Wackelpudding verarbeiten. Noch heiß die Dessertringe bis oben füllen.
Über Nacht in den Kühlschrank.
Am nächsten morgen aus den Ringen lösen und mit Gummibärchen dekorieren. Sie können mit der restlichen Füllung angeklebt werden.
Es war ein Sonntag an dem meine Oma explodierte. Das überraschte uns alle, weil sie immer eher so ein Freitags-Typ gewesen war. Sie unterstützte "Fridays for future", ihr Lieblingslied war "Friday I'm in love" und sie liebte "Freaky Friday"- das Buch, nicht den Film. Nun verstand sie allerdings kein Englisch, also mochte das auch Zufall gewesen sein. Den Sonntag lehnte sie aber ganz sicher mit aller Bestimmtheit ab. Das wusste jede, die sie kannte, denn sie wurde nicht müde, diesen Umstand jede Woche aufs Neue zum Thema zu machen.
Von Montag bis Mittwoch lammentierte die alte Dame für gewöhnlich wie langweilig der letzte Sonntag gewesen sei, dass sie nicht hätte ausschlafen können wegen der lauten Kirchenglocken und dass ihr Lieblingsladen nicht geöffnet hätte. Ab Donnerstag ging sie dazu über sich darüber zu ärgern dass bald wieder Sonntag sein würde und somit ein weiterer grauenhaft verschwendeter Tag an dem mal wieder keiner Arbeiten ging. Überhaupt sei das Wochenende ein Fehler gewesen, fand sie.
Deshalb waren alle überrascht, dass es ausgerechnet ein Sonntag war. Mein Vater, selbst ein enthusiastischer Fan von warmen Mittwoch Abenden, hatte nur die Augen verdreht. Typisch sei so etwas für seine Mutter. Sie würde das nur aus Trotz machen. Wenn sie denn Sonntag so hasse, so seine Logik, hätte sie am Samstag Abend explodieren sollen. Dann hätte sie die Kirchenglocken wenigstens nicht mehr hören müssen. Aber ausgerechnet Sonntag Nachmittag wenn alle Kuchen essen und einen Spaziergang machen wollten, das sei nun mehr als unhöflich. Zur Wahrheit gehörte natürlich auch, dass er am Samstag Abend nicht direkt dabei gewesen wäre. So hatten sein Trommelfell und sein Bienenstich schaden genommen. Meine Mutter ermahnte ihn, während sie die Tapete überstrich. So spreche man nicht über seine Mutter.
Ich hielt mich geschickt aus der Sache raus und schrubbte stillschweigend den Boden. Ich fand, Oma hatte alles Recht zu explodieren wann und wo es ihr gefiel. Ich hätte wahrscheinlich einen Dienstag gewählt. Montags höre ich mir gerne die Wochenendgeschichten meiner Kolleginnen an, Mittwochs ist Bergfest, Donnerstag hat man's bald geschafft und das Wochenende ist eben das Wochenende. Nur Dienstag ist ein verschenkter Tag. Meine Oma empfand meine Sicht auf den Lauf der Woche als arbeitsscheu. Da hatte sie vielleicht auch ein wenig recht. Nun, wie dem auch sei habe ich einen triftigen Grund mich morgen krank zu melden.
Hätte Oma daran gedacht, hätte sie sicher einen Freitag gewählt und Papas Bienenstich wäre gegessen worden.
Einfach Wasser, Dinkelmehl, Hefe, Gewürze und Zeit. Ich bin angefixt.
Oh man. Ich kann mir keine Sauerteigbrot-Obsession leisten. Ich hab schon eine Siebträgermaschine und möchte nicht in drei Jahren ein Rennrad kaufen müssen...
"Was hälst du von dieser Farbe?"
Weil du meinen Bildschirm ein bisschen zu lange und verwirrt anschaust, setze ich eine Erklärung hinterher: "Für die Küchenschränke."
Statt Erkenntnis sehe ich nur noch mehr Irritation in deinem Gesicht. "Wir hatten doch überlegt die Küchenschränke zu streichen", versuche ich es deswegen weiter.
"Das ist Leberwurstfarben", sagst du schließlich. Ich bin gekränkt. "Das ist kokette Sinnlichkeit". Du bist ein diplomatischer Mensch. Das liebe und hasse ich an dir. Dreimal setzt du zu einer Antwort an, die schließlich lautet: "Ich dachte wir wollten eher Richtung dunkelgrün gehen". "Ich glaube einfach, dass ich eher Richtung Soft Spring Scandi Style gehen möchte statt true Autumn Dark Academia. Ich denke dass das meine Persönlichkeit mehr trifft". Deine Augen und die gekräuselten Mundwinkel verraten mir, dass du gerade ungefähr 120 mögliche Antworten in deinem Kopf durchspielst. Du bist ein verständnisvoller Mensch, zumindest versuchst du es. Deshalb entscheidest du dich gegen alle 120 und beschließt stattdessen mehr Daten zu sammeln.
"Wie kommst du darauf?".
Ja, wie? Dazu müsste ich etwas ausholen.
Heute morgen, nachdem wir am Vorabend über die Küche gesprochen hatten, stehe ich mit einem Kaffee und einer Zigarette mit meiner Kollegin vorm Büro und erzähle ihr von unseren Grün-Plänen. "Ich dachte nicht, dass du der Grüntyp bist. Wie ist denn eure Wohnung sonst so eingerichtet?", "Naja, halt so... viele Möbel haben wir Second Hand geholt. Über Kleinanzeigen." Sie guckt wissend. "Ah, dann eher so Midcentury? Oder Whimsy? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Du hast ja auch nicht so nen klaren Style jetzt". Ich nicke und gucke etwas verlegen zu Boden.
Am Nachmittag suche ich auf Pinterest nach meiner Identität statt an der Präsentation zu arbeiten. Bin ich eher Cottage Core oder Corporate Goth? Grunge oder Dark Academia? Old Money? Italian Diva? Paris Punk? Ich lege eine Pinnwand zwischen der fürs Backen und der für Ikea Hacks an. Beide habe ich noch nie benutzt.
"French Spring" schlägt Pinterest vor. Ich entscheide mich für "New me". Schließlich habe ich ernste Absichten und bin motiviert. Was man wohl alles anpassen muss an so ein neues Ich? Die Kleidung natürlich, Frisur, Haarfarbe. Die Hobbies. Urlaubsort. Einrichtung. Das muss gut überlegt sein. Vielleicht ist es doch einfacher die Wohnung zu sprengen und mit dem verborgenem Es in einem Abrisshaus Seife zu kochen. Sprechen wir nicht drüber. Sonst wäre es auch eine Ästhetik. Post modern Revolution Core. Netzhemden, enge Jeans, zerzauste Haare, mit Absicht zerrissene Tapeten und schlecht abgeschliffene Möbel. Dazu gäbe es sicher Ikea Hacks. Johanneshov Armchair painting tutorial. Planet Upcycling. Ob ich wohl eine DIY Maus bin? Irgendetwas muss ich sein. Wichtiger noch: Irgendwas muss ich werden. Meine Kollegin hat recht. Mein jetziges Ich ist irgendwie konzeptlos, chaotisch. Da ist kein roter Faden. Keine Corporate Identity. Also keine private Identity. Nicht mal ein Color Sceme. Da hängen kirschrote Kleider neben senffarbenen Pullis und auberginefarbenen Hosen.
Ob ich wohl ein wärmer Herbst bin? Oder ein kühler Sommer? Wahrscheinlich trage ich seit Jahren die falschen Farben und die falsche Form für meinen Bodytype. Welcher das wohl ist? Birne? Diamant? Passt mein Bodytype zur Gesichtsform? Kann eine kühle Sommerherzbirne überhaupt Dark Academia sein oder wird es dann immer Old Money? Was ist wenn ich mich für Old Money entscheide und mein Partner ein warmer Frühling ist und sich für Grunge Core entscheidet? Können wir die Küche dann noch eierschale streichen? Oder brauchen wir neues Geschirr? Ach, was rede ich? Ich kriege diese Föhnfrisuren sowieso niemals hin.
Ob es wohl einen Test gibt? "Bitte melden Sie sich an, um das Testergebnis zu erhalten."
Für Librarian bin ich nicht belesen genug und für Tech Noir fehlt mir die Coolness. Außerdem ist das bestimmt schwerer als es aussieht. Sind meine Adern eher lila oder eher grün?
Ich warte auf die Mails. Apfel. Charaktertyp Osten. Soft Spring. Schade. Ich hasse Lavendel. Ich fasse meine Ergebnisse zusammen und frage Chat GPT was ich tun soll. Es spuckt mir Scandi Style aus. Sehr gut. Ich habe schon viel von Ikea und könnte es gleich weiß lassen. Nur abnehmen müsste ich wohl und mich ins Make Up einlesen. Erstmal lasse ich mir eine Capsule Wardrobe erstellen. Eine KI Anfrage verbraucht 0,3 Milliliter Wasser. Ich öffne Zalando und bestelle mir eine steingraue Stoffhose, ein Halstuch in Aprico, eine salbeigrüne Hemdbluse aus Leinen, ein cremeweißes Wickeltop und einen Blazer in Camel. Außerdem packe ich auf der Seite von Alpina "Ruhe des Nordens" und "kokette Sinnlichkeit" in den Warenkorb.
Auf dem Heimweg ist meine Motivation auf dem Höhepunkt. Ab jetzt werde ich nicht mehr diese graue, uninspirierte Maus sein. Ich bin Scandinavisch puritanisch, schlicht, elegant und hell, aber naturverbunden. Genau wie meine Küche. Ich werde jeden zweiten Tag frische Blumen in einen blauen Krug stellen und Sonntags Gugelhupf backen. Der Wind wird die Seeluft herein wehen, obwohl das Meer drei Autostunden entfernt ist. Alle werden die Wohnung sehen, meine Leinenhosen und sich denken "Das passt. Diese Frau ist vertrauenswürdig. Sie hat ihr Leben unter Kontrolle. Sie hat ein Konzept".
Aber wenn ich es so sagen würde klänge es wohl etwas obsessiv. Deshalb sage ich: "Ich denke ich würde mich wohler fühlen, wenn alles etwas mehr Konzept hätte. Im Moment wirkt hier alles so zufällig. Und wenn wir was verändern wollen, dann können wir es ja auch gleich richtig machen."
Du nickst. Du bist ein friedliebender Mensch. "Scandi Style sagst du?" Du beginnst zu scrollen. "Was hälst du von 'Ruhe des Nordens', das fände ich ganz schick". Ich lächle.
Jetzt haben wir eine blaue Küche. Mein Kleiderschrank ist durcheinander und nichts ist nordisch elegant. Außerdem passt das Geschirr nicht dazu. Aber du hast mir einen Krug geschenkt und manchmal stelle ich Blumen rein.
Ich warte. Ich warte in dieser klebrigen, rauchigen Wohnung. Ich warte vor deiner Zimmertür. Im Dunst von Kleber und Staub warte ich auf die Zukunft. Ich tigere hin und her und schaue auf den Kalender, doch die Gorillaz laufen in Dauerschleife und es bleibt 2008. Nur wir sind alt geworden.
Mit brüchiger Stimme rufe ich ein letztes Mal ob du mit mir kommen willst. Aber du kannst mich durch den zähen Qualm nicht hören. Du sagst, du könntest ohne ihn nicht schlafen. Aber du hast es nie versucht. Draußen ist die Welt weiter gegangen. Guck doch mal aus dem Fenster! Sie spielen Artemas und Apache 207. Guck was alles passiert ist! Komm mit mir raus, ja? Aber du kannst nicht hinaus schauen. Die Scheiben sind schmierig und alles sieht verzerrt aus. Es macht dir Angst. Aber ich darf sie nicht putzen. Du möchtest nicht, dass sie kaputt gehen. Vielleicht eines Tages.
Und ich warte. Und huste. Ich kann kaum atmen und stolpere ständig über kaputte Erinnerungen aus einer Zeit, die du nie erlebt hast. Du sammelst und sammelst und stapelst alle vor deiner Tür. Du sagst, du willst sie reparieren, aber sie werden nur mehr und bleiben kaputt. Ich hab dich so gern, nur jedes Mal wenn ich draußen an der frischen Luft war, fällt es mir schwerer zurück zu kommen, verstehst du? Da draußen scheint die Sonne und ein leichter Wind weht und es riecht nach Rosen und Salzwasser. Zurückkehren kann ich nur betäubt. Ich warte seit Jahren, dass du mit mir gehst. Ich glaube fast, wenn du es jetzt tun würdest, dann wollte ich dich nicht mehr dabei haben. Ich müsste dich die ganze Zeit stützen und an der Hand halten und könnte nicht mehr rennen oder springen. Ich habe Angst, dass du die Schwere mit nach draußen bringst. Deshalb werde ich gehen. Ich muss. Ich kann nicht mehr warten. Jetzt nicht mehr. Es bricht mir das Herz, dich hier zurück zu lassen, im Dunst und im Zwielicht. Ein letztes Mal klopfte ich an deine Tür, um dir zu sagen, dass ich gehen werde. "Bleib doch noch. Dieses Mal wird es anders, versprochen. Ich würde für dich sterben". Ich möchte nicht dass jemand für mich stirbt. Ich möchte nur dass jemand mit mir lebt. Deshalb gehe ich. Es tut mir Leid. Ich sehe deine traurigen Augen im Rauch verschwinden und versuche zu überlegen, wann ich aufgehört habe dich zu lieben. Ich schließe die Tür hinter mir. Die Gorillaz laufen und der Kalender zeigt 2008.
Ich fliege. Halt mich fest. Ich möchte den Teppich an meinem Oberschenkel fühlen und deinen Bart an meiner Nase. Ich möchte, dass deine Schulter mein Ohr zudrückt, damit alle Geräusche dumpf werden. Ich möchte mit dem Finger über dein Schlüsselbein fahren und sonst möchte ich nichts. Ich schwebe in der Vergangenheit und traue mich nicht in die Zukunft. Halt mich hier im Jetzt. Nur bis es wieder hell wird.
Ob ich dich liebe? Natürlich! Aber was tut das zur Sache? Ich war schon 100 Mal verliebt und du auch. Verzweifelt, verzaubert, verboten, verbittert, verzückt verliebt.
Aber das hier ist Ernst, verstehst du?
Ich möchte keine großen Gesten und keine spontane Flucht nach Paris nach einer durchtanzten Nacht. Ich möchte nicht, dass du mir Blumen bringst, sondern die neue Sorte meines Lieblingsfrischkäses, weil du ihn im Supermarkt zufällig gesehen hast.
Ich möchte keine geraunten Liebesschwüre, sondern, dass du daran denkst, meinen Lieblings-BH in den Waschbeutel zu legen, obwohl du den Sinn darin nicht siehst.
Ich möchte keinen Traumurlaub, sondern den Garten machen. Du mähst und ich schneide die Hecke.
Ich möchte mit dir ein Gemüsebeet anlegen, in dem nur eine Zucchini wächst. Ich möchte mich mit dir über Tapeten streiten. Grün? Wirklich? Dieses Grün?
Ich möchte von dir aufgeregt angerufen werden, wenn unser Kind den ersten Wackelzahn verliert, und dich erleichtert anrufen, wenn es endlich in die Windel gemacht hat. Ja, genau: Konsistenz cremig, Farbe Orange. Ein Glück.
Ich möchte deine Hand auf einer Beerdigung ganz fest halten und mir nachts im Bett leise Geschichten von früher anhören, während ich dich im Arm habe.
Ich möchte, dass wir etwas versuchen und dabei scheitern und uns sagen, dass es nicht schlimm ist, denn wir haben ja uns.
Ich möchte Erbsensuppe kochen, wenn es Herbst wird, und Spargel im Frühling. Sonntags möchte ich zum Kaffeetrinken zu deinen Eltern. Natürlich möchte ich die Urlaubsfotos sehen und gern noch ein Stück Kuchen.
Ich möchte die Steuererklärung machen und mich über dich ärgern, weil du nicht alle Unterlagen zusammen hast, und darüber brüten, wie wir die Klassenfahrt bezahlen, obwohl diesen Monat das Auto kaputt war.
Ich möchte Eis essen gehen und keinem davon erzählen, kein Bild davon machen.
Ich möchte nichts zu erzählen haben, weil nichts Spannendes passiert. Alle glücklichen Familien sind gleich.
Ja, ich liebe dich. Ich habe keine Lust, es langsam angehen zu lassen, zu schauen, was wird. Keinen Bock auf etwas Lockeres und mal sehen.
Lass uns all in gehen. Wir kaufen ein Haus und kriegen ein Kind. Wozu warten? Worauf?
Ich möchte los. Willst du mit mir gehen?
Ja, nein, vielleicht?
Ich werde dieses Jahr wohl nicht wie sonst nach Italien kommen. Deshalb hätte ich gerne eine schöne Italiengeschichte zu lesen.
Ich mag leicht melancholische historische Romane, die so ab 1850 spielen, lieber später (Bella Ciao von Raffaella Romagnolo hat mir zum Beispiel sehr gut gefallen), urige Krimis oder auch gern was lustiges (ich bin zum Beispiel ein riesen Don Camillo und Peppone Fan und war schon an den Drehorten der Filme und hab auch gerade Zerocalcare für mich entdeckt). Vom Fokus ist mir Freundschaft/ Familie/ Selbstfindung lieber als Romanze.
Und das Mittelmeerfeeling sollte natürlich mitkommen. Laue Nächte, gutes Essen, Rotwein... Ich nehme auch andere mediterrane Länder falls euch was einfällt. Ich liebe auch Kroatien. Das hat ja sicher auch gut Futter für historische Romane.
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Nur sollte die Autorin/ der Autor auch aus dem Land kommen und nicht über Urlaub schreiben.
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Das waren meine Wünsche. Hat jemand eine Idee?
Das Krokodil schenkte sich noch einen Tee ein und nippte vorsichtig an der Tasse, um sich nicht zu verbrennen.
"Also", fuhr Barbie fort, denn das Gespräch dauerte nun schon eine ganze Weile. "Also,
nochmal. Niemand darf dich fressen, dazu hat keiner ein Recht". Das Krokodil sah etwas beschämt und leise in seinen Tee. Theo hatte wieder Mitleid: "Aber es hatte so einen Hunger. Was sollte es denn tun? Und es hat auch nur ein bisschen geknabbert. Und sogar gefragt. Und ich hab ja nicht nein gesagt". "Das hättest du aber tun sollen, Theo". Theo sog seine Unterlippe ein, wie immer, wenn er nachdachte. "Wenn das Krokodil hunger hat, kann es dich fragen, ob du ihm hilfst etwas zu backen. Dann könnt ihr zusammen etwas zu Essen machen. Aber das Krokodil muss auch mithelfen. Es darf nicht kommen und dich gleich ganz verspeisen wollen, nur weil das einfacher ist. Das ist nicht fair. Verstehst du das?". Sie sah das Krokodil streng an und das sagte leise: "Es tut mir Leid Theo. Ich hätte dich nicht fressen sollen". "Ist ok", sagte Theo. Barbie war zufrieden. "Gut. Und was haben wir heute gelernt?". Theo überlegte kurz. "Keiner darf mich fressen, auch wenn er hungrig ist". "Ganz genau". "Theeeeeooooo", rief es aus der Küche. Der Gerufene sprang auf und lief los. Morgen im Kindergarten würde er Emma sagen, dass er nicht den ganzen Tag nur alleine mit ihr spielen wollte. Aber jetzt gab es erst einmal Erbsensuppe.
​
Zu Ostern in diesem Jagr hatte ich mich mal komplett gegen dezent entschieden
Erster Versuch etwas veganes zu backen. Funktionierte erstaunlich gut.
"Pfingstrosen sind noch ein Geheimtipp, aber wären der absolute Hingucker. Gerade Mitte Mai. Und in Beerentönen passt das dann auch perfekt in dieses mehr mature concept. Deswegen auch Gold und ein kräftiges Marineblau. Pastell macht ja keiner mehr".
"Ja. Also. Das find ich schon gut. Ich hatte nur eher an etwas helleres gedacht und so mit Holz vielleicht?"
"Also Boho war ja bei Lea schon fast vorbei. Und das ist auch irgendwie ein bisschen Jugendlich vom Look. Schau mal"
Charlie hielt Tatty ihr IPad unter die Nase. Die alte Pinnwand von Leas Hochzeit.
"Ja, du hast schon recht. Wir sind ja auch nicht mehr 20..."
"Deshalb dachte ich mehr grown up. Weißt du? Wir wollen ja nicht das selbe machen wie vor 12 Jahren"
Leas Hochzeit. War das wirklich schon 12 Jahre her dass sie mit Lea im Brautmodeladen saß, Locations angesehen und sie wegen der Margariten getröstet hatte? Tobi hatte ihr gesagt sie würde sich zu sehr einmischen. Er hatte sie nie verstanden. Lea war Dankbar. Eine Hochzeit zu planen war anstrengend. Was hatte er schon gewusst. Sie würde alles darauf wetten dass seine Frau die Hochzeit komplett allein hatte planen müssen. Es war gut, dass er ihr in den 3 gemeinsamen Jahren keinen Antrag gemacht hatte. Sie war jung und dumm gewesen und er wollte sich nicht festlegen. Tja. Auch seine Hochzeit war im Boho Stil gehalten, hatte sie sich erzählen lassen. Das war da auch schon fast ausgelutscht gewesen. Wenn er sie geheiratet hätte, dann wäre es in einer Scheune passiert im August, mit rustikaler Ähren und Kornblumen Deko. Sie wären mit einem historischen Trecker angekommen. Eine Landhochzeit. Das hätte zu ihnen gepasst und zur Saison. Aber jeder so wie er mag.
"Das sieht schon gut aus mit Lila und Blau". Tatty nagte an ihrem Daumen herum, wie immer wenn sie nachdachte, und scrollte weiter durch Charlies Pinterest Meisterwerk. Die Urheberin wurde allerdings langsam etwas ungeduldig. "Wie gesagt: Beere, Marine und Gold. Minimalistische Ästhetik ist nicht mehr angesagt. Maximalismus ist gefragt." Tatty nickte. "Und was hattet ihr fürs Essen geplant?". Jetzt strahlte die Braut: "Weißt du noch bei Sophia? Da war dieser Livekoch?".
Sie wusste es noch. Sie war damals mit Lukas da gewesen. Der hatte ständig über die Zukunft geredet. Und es hätte so gut gepasst. "Wenn ich mal heirate", hatte er gesagt, "gibts Pizza aus dem Steinofen, die man sich belegen lassen kann". Sie hatte höflich gelacht und gesagt nicht wenn sie etwas mitzureden hätte. Dann hatten beide gelacht. Es gab dann Pizza auf seiner Hochzeit. Das hatte sie auf Insta gesehen. War auch schön für die Kinder. Hätte er sie geheiratet, hätte es sicher ein mediteranes Buffet gegeben. Zur Erinnerung an den gemeinsamen Italienurlaub. Es hatte also nicht gepasst. "Ich fand das toll mit dem Livekoch und wir hatten auf nem Firmenevent so einen der live Sushi macht und den haben wir angefragt. Die müssten dann zu dritt kommen. Das wird etwas teurer, aber das wäre es mir wert". "Na, das ist doch super. Und dann noch Mitternachtsbuffet? Kuchen?". "Meinst du wir brauchen Kuchen?". Was für eine Frage. "Na eine Hochzeitstorte doch auf jeden Fall". Charlie öffnete die nächste Pinnwand. "Sowas hatte ich gedacht". Sie zeigte einige schlichtweiße Torten mit blauer Buttercremeverzierung und Beerentoping. "Oh wow. Gibts denn hier eine Konditorei die sowas kann?". "Klar. Bei Hannahs Hochzeit hatte sie diese hellblaue mit Muscheln, erinnerst du dich? Die war aus der Bäckerei oben beim Sportplatz". Charlie war damals mit Hannah dort gewesen. Die Dame war supernett und freute sich immer etwas besonderes machen zu dürfen. Hannahs ganzes Strandthema war Charlie allerdings etwas auf die Nerven gegangen. Sie hatte ihrem damaligen Freund Steffen ihr Leid geklagt. "Wenn wir heiraten machen wir es anders. Dann machen wir ein Fantasythema. Alles ein bisschen Auenland.", hatte sie gesagt. "Du vielleicht", hatte er gesagt, "ich werde nämlich nie heiraten". Tatsächlich hatte er erst letztes Jahr geheiratet. Aber nur ganz klein und standesamtlich aus steuerlichen Gründen und wegen des Hauses und der Kinder, hatte er erzählt, als sie sich zufällig auf dem Jahrmarkt begegnet waren. Um ihn war es schade. Sie dachte gern an die 6 gemeinsamen Jahre zurück. Auch wenn er so ein Campingtyp war und sie hasste Camping. Er hingegen mochte keine Hotels und irgendwie waren sie nie zusammen weg gewesen. Aber sie mochten beide den Herrn der Ringe. War das etwa nichts? "Ok, dann frag ich da mal an". Tatty kritzelte etwas auf ihren Block. Dann guckte sie Charlie grinsend an. "Willst du das Kleid sehen?". "Klar!". Tatty rannte los Richtung Schlafzimmer und Charlie war gespannt. Bei Tattys erster Hochzeit hatte sie noch kein Geld gehabt. Das Kleid war ein schlichtes weißes Seidenkleid gewesen, sie hatten im Garten gefeiert mit Grill und Trampolin. Alle waren noch so jung gewesen. Aber sie hatten das Beste draus gemacht. Alle hatten bei der Deko geholfen und etwas zum Buffet beigesteuert. Eigentlich war es fast die schönste Hochzeit gewesen, weil alle so hoffnungsvoll waren. Charlie war mit ihrem ersten Freund Daniel dort gewesen. Sie war sich sicher, dass sie heiraten würden. Auf einem Schloss. Sie in einem Spitzenkleid mit Schleppe, er in einem sandfarbenen Anzug. Tauben würden fliegen. Als Daniel schluss machte brach eine Welt für Charlie zusammen. Es war drei Tage nach dieser Hochzeit. Sie konnte den Moment bis heute abspuhlen. "Ich kann das nicht mehr", hatte er gesagt, "du erwartest zu viel". "Du willst es dir nur wieder leicht machen. Das machst du immer! Sobald es kompliziert wird oder Ernst..." "Warum muss es denn immer kompliziert sein, Charlie? Wieso darf es nie einfach mal leicht sein?".
Männer. So war es immer. Sie wollten es sich leicht machen. Man durfte nie etwas sagen. Daniel lebte inzwischen mit seiner Frau in Spanien. Sie hatten ein kleines Retreat eröffnet. Sehr exklusiv mit Yoga und Kunstkursen. "Tada!", da stand Tatty in der Tür in einem Traum aus Tüll und Spitze. Es war übertrieben und nicht angemessen für eine zweite Hochzeit oder für ihr Alter. Charlie schloss die Pinnwand mit dem Titel "Brautkleid Tatty" unauffällig. "Und meine Töchter haben ganz ähnliche Kleider! Nur in Pink!". Sie strahlte. Charlie lächelte. Das Pink sollten wir dann noch in die Deko aufnehmen", gab sie zu bedenken, "aber das passt gut in das Beerenthema". Plötzlich hörten sie ein Knacken im Türschloss. "Oh nein! Simon darf mich nicht sehen!". Die zukünftige Braut floh gerade rechtzeitig zurück ins Schlafzimmer bevor der Bräutigam seinen Kopf zur Tür reinsteckte. "Die Mädels sind bei ihrem Papa abgeliefert!", rief er. "Super. Danke!", tönte es aus dem Schlafzimmer. Dann bemerkte Simon Charlie auf dem Sofa, das IPad in der Hand, auf dem Tisch Musterkarten, Serviettenproben und verschiedene Kerzen. "Oh, hi. Sorry. Ich hatte ganz vergessen, dass du heute kommst. Seid ihr weiter gekommen?". "Oh. Ja. Ihr habt eine schöne Location ausgesucht.". "Die war auch nicht leicht zu bekommen. Es ist aber ein Paar abgesprungen. Kommen du und Paul morgen mit zum Italiener?". "Vielleicht". Paul war vor drei Tagen zu seinem besten Freund gegangen. Er brauchte eine Pause, musste sich über Dinge klar werden, hatte er gesagt. Aber das gehörte nicht hier her. Hier ging es um die Hochzeit. Hätte Paul ihr einen Antrag gemacht, hätten sie eine all white Party gemacht und nur sie als Brautpaar hätten schwarz getragen. Mit 40 sahen Bräute in einem ganz weißen Kleid auch irgendwann albern aus. Sie hatte Paul gefragt, wann es soweit wäre. Sie hatten so oft über die Zukunft gesprochen. Sie hatte ihm erzählt was sie sich wünschte, ein Haus, zwei Kinder, die Hochzeit, Pferde und einen Hund. Das volle Programm. Er hatte sich in seinem Leben schon viel ausgetobt. Bevor sie zusammen kamen hatte er in einer Kommune gewohnt und davor ein paar Jahre in England und Südafrika. Aber er hatte gesagt es sei jetzt an der Zeit für ihn sesshaft zu werden. Er wollte ein Haus kaufen. Heiraten jetzt nicht so direkt, aber eine Feier zu Ehren ihrer Liebe. Das wäre ok gewesen. Sie hatten darüber gesprochen, schon beim ersten Date. Aber wieder mal war es so- als es ernst wurde musste er darüber nachdenken. Irgendwann würde sie die Braut sein. Da war sie ganz sicher. "Na, ich muss dann auch mal los". Sie stand auf und packte alles wieder in die mitgebrachten Kisten und Taschen. Tatty war nun wieder zurück in Jeans und T-Shirt und begann ihrer Freundin beim einpacken zu helfen. "Vielen Dank, dass du mir wieder bei der Planung hilfst. Das ist echt lieb.", "Mach ich doch gerne". Charlies Lächeln wirkte etwas gequält. Bestimmt war etwas mit Paul. Es war von Anfang an klar, dass das nicht klappen würde. Paul war eher so ein Kopf-in-den-Wolken Hippie-Typ und Charlie hatte immer alles lieber im Griff. Tatty beschloss morgen danach zu fragen.
Zu Hause angekommen räumte Charlie die Kisten und Taschen in die Abstellkammer. Dann setzte sie sich aufs Sofa, bestellte Pizza, änderte zwei, drei Pins und reinstallierte ihre drei Lieblings-Datingapps.
Charlie. Unkompliziert, Abenteuerlustig. Fantasynerd. Auf der Suche nach dem Mann fürs Leben. Nur feste Beziehungen gesucht.
Sie suchte ein Bild aus dem letzten Urlaub raus und schnitt Paul weg. Dieses mal hatte sie ein gutes Gefühl. Würde sie jetzt heiraten, würde sie es auf einem Gutshof machen mit runden Tischen, vielen Rosen. Das Kleid rosa und sehr schlicht.
"Ich mach hier seit einem Jahr diesen Diätscheiss mit und jetzt siehst du endlich gut aus und willst nicht mal vögeln?"
Es tat ihm sofort leid. Sie sah es an seinen Augen. Er erschrak richtig vor sich selbst. So war das immer in den dunklen Episoden der Depression. Alles war dann stickig und staubig und roch nach diesem Gras das nach Sportsocke riecht. Er war nicht da, kroch nur in seinem Zimmer herum oder in der Garage. Es war als würde er zwischen den Wänden leben und manchmal, wenn sie aus Versehen einen Blick auf ihn erhaschte, Gift sprühen, damit sie wieder verschwand. Aber irgendwann kroch er doch endlich hervor und wollte ihr wieder nah sein. Ab dann ging es meist bergauf. Oft konnten sie nur ein paar Tage später Ausflüge machen, essen gehen, Freunde treffen. Wenn er zwischen den Wänden lebte, traf sie sich oft allein mit Feunden um zu atmen. Und zu trinken. Sie mochte den Geschmack nach altem Schnaps nicht auf ihrer Zunge. Deshalb freute sie sich normalerweise darüber wenn er ihre Nähe suchte und sie lies geschehen was immer er sich angesehen hatte als er weg war. Wenn sie es nicht tat, verschwand er wieder mit noch dunkleren Gedanken. Danach wurde sie wieder umarmt. War es das nicht Wert? Es war kein zu hoher Preis. Meist war es sowieso etwas wobei er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Das war gut. Dann musste sie nicht die Augen verdrehen sondern nur Geräusche machen. Sie gab sich Mühe. Er brauchte lange. Er war doch sowieso schon so unsicher. Es würde ihm das Herz brechen, wenn er wüsste, dass es ihr nicht gefiel.
Nur heute konnte sie einfach nicht. Ihr Papa hatte ihr mal gesagt dass keiner sie fressen dürfe, auch wenn er hungrig sei. Ihr Papa mochte Abenteuerfilme und nannte sie Spatz. Ihr Papa lag an Schläuchen. Es war noch nicht hoffnungslos. Denoch hätte sie heute nicht so tun können. Und zu merken dass sie es nicht mochte, hätte ihn doch noch mehr verletzt als das nein, oder?
Es tat ihm sofort leid, das sah sie ihm an. Das tat es immer. Aber dieses mal war es anders. Etwas verschob sich. Es war als wäre der Spiegelsplitter der Schneekönigin in ihrem Auge. Sie roch den klebrigen Schweiß an ihm, sah die fettigen Haare, die stierenden Augen, die pickelige Haut. Ein Schauer des Ekels überlief sie und bei dem Gedanken, ihn in sich zu haben wurde ihr schlecht. Es passierte plötzlich. Nur der eine Satz in der jahrelangen Kette von Sätzen, die ihm leid taten. Warum genau dieser? Auch Jahre später würde sie es nicht sagen können. Aber sie würde sich immer glasklar an den Moment erinnern, an dem er plötzlich nicht mehr schön war. An dem ihre Wohnung plötzlich wie ein fremder Ort war und sie das erste mal dachte "Was soll das hier werden?".
Natürlich hatte sie sich manchmal gefragt ob es fair war, dass sie immer auf ihre Gefühle acht geben musste und er seine einfach haben durfte. Das sie Ausreden für Familie und Freunde finden musste warum sie nicht zu Besuch kommen konnten. Sie mochte Besuch. Aber er brauchte seine Ruhe. Deshalb brauchte er auch ein eigenes Zimmer. Er musste sich zurück ziehen können. Sie war manchmal einfach zu laut. In den letzten Jahren hatte sie ihn immer wieder gebeten sich Hilfe zu suchen. Aber Plätze waren eben schwer zu kriegen. Und sie half ihm ja. Er tat ihr so leid. Sie machte sich Sorgen. Sie wollte einfach dass es ihm gut ging. Sie liebte ihn doch. Jeden Tag sagte sie es. Und sie hatten so viele gute Tage. Und wen man liebt, den unterstützt man doch. Man tut alles dafür dass es dem anderen gut geht. Man lässt niemanden allein, nur weil es grad schwierig ist. Gerade. Es war immer ein bisschen schwierig gewesen. Aber sie liebte ihn und sie sah in sein schönes Gesicht, die wasserblauen Augen, fühlte das milde Lächeln und wusste dass es das Wert war.
Ihr Papa fand dass er nicht gut genug für sie war. Er sagte es nie, aber sie merkte es. Aber wer ist das schon in den Augen eines Vaters?
In ihren Augen war er alles wert. Hatte er schon immer so dumm gegrinst wenn er ein schlechtes Gewissen hatte? Sein Gesicht war eine einzige Fratze. Er berührte sie mit kalten, klebrig-schwitzigen Händen. Es tat ihm leid. Und ihr tat es weh.
Noch Jahre später hielt sie Abstand von ihm wenn sie sich zufällig auf der Straße trafen oder auf der Hochzeit eines gemeinsamen Freundes. Sie redeten über dies und jenes und sie fragte sich, ob sie wirklich jemals mit diesem Fremden geschlafen hatte. Ob sie ihn einmal geliebt hatte. Sie erinnerte sich an ihre Jugendliebe. Einen verrückten, süßen, ein bisschen tollpatschigen Musiker. Aber das war er nicht. Es musste jemand anderes gewesen sein. Sie erinnerte sich nicht. Sie erinnerte sich nur daran, wie er hässlich wurde und manchmal weinte sie deshalb.
Ihr Papa war erleichtert gewesen als sie sich scheiden lies. Sie vermisste ihren Papa, wie er sie liebevoll angesehen und sie Spatz genannt hatte.
Bei einer der zufälligen Begegnungen fragte der hässliche Fremde wie es ihrem Papa denn ginge. Es tat ihm leid. Das sah sie gleich. "Ich dachte nicht dass er so krank war", sagte er. Sie fragte sich seit wann sie für ihn nicht mehr schön gewesen war. Aber es war jetzt egal. Sie verabschiedete sich und ging weiter.
Jede Stufe fühlte sich ein bisschen schwerer an. Auf Stufe 10 wäre sie fast ausgerutscht, auf Stufe 17 schaffte es der Fuß nur mit festem Willen, Stufe 20 erschien ihr unüberwindbar. Die Tür wog eine Tonne und kratzte quitschend über den Holzboden. Nie war irgendetwas leise. Alles quietschte und piepte und summte ständig. Sie musste sich dringend waschen. Alles abwaschen. Den Staub, diesen Geruch nach Desinfektionsmittel gemischt mit Urin, das Piepen, das Tropfen. Warmes Wasser, gleichmäßiges Rauschen lullte sie ein, trug sie weit
"Ah, da bist du ja endlich."
Nicht schon jetzt. Noch 5 Minuten. Nur die Hände waschen.
"Ich war noch im Krankenhaus." Hatte sie das gesagt? Alles klang so blechern.
"Achja, richtig. Und?"
"Sie wollen diese OP noch machen. Papa möchte es versuchen sagt er. Was bleibt sonst auch übrig?"
"Hm. Das klingt doch gut. Dann kann man ja was machen. Das wird schon."
"Ja."
Hatte sie sich die Hände schon eingeseift? Lieber nochmal. Zur Sicherheit. Pfirsichseife hätte es auch gegeben. Er kaufte immer Zitrone. Welche Seife hatte ihre Oma immer gehabt? Die roch wie Seife riechen musste. Vielleicht musste sie mal ihre Mama fragen. Aber die hatte auch grad was anderes zu tun.
Er stand noch immer in der Badezimmertür.
"Und bei dir?"
"Die Arbeit war mal wieder die Hölle. 3 Deadlines zu nächster Woche, weißt du ja, und Jan hat dann auch noch ein Projekt von Kai angenommen. Du weißt ja wie es dann immer ist. Schwanzvergleich. Also das auch noch. Als ob ich nicht schon auf dem Zahnfleisch gehen würde. Dann hat Jana sich natürlich wieder krank gemeldet. Das war halt so klar. Und ihre Präsi wieder nur halb fertig. Also dreimal darfst du raten wers mal wieder machen darf"
"Du wahrscheinlich."
"Ja. Genau. Das heißt halt wieder Überstunden. Ich kann also wieder nicht ins Gym und nicht mit zu Tobi. Das ist so ein Drecksverein. Ich muss mir echt was Neues suchen."
"Du kannst ja ganz in Ruhe gucken und dich erstmal bewerben".
Mehr Seife. Künstlicher Zitronengeruch. Wie damals im Schulklo. Da hatten sie so Klosteine die nach Zitrone rochen. Sie konnte das Rauschen noch nicht aufgeben.
"Das ist ja immer das Problem. Das kriegt dann doch wer mit und dann den Stress. Das sind alles Traschtanten. Schlimmer als Teenager. Was wollen wir heute essen? Wollen wir was bestellen? Wir könnten einen Film gucken. Diese neue SciFi Serie vielleicht anfangen. Da hatte ich dir gestern von erzählt, weißt du noch?"
Hatte sie hunger? Wann hatte sie gegessen? In der Mittagspause hatte sie mit ihrer Mutter telefoniert. Hatte sie gefrühstückt? Frühstück. Brötchen. Ach ja
"Sonntag komm ich nach zu Janine und Simon. und ich wollen morgens noch das Pflegebett aufbauen."
"OK? wollen wir dann mit zwei Autos fahren?"
"Müssen wir wohl."
"Hmm. Ich frag mal Tobi ob der mich mitnimmt. Also Essen bestellen und Sofa? Ich bin völlig platt."
"Ja."
Sie schloss den Wasserhahn und vermisste die Wärme sofort. Ihre Hände suchten Trost im gleichmäßigen Reiben des Handtuchs. Fast wie streicheln nur mit mehr Druck, so dass es sich echter anfühlte. Ein schneller Blick aufs Handy. 6 ungelesene Nachrichten.
Mama: Danke dass du mit warst Mausi
Sophia: ok, blau oder rot?
Cara xo: Bringst du Sonntag Nudelsalat mit? Sonst mach ich das.
Chefe: Keine Sorge wegen Freitag. Ich finde wen, der das für dich übernimmt. Mach langsam und denk dran: Wenns zu viel wird lass dich krankschreiben. Du kriegst keinen Orden.
Bruderherz: Sonntag passt. 9 Uhr?
Luka: Hey, wie gehts dir? Wie liefs bei deinem Papa?
Worüber redete er? Sie sollte sich nicht immer ablenken lassen. Sie war zu viel am Handy. "...meine Schwester meinte halt auch dass unsere Tante da wirklich übertreibt. Ich mein, ja goldene Hochzeit ist was Besonderes, aber eine Reise kostet eben auch und wir sollen natürlich alle mitbezahlen"
"Wie viel denn?"
"80 Euro pro Person. Find ich viel. Bei 50 hätt ich nichts gesagt. Aber ich will mich ja auch nicht streiten."
Nur kurz antworten.
Na klar. Hab dich lieb. Wir schaffen das
Blau. Passt besser mit den Schuhen.
Ne mach ruhig. Ich wollte einfach Baguette mitbringen. Ist grad etwas chaotisch bei uns.
Danke!
9 ist gut. Sag mal wie hieß Omas Seife?
Gut.
Nein.
Sie löschte die letzte Nachricht wieder.
Sie wollen diese OP noch machen. Papa möchte es versuchen sagt er.
"Brokkoli, Frischkäse?"
"Hm?"
"Brokkoli und Frischkäse auf der Pizza?"
"Klingt gut"
"Du bist auch nur noch am Handy"
"Sorry"
"Gut. Pizza kommt in 45 Minuten. Wo war ich?"
"Die goldene Hochzeit?"
"Genau. Jedenfalls hat meine Schwester dann bei meiner Tante angerufen um das zu klären. Aber du weißt ja wie die ist wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hat. Und dann hat meine Mutter mich angerufen. Ob ich nicht meine Schwester wieder einfangen könnte. Als ob das mein Problem ist. Ich hätte die 80 Euro ja bezahlt- um des lieben Friedens willen."
6 ungelesene Nachrichten.
Mama: Hoffen wir das Beste.
Sophia: Ja, oder? Das muss einfach was werden mit dem Typen. Ich muss doch auch mal wen Gutes abkriegen
Cara xo: Alles klar :)
Chefe: <3
Bruderherz: Ich glaub die war von Speick. Zumindest riecht Speick für mich nach Seife.
Luka: Oh man. Was genau ist das denn für eine OP. Wie stehen denn die Chancen?
"Muss ja nicht gleich Venedig sein, sehe ich ja auch so, aber unserer Mutter zu Liebe..."
Ehrlich gesagt siehts nicht gut aus. Ich glaub nicht dass es was ändern wird.
Luka tippt
"Aber sie sieht es halt gar nicht ein"
Das tut mir so leid. Willst du drüber reden? Soll ich vorbei kommen? Möchtest du vorbei kommen? Wir können Pizza bestellen.
"Oder was meinst du?"
"Ich muss nochmal weg"
"Hä? Ich hab dich grad Pizza bestellt"
"Ich ess die nachher. Ich muss weg."
"Du bist nur nich unterwegs oder am Handy. Wir haben gar keine Zeit mehr zusammen und jetzt haust du einfach ab? Wo willst du hin?"
"Weg"
Ich nehm Oliven und Spinat auf der Pizza. Bin in 20 Minuten da. Danke!
Herunter geht es immer schneller, leichter. Das klacken der Haustür, das stumpfe Plop der Autotür. Stille. Der Motor brummte gleichmäßig, lullte sie ein.
Speick. Die kauf ich das nächste Mal. Dann riecht alles nach Seife, dachte sie.