Klingbeils Haushalt: Mehr Steuern, mehr Personal, mehr Schulden
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Klingbeils Haushalt: Mehr Steuern, mehr Personal, mehr Schulden

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> # Klingbeils Haushalt - Mehr Steuern, mehr Personal, mehr Schulden > > Von Karsten Seibel, Wirtschafts- und Finanzredakteur. Stand: 04.07.2026 > > Nur mit einem Griff in die Rücklage und zusätzlichen Einnahmequellen kann der Finanzminister die Milliardenlücke im Bundeshaushalt schließen. Wo Lars Klingbeil spart – und wer künftig mehr zahlen soll. > > Am Montag soll das Kabinett den Bundeshaushalt 2027 beschließen. Mit der Vorlage für Kanzler und Minister zeigt sich das federführende Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) überaus zufrieden. Es sei gelungen, die anfängliche Lücke von 34 Milliarden Euro vollständig zu schließen, Einnahmen und Ausgaben seien in Ausgleich gebracht. „Das ist eine echte Leistung“, hieß es aus dem Ministerium. Wie versprochen, befinde man sich auf einem „strikten Konsolidierungskurs“. > > Beim Blick in die Kabinettsvorlage können allerdings Zweifel an der Aussage aufkommen – zumindest steht bei dieser Art von Haushaltskonsolidierung nicht das Sparen im Mittelpunkt. So liegen die geplanten Ausgaben 2027 deutlich höher als 2026. Gleiches gilt für die Neuverschuldung. Statt weniger Personal soll es im nächsten Jahr in den Ministerien und Behörden erneut mehr Mitarbeiter geben. > > Gleichzeitig schafft Klingbeil zum Schließen der Lücke neue Steuern auf Plastik, Zucker und Krypto-Gewinne. Er nimmt Geld aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), und er zehrt die Reste der noch vom früheren Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aufgebauten Haushaltsrücklage für schlechte Zeiten fast vollständig auf. Die eigentlich ab 2028 anstehende Tilgung der Sonderschulden aus Zeiten der Corona-Pandemie schiebt er auf das Jahr 2033. > > Es sind schwindelerregende Zahlen: Die Gesamtausgaben des Bundes sollen im kommenden Jahr um etwas mehr als 30 Milliarden Euro auf 555 Milliarden Euro steigen. Laut der mittelfristigen Finanzplanung geht es in den Folgejahren so weiter. Im Jahr 2030 möchte der Bund schon 635 Milliarden Euro ausgeben. Hinzu kommen Ausgaben aus den schuldenfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie für die Bundeswehr wie auch aus dem KTF. > > Dadurch wächst der Schuldenberg des Bundes weiter an. Inklusive der Kredite für die schuldenfinanzierten Sondervermögen plant die Regierung 2027 mit einer Neuverschuldung von 204 Milliarden Euro. Im Jahr 2030 wären es laut Finanzplan 220 Milliarden Euro. Zusammen mit den neuen Schulden im laufenden Jahr ergibt sich eine Neuverschuldung bis 2030 von insgesamt 1020 Milliarden Euro, also mehr als eine Billion Euro. Das ist noch einmal mehr als im April bei den Eckwerten für den Haushalt verkündet. > > Der Gesamtschuldenstand des Bundes steigt damit auf 2,8 Billionen Euro. Die steigenden Zinsausgaben engen die Haushaltsspielräume ein. Sollen die Schulden den Bund in diesem Jahr 30 Milliarden Euro kosten, sind es im nächsten Jahr schon 42 Milliarden Euro. Danach wächst der Posten bis 2030 auf 81 Milliarden Euro. > > Im Bundesfinanzministerium heißt es, angesichts der gewaltigen Herausforderungen, denen Deutschland gegenübersteht, gebe es keine Alternative. Zu den Dauerthemen Infrastruktur und Verteidigung sei der Iran-Krieg mit Preissprüngen bei Öl und Gas gekommen. Wegen des erneuten Rückschlags für das Wirtschaftswachstum sei auch mit gut drei Milliarden Euro geringeren Steuereinnahmen zu rechnen.
> > Außerdem hat sich der Finanzbedarf der Bundesagentur für Arbeit erhöht. In der Vorlage heißt es, die Bundesagentur werde ihren Haushalt 2027 nur mit Liquiditätshilfen des Bundes in Form eines überjährigen Darlehens in Höhe 5,2 Milliarden Euro ausgleichen können. Klingbeil wollte eigentlich einen Griff in die Rücklage vermeiden. Nun entnimmt er knapp 6,8 Milliarden Euro. Für die Folgejahre bleiben nur noch 3,9 Milliarden Euro übrig. > > Nicht zu früheren Ankündigungen passen auch die Zahlen zur Personalentwicklung. Laut Kabinettsvorlage kommen 2027 weitere Stellen hinzu, unter dem Strich fallen keine weg. Im nächsten Jahr sind 310.000 Stellen vorgesehen, in diesem Jahr sind es 306.000. Der Großteil der zusätzlichen Stellen wird in Sicherheitsbereichen, wie Bundeswehr und Bundespolizei, aufgebaut. Doch auch wenn man diese herausrechnet, geht die Zahl der Mitarbeiter des Bundes nach oben. > > Auch in anderen Bereichen kommt die schwarz-rote Koalition den Sparzielen nur langsam näher. Durch die Modernisierung der Verwaltung sollen nach der aktuellen Planung Ausgaben von 1,2 Milliarden Euro wegfallen. Noch im Frühjahr war angekündigt worden, dass die Effizienzmaßnahmen von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) drei Milliarden Euro im Jahr bringen. Für Wohngeld sollen im nächsten Jahr 400 Millionen Euro weniger ausgegeben werden. Da war anfänglich von einer Milliarde Euro die Rede. > > Die Einsparungen von einer halben Milliarde Euro beim Elterngeld wurden dagegen erreicht, heißt es aus dem Finanzministerium. Auch das pauschale Sparprozent, das Klingbeil von jedem Minister einforderte, sei bei der Haushaltsaufstellung für 2027 umgesetzt worden. Effekt: vier Milliarden Euro weniger. Klingbeil ist das nicht genug. Er will die Vorgabe verschärfen: Für 2028 muss jedes Kabinettsmitglied weitere zwei Prozent liefern, heißt es aus seinem Ministerium. > > Weitere Konsolidierungseffekte in Höhe von gut sechs Milliarden Euro laufen unter dem Schlagwort „Steuerliche Maßnahmen und Abbau von Finanzhilfen“. Dahinter verbergen sich Steuererhöhungen. Eine neue Plastiksteuer soll im nächsten Jahr eine Milliarde Euro bringen, die höhere Tabaksteuer Mehreinnahmen von 0,8 Milliarden Euro und die höheren Steuern auf Alkohol, Schaumwein und Alkopops 0,5 Milliarden Euro. > > Noch keine Zahlen stehen an der geplanten Zuckersteuer und der geänderten Steuer auf Gewinne mit Kryptowerten wie Bitcoin. An den entsprechenden Gesetzentwürfen wird gearbeitet. Das Startdatum ist noch offen. Die Kabinettsvorlage bringt im Hinblick auf die überarbeitete Kryptosteuer immerhin etwas mehr Klarheit: Wer mit Kryptowerten Gewinne erziele, soll künftig ebenso seinen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten wie derjenige, der seinen Arbeitslohn oder Aktienerträge versteuert, heißt es in der Vorlage. Veräußerungsgewinne seien deshalb künftig unabhängig von der bisherigen Jahresfrist steuerpflichtig. Bislang gilt eine einjährige Spekulationsfrist. > > Und dann will die Bundesregierung noch an Finanzhilfen ran. Auf ein Volumen von drei Milliarden Euro sollen sich die Streichungen im nächsten Jahr addieren. Annähernd der gesamte Betrag soll dabei im KTF wegfallen. In der Folge sollen Einnahmen in gleicher Höhe aus dem Emissionshandel nicht in den KTF, sondern in den Bundeshaushalt fließen, um diesen zu entlasten. Bereits zugesagte Förderungen würden nicht angetastet, versicherte das Finanzministerium. Welche Hilfen es trifft, soll allerdings erst am 15. Juli vom Kabinett beschlossen werden. > > Der Handlungsdruck bleibt in jedem Fall hoch. Der erwartete Steuerausfall in Milliardenhöhe für die Sicherung des steuerfreien Existenzminimums 2027 beispielsweise ist noch gar nicht eingeplant. > > Für die Zeit danach klaffen ohnehin große Lücken: 2028 liegt sie bei 22 Milliarden Euro, 2029 bei 38 Milliarden Euro und 2030 bei 47 Milliarden Euro. Und das, obwohl die Sonderschulden, die während der Corona-Pandemie und für die Bundeswehr aufgenommen wurden, nun nicht ab 2028, sondern erst ab 2033 zurückgezahlt werden sollen. Damit allein verschafft sich Klingbeil jährlich einen zusätzlichen Haushaltsspielraum von 12,4 Milliarden Euro.

welt.de
u/convex_dude — 21 hours ago

Der Chefökonom: Das Ende der Minijobs kennt auch Verlierer

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> # Das Ende der Minijobs kennt auch Verlierer > > Die Rentenkommission schlägt vor, die geringfügige Beschäftigung einzudämmen. Die Regierung will sämtliche Vorschläge der Experten umsetzen. Eine gute Idee? > > Bert Rürup, Axel Schrinner - 03.07.2026 - 11:06 Uhr > > > Sieben Millionen Beschäftigte müssen seit vergangener Woche um ihren Arbeitsplatz bangen. Denn die Vorschläge der Rentenkommission sehen vor, dass einem Großteil der Erwerbstätigen, die eine geringfügige Beschäftigung ausüben, dies künftig nicht mehr möglich sein soll > . Die Kommission empfiehlt, die steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderregeln für Minijobs abzuschaffen und Ausnahmen nur noch für Schüler vorzusehen. „Die Empfehlung ist sofort und ohne Übergangsfristen umsetzbar“, heißt es im Abschlussbericht. > > Minijobs sind eine deutsche Besonderheit. Arbeitnehmer dürfen bis zur jeweils geltenden Entgeltgrenze – derzeit 603 Euro monatlich – verdienen, ohne die sonst üblichen Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu müssen. Die Grenze orientiert sich an zehn Wochenstunden zum Mindestlohn. Die Arbeitgeber leisten Pauschalabgaben, und den Beschäftigten werden die vereinbarten Bruttoentgelte ausgezahlt. > > Das Modell entstand im Jahr 1977, um Schwarzarbeit zu bekämpfen und insbesondere Hausfrauen, Studenten und Rentnern einen unkomplizierten Einstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Anfang dieses Jahrhunderts wurde mit den „Hartz“-Reformen die Attraktivität dieser Beschäftigungsform erhöht. > > Heute ist es möglich, dass eine Person mehrere Minijobs ausübt, sofern der Lohn insgesamt die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitet. Übt ein Erwerbstätiger neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen Minijob aus, werden die Einkommen nicht addiert; die Zweitbeschäftigung unterliegt nur den pauschalen Arbeitgeberabgaben. > > Besonders attraktiv sind Minijobs für „Aufstocker“, da 100 Euro Monatslohn nicht auf ihre Grundsicherung angerechnet werden. Die Vermutung liegt nahe, dass nicht selten höhere Einkommen „schwarz“ bezahlt werden. Bei Kontrollen ist es aufwendig festzustellen, ob ein Beschäftigter gerade legal beschäftigt ist oder schwarzarbeitet. > > ## Politik steht vor einem Zielkonflikt > > Laut amtlichen Daten waren im ersten Quartal dieses Jahres 6,8 Millionen Minijobber registriert, davon 6,6 Millionen in der gewerblichen Wirtschaft und 250.000 in Privathaushalten. Fast 60 Prozent dieser Beschäftigten sind Frauen. Größter Arbeitgeber ist der Wirtschaftszweig „Handel und die Instandsetzung und Reparatur von Kraftfahrzeugen“ mit etwas mehr als einer Million Stellen. > > Die empfohlene Reform würde zunächst zu erheblichen Einkommenseinbußen führen: Behielten die Arbeitgeber auf 603 Euro Monatslohn künftig den vollen Arbeitnehmeranteil zu den Sozialversicherungen ein, bliebe nur noch ein Netto von rund 475 Euro; dieser Betrag wäre dann je nach Familieneinkommen steuerpflichtig. Für die Arbeitgeber würden die Kosten sinken, da sie statt der bisherigen 31 Prozent Pauschalabgaben nur noch den regulären Arbeitgeberanteil von rund 21 Prozent entrichten müssten. > > So viele Minijobs gibt es in Deutschland - Zahl der Minijobber im März 2026 in Gewerbe und Privathaushalten > > Allerdings stellt sich die Frage, ob die Beschäftigten ihr Arbeitsangebot angesichts des sinkenden Nettolohns bereit wären zu reduzieren. In diesem Fall müssten die Arbeitgeber höhere Löhne anbieten, um ihren Personalbedarf zu decken. Unterstellt man, dass Beschäftigte in der Privatwirtschaft zumindest stets die ihnen zuzuordnenden Arbeitskosten erwirtschaften, könnten die Bruttolöhne der bisherigen Minijobber um rund zehn Prozent auf 15,30 Euro steigen. In diesem Fall blieben die Arbeitskosten mit rund 18,40 Euro unverändert, der Nettolohn vor Steuern läge dann bei gut zwölf Euro. Damit wären die von der SPD vorangetriebenen Mindestlohnerhöhungen der vergangenen Jahre aus Sicht vieler Beschäftigter entwertet – und der Politikverdruss bei fast sieben Millionen Wählern würde vermutlich steigen. > > Die Politik steht mithin vor einem Zielkonflikt: Einerseits soll durch abgesenkte Eintrittsschwellen die Aufnahme einer Beschäftigung erleichtert werden. Dies gilt gleichermaßen für die rund 3,2 Millionen Personen aus der „stillen Reserve“ wie für die nahezu vier Millionen „erwerbsfähigen Leistungsempfänger“ in der Grundsicherung. Andererseits soll die stetig wachsende Zahl von Teilzeitbeschäftigten motiviert werden, ihr Arbeitsangebot auszuweiten > – was angesichts der aktuellen Minijob-Grenze oft nicht möglich ist. > > Zudem gilt es, den berechtigten Interessen der Wirtschaft nach flexiblen Beschäftigungsverhältnissen Rechnung zu tragen – möglichst ohne dass durch solche Sonderregeln sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verdrängt wird. Schließlich müssen jene Abgaben, die durch Sonderregeln für Minijobs entfallen, an anderer Stelle im System erwirtschaftet werden. > > ## Kreis um Studenten und Rentner erweitern > > Eine Lösung ist keineswegs trivial; denn es sind schließlich die sehr unterschiedlichen Lebenslagen der Minijobber zu berücksichtigen. So ist die Lage geringfügig beschäftigter Schüler, Studenten und Rentner eine völlig andere als die von aufstockenden Grundsicherungsempfängern oder Zweitverdienern in einer Ehe. > > Ein anreizkompatibles arbeitsmarktpolitisches Instrument, das den Belangen aller Gruppen gerecht wird, dürfte nicht zu finden sein. Insofern ist der Grundgedanke der Kommission zutreffend, den Kreis der Minijobber zu begrenzen. Erwägenswert wäre allerdings, diesen Kreis nicht auf Schüler zu begrenzen, sondern ihn um Studenten und/oder Rentner zu erweitern. > > Um Grundsicherungsempfänger besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren, müssten vor allem die hohen Transfer-Entzugsraten reformiert und Grundsicherung, Wohngeld und andere Sozialleistungen besser aufeinander abgestimmt werden. Wenn oberhalb von 100 Euro Monatslohn für jeden zusätzlich verdienten Euro 80, 90 oder in Extremfällen gar 100 Cent Sozialleistungen entfallen, überrascht die geringe Motivation kaum, sich auf dem regulären Arbeitsmarkt zu engagieren. > > Bei zweitverdienenden Ehepartnern ist die bislang kostenlose Mitversicherung in der Krankenversicherung ein finanzielles Hindernis, mehr als einem Minijob nachzugehen. Hinzu kommt die hohe steuerliche Belastung auf zusätzlich verdientes Einkommen als Folge des Ehegattensplittings. Verdient ein Partner 4400 Euro im Monat und der andere 600 Euro in einem Minijob, werden gut 950 Euro Sozialabgaben fällig. Verdienen beide Partner je 2500 Euro, müssen sie nahezu 1100 Euro Arbeitnehmeranteile an Sozialkassen abführen. Zudem steigt die Steuerlast, da Minijobs steuerlich irrelevant sind. > > Naheliegend wäre es, die starre Minijob-Grenze durch eine Gleitzone zu ersetzen, wie dies heute bei den Midijobs für Einkommen zwischen 603 und 2000 Euro vorgesehen ist. Hier steigt der Arbeitnehmeranteil zu den Sozialversicherungen gleitend auf das reguläre Niveau. > > Denkbar wäre, solch eine Gleitzone ab dem ersten Euro Lohn einzuführen. Anders als eine geringfügige Beschäftigung sind Midijobs generell sozialversicherungspflichtig. Arbeitgeber zahlen den üblichen Beitrag, der zunächst reduzierte Arbeitnehmeranteil steigt mit der Lohnhöhe. Im Gegensatz zu Minijobs sind Midijobs nicht steuerbegünstigt. > > Ungeachtet dessen sollte man keiner Illusion verfallen: Wenn die Rentenkommission schreibt, „die Maßnahmen können Erwerbsanreize stärken und über höhere Beiträge Mehreinnahmen in der gesetzlichen Rentenversicherung generieren“, ist dies definitiv nur ein Teil der Wahrheit. Keineswegs alle bisherigen Jobs dürften in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen umgewandelt werden. Und bei all jenen, die umgewandelt werden, zahlen Arbeitgeber oder Beschäftigte die Zeche – in Form höherer Arbeitskosten oder geringerer Nettolöhne. > > Um es mit den Worten von Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman zu sagen: „There is no free lunch.“

handelsblatt.com
u/convex_dude — 1 day ago
▲ 125 r/Finanzen

Vermögen: Wie man mit Après-Ski und Ballermann zum Millionär wird

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> # Wie man mit Après-Ski und Ballermann zum Millionär wird > > Steffen Haas alias Peter Wackel ist seit 30 Jahren Partysänger. Doch sein Kerngeschäft ist längst nicht mehr die Malle-Musik. Einblicke in das Multimillionen-Business eines Alleinunterhalters. > > Christian Wermke - 03.07.2026 - 13:14 Uhr > > Playa de Palma, Baiersdorf, München. Mit Sektglas in der Hand und Zebrahemd am Oberkörper schreitet Peter Wackel durch die Katakomben der Münchener Olympiahalle. Noch eine Stunde bis zu seinem Auftritt bei der „Schlagernacht“, aber er muss jetzt erst mit Anton sprechen, dem Backstage-Caterer, der Schnäpse aus der Tiefkühltruhe fingert. > > „Die vegane Ente brauche ich im November nicht“, sagt Wackel. „Mir ist das hier auch zu viel Auswahl.“ Die ganze Crew, egal ob Techniker oder Künstler, solle bitte das gleiche Essen bekommen. Dann stoßen sie beide mit Jägermeister an, Prost. > > Der Caterer, der noch schnell eine Anekdote von Udo Lindenbergs Unfall mit einem Schokobrunnen erzählt, wird auch im Spätherbst in der Kölner Lanxess-Arena hinter der Theke stehen, wenn Wackel sein 30. Bühnenjubiläum feiert. Und der Sänger denkt schon jetzt, an diesem Märzabend, an jedes Detail für seinen großen Tag. Acht Stunden will der 49-Jährige dann die größte Konzerthalle Deutschlands bespielen: mit Mallorca-Hits, Karnevalsongs, Schlager. Mit Liedern wie „Inselfieber“, „Joana, du geile Sau“ und „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“. > > Es wäre zu einfach, Wackel als schlüpfrigen Barden abzustempeln, der über Jahrzehnte mit Sauf- und Partyliedern Kasse gemacht hat. Zwar steht er noch immer jeden Sommer zweimal die Woche am Ballermann auf der Bühne. > > Aber seine Singerei ist längst nicht mehr das Hauptgeschäft: Wackel, der mit bürgerlichem Namen Steffen Peter Haas heißt, hat um seine eigene Marke herum ein Business mit mehr als 30 Mitarbeitern aufgebaut. Er ist Reiseveranstalter, Hotelier und Investor, hat in Namibia eine Schule finanziert, betreibt eine Hühnerfarm und will nun ein Gesundheitszentrum aufbauen. > > Wie ist dem gebürtigen Erlanger, der einst durchs Abitur fiel, dieser ungewöhnliche Aufstieg gelungen? Ohne Studium, ohne Kreditfinanzierung, ohne Förderer? Das Handelsblatt hat den Sänger in den vergangenen Monaten mehrfach bei Auftritten begleitet. Dabei hat sich Haas auch erstmals detailliert zu seinen bis dato streng geheimen Gagen geäußert – und seinem mehrfachen Millionenumsatz, den er pro Jahr erreicht. > > Haas singt schon als Schüler im Chor, spielt Orgel, Gitarre, Violine. 1995 macht er sich selbstständig: Als Alleinunterhalter spielt er den DJ auf Hochzeiten und Geburtstagsfeiern, verdient bis zu 300 Mark pro Auftritt. „Ich hatte eine Lichtanlage und CDs, das war damals etwas Besonderes“, erinnert sich Haas in seiner Umkleide der Olympiahalle. > > Schon mit 18 Jahren verdient er bis zu 2000 Mark pro Monat. „Das war damals sehr viel Geld.“ Er kauft sich einen Suzuki-Jeep, als seine Kumpels noch mit dem Rad unterwegs sind. Zur Abizeit fliegen sie nach Mallorca. > > Sie wollen in die Partyzone, aber landen in Cala Ratjada, einem eher ruhigen Fleckchen im Nordosten. Im Rausch zieht Haas, damals noch mit langen Haaren, den weißen Hochzeitsanzug seines Vaters an, schmettert „Griechischer Wein“ und „Anita“ vom Hotelbalkon. Ein paar Gäste werfen Münzen nach oben, damit er weitersingt – sein erster Malle-Auftritt. > > Zurück in Erlangen geht er fast jede Woche zum Karaokesingen. „Alle haben damals nur Summer of 69 gesungen. Ich sang Schlager“, sagt Haas. Ein paar Monate später fragt ihn der Wirt des „Papa Joe’s“, ob er nicht mal einen Abend füllen wolle. Daraus wird „Die beste Schlagersahne mit Steffen“. > > „Ganz schlimm“, findet Haas heute. „Ich brauchte dringend einen Künstlernamen.“ Er ist damals moppelig, hat 15 Kilo zu viel. Seine Mutter findet, er wackle auf der Bühne wie ein „Wackelpudding“, der neue Name ist geboren. > > Durchs Abi rauscht er durch. Mündliche Matheprüfung: null Punkte. Wiederholen will Haas nicht, dafür läuft es zu gut mit der Musik. 1997 kommt seine erste Single raus: „Nachts stand ich vor ihrer Tür – bis um vier“, ein Cover von „Quit Playing Games“ der Backstreet Boys. > > Haas verdient damit seine ersten 10.000 Mark. „Das war mein Startkapital für die gesamte Karriere.“ Auf die Schlager folgen Hits wie „Party, Palmen, Weiber und n’ Bier“, 2007 holt er mit der Partyversion des Roland-Kaiser-Hits „Joana“ seine erste goldene Schallplatte. > > ## Der Kontrollfreak > > „Wie findest du das hier?“, fragt Christian Knauer, der in der Münchener Umkleide seinen Laptop aufklappt – und Haas schlagartig in die Gegenwart zurückholt. „Chris“, 20 Auftritte pro Jahr sein Schlagzeuger, zeigt ihm Bühnenentwürfe für die Jubiläumsfeier. > > Drei LED-Wände soll es geben, dazu eine Showcouch – Haas will mit seinen Ehrengästen plaudern. „Die Stufe da vorn würde ich wegnehmen“, sagt er und zeigt auf den Schirm. „Vielleicht könnten wir auch noch eine Bar dazubauen, mit Stehtischen.“ > > Haas ist extrem detailverliebt. Auch spät am Abend, kurz vor einem Auftritt. Fast alle Entscheidungen laufen über seinen Tisch. Er hat seit zwölf Jahren keine Plattenfirma mehr, macht alles mit dem Studio selbst. Er verlässt sich auf einen kleinen Kreis von Menschen – seit zwei Jahrzehnten mit Kathy Engel die gleiche Bookerin, genauso lange ist Soeren Janssen sein Musikberater. > > Wackel ist ein Star, von dem weder Skandale noch Eskapaden bekannt sind. Er spielt gern Golf, fährt Ski, sammelt Oldtimer. Dann hört es mit der Extravaganz schon auf. Anders als viele Künstler läuft er auch nicht mit Entourage herum, nutzt kein Tiktok, bespielt Facebook und Instagram nur geschäftlich. „Ich bin kein Social-Media-Mensch, will hier nicht die ganze Zeit mit dem Handy rummachen“, sagt Haas. > > Mickie Krause, der eigentlich Michael Engels heißt, kennt Haas seit 1999. „Wir sind wie Brüder im Geiste, Seelenverwandte, bis heute befreundet“, sagt er. „Damals wurde unsere Art der Musik noch extrem belächelt.“ Aber beide hätten großen Erfolg gehabt. „Dem Steffen musstest du von Anfang an nicht erklären, wie man den Job machen muss.“ Er sei immer schon unternehmerisch unterwegs gewesen, habe parallel zur Singerei „viele andere Baustellen“ gehabt. > > Es ist jetzt kurz vor 23 Uhr, Haas wird hinter der Münchener Bühne verkabelt. Schnell filmt er noch einen Clip mit DJ Lollo, ein alter Wegbegleiter aus Franken. Wackels Erfolgsrezept? „Er hat immer den passenden Hit zur passenden Zeit gehabt“, sagt der DJ. Im Innenraum der Olympiahalle tanzen die Leute Discofox, auf den Rängen stehen Frauen mit blinkenden Kronen auf dem Kopf. > > Wackel spielt sechs Songs, danach verschwindet er zügig in einer schwarzen Limousine. Morgen früh geht es weiter nach Graubünden, zum Après-Ski. > > ## Die Ballermann-Ikone > > So selbstverständlich er heute zwischen Hüttengaudi, Oktoberfest, Karneval und Malle herumjettet: Es dauerte bis zum Durchbruch. „Jahrelang hab’ ich CDs verteilt, aber keiner wollte mich singen hören“, sagt Haas. „Es war wirklich schwierig.“ Jürgen Drews, Klaus & Klaus, sie alle sind damals noch omnipräsent. Als er 2000 mit seiner Frau Claudia in die Flitterwochen nach Mallorca fährt, öffnet gerade der „Megapark“, eine große Partylocation am Ballermann. > > Der Rückflug nach Nürnberg geht bald. Claudia überredet ihn, seine CD persönlich beim DJ abzugeben. „Er nahm sie in die Hand und meinte: Die ist gut, die habe ich schon gespielt. Soll ich dir mal unseren Manager vorstellen?“ > > Heute gibt es bei mir von null bis 20.000 Euro alles. Steffen HaasPartysänger > > Es ist das erste Malle-Engagement, von 2000 bis 2004 singt Wackel im „Megapark“. Danach wechselt er zu den großen Konkurrenzbetrieben in der Schinkenstraße, zu „Oberbayern“ und „Bierkönig“. 20 Jahre tritt er dort mittlerweile auf, jede Saison. > > Über seine Gagen hat Haas bisher nicht viel geredet. Für das Handelsblatt legt er erstmals detailliert seine Einnahmen offen: „Im Megapark bekam ich damals 400 Mark pro Auftritt, im Oberbayern lange Zeit 900 Euro pro Woche.“ Mit der Zeit wurde Wackel bekannter – und damit teurer. Vor zehn Jahren hatte er noch bis zu 200 Buchungen jährlich. „Da habe ich zwischen 1000 und 10.000 Euro pro Auftritt bekommen.“ > > Mittlerweile tritt er seltener auf – und kann noch höhere Gagen verlangen. „Heute gibt es bei mir von null bis 20.000 Euro alles“, sagt er. Er macht viele Charity-Auftritte, wo ihm nicht mal Hotel und Flüge bezahlt werden. Weil er Bock drauf hat – und es feiert, dass er bei einem Festival wie dem „Tomorrowland“ der einzige Schlagersänger ist. > > Und klar: Wenn der „Bierkönig“ ihn 50-mal pro Saison bucht, wird es natürlich günstiger. Pro Auftritt ist es heute ein „Betrag im einstelligen Tausenderbereich“. Früher hat er nur von der Singerei gelebt. „Heute sehe ich das eher als sehr gut bezahltes Hobby“, sagt Haas. > > Er spürt nicht mehr den Druck, jeden Sommer einen neuen Hit liefern zu müssen. Er liebt es noch immer, auf der Bühne zu stehen, das spürt man. Aber ihn reizen andere Dinge mehr: Aus dem Alleinunterhalter ist ein Multiunternehmer geworden. Das ganze Wackel-Universum habe mittlerweile einen Umsatz „von 2,5 bis drei Millionen Euro pro Jahr“. Die Auftritte machten noch 35 bis 40 Prozent aus. > > ## Der Unternehmer > > Es ist Mitte Mai, als Wackel alias Haas in seiner Heimat landet. Seit November war er nicht mehr in Mittelfranken. Am Abend spielt er auf einem Acker in Ebersbach-Kapsdorf bei einem Feuerwehrfest, einem Ort mitten im Nichts, westlich von Nürnberg. > > Neben dem weißen Zelt stehen Dixie-Klo und Baucontainer als spartanischer Backstagebereich. „Sie haben sich aber Mühe gegeben“, lobt Haas und greift immer wieder zum Obstteller. Eine Verwandte, die in der Gegend wohnt, kommt dazu, es gibt fränkisches Bier. Für Haas ist das hier alles wie ein Trip in die Vergangenheit. > > Als er auf die Bühne kommt und „Inselfieber“ anstimmt, seinen derzeit größten Malle-Ohrwurm, tanzen nur ein paar Hundert Leute. Aber wer da ist, kriegt eine gute Show geboten: Haas wirft T-Shirts in die betrunkene Menge, macht Selfies mit den Fans in der ersten Reihe, singt Klassiker wie „Schwarze Natascha“ und neue Songs wie „Die Nacht von Freitag auf Montag“. > > Ein paar Stunden vor seinem Auftritt schaut Haas im Gewerbegebiet in Baiersdorf vorbei, zehn Kilometer nördlich von Erlangen, wo seit 2010 die „Peter Wackel Partywelt“ steht, halb Fanshop, halb Museum. > > Es gibt hier T-Shirts mit Liedzeilen, alte CDs, Plakate. Dazu Vitrinen voller Erinnerungen: Konzertkarten, Fangeschenke, seine ersten Bühnensneakers. Im Lagerraum nebenan hängen alte Kostüme, die er schon mal aus alten Tischdecken schneidern ließ. > > Das Museum soll bleiben, den Shop will Haas schließen. „Es kommt einfach zu wenig Laufkundschaft, und heute bekommt man am Ballermann bei jedem Eintritt ein Shirt geschenkt.“ Die alten Merchandising-Produkte will er bei seiner Show in Köln auf Spendenbasis verteilen. Auch Partyreisen24, das hier ein Büro belegt, überlegt er an geeignete Nachfolger zu übergeben. > > Der Reiseveranstalter war vor 28 Jahren sein erstes Nebengeschäft; er bietet Skifahrten ins Zillertal, Bootstouren in Köln oder Fahrten zum Schlagermove an. 2009 kommt die erste Ferienvermietung auf Mallorca dazu, heute hat seine Firma „Sun Club Home“ eine Villa und eine Finca im Angebot. > > „Die Immobilien waren für mich immer ein großer Hebel“, sagt Haas. „Aber man muss sich auch was trauen.“ Auf Mallorca, wo er zeitweise mehr als 20 Objekte besaß, habe er „immer nur Ruinen und Problemgrundstücke gekauft“. Teilweise hätten sie sich dann im Wert „verdrei- bis verfünffacht“. > > Die Pandemie hat Haas noch mehr bestärkt, auf andere Geschäftszweige zu setzen. „Bei mir brachen durch Corona alle Auftritte weg, da fehlte plötzlich eine Million Euro.“ > > Aber er ist erfinderisch, bringt mit einem mallorquinischen Winzer den „Wackelwein“ heraus – die Sylter Sansibar kauft ihm einen ganzen Lkw ab. Bei Lidl liegt 2024 seine „Bierkönig-Bratwurst“ im Markt – die Werbung geht viral. > > Nils Brennecke kennt Haas schon seit 30 Jahren. Er hatte früher eine Marketingagentur, beriet auch den Sänger: „Ich habe in meiner Karriere beim Radio viele Leute aus dem Show- und Musikbiz kennengelernt“, sagt Brennecke. „Aber darunter war kein einziger Künstler, der gleichzeitig auch noch ein solch weitsichtiger Geschäftsmann ist wie Steffen.“ Wie er all seine Projekte parallel manage, „da kann man nur den Hut ziehen“. > > Lorenz Büffel, der seinen Ballermann-Durchbruch 2017 mit dem Song „Johnny Däpp“ hatte, bezeichnet Haas als „großes Vorbild“, „Urgestein unserer Szene“ und „sehr kollegial“. Er habe ihm als Newcomer von „der ersten Sekunde an Türen und Tore geöffnet“, ihn immer unterstützt. Nicht selbstverständlich an der Playa, die mitunter auch von Konkurrenz und Neid bestimmt ist. > > ## Zweitheimat Namibia > > Seit 2020 gibt es für Haas auch das Projekt Namibia: Er verliebt sich sofort in das Land. Es gibt hier eine große deutschsprachige Community, sie feiern sogar Karneval. Haas wird Mitglied im German Namibian Council, spendet 50.000 Euro für eine Schule. 2023 übernehmen seine Frau und er eine Lodge mit 100 Hektar Land in der Nähe von Windhoek, samt Giraffen und Oryxenherde. > > „Von der Lage ist das eine Perle, aber sie war in schlimmem Zustand“, sagt Haas. Sie renovieren, bauen eine neue Villa, mit Jacuzzi und Pool. Gerade entsteht ein Personalhaus mit sechs Schlafzimmern. Von 20 Prozent Auslastung haben sie die „Wackel Lodge“ auf heute 85 Prozent hochgeschraubt. Für den Kauf versilberte Haas zwei Objekte auf Mallorca. Mehr als vier Millionen Euro hat er schon in Afrika investiert. > > Er ist auch an einer Hühnerzucht beteiligt. Der Strom wird subventioniert, Straße und Wasser stellt der Staat zur Verfügung. „Die Farm machte 2025 rund 16 Prozent Rendite“, sagt Haas. „Das ist genial, so was bekommt man sonst nur mit Rüstungsaktien hin.“ Zuletzt hat er direkt neben der Lodge noch eine Klinik gekauft, will daraus ein „ganzheitliches Gesundheitszentrum“ machen, 16 Behandlungsräume, neun Zimmer. > > Afrika hat ihn „wirtschaftlich total überrascht, wir verdienen echt Geld in Namibia. Jeder Monat ist im Plus“, sagt Haas. Seine Frau Claudia kümmert sich um die Immobilienvermietungen. Afrika und Mallorca, das ist ihr Reich. 19 Jahre war sie seine Auftrittsbegleitung. „Immer die Frau von, das ist auf Dauer schwierig“, sagt Haas. „Es ist wichtig für ihr Selbstwertgefühl, aber auch für die Beziehung, dass sie etwas Eigenes mit einem tollen Team gefunden hat.“ Kinder haben die beiden nicht. > > ## Die Zukunft > > Ein Freitag Mitte Juni auf Mallorca, Haas kommt gerade von einem Ibiza-Trip. Vor seinem nächsten Auftritt genehmigt er sich ein Glas Weißwein an einer Rooftopbar. Im Hintergrund schimmert das Mittelmeer, davor sieht man den rechteckigen Bau des „Bierkönigs“. > > Mehrere Hallen, die ineinandergreifen, ein überdachtes Oktoberfest, mehr als 5000 Quadratmeter, 365 Tage im Jahr. Seit ein paar Wochen patrouilliert vorn auf der Playa eine Bimmelbahn – vollplakatiert mit Werbung für Wackels Jubiläumsfeier. Schon jetzt ist die Hälfte der Tickets verkauft. Der „Golden Circle“ vor der Bühne, 92 Euro: fast vergriffen. > > „Früher war der typische Ballermann-Gast ein recht einfacher“, sagt Haas. Fußballvereine, Junggesellenabschiede, das alles gibt es zwar immer noch. > > „Inzwischen kommt vom Studenten bis zum Milliardär aber jeder hierher.“ Auch seine Lieder sprechen ein breites Publikum an. „Bei mir feiern die 18-Jährigen, aber auch die 65-Jährigen“, sagt Wackel. > > Und gerade die Älteren bestellten schon mal eine Flasche Whisky oder Champagner. „Sie trinken einfach mehr, da geht’s rein um Umsatz“, sagt Haas. Auch ein Grund, warum der „Bierkönig“ gerade noch mal mit ihm verlängert hat. Zwei Jahre will er „noch Vollgas geben“. Ab 2028 will er die Auftritte „reduzieren“, sich mehr auf Highlightshows oder besondere Fan- und Spendenevents konzentrieren. > > Jetzt aber erst mal rüber in die Bierhalle, durch den Hintereingang, vorbei an Klimaanlage und Mülltonnen in einen Kellerraum. „Willkommen in meinem Wohnzimmer“, sagt Haas. Er nimmt sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Cashi, der Resident-DJ, zückt ein leeres Blatt Papier und kritzelt die Setlist drauf. Mehr als 200 Lieder hat Haas im Repertoire – aber die Fans wollen dann doch am liebsten immer die gleichen mitgrölen. > > „Sind viele aus dem Rheinland da“, sagt Cashi, „wir sollten Prinzessin spielen“, einen Karnevalssong. Neun Lieder plus Zugabe wird Wackel performen, 45 Minuten. Wie jeden Dienstag, wie jeden Freitag. Heute mit einer Premiere: „Ich bleib’ auf Malle“. > > ## Abkehr von Deutschland > > Es ist eine Hommage an die Insel, auf der er seit 26 Jahren jeden Sommer verbringt. Schon lange hat er keinen Wohnsitz mehr in Deutschland. Den Winter lebt er in Namibia, in der Schweiz, in Liechtenstein. „Ich bespiele geschäftlich vier Länder und bin da sehr glücklich mit.“ Vor Ort hat er jeweils Geschäftsführer für seine Aktivitäten installiert. Von der Bundesrepublik hat er sich aber fast komplett gelöst. > > Ich mache ein Nischenprodukt, das ist keine Michael-Jackson-Abba-Musik, die weltweit gehört wird. Steffen HaasPartysänger > > Steuern zahlt er trotzdem noch: Zwei seiner Unternehmen sind hier gemeldet. Darin bündelt er die deutschen Auftritte, seine Photovoltaikanlagen, den Fanshop und die Partyreisen. „Spätestens in fünf Jahren will ich diese Firmen aufgeben“, sagt Haas. Obendrein vermietet er noch Immobilien in Deutschland, nutzt diese aber nicht privat.
> > Entscheidungen oder Investments bereut er keine. Nur einmal, da hat er 10.000 Euro für eine CD-Pressung bezahlt. „Die Firma ging insolvent, die CDs kamen nie an.“ Rückblickend würde er sich schneller von „unangenehmen Situationen und Menschen trennen“. Von Kontakten, mit denen er geschäftlich verbunden blieb, aber „eigentlich nichts zu tun hatte“. > > Etwas ungläubig schaut er mittlerweile auch auf die Trends der Branche, die ihn reich gemacht hat. Etwa die Abhängigkeit vieler Künstler von Streamingdiensten. Für ihn ist das irrelevant: „Ich mache ein Nischenprodukt, das ist keine Michael-Jackson-Abba-Musik, die weltweit gehört wird.“ Pro eine Million Streams bekomme er rund 2000 Euro. „Höchstens nach vielen Jahren kommt ein Lied mal in solche Sphären.“ > > Und nun auch noch KI: Gerade sprächen große Musiklabels wie Universal alle Künstler an, um ihre Stimmen für generative KI-Tools nutzen zu können. „Ich finde das Wahnsinn“, sagt Haas. Auch am Ballermann vermutet er immer mehr KI-generierte Hits. „Ich nutze das beim Songschreiben nicht“, sagt er. Er habe sich immer ein Thema überlegt, gern mit einer Flasche Wein dabei – „dann kam der Text fast von selbst“.

handelsblatt.com
u/convex_dude — 1 day ago
▲ 379 r/Finanzen

Haushaltsentwurf: Klingbeil plant mit 839 Milliarden Euro neuen Schulden bis 2030

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> # Klingbeil plant mit 839 Milliarden Euro neuen Schulden bis 2030 > > Von Manfred Schäfers > 03.07.2026, 20:03Lesezeit: 3 Min. > > Der Bundesfinanzminister rechnet nicht nur im kommenden Jahr mit einer Nettokreditaufnahme von mehr als 200 Milliarden Euro. Der Preis des wachsenden Schuldenberges: Immer höheres Zinsausgaben. > > Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) dehnt die Neuverschuldung immer weiter aus. Er rechnet jetzt für das kommende Jahr mit einer Nettokreditaufnahme von insgesamt 203,7 Milliarden Euro. Davon entfallen 118,7 Milliarden Euro auf den Kernhaushalt. Knapp 55 Milliarden Euro nimmt der SPD-Politiker über das Sondervermögen für Investitionen in die Infrastruktur und Klimaneutralität auf. Außerdem nutzt er zum letzten Mal den Nebenhaushalt für die Bundeswehr (30 Milliarden Euro). Die Zahlen finden sich in der Kabinettsvorlage des Finanzministers. Kommenden Montag will die Bundesregierung den Entwurf für den Haushalt des nächsten Jahres sowie die Finanzplanung bis Ende des Jahrzehnts beschließen. > > Die Neuverschuldung jenseits der 200-Milliarden-Euro-Schwelle ist kein Ausreißer, sondern wird bei Klingbeil zum Normalfall. Bis zum Jahr 2030 wird sie durchgängig auf diesem Niveau verharren – mit einem Ausreißer nach oben Endes des Jahrzehnts, dann kalkuliert der SPD-Politiker sogar mit fast 220 Milliarden Euro neuen Schulden. > > Ungeachtet der in dieser Höhe über so einen langen Zeitraum noch nie gesehenen Neuverschuldung sind noch ungeklärte Lücken zwischen Einnahmen und Ausgaben in der Finanzplanung. Klingbeil nennt das „Handlungsbedarf“. In der Kabinettsvorlage rühmt er sich, dass es gelungen sei, diesen für das Jahr 2027 vollständig aufzulösen. Auch werde er bis 2030 gegenüber der bisherigen Finanzplanung erheblich reduziert. „Für das Haushaltsjahr 2028 sinkt der Handlungsbedarf von rund 64 Milliarden Euro auf 22 Milliarden Euro, 2029 von rund 74 Milliarden Euro auf 38 Milliarden Euro, heißt es. „Im Haushaltsjahr 2030 beläuft sich der Handlungsbedarf auf 47 Milliarden Euro.“ > > ## Der Verkehrsetat sinkt > > Ursprünglich wollte der Finanzminister die Rücklage von gut zehn Milliarden Euro 2027 so weit wie möglich schonen, um später – wenn die Probleme im Haushalt noch größer sind, mehr Spielraum zu haben. Das hat er nicht geschafft. Dennoch zeigt er sich zufrieden: „Mit rund vier Milliarden Euro ist es der Bundesregierung gelungen, einen signifikanten Teil der noch zur Verfügung stehenden Rücklage für das Haushaltsjahr 2028 zu schonen“, schreibt er den Kabinettskollegen. > > Im Kernhaushalt plant Klingbeil nunmehr mit Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro — das sind gut 30 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr vorgesehen sind. Hinzu kommen die mit Krediten finanzierten Ausgaben der Sondervermögen. Alles in allem soll also der Bund mehr als 640 Milliarden Euro ausgeben können. Die Investitionsausgaben beziffert er (einschließlich der Sondertöpfe) auf 117,5 Milliarden Euro. In den Folgejahren bewegen sie sich ebenfalls in der Größenordnung von 120 Milliarden Euro. > > Größter Einzelplan ist einmal mehr der von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Die SPD-Politikerin ist für fast 201,5 Milliarden Euro verantwortlich. Es folgt das Verteidigungsministerium mit großem Abstand. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) soll dank der Bereichsausnahme für sichereitsrelevante Ausgaben von der Schuldenregel allein im Kernhaushalt über knapp 110 Milliarden Euro verfügen können. > > Der Verkehrsetat sinkt dort hingegen. Für Patrick Schnieder (CDU) sind nach 27,9 Milliarden Euro in diesem Jahr nunmehr 26,5 Milliarden Euro vorgesehen. Der Einzelplan von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sinkt um fast 600 Millionen Euro und damit deutlich unter die 10-Milliarden-Euro-Schwelle, über der er dieses Jahr noch knapp liegt. Insgesamt sind nach der Kabinettvorlage 18,1 Milliarden Euro an Ausgaben für arme Länder eingeplant, Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von ODA-Mitteln. > > Die wachsende Schuldenlast und das im Vergleich zum vergangenen Jahrzehnt deutlich erhöhte Zinsniveau machen sich zunehmend im Haushalt bemerkbar. Für die Bundesschuld sind nächstes Jahr 10 Milliarden Euro mehr als dieses Jahr eingeplant, nämlich 43,6 Milliarden Euro. In den Folgejahren steigt die Last aus den alten Krediten noch schneller in die Höhe – bis auf gut 82 Milliarden Euro im Jahr 2030. Zum Vergleich: 2021 betrugen die Zinsausgaben des Bundes gerade einmal 4 Milliarden Euro. > > Den Bundeshaushalt belastet im nächsten Jahr das hohe Defizit bei der Bundesagentur für Arbeit. In der Vorlage heißt es, die Bundesagentur werde ihren Haushalt 2027 nur mit Liquiditätshilfen des Bundes in Form eines überjährigen Darlehens ausgleichen können. „Hierfür werden 5,2 Milliarden Euro veranschlagt.“ > Kritik an dem Finanzplan kommt von der Opposition. Es dränge sich die Frage auf, ob Klingbeil noch die Kontrolle über den Haushalt habe, sagte der Grünen-Politiker Sebastian Schäfer der Deutschen Presse-Agentur. „Die Ministerien sollen vage Effizienzgewinne liefern, die Rücklage wird entgegen aller Zusagen geplündert, Investitionen werden künstlich hochgerechnet, und der angekündigte Konsolidierungsbeitrag bleibt bis heute eine Luftbuchung ohne konkrete Deckung“, meinte er.

faz.net
u/convex_dude — 2 days ago
▲ 292 r/Finanzen

Steuern, Rente, Krankschreibung – lesen Sie hier das Dokument mit allen Maßnahmen von Schwarz-Rot

Hier das Originaldokument mit allen Maßnahmen

> Die Spitzen von Union und SPD haben sich nach langem Ringen im Koalitionsausschuss auf ein Reformpaket für wirtschaftliches Wachstum und soziale Sicherheit verständigt. „Wir sorgen für die Entlastung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und der Unternehmen, indem wir die Steuern senken und die Bürokratie zurückbauen“, lobte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Wir haben jetzt das erste Reformjahr hinter uns. Von Beginn an haben wir uns eine Agenda gesetzt, die nur einem Ziel dient: Wir wollen Deutschland wieder flottkriegen. Jetzt ist klar, dass das möglich ist.“ > > Die Einigungen erfolgten in den Bereichen Rente, Steuer, Arbeitsmarkt, Wachstum und Gerechtigkeit sowie Bürokratierückbau. > > Vereinbart wurden unter anderem eine Reform der Einkommensteuer mit einem Entlastungsvolumen von zehn Milliarden Euro, die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Umsetzung der Beschlüsse der Rentenkommission bis Ende 2026.

welt.de
u/convex_dude — 4 days ago

Gehaltsplus von bis zu 2800 Euro: So viel mehr Geld sollen Brandenburgs Beamte künftig verdienen – die neuen Besoldungstabellen

TLDR: Hier die neuen Besoldungstabellen. Kompletter Artikel ohne Paywall:

> # Gehaltsplus von bis zu 2800 Euro: So viel mehr Geld sollen Brandenburgs Beamte künftig verdienen – die neuen Besoldungstabellen > > Brandenburg setzt das sogenannte Karlsruhe-Urteil um und erhöht das Beamtensalär drastisch. Ob Polizist oder Lehrer, Förster oder Richter, Professor oder Staatssekretär: Wie viel Geld jeder Beamte ab Dezember bekommen soll – ein Überblick. > > Von Thorsten Metzner, Stand: heute, 12:37 Uhr > > Eine solche Gehaltserhöhung auf einen Schlag gab es in der Geschichte des Landes noch nie. Brandenburg setzt als eines der ersten Bundesländer das Karlsruhe-Urteil um, um die über Jahrzehnte verfassungswidrig zu geringe Bezahlung der Beamten zu korrigieren. Nach der Einigung von Finanzminister Daniel Keller (SPD) mit den Gewerkschaften, die am Mittwoch per Unterschrift besiegelt wurde und mit der Einführung der 41-Stunden-Woche (bisher 40) verbunden ist, liegt die künftige Besoldungstabelle für Brandenburgs 30.380 Landesbeamte vor. > > Es ist ein Systemwechsel, den Karlsruhe erzwingt. Das Bundesverfassungsgericht schreibt Abstände zur Grundsicherung, also zum Sozialhilfeniveau, auch zwischen den Besoldungsgruppen vor. Das Besoldungsgesetz, dessen Entwurf die Regierung jetzt vorlegt, soll im Herbst im Landtag beraten und beschlossen werden. > > ## Nachzahlungen: ab wann, wie viel? Plus: die neuen Besoldungstabellen zum Download > > Wenn das Parlament diesen Zeitplan umsetzt, könnten die neuen Bezüge ab 1. Dezember 2026 ausgezahlt werden – und zwar rückwirkend zum 1. Januar 2026. Das heißt, dass es Nachzahlungen für elf Monate geben wird, was brutto zwischen 6000 Euro für niedrige Besoldungen bis zu 25.000 Euro für höher dotierte Posten ausmacht. > > Bei den Erhöhungen für alle Beamten im Land geht es stets allein um die Grundbesoldung, Zuschläge für Ehe, Kinder oder bestimmte Stellen kommen wie bisher dazu. > > Ob Lehrer oder Polizist, Finanzbeamter oder Förster, Richter, Staatsanwalt oder Rechnungsprüfer, Staatssekretär oder Oberbürgermeister: Was jeder künftig verdient, wer am meisten profitiert. Ein Überblick. > > ## Kriminalkommissar: mindestens 524 Euro mehr > > In der Brandenburger Polizei versehen 8500 Beamte ihren Dienst. Im mittleren Dienst (Polizeimeister, Polizeiobermeister, Polizeihauptmeister) machen die Erhöhungen monatlich eine Spanne von 449 Euro mehr (A7, Einstieg, bisher 2891 Euro, künftig 3340 Euro) bis zu 663 Euro für Längergediente aus. Im gehobenen Dienst belaufen sich die Erhöhungen für die ersten Dienstjahre (A9 und A10) auf 524,89 bis 765,39 Euro. > > Die Kommissare verschiedener Dienstgrade im gehobenen Dienst (A10 bis A13) bekommen je nach Dienstzeit zwischen 583,20 Euro und 1086,56 Euro mehr Grundsold. > > Die Regelungen sehen vor, dass Polizisten im Wach- und Wechseldienst nicht länger arbeiten sollen, es dort wie für Justizvollzugsbeamte bei der 40-Stunden-Woche bleibt. > > ## Lehrer: 1036,47 Euro mehr > > Brandenburgs verbeamtete Lehrer – das sind rund 16.000 Pädagogen – bekommen pro Monat zwischen 800 und 1100 Euro mehr, ein Plus von etwa 17 Prozent. > > Ein Beispiel: Ein Lehrer an einer Gesamtschule oder an einem Gymnasium, klassischerweise meist mit der Standardbesoldung A13 eingestuft, bekommt nach 20 Berufsjahren in der Stufe 8 bisher 5658,44 Euro – künftig sind es 6544,59 Euro, also 886,15 Euro mehr. Wer länger im Dienst ist, in den Verweil-Stufen 9 bis 12, profitiert stärker – da sind es monatlich zwischen 986,35 und 1086,56 Euro mehr. > > Die A13 ist auch für andere Bereiche im Landesdienst verbreitet. Für die Lehrer, deren Arbeitszeit in diesem Jahr von 27 Pflicht-Unterrichtsstunden auf 28 Stunden erhöht wurde, hat die für alle Beamten beschlossene 41-Stunden-Woche keine praktischen Auswirkungen. Es gibt keine erneute Erhöhung der Pflichstunden. > > ## Referatsleiter: 1294 Euro mehr > > In der Landesregierung, in den Ministerien gibt es rund 150 Referatsleiter, die nach A16 besoldet werden. In der niedrigsten Berufsjahre-Stufe (A7) macht das bisher 7213,36 Euro pro Monat, nach der Erhöhung sind es 8507,64 Euro, also auf einen Schlag 1294,28 Euro mehr. Wer auf diesem Posten schon länger arbeitet, in den höheren Stufen von 9 bis 12, erhält sogar monatlich Erhöhungen von 1298,33 bis 1554,44 Euro. In der höchsten Gruppe, bisher mit 8663,28 Euro vergütet, sind das dann 10.217,72 Euro pro Monat. > > Bei Sachbearbeitern, in der Regel A10 eingruppiert, sind es zwischen 580 Euro und 765 Euro mehr im Monat. > > In der Landesregierung gibt es rund 50 Abteilungsleiter, die nach der höheren B-Besoldung entlohnt werden, zwischen B6 und B9 je nach Größe und Bedeutung der Abteilung. Ein Beispiel: Ein Abteilungsleiter in B6, der bisher 11.339,81 Euro verdient, bekommt künftig 13.390 Euro. > > ## Förster: 865,78 Euro mehr > > Brandenburg ist ein waldreiches Bundesland mit rund 1000 Förstern im Landesdienst, die ein Grundgehalt (A10/A11) – zwischen 3497,41 und 4588,66 Euro – haben, je nach Stufe und Berufserfahrung. Ein Revierförster (A11) in der Stufe 9, der bisher 5107,84 Euro brutto verdiente, wird künftig 5973,62 Euro verdienen – 865,78 Euro mehr. > > Ähnlich ist es bei Finanzbeamten der Fall. Ein Finanzbeamter im gehobenen Dienst (A11) hat in der Erfahrungsstufe 11 bisher ein Grundgehalt von 4993,99 Euro – und künftig von 5816,60 Euro – also 822,61 Euro mehr. > > ## Richter und Staatsanwälte: 944 Euro mehr > > In Brandenburgs Justiz, zu der Gerichte, Staatsanwaltschaften und der Strafvollzug zählen, dienen rund 500 Beamte. Für Richter und Staatsanwälte gilt die gesonderte R-Besoldungsordnung. > > Das heißt: Staatsanwälte und Richter etwa an Amts- und Landgerichten sind in der Gruppe R1 eingestuft, mit einem Grundgehalt von 5298,39 (Einstieg Stufe 2), was nun auf 6242,56 steigt (plus 944,17 Euro). In der höchsten Stufe 11 nach vielen Dienstjahren steigt das bisherige Grundgehalt für Richter und Staatsanwälte von 7985,08 Euro auf 9408,08 Euro (plus 1422 Euro). > > Für Oberstaatsanwälte und Vorsitzende Richter, Besoldungsgruppe R2 mit Gehältern von bisher 6610 bis 8699 Euro, steigt das Salär auf die Spanne von 7796,50 bis 10.261 Euro. Es sind Erhöhungen um 1186,50 Euro bis 1561,50 Euro. > > ## Professoren, Pensionäre und kommunale Wahlbeamte > > Für Hochschulprofessoren, die verbeamtet sind, gilt die W-Besoldungsverordnung. Ein Professor in der Stufe W1 verdient künftig 6339,85 Euro statt bisher 5445,67. In der höchsten Stufe W3 sind es dann 8779,56 Euro – das sind 372,44 Euro mehr als bisher. > > Wichtig: Von den Besoldungserhöhungen profitieren nicht nur die aktiven Beamten, sondern auch die Pensionäre – eingeschlossen Minister und Staatssekretäre im Ruhestand. > > Auch Kommunalbeamte profitieren, also Oberbürgermeister der kreisfreien Städte, die vierzehn Landräte und Bürgermeister im Land, Beigeordnete ebenso. Die in den Körperschaften bisher nicht geplante Gehaltserhöhung – inklusive der Nachzahlungen für 2026 – dürfte für angespannte Kommunalhaushalte ein Problem werden. > > ## Staatssekretär: 2881 Euro mehr > > Es gilt eine Faustregel und ist schwer zu vermitteln: Hochverdiener im Landesdienst profitieren infolge des Urteils am meisten. Je höher jemand in der Hierarchie ist, umso größer ist die Erhöhung: Es sind Posten, bei denen über die Jahre, das ist der Hintergrund, Anpassungen der Besoldung im Vergleich deutlich geringer ausgefallen sind als bei unteren Gruppen. > > Deutlich wird das bei den Staatssekretären. In der aktuellen rot-schwarzen Regierung gibt es elf aktive Staatssekretäre, die nach B 10 besoldet werden. Sie verdienen bisher 15.617 Euro im Monat – das steigt jetzt auf 18.498 Euro im Monat. Das sind im Monat 2881 Euro mehr, ein Gehaltsplus von 18,45 Prozent. Allein die Erhöhung macht so viel aus wie andere im Land verdienen. Allein die Nachzahlung für das laufende Jahr macht für einen Staatssekretär, eine Staatssekretärin rund 30.000 Euro aus. > > Die neue Brandenburg-Besoldungstabelle ist der Ausgangspunkt für die Bezahlung der Landesdiener in den Folgejahren, die künftig – ähnlich wie bei Landtagsabgeordneten – automatisch an die Entwicklung der Nominallöhne im Land gekoppelt wird.

tagesspiegel.de
u/convex_dude — 5 days ago
▲ 340 r/Finanzen

Vor Koalitionsausschuss: Kündigungsschutz nur bis 100.000 Euro im Jahr

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> # Vor Koalitionsausschuss: Kündigungsschutz nur bis 100.000 Euro im Jahr > > Von Julia Löhr, Johannes Pennekamp, 30.06.2026, 22:13 > > Wenn am Mittwochnachmittag der Koalitionsausschuss im Kanzleramt zusammenkommt, richten sich die Blicke vor allem auf die Frage, ob sich Union und SPD auf eine Steuerreform einigen können und, falls ja, wer von dieser profitiert und wer verliert. Mindestens ebenso wichtig sind für Teile der Wirtschaft aber die Punkte, die unter dem Schlagwort „Arbeitsmarkt“ auf der Agenda stehen. > > Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Start-ups-Verbands, erhöhte vor dem entscheidenden Treffen vor der Sommerpause noch einmal den Druck. „Die Lockerung des Kündigungsschutzes muss das Topthema dieses Koalitionsausschusses sein“, sagte sie der F.A.Z. Die Studienlage sei eindeutig: „Länder mit einem flexiblen Arbeitsmarkt sind innovativer. Und ohne Innovation gibt es kein Wachstum.“ > > ## Nur 0,3 Prozent Wachstum seit 2019 > > Wachstum ist das erklärte Ziel von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und auch von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Die deutsche Wirtschaftsleistung ist seit 2019 unter dem Strich nur um 0,3 Prozent gewachsen. Länder wie Frankreich, Italien und Spanien kommen auf mehr als fünf Prozent, die Vereinigten Staaten gar auf 15 Prozent. Die CDU will jedoch vor allem die Unternehmen entlasten, die SPD die Verbraucher. Noch ist unklar, wie aus den unterschiedlichen Ansätzen eine gemeinsame Linie werden soll. > > Flexiblere Regeln im Arbeitsrecht haben den Charme, dass der Finanzminister dafür anders als für eine Steuerreform kein Geld im Haushalt beschaffen muss. Allerdings will der linke Flügel der SPD nach den für ihn unerfreulichen Vorschlägen der Rentenkommission nicht noch mehr seiner Positionen aufgeben. Am Dienstag warnten mehrere Abgeordnete vor „Angriffen auf die Beschäftigten“ bei den Themen Streikrecht, Kündigungsschutz und Karenztage im Krankheitsfall. Sie wollen weiter auf „organisierte Solidarität“ statt mehr private Vorsorge setzen. > > ## „Die Kosten des Scheiterns brechen vielen das Genick“ > > Der Deutsche Start-up-Verband fordert dagegen, für junge Unternehmen im Arbeitsrecht weitreichende Lockerungen zu verankern. „Die Kosten des Scheiterns brechen vielen Start-ups das Genick“, sagte Pausder. „Der Kündigungsschutz ist das Hindernis Nummer eins für die Gründerszene. Fast jeder Fall landet vor dem Arbeitsgericht. Dort wartet man nicht selten acht Monate auf einen Termin für einen Vergleich. Das lähmt das ganze Unternehmen.“ > > Was Pausder, die selbst mehrere Start-ups gegründet hat, unter ihren Kollegen beobachtet, besorgt sie: „Etliche deutsche Unternehmen siedeln ihre Softwareteams aktuell in der Schweiz an, obwohl die Lohnkosten dort bis zu 70 Prozent höher sind. Sie nehmen das in Kauf, weil sie die Flexibilität im Kündigungsschutz brauchen.“ > > ## Letzte Reform 2004 > > Das Kündigungsschutzgesetz wurde zuletzt im Jahr 2004 unter der damaligen rot-grünen Regierung von Gerhard Schröder gelockert. Seitdem greift es nicht schon bei Betrieben mit mehr fünf Mitarbeitern, sondern erst bei mehr als zehn. Arbeitgeber müssen Kündigungen entweder personen-, verhaltens- oder betriebsbedingt begründen. Die Zahl der Streitfälle vor Arbeitsgerichten ist im Zuge der Wirtschaftskrise zuletzt deutlich gestiegen. > > Die Start-up-Szene fordert deshalb eine „Gründerschutzzone“. In den ersten vier Jahren nach der Gründung eines Unternehmens soll es komplett vom Kündigungsschutz befreit sein. Danach soll es Ausnahmen für Spitzenverdiener geben. Pausder schwebt dafür ein „garden leave“ nach britischem Vorbild vor: „Kein Kündigungsschutz, aber sechs Monatsgehälter Abfindung.“ Läge die Grenze bei einem Jahresgehalt von 150.000 Euro, würde das nach Schätzung des Verbands für bis zu zehn Prozent der Arbeitsverhältnisse in Start-ups gelten. „Besser wären 100.000 Euro, dann wären rund 25 bis 30 Prozent der Arbeitsverhältnisse betroffen.“ > > ## Vorbild Dänemark > > Die CDU hatte zu Beginn des Jahres für das dänische Modell geworben, das weniger Kündigungsschutz mit einer höheren sozialen Absicherung kombiniert. Die Idee: Gutverdiener sollten mit ihren Arbeitgebern individuell vereinbaren können, ob sie für mehr Geld auf Sicherheit verzichten. Allerdings war dies parteiintern umstritten, auch weil viele CDU-Anhänger mit guten Einkommen die Sicherheit des deutschen Arbeitsrechts durchaus schätzen. > > Namhafte deutsche Ökonomen sehen den Kündigungsschutz in seiner jetzigen Form als Hemmschuh für eine dynamischere Wirtschaftsentwicklung. Moritz Schularick, der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, hatte das Modell schon im Februar infrage gestellt: „Warum halten wir am Kündigungsschutz für Leute fest, die mehr als 100.000 Euro im Jahr verdienen?“ Ein paternalistischer Schutzgedanke werde ins 21. Jahrhundert weitergetragen, obwohl er schon Ende des 20. Jahrhunderts überholt gewesen sei. > > ## Biografien schützen, nicht Arbeitsplätze > > In diesem Monat legten dann der an der Princeton University forschende Arbeitsmarktökonom Simon Jäger und mehrere Ko-Autoren in einem gemeinsamen Beitrag nach. Der deutsche Kündigungsschutz habe einen Konstruktionsfehler. „Er schützt den Arbeitsplatz, nicht die Erwerbsbiografie“, schreiben die Ökonomen. > > In einem wirtschaftlich relativ stabilen Umfeld habe der deutsche Kündigungsschutz zwar erfolgreich funktioniert. In einer Zeit technologischer und geopolitischer Umbrüche sei es aber entscheidend, dass Beschäftigte leicht zu produktiveren und innovativeren Arbeitgebern wechseln können. Genau das sei in Deutschland ein Problem: Beschäftigte wechselten nur etwa halb so oft den Arbeitgeber wie in Schweden oder der Schweiz. Diese fehlende Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt gilt als ein wichtiger Grund dafür, dass die Produktivität in den Vereinigten Staaten seit Mitte der 1990er Jahre viel stärker gestiegen ist als in der EU. > > Jäger und seine Ko-Autorin, die Berliner Ökonomin Manuela Barišić, wollen den Kündigungsschutz nicht ersatzlos streichen. Sie empfehlen eine Öffnung oberhalb einer Einkommensgrenze von 77.000 Euro, was der Versicherungspflichtgrenze entspricht. Oberhalb dieser Schwelle sollen Beschäftigte wählen können: Entweder sie schließen wie bisher einen Vertrag mit Kündigungsschutz ab, oder sie wählen einen Vertrag ohne Kündigungsschutz. In diesem Vertrag müsse dann aber ein höherer Lohn angeboten werden; die Ökonomen sprechen von einer Flexibilitätsprämie. > > Die Forderung nach einer Lockerung nur für Gutverdiener ist politisch realistischer als eine grundsätzliche Abschaffung. Ökonom Jäger hält die Grenze aber auch ökonomisch für sinnvoll, unter anderem weil Hochverdiener einen Verdienstausfall besser abfedern können. Zudem sei es wichtig, dass gerade besonders produktiv arbeitende Menschen nicht an der „falschen“ Stelle verharrten. „Es entstehen erhebliche Kosten, wenn hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht dort arbeiten, wo sie ihr Potential am besten entfalten können“, sagt Jäger.

faz.net
u/convex_dude — 5 days ago

Kommentar - Zurückhaltung hätte Nagelsmann besser gestanden

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> # Zurückhaltung hätte Nagelsmann besser gestanden > > Eine Stilkritik zu den Zukunftsplänen des Bundestrainers > > Julian Nagelsmann hat sein Ziel, Weltmeister werden zu wollen, krachend verfehlt. Und sich danach in einem Moment positioniert, da Zurückhaltung der bessere Ratgeber gewesen wäre. Ein Kommentar von kicker-Reporter Sebastian Wolff. > > Dass die Zukunftsfrage nach einer derart krachenden Pleite, einem Aus im Sechzehntelfinale gegen den klaren Außenseiter Paraguay, gestellt würde, war klar. Auch Julian Nagelsmann hätte diese antizipieren können. Oder hat der Bundestrainer dies sogar getan und den Moment ganz bewusst genutzt, um sich zu positionieren? > > Ja, Reporter wollen am liebsten immer Antworten. Und ja, wenn Fragen dann umdribbelt werden wie ein Gegenspieler, ist das Gemurre darüber nicht selten groß und die Forderung nach Klartext laut. Nagelsmann hat noch an Ort und Stelle in Boston nach dem verlorenen Elfmeter-Drama gegen Paraguay bei MagentaTV auf die Frage nach möglichen Konsequenzen aus dem Desaster erklärt: "Ich möchte weitermachen. Ich stehe bereit. Wenn der DFB das möchte, bereite ich sehr gerne die EM und die Nations League vor. Wenn sie nicht möchten, dann müssen sie es mir sagen." > > ## Es braucht jetzt keine Eile, sondern Demut vor dem Amt > > Diese Aussage ist grundsätzlich nicht verwerflich, je nach Auslegung sicher auch professionell. Und doch hätte es dem Bundestrainer in einer erneuten schweren Stunde für den deutschen Fußball auch gut zu Gesicht gestanden, einfach mal nicht über sich zu reden. Der Verweis darauf, dass Deutschland gerade zum dritten Mal die Runde der letzten 16 Mannschaften bei einer WM verpasst hat und schmachvoll ausgeschieden ist, verbunden mit dem Hinweis, jetzt sei nicht der richtige Moment, um über Einzelschicksale zu sprechen, wäre kein Ausweichmanöver gewesen. > > Nagelsmann hätte mit einer zurückhaltenden Reaktion auf die Zukunftsfrage keine Schwäche gezeigt, sondern vielmehr auch Demut vor dem großen Amt. Denn der DFB benötigt nun in erster Linie nicht einen Bundestrainer, der zügig seine Bereitschaft zum Weitermachen aussendet, sondern Sorgfalt bei der Beantwortung der Frage, was es nun tatsächlich braucht! > > ## Eindeutig abgehängt von der Weltspitze > > Das frühe Aus ist Nagelsmann schon deshalb nicht allein anzulasten, weil dies nun zum dritten Mal in Folge erfolgt ist. Der deutsche Fußball ist eindeutig abgehängt von der Weltspitze. Dennoch muss die Frage, ob Nagelsmann bei dem nun nötigen Neuaufbau der Richtige ist, oder ob dieser auf der Trainerbank begonnen werden muss, mit Bedacht beantwortet werden - und nicht unmittelbar nach einem neuerlichen Tiefpunkt. > > Nach dem Aus bei der Heim-EM hat Nagelsmann aus der Emotion heraus angekündigt, jetzt müssten alle zwei Jahre warten, ehe sie Weltmeister werden könnten. Das Ergebnis dieses verbalen Schnellschusses war eine Erwartungshaltung, der diese Mannschaft nie und nimmer gerecht werden konnte. Seine neuerliche Blitz-Aussage nach einer Enttäuschung ist weniger ein wichtiges Bekenntnis, sondern vielmehr der Beleg, dass er nicht entscheidend dazu gelernt hat.

kicker.de
u/convex_dude — 6 days ago

Kommentar - Ein Armutszeugnis für Fußball-Deutschland - und Nagelsmann

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> # Ein Armutszeugnis für Fußball-Deutschland - und Nagelsmann > > Kommentar zum Ausscheiden der deutschen Mannschaft > > Die deutsche Nationalmannschaft verlässt als die bislang größte Turnierenttäuschung schon nach der ersten K.-o.-Runde die WM-Bühne. Julian Nagelsmann hat es nicht geschafft, die Stärken seines Teams zu bündeln und zu fördern. Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Oliver Hartmann. > > Im Laufschritt eilte Julian Nagelsmann nach dem Halbzeitpfiff in die Umkleidekabine, und er formulierte vor dem Elfmeterschießen im Kreis eine letzte emotionale Ansprache. Doch seine Worte verhallten im Nichts. > > Deutschland verlässt nach einem Elfmeterkrimi gegen Paraguay schon nach der ersten K.-o.-Runde die WM-Bühne als die bislang größte Turnier-Enttäuschung - nach einer Darbietung, die allein kämpferisch ansprechend war, fußballerisch aber gegen einen limitierten Gegner einem Offenbarungseid glich. Die drei halbherzig und ohne Überzeugung getretenen Elfmeter-Fahrkarten von Kai Havertz, Nick Woltemade und Jonathan Tah stehen sinnbildlich für das insgesamt sehr enttäuschende Auftreten der deutschen Mannschaft bei diesem Mammut-Turnier. > > Schon im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador, die Nummer 24 der Weltrangliste, war kein Matchplan erkennbar, schon da versank das deutsche Spiel in der zweiten Halbzeit in einem ideenlosen Anrennen. Wer glaubte, es könne nur noch besser werden, der wurde gegen die noch neun Plätze schlechter eingestuften Defensiv-Arbeiter aus Paraguay eines Schlimmeren belehrt. Das Bemühen war unverkennbar, die Mittel aber blieben untauglich. > > Es wäre zu billig, den marokkanischen Schiedsrichter Jalal Jayed für das Aus verantwortlich zu machen, weil er dem Kopfballtor von Tah aufgrund des Einsteigens von Waldemar Anton in der Verlängerung die Anerkennung versagte. Eine Fehlentscheidung, ja, aber die Niederlage hat sich die deutsche Mannschaft schon in erster Linie selbst zuzuschreiben. > > Zum dritten Mal in Folge verpasst die DFB-Auswahl das Achtelfinale einer WM, das ist ein Armutszeugnis und ein Beleg, dass sich Deutschland im Fußball mehr und mehr von der Weltspitze entfernt. Die Gründe sind vielschichtig, und man würde es sich viel zu einfach machen, wenn man allein Julian Nagelsmann für das Scheitern verantwortlich machen würde. Ein Armutszeugnis ist dieses frühe Aus freilich auch für den Bundestrainer, der es mit seinen unverständlichen Personal- und Strategieentscheidungen versäumt hat, das Bestmögliche aus den verfügbaren Möglichkeiten herauszuholen. > > Diese Möglichkeiten, und das ist das eigentliche Problem des deutschen Fußballs, waren viel zu begrenzt, um ernsthaft um den Titel mitspielen zu können. Während sich die Auswahltrainer von Frankreich, England und Spanien aus schier unerschöpflichen Reservoirs bedienen und Top-Stars wie Eduardo Camavinga, Christopher Nkunku, Randal Kolo Muani (alle Frankreich), Phil Foden, Trent Alexander-Arnold, Cole Palmer (alle England) oder Real-Verteidiger Dean Huijsen (Spanien) zuhause lassen konnten, war Nagelsmanns Kader weder in der Spitze noch in der Breite annähernd so gut besetzt. > > ## Die trostlosen Darbietungen resultieren aus den Fehleinschätzungen des Bundestrainers > > Gerade deshalb bedeutete jeder Ausfall eine besondere Schwächung, sei es die schwere Adduktoren-Verletzung von Serge Gnabry im April, der bittere Ausfall von Lennart Karl während der Vorbereitung in Chicago oder das Turnier-Aus von Verteidiger Nico Schlotterbeck gegen die Elfenbeinküste. Und gerade deshalb fiel auch besonders ins Gewicht, dass die offensiven Hoffnungsträger Florian Wirtz, Kai Havertz und Jamal Musiala kollektiv hinter den - auch eigenen - Erwartungen zurückgeblieben sind. > > Als ernsthafter Titelanwärter konnte Deutschland deshalb bei dieser Mammut-WM nicht gelten, die fußballerisch trostlosen Darbietungen gegen Ecuador und Paraguay freilich haben in erster Linie nichts mit der Spielerdecke zu tun, sondern mit den Fehleinschätzungen des Bundestrainers. Nagelsmann hat es nicht geschafft, die vorhandenen Ressourcen so zu bündeln und einzusetzen, dass die bestmögliche Formation auf dem Feld bestmögliche Leistungen bringen kann. > > Seine Überzeugung, mit Torwart-Oldie Manuel Neuer einen routinierten Matchwinner für die Nationalelf zu reaktivieren, erwies sich - nicht unerwartet - als Fehleinschätzung - auch wenn der Keeper im Elfmeterschießen gegen Paraguay einen Versuch abwehren konnte. Stur hielt er auch bis in die Schlussphase des Sechzehntelfinals an Joshua Kimmichs Versetzung in den rechten Abwehrverbund fest, obwohl mit jedem Spiel offensichtlicher wurde, dass der Kapitän im Mittelfeldzentrum viel mehr gebraucht wird. > > Das sind nur zwei von etlichen Angriffsflächen, die der Bundestrainer in seinem Turnier-Management bot, eine weitere waren seine abenteuerlichen Einwechslungen gegen Ecuador, die dazu beitrugen, dass das Team aus dem Turniertritt geriet. Bei der Heim-EM vor zwei Jahren konnte man das unglückliche Viertelfinal-Aus gegen Spanien noch verschmerzen, weil Spirit und Mentalität in der Mannschaft überzeugten - obgleich auch da manche Personalentscheidungen des Trainers schon kritikwürdig waren. > > Nach dem WM-Fiasko aber gibt es keine Argumente für eine Weiterbeschäftigung von Nagelsmann, der noch einen Vertrag bis 2028 besitzt. Die Fehler der Vergangenheit, als nach dem Scheitern 2018 in Russland und 2022 in Katar an den Bundestrainern Joachim Löw und Hansi Flick festgehalten wurde, sollte der DFB kein drittes Mal begehen.

kicker.de
u/convex_dude — 6 days ago
▲ 702 r/Finanzen

Grüne wollen steuerfreie Immobilienveräußerung unterbinden

># Grüne wollen steuerfreie Immobilienveräußerung unterbinden > > 24.06.2026 Finanzen — Gesetzentwurf — hib 513/2026 > >Berlin: (hib/HLE) Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will die bisher mögliche steuerfreie Veräußerung von Grundstücken und Gebäuden nach zehnjähriger Haltedauer abschaffen. Die Fraktion hat dazu den Entwurf eines Gesetzes zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Immobilienveräußerungen (21/6637) eingebracht. Mit Aufhebung der Haltefrist würden Gewinne aus Immobilienveräußerungen unabhängig von der Dauer des Haltens bei Veräußerung mit dem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert. > >In der Begründung heißt es, die bisher geltende vollständige Steuerfreiheit von Immobilienveräußerungsgewinnen nach zehn Jahren führe zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Privilegierung von Kapital in Form von Grund und Boden gegenüber anderen Anlageformen. Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Fonds oder anderen Kapitalanlagen würden dauerhaft der Abgeltungsteuer unterliegen. Wer hingegen in Immobilien investiere, könne nach zehn Jahren vollständig steuerfrei veräußern. > > Weiter schreibt die Fraktion, dass die Immobilienmärkte in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Wertsteigerungen verzeichnet hätten. „Die hieraus resultierenden Veräußerungsgewinne bleiben nach Ablauf der Frist vollständig der Besteuerung entzogen. Dies stellt eine Erosion der steuerlichen Bemessungsgrundlage dar, die fiskalisch nicht länger hinnehmbar ist, zumal der Staat gleichzeitig erhebliche Investitionen in Wohnungsbau, Infrastruktur und städtische Entwicklung tätigt, die zum Wertzuwachs der Immobilien beiträgt“, argumentiert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Durch die Gesetzesänderung werden steuerliche Mehreinnahmen von rund sechs Milliarden Euro erwartet.

bundestag.de
u/convex_dude — 8 days ago
▲ 240 r/Finanzen

Neue Berechnung von Pensionen: Ökonom will "besonders begünstigende" Regel für Beamte einschränken

Kompletter Artikel:

> # Ökonom will "besonders begünstigende" Regel für Beamte einschränken > > Nicht nur für gesetzlich Versicherte hat die Rentenkommission unangenehme Nachrichten. Auch Beamte sollen künftig Einschnitte bei ihrer Altersversorung hinnehmen müssen. Kommissionsmitglied Peter Bofinger sieht vor allem bei einem Punkt Handlungsbedarf. > > Ökonom und Mitglied der Rentenkommission Peter Bofinger hat den seiner Ansicht nach bestehenden Handlungsbedarf bei der Berechnung der Beamtenpension betont. "Es gibt die Tendenz, dass man die Leute im letzten Jahr noch mal schnell befördert, damit sie eine schöne Pension kriegen", sagte der Ökonom der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Deshalb haben wir den Vorschlag gemacht, bei Beamten künftig die letzten fünf bis zehn Jahre vor der Pension für die Höhe zu berücksichtigen." > > In den Vorschlägen der Rentenkommission heißt es dazu: "Die Kommission plädiert zudem für eine Verlängerung der Wartezeit für die Versorgung aus dem letzten Amt von derzeit zwei Jahren auf fünf bis zehn Jahre. Im Vergleich zum Rentenrecht, bei dem die Rentenhöhe vom Entgeltverlauf während der gesamten Erwerbsbiografie abhängt, erscheint diese Regelung als besonders begünstigend." > > Die Kommission hatte außerdem empfohlen, ihre Reformvorschläge für die gesetzliche Rente auch auf die Beamtenversorgung zu übertragen. Dazu gehört etwa die Anhebung des Rentenalters. Außerdem sollten Verbeamtungen künftig stark eingeschränkt werden. Langfristig, so die Kommission, strebe sie eine "Erwerbstätigenversicherung" für alle Berufsgruppen als "Idealbild" an. > > Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission hatte am Dienstag ein Gesamtkonzept mit 33 Vorschlägen für einen tiefgreifenden Umbau der Altersvorsorge vorgestellt. Zur Kommission gehören zehn Wissenschaftler und drei Vertreter der Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD. Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas wollen das Konzept komplett umsetzen. Es gibt allerdings auch Kritik an den Vorschlägen und Widerstand. Arbeitgeber kritisieren unter anderem die geforderte Abschaffung der Minijobs. Gewerkschaften wehren sich vor allem gegen eine weitere Erhöhung der Rentenalters.

n-tv.de
u/convex_dude — 8 days ago
▲ 219 r/Finanzen

Kein erhöhtes Rentenalter, Pflichten für Arbeitgeber: DGB legt Gegenentwurf zur Rentenkommission vor

> # Kein erhöhtes Rentenalter, Pflichten für Arbeitgeber: DGB legt Gegenentwurf zur Rentenkommission vor > > Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat im Januar ein eigenes Expertengremium zur Altersvorsorge eeingesetzt –wohl in der Erwartung, dass ihm das Konzept der Regierungskommission nicht passen würde. > > Stand: heute, 08:59 Uhr > > Eine Rentenkommission des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hat ein eigenes Konzept zur Altersvorsorge als Gegenentwurf zur Regierung erarbeitet. Die Ergebnisse liegen der Deutschen Presse-Agentur vor. Das Konzept verlässt sich allein auf die gesetzliche und eine verpflichtende betriebliche Rente. > > Einem höheren Rentenalter erteilt die DGB-Kommission eine Absage. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Berufsjahren will sie erhalten. > > DGB-Chefin Yasmin Fahimi hatte das Expertengremium zu Jahresbeginn als Gegengewicht zur Rentenkommission der Regierung angekündigt. Die offizielle Regierungskommission legte ihre 33 Empfehlungen diese Woche vor. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) haben sie sich bereits zu eigen gemacht und eine vollständige Umsetzung angekündigt. Die DGB-Kommission schlägt hingegen einen anderen Weg vor. > > ## Anhebung des Rentenniveaus und „leicht erhöhte Beiträge“ > > Arbeitgeber sollen verpflichtet werden, betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten anzubieten und dafür allein zwei Prozent des Bruttolohns aufbringen, wie es in dem elf Seiten starken Ergebnispapier heißt. In der gesetzlichen Rente soll das Rentenniveau von heute 48 schrittweise wieder auf 53 Prozent angehoben werden. Beide Säulen gemeinsam sollen den Angaben zufolge im Ruhestand 70 bis 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens sichern. > > Die Kosten sollen laut Konzept für die gesetzliche Rente durch „leicht erhöhte Beiträge“ sowie einen höheren Zuschuss aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Für diesen „Demografiezuschuss“ wiederum sollen „hohe Einkommen, große Vermögen und Kapitaleinkünfte“ herangezogen werden. Außerdem sollen mehr Menschen in die gesetzliche Rente einzahlen, zunächst Selbstständige sowie Politikerinnen und Politiker. > > In der DGB-Rentenkommission saßen neben Fahimi die frühere Grünen-Vorsitzende Ricarda Lang, der ehemalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sowie Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften, Sozialverbänden und aus der Wissenschaft. (dpa)

tagesspiegel.de
u/convex_dude — 10 days ago
▲ 737 r/Finanzen

Vorschläge für Rentenreform: „Im Grunde eine Nullnummer“

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> # Vorschläge für Rentenreform: „Im Grunde eine Nullnummer“ > > Christian Schlesiger > > Herr Prof. Raffelhüschen, die Ergebnisse der Rentenkommission liegen zwar noch nicht vollständig vor, die wichtigsten Punkte sind aber bekannt. Ist das nun der große Wurf einer Rentenreform? > > Wenn das stimmt, was bislang durchgesickert ist, dann ist das im Grunde genommen eine Nullnummer. Das war zu erwarten. Entweder bringt das gar nichts oder erst sehr langfristig. > > Was stört Sie? > > Die Reform ist so konzipiert, dass die heutigen Rentner und rentennahen Jahrgänge in Ruhe gelassen werden. Obwohl diese Generationen nicht genügend Beitragszahler hervorgebracht haben, sollen sie ihre Ansprüche vollständig verwirklichen können. Die Verursacher des heutigen Rentenproblems werden also nicht an der Lösung beteiligt. > > Und das halten Sie für unfair… > > Das ist nicht nur unfair. Das ist mutlos. Die jungen Generationen werden weiterhin die Kosten tragen müssen, die ihnen die älteren Generationen aufbürden. > > Was hätte aus Ihrer Sicht passieren müssen? > > Das Zeitfenster ist klar. Bis etwa 2035 oder 2036 verlassen die geburtenstarken Jahrgänge den Arbeitsmarkt. Wenn man sie noch an der Lösung beteiligen wollte, müsste man jetzt handeln. Mit langen Ankündigungsfristen ist das praktisch nicht mehr möglich. Danach wird das Problem vollständig auf jüngere Generationen verlagert. > > Was fehlt Ihnen konkret? > > Alles, was jetzt offenbar vorgeschlagen wird, müsste schneller und entschlossener kommen. Eine Rente mit 68,5 Jahren im Jahr 2060 beeindruckt doch niemanden, der in den kommenden Jahren in Rente geht. Die lachen doch drüber. Der Lebenserwartungsfaktor kommt zu zaghaft, zu spät und wird auch noch verwässert. Er kommt offenbar nicht vollständig. > > Wenn die Lebenserwartung um ein Jahr steigt, sollen zukünftige Arbeitnehmer ein halbes Jahr später in Rente gehen müssen. Der 2:1-Faktor ist also falsch? > > Es gibt dafür ökonomisch keine sinnvolle Erklärung. Die enorm gestiegene Lebenserwartung der vergangenen 30 Jahre wird einfach ignoriert. Wir korrigieren den Fehler, keinen Lebenserwartungsfaktor gehabt zu haben, nicht. Stattdessen wird nur für die Zukunft etwas gemacht. Das ist ein zahnloser Tiger. > > Ein Herzstück der Reform ist die teilweise Kapitaldeckung. Bis zu zwei Prozent der Beiträge sollen am Kapitalmarkt angelegt werden. Wie bewerten Sie das? > > Das ist im Prinzip eine Adaption der schwedischen Rentenreform aus den Neunzigerjahren. Allerdings pickt sich die Kommission nur die Rosinen raus. In Schweden wurden gleichzeitig schmerzhafte Reformen umgesetzt. Die Regierung in Stockholm hat die Witwenrenten abgeschafft und das Rentenniveau abgesenkt. Diese Elemente fehlen hier. > > Das heißt, die Schweden haben die Rentenbeiträge damals stabil gehalten? > > Die Schweden haben in den 1990er-Jahren zwei Prozentpunkte ihres Beitragssatzes in die Kapitaldeckung überführt. Weil dieses Geld dann für die laufenden Rentenausgaben fehlte, mussten an anderer Stelle Einschnitte erfolgen. Außerdem wurde die Lebenserwartung vollständig berücksichtigt. Jeder entscheidet selbst, wann er zwischen 60 und 70 Jahren in Rente geht. Er bekommt dann aber nur den Barwert seiner eingezahlten Beiträge über die verbleibende Lebenszeit verteilt. Das hat das Rentenniveau schrittweise reduziert und die Beiträge stabilisiert. > > Dann ist die deutsche Kapitaldeckung also zu zaghaft? > > Das deutsche Modell ist feige. Man schaut auf Schweden, übernimmt das Vorbild, lässt aber alle Maßnahmen weg, die wehtun. Die Rentenbeiträge steigen in Deutschland. In Schweden wurden sie stabil gehalten. > > Immerhin tut sich mal was in Richtung Kapitaldeckung. Zwei Prozent der Beiträge sollen in einen Staatsfonds investiert werden. Bekommt der Lösungsansatz Ihre Zustimmung? > > Staatsfonds in Deutschland sind immer bedroht. Wenn man Politikern Geld in die Hand gibt, dann ist das so, als würde man einem Hund zwei Knochen hinwerfen und sagen: ‘Einer ist für morgen’. Staatsfonds haben nie Bestand gehabt. Die Staatsfonds für die Versorgungslasten der Beamten zum Beispiel wurden komplett geplündert. > > Künftig sollen weitere Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden, etwa Selbstständige. Halten Sie das für sinnvoll? > > Davon halte ich wenig. Selbstständige sollten sich grundsätzlich selbst um ihre Altersvorsorge kümmern können. Ich würde ihnen diese Freiheit lassen. Denkbar wäre allenfalls eine Optionslösung: Wer gar nicht vorsorgt, müsste irgendwann in die gesetzliche Versicherung. Aber die meisten Selbstständigen sorgen ohnehin selbst vor. Und diejenigen, die es nicht tun, verdienen häufig so wenig, dass sich daraus ohnehin keine großen zusätzlichen Einnahmen für die Rentenkasse ergeben. Ich halte das für eine Milchmädchenrechnung. > > Hätten Sie Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen? > > Nein. Ich habe schon vor 30 Jahren vorgeschlagen, Lehrer, Hochschullehrer und Finanzbeamte künftig nicht mehr zu verbeamten. Hätte man das damals getan, wie in Skandinavien oder Österreich, hätten wir heute diese Diskussion gar nicht. > > Gab es einen Vorschlag, mit dem Sie gerechnet hatten, der nun aber fehlt? > > Nein. Ich habe mit diesen Vorschlägen gerechnet. Eine Nullnummer bleibt eine Nullnummer.

thepioneer.de
u/convex_dude — 11 days ago

Rentenreform: Gewerkschaftsnahe Institute beziffern Kehrseite der Kapitalrente

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> # Rentenreform: Gewerkschaftsnahe Institute beziffern Kehrseite der Kapitalrente > > Zusätzliche Beiträge für die geplante Kapitalrente könnten die Entwicklung der Wirtschaft bremsen. Das gestehen auch zwei Kommissionsmitglieder ein – und schlagen Alternativen vor. Julian Olk 24.06.2026 - 12:56 Uhr > > Berlin. Die neue Kapitalrente droht erst einmal zu deutlichen Schäden für die deutsche Wirtschaft zu führen. Grund dafür ist, dass die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung zum Aufbau der Kapitalrente steigen sollen. > > Das koste die deutsche Wirtschaft ein Prozent Wirtschaftswachstum – ein Schaden von 45 Milliarden Euro – und damit 250.000 Jobs. Das ist das Ergebnis einer Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. > > Da der Aufbau dieses Kapitalstocks aber dauert und die aktuellen Renten nicht sinken sollen, die derzeit noch ausschließlich durch das Umlageverfahren finanziert werden, hat die Kommission zusätzliche Beitragszahlungen vorgeschlagen. Für die Kapitalrente sollen die Rentenbeiträge ab 2028 jährlich um 0,5 Prozentpunkte steigen, bis 2031 auf zwei Prozent zusätzlich. > > ## Zusätzliche Beiträge schmälern Konsum und damit Wachstum > > Das schmälert die verfügbaren Einkommen der Haushalte und damit deren Konsum. Das werde das Wirtschaftswachstum „spürbar dämpfen“, sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien. > > Hinzu kommt, dass sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber den zusätzlichen Rentenbeitrag hälftig aufteilen. Die Arbeitgeber könnten versuchen, sich diese Mehrkosten über geringere Löhne zurückzuholen. „Es ist durchaus möglich, dass wir eine gewisse Dämpfung des Lohnwachstums sehen“, sagte Dullien. Das könnte den Konsum zusätzlich schmälern. > > Dieser Problemanalyse schließen sich zwei Mitglieder der Rentenkommission an. Camille Logeay, Professorin für Volkswirtschaftslehre und Ökonometrie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, sagte, wenn zusätzlich gespart werde, gebe es erst einmal weniger Konsum: „Wenn man die Kapitalrente möchte, ist genau das der Preis.“ > > Peter Bofinger, der Volkswirtschaftslehre, Geld und internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg lehrt, sagt: „Wenn ich diesen Betrag nicht für die Nachfrage habe, hat das ganz klar dämpfende Effekte.“ > > Letztlich handelt es sich um eine Abwägungsfrage, die die Politik beantworten muss: Inwieweit ist sie zu Belastungen in den nächsten Jahren bereit, um daraus in fernerer Zukunft deutliche Entlastungen zu finanzieren? Denn die langfristigen Effekte der Kapitalrente sind unbestritten. 2080 könnte das Rentenniveau nach Berechnungen des Sachverständigenrats allein durch die Kapitalrente rund ein Drittel höher ausfallen. > > ## Kommissionsmitglieder verteidigen sich > > Logeay und Bofinger verteidigen aber, dass sie den Vorschlag als Teil des Gesamtkompromisses mitgetragen haben. „Es war kein Wunschkonzert“, sagte Bofinger. > > Logeay sagte, die Kommission habe gleichzeitig Maßnahmen zur Entlastung vorgeschlagen. Ältere Kohorten, die jetzt den Aufbau des Kapitalstocks mitfinanzieren müssen, aber nichts mehr von den Renditen spüren werden, erhalten trotzdem auskömmliche Renten, indem das Rentenniveau längerfristig festgeschrieben wird und sie einen steuerlich finanzierten „Übergangsfaktor“ zusätzlich ausgezahlt bekommen sollen. Außerdem wird in der Kommission argumentiert, die anderen Reformvorschlägen könnten die Beiträge schon kurzfristig dämpfen. > > Dennoch haben die Ökonominnen und Ökonomen Ideen, wie die Belastungen durch die neue Kapitalrente abgefedert werden könnten. > > ## Lösungsmöglichkeit 1: Kapitalrente wird hier investiert > > Kanzler Merz argumentiert, die zusätzlichen Beiträge für die Kapitalrente würden der Wirtschaft auf direktem Wege wieder zugutekommen, schließlich werde das Geld am Finanzmarkt direkt wieder in Unternehmen investiert. > > Um daraus merkliche Effekte für die deutsche Wirtschaft abzuleiten, müsste das Geld allerdings auch mehrheitlich hierzulande angelegt werden. Dann allerdings wäre es schwierig, die erhofften Renditen mit der Kapitalrente zu erzielen. > > Die Rentenkommission hatte mit einer durchschnittlichen realen Rendite von rund fünf Prozent gerechnet und dafür Investitionen nach Muster der MSCI-World-Fonds vorausgesetzt. Unter dieser Voraussetzung würden aber nur Investitionen in einem einstelligen Prozentbereich nach Deutschland fließen, hingegen in die USA zu rund zwei Dritteln. > > „Die Mittel, die für den Kapitalmarkt eingestellt werden, werden den Konsumverlust der Beitragszahler nicht ausgleichen können“, konstatiert Bofinger deshalb. Das werde „höchstens homöopathisch“ sein. > > ## Lösungsmöglichkeit 2: Kapitalrente wird mit Betriebsrenten verschmolzen > > Bofinger hatte deshalb bereits in der Kommission vorgeschlagen, die Kapitalrente nicht als Teil der gesetzlichen Rente einzuführen, sondern damit die Säule der Betriebsrenten auszubauen. > > Rund 52 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland haben nach Angaben der Bundesregierung Anspruch auf eine Betriebsrente. Das würde bedeuten: Nur die restlichen 48 Prozent müssten mit zusätzlichen Rentenbeiträgen belastet werden. Das könnte den negativen Konsumeffekt in etwa halbieren. > > „Ich hoffe, dass wir da eine Lösung finden“, sagte Bofinger. Unternehmen, die nachweisen könnten, dass sie schon in der Säule der Betriebsrenten aktiv seien, würden dann von der zusätzlichen Kapitalrente ausgenommen. > > Allerdings weist die Betriebsrente auch Schwächen auf. Da diese sehr unterschiedlich je nach Branche oder Betrieb organisiert ist, wären die Effekte der Kapitalrente letztlich nicht mehr so klar. Logeay argumentiert zudem, bei der betrieblichen Altersvorsorge gebe es gerade gesetzliche Anpassungen. Da müsse man erst einmal abwarten, wie diese wirkten, bevor so grundlegende Änderungen Sinn ergäben. > > ## Lösungsmöglichkeit 3: Generationenkapital ersetzt Kapitalrente > > Eine weitere Alternative wäre das Konzept des „Generationenkapitals“, wie es dem damaligen Finanzminister Christian Lindner (FDP) in der Ampelregierung vorschwebte, aus dessen Einführung aber nichts wurde. Dabei würden nicht zusätzliche Beiträge für den Aufbau des Kapitalstocks erhoben, sondern der Staat nähme einmalig Schulden dafür auf. Dullien und Bofinger halten das für die bessere Lösung. > > Allerdings ist an dieser Stelle schwierig vorstellbar, ob die Kapitalrente dann etwas bringen würde. Denn von der Rendite wären in diesem Fall auch die Zinsen für die Schuldentilgung abzuziehen. Und die steigen inzwischen gehörig, schließlich nimmt Deutschland derzeit für das Sondervermögen Infrastruktur und die erhöhten Rüstungsausgaben Schulden in Rekordhöhe auf.

handelsblatt.com
u/convex_dude — 12 days ago
▲ 705 r/Finanzen

Beamte werden verschont, Selbstständige nicht – so entstand der neue Rentenplan

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> # Beamte werden verschont, Selbstständige nicht – so entstand der neue Renten-Plan > Von Tobias Kaiser - Senior Editor Arbeit & Soziales > > Beamte behalten ihr eigenes System, müssen aber künftige Einschnitte bei Rentensteigerungen mittragen. Selbstständige hingegen rutschen in die gesetzliche Kasse und sollen so Lücken im Alter vermeiden. Jetzt wurde offensichtlich, warum die Kommission keinen größeren Wurf wagte. > > Die Frage treibt die Menschen im Land offensichtlich um: „Zu keinem Thema haben wir so viele Zuschriften bekommen“, sagte die SPD-Politikerin Annika Klose am Dienstagmorgen im Kanzleramt. Der Satz fiel auf der Pressekonferenz nach der Übergabe des Berichts der Rentenkommission an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Bas war sich der Popularität des Themas offenbar bewusst: Jüngst forderte sie erneut, dass auch Beamte in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert werden. > > Jetzt hat die sogenannte Alterssicherungskommission ihre Empfehlungen vorgelegt und die Bürger dürften von den Ergebnissen in Bezug auf die Beamten enttäuscht sein. Zwar bekennt sich das Gremium ausdrücklich zum „Idealbild einer Erwerbstätigenversicherung“, in die „neben abhängig Beschäftigten auch Selbständige, Beamte, Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften einbezogen sind“. Einen schnellen Systemwechsel empfiehlt die Kommission aber nicht. > > „Idealerweise werden auch Beamte in das System einbezogen“, sagte die Co-Vorsitzende Constanze Janda. Gleichzeitig verwies sie auf „wichtige Schwierigkeiten“, die zunächst gelöst werden müssten. Die Einbeziehung der Beamten bleibt damit eher langfristiges Zielbild als konkrete Reform. > > Stattdessen setzt die Kommission auf eine Annäherung der Systeme. Künftige Reformen der gesetzlichen Rentenversicherung sollen „wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen“ werden. Wenn Rentner durch Nachhaltigkeitsfaktor oder höheres Rentenalter belastet werden, sollen Beamte vergleichbare Einschnitte bei Pensionen hinnehmen müssen. > > Die Kommission hat sich damit offenbar abgefunden, dass eine vollständige Einbeziehung der Beamten auf absehbare Zeit kaum durchsetzbar ist. Zu groß seien die verfassungsrechtlichen Hürden, zu komplex die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern. Zudem weisen auch andere Wissenschaftler darauf hin, dass Bund und Länder über Jahrzehnte hinweg gleichzeitig bestehende Pensionen und die Rentenbeiträge neu eingestellter Beamter finanzieren müssten. > > Die Experten empfehlen stattdessen mehrere konkrete Trippelschritte. Hintergrund ist aus ihrer Sicht ein Nachholbedarf: Während das Rentenniveau seit dem Jahr 2000 um rund zehn Prozent gesunken sei, sei der maximale Pensionsanspruch lediglich um etwa fünf Prozent reduziert worden. Künftig sollen deshalb höhere Altersgrenzen, Dämpfungen bei den Rentensteigerungen und andere Reformen auch für Beamte gelten. Außerdem plädiert die Kommission dafür, die bisherige Regel zu verschärfen, wonach sich die Pension am letzten Amt orientiert. Wer kurz vor dem Ruhestand befördert wird, soll davon künftig weniger profitieren. > > ## Künftig soll der Staat Rücklagen für Pensionen bilden > > Zugleich wollen die Experten das Beamtensystem selbst begrenzen. Der Staat solle deutlich zurückhaltender verbeamten und den Beamtenstatus stärker auf klassische hoheitliche Aufgaben wie Polizei oder Justiz beschränken. Für neu geschaffene Beamtenstellen sollen Bund und Länder zudem verpflichtet werden, ausreichend Kapitalrücklagen für die späteren Pensionen aufzubauen. Die Kommission begründet dies mit einem bislang bestehenden Fehlanreiz: Wenn der Staat verbeamtet, kostet ihn das zunächst weniger, er verschiebt aber einen Teil der Kosten in die Zukunft. > > Weniger Probleme sahen die Experten offenbar darin, Selbstständige in der gesetzlichen Rentenversicherung zu verpflichten. Künftig sollen alle neuen Selbstständigen, die nicht bereits über ein anderes Pflichtsystem abgesichert sind, automatisch Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung werden. Eine Möglichkeit, die Pflichtversicherung abzuwählen, soll es für sie nicht geben. > > Die Experten begründen das mit einer wachsenden Versorgungslücke. Tatsächlich landen überdurchschnittlich viele ehemalige Selbstständige im Alter in der Grundsicherung. Die Zahlen dazu variieren, aber Untersuchungen gehen davon aus, dass der Anteil ehemals Selbstständiger, die in der Grundsicherung landen, rund doppelt so hoch ist wie der Anteil unter ehemals sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. > > Vor allem Schein- und Solo-Selbstständige fallen in diese Gruppe. Die Pflichtversicherung soll verhindern, dass Unternehmer erst im Ruhestand feststellen, dass ihre Vorsorge nicht ausreicht. Zwar würden viele gut verdienende Selbstständige lieber privat vorsorgen. Aus dem Beratergremium heißt es jedoch, eine individuelle Bedürftigkeitsprüfung wäre zu aufwendig. > > Für bereits heute tätige Selbstständige soll die Regelung ohnehin deutlich milder ausfallen. Sie werden zwar grundsätzlich einbezogen, können sich aber unkompliziert befreien lassen. Freiberufler mit berufsständischen Versorgungswerken wie Ärzte oder Anwälte bleiben außen vor, weil sie bereits obligatorisch abgesichert sind. Gerade deren Versorgungswerke haben aber zuletzt eindrücklich gezeigt, dass die private Vorsorge, denen so viele Selbstständige den Vorzug geben, gründlich schiefgehen kann. > > Für Gründer schlagen die Experten zudem eine Schonfrist vor. In den ersten drei Jahren einer neuen Selbstständigkeit soll nur der halbe Regelbeitrag fällig werden, um den Start nicht zusätzlich zu erschweren. > > Aus Sicht der Kommission stärkt die Einbeziehung der Selbstständigen die Rentenkasse kurzfristig und reduziert langfristig das Risiko von Altersarmut. Hinzu kommt ein zweites Ziel: Die Alterssicherung soll künftig weniger davon abhängen, ob jemand Arbeitnehmer, Unternehmer oder Freiberufler ist. Die Grenzen zwischen diesen Gruppen werden immer durchlässiger. Ein Alterssicherungssystem, das stark nach Berufsstatus trennt, könne deshalb leichter Versorgungslücken erzeugen.

welt.de
u/convex_dude — 12 days ago
▲ 254 r/Finanzen

Kommentar: Die Mütterrente muss auf den Verhandlungstisch

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> # Die Mütterrente muss auf den Verhandlungstisch > > Die Abschaffung der Rente ab 63 wird der SPD einen enormen politischen Preis abverlangen. Um diesen Schritt gehen zu können, muss sich die Union bei der Mütterrente bewegen. > > Barbara Gillmann - 23.06.2026 - 10:32 Uhr > > Die Rentenkommission hat 33 Empfehlungen vorgelegt. Die heftigsten Debatten wird eine einzige auslösen: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente ab 63. Denn das wird den Sozialdemokraten extrem viel abverlangen. Um den Gesamterfolg nicht zu gefährden, muss die Union sich durchringen, auch die Mütterrente zur Disposition zu stellen. Das wäre auch sachlich richtig. > > Selbstverständlich ist die Abschaffung der Rente ab 63 überfällig. Denn mittlerweile geht die Mehrheit der Neurentner vorzeitig in den Ruhestand – die meisten ohne Abschläge. Die mutige Reform des früheren SPD-Chefs und Bundesarbeitsministers Franz Müntefering, das Rentenalter auf 67 zu erhöhen, hat sich so fast ins Gegenteil verkehrt. > > Damit muss Schluss sein – nicht nur um die Rentenkasse zu schonen, sondern vor allem, um wertvolle Fachleute im Arbeitsmarkt zu halten. Schon jetzt herrscht in vielen Branchen eklatanter Fachkräftemangel. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie desaströs die Lage wird, wenn die Konjunktur endlich wieder anzieht. > > Umso entscheidender ist, dass mehr Menschen länger arbeiten. Deshalb muss die Rente ab 63 so schnell wie möglich fallen. Dass sie in dieser Form ein Fehler war, sieht man auch daran, dass mittlerweile jeder vierte Empfänger im Ruhestand weiterarbeitet – und zwar mehr als nur mit einem Minijob. > > Natürlich gibt es Menschen, die nach 45 Jahren Berufstätigkeit schlicht nicht mehr arbeiten können. Für sie muss die Koalition ein engeres Auffangnetz knüpfen. Das ist auch politisch das Mindeste, um Sozialdemokraten und Gewerkschaften ins Boot zu holen. > > ## Kosten von fünf Milliarden Euro – jährlich > > Aber es ist nicht genug. Um die politischen Kosten halbwegs gerecht zu verteilen, muss die Union ihrerseits die Mütterrente auf den Verhandlungstisch legen. Allein diese kostet den Bundeshaushalt jährlich rund fünf Milliarden Euro. Viele Frauen brauchen sie auch nicht, weil sie über ihre Partner abgesichert sind und als Paar vom Ehegattensplitting profitiert haben. > > Zudem bekommen auch Frauen (und Männer natürlich) zusätzlich Mütterrente, die trotz Kinder Vollzeit gearbeitet und Rentenansprüche erworben haben. Im Zweifel hat der Staat in dieser Zeit auch den Hauptteil der Kosten der Kinderbetreuung übernommen. Für die kleinere Gruppe der geschiedenen oder alleinerziehenden Frauen, bei denen die Kindererziehung zu Altersarmut führt, sollte man die Grundrente aufstocken. > > CSU-Chef Markus Söder hat mit dem ihm eigenen Instinkt gespürt, dass diese Diskussion auf ihn zukommt. Daher ist die von ihm und seinem Parteifreund, Innenminister Alexander Dobrindt, zuletzt angezettelte Kampagne für einen Kahlschlag beim Bürgergeld ein reines Ablenkungsmanöver. CDU und CSU müssen sich bei der Mütterrente bewegen, um die Rentenreform als Ganzes nicht zu gefährden.

handelsblatt.com
u/convex_dude — 13 days ago

Kommentar: Schwarz-Rot muss die Rentenvorschläge eins zu eins umsetzen

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> # Kommentar: Schwarz-Rot muss die Rentenvorschläge eins zu eins umsetzen > > Ein Paket aus 33 Vorschlägen kann per se gar nicht gerecht sein. Schließlich stünde es im Fall der geringsten Schlagseite 17 zu 16 oder 16 zu 17. Doch was die Rentenkommission am Dienstag der Bundesregierung überreichen wird, zeichnet sich gerade dadurch aus, dass es kein „Quid pro quo“ ist. > > Die 33 Vorschläge sind vielmehr ein sensibel austariertes „Gesamtkunstwerk“, wie es ausgerechnet Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) nannte. Es erfüllt die entscheidenden beiden Bedingungen, um die größte Rentenreform in Deutschland seit fast 20 Jahren umzusetzen: Die Vorschläge reichen ökonomisch gerade so aus, um das Rentensystem zukunftsfähig aufzustellen, vor allem dank der Einführung der Kapitalrente. Und sie gehen gerade so weit, dass die Pläne trotz aller Bremskräfte politisch mehrheitsfähig sein können. > > Für Bas, Kanzler Friedrich Merz (CDU), Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und nicht zuletzt den bei der Rente vielen Veränderungsunwilligen im Deutschen Bundestag bei den Sozialdemokraten, aber auch in der Union, muss das bedeuten: Einfach mal machen! So unrealistisch wie das Lebensmotto von CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im sonstigen Politikbetrieb ist, so sehr sollte es jetzt bei der Rente gelten. > > ## Die Rentenkommission hat sich schmutzig gemacht > > Kommissionen haben zwei Optionen, wenn sie von der Regierung beauftragt werden: Sie können den akademisch optimalen Weg aufzeigen, der dann niemals umgesetzt wird. Oder sie denken die politischen Herausforderungen gleich mit. > > Die Rentenkommission hat sich für den zweiten Weg entschieden und damit verhindert, dass jeder Vorschlag wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten von Anfang an zerredet wird. Die Zumutungen sind auf allen Seiten gerecht verteilt, und trotzdem hat die Kommission nie das Ziel aus den Augen verloren, dass all das der Zukunftsfähigkeit des Rentensystems dienen muss. > > - Die SPD muss die Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung („Rente mit 63“) schlucken, dazu die Kopplung des Eintrittsalters an die Lebenserwartung, die Erhöhung der Altersgrenze für langjährig Versicherte, die Wiedereinführung und moderate Anhebung des „Nachhaltigkeitsfaktors“ zur Dämpfung der Rentensteigerungen. > - Die CDU muss die Einbeziehung von Selbstständigen in das gesetzliche System verkraften, zudem die Streichung der Minijobs und die langfristige Haltelinie beim Rentenniveau, und dass der Übergang zur Kapitalrente für ältere Generationen aus Steuermitteln finanziert werden soll. > - Ein bisschen mehr wäre allerdings noch gegangen: Beamte hätten mit in das gesetzliche System gehört, das würde faktisch nichts bringen, aber die öffentliche Akzeptanz mehr steigern als die jetzt geplante Zwischenlösung; die Rente sollte sich an der Inflation anstatt den Löhnen orientieren; eine Aufweichung des Äquivalenzprinzips hat das System effizienter machen können, ist aber zu Recht umstritten. > > Aber der fehlende Teil ist nicht entscheidend, das werden die nächsten Tage sein. Zu jedem Kommissionsvorschlag wird sich in den nächsten Tagen eine Vertreterin der Koalition von der einen oder anderen Seite finden, die staccatoartig Gegenargumente vorbringen wird. Dann wird sich zeigen, ob die Spitzen der schwarz-roten Koalition noch zu echter politischer Führung in der Lage sind. > > ## Die nächsten Tage entscheiden > > Sie müssen diesen Einwürfen widerstehen, sie aktiv abwehren, von Anfang an, ansonsten gerät das mühselig austarierte „Gesamtkunstwerk“ in Schieflage. Wer irgendwo einen Stein rauszieht, bringt das ganze Werk ins Wanken. > > Dabei können sich die Koalitionsspitzen einen Kniff von der Gründung der Kommission zunutze machen: Drei Bundestagsabgeordnete hatte die Regierung in die Kommission geschickt, mit der SPD-Parteilinken Annika Klose und CDU-„Renten-Rebell“ Pascal Reddig zwei von ihnen, die nah an der Maximalposition ihrer jeweiligen Seite agieren. Wenn die beiden schon das Paket unterstützen, sollte es keinen Grund geben, dass ihre Parteigenossen noch ausscheren.

handelsblatt.com
u/convex_dude — 13 days ago
▲ 41 r/DePi

„Dies ist eine politisch motivierte Entscheidung der FSK“: Warum Uwe Boll seinen neuen Film zensiert sieht

archive.ph
u/convex_dude — 13 days ago