
r/Klimagerechtigkeit

Was kann ich machen?
Hi Leute
Ich habe im Moment wieder einen richtig dollen Schub von climate anxiety, ausgelöst natürlich durch die Hitzewelle. Ich bin noch ziemlich jung und frage mich, wie das alles noch weitergehen soll, wenn es jetzt schon so schlimm ist. Vor kurzem habe ich mich durch die verschiedenen Zukunftsszenarien (https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2025-11/klimawandel-zukunft-forschung-rechner-kinder-erderwaermung) geklickt und hab an der Bushaltestelle angefangen zu heulen.
Jedenfalls will ich was dagegen unternehmen, aber hab keine Ahnung wie oder was. Ich kenne natürlich FFF und die Letzte Generation. So richtig engagiert hab ich mich aber noch nie und hab auch ziemlich Respekt vor Aktionen, die sich eher so im legalen Graubereich abspielen.
Gibt es Ortsgruppen die man kennen sollte oder Dinge nach denen man suchen kann um diese zu finden oder generell Ressourcen, die ihr teilen möchtet?
Nach der Hitzewelle fragen sich Menschen auf social media, wo die „Letzte Generation“ bleibt. Anders als die Klimakrise wurden die Aktivist*innen aber bekämpft.
taz.deSollen wir Hitzewellen Namen geben?
"Diese Woche sind wieder 1.000 Menschen durch Aramco (Premium FiFA Sponsor) gestorben"
Vielleicht sollten wir einfach noch 10 weitere Jahre warten bevor wir etwas ändern. Scheint ne solide Startegie zu sein.
"Die Klimastrategie der Bundesregierung wirkt", "Es gibt gute Hitzeschutzpläne", und "Eine 'Chefsache' wird das Wetter nicht ändern"
Die Gesamte Pressekonferenz der Ignoranz: https://www.youtube.com/watch?v=q0HGgFHfgFg
Willkommen in der Klimahölle. 40 Grad im Juni - wie weiter?
youtu.beDas Narrativ hat sich geändert. Bis vor ein paar Jahren hörte man von vielen Klimaforschern noch innige Apelle, den Klimaschutz doch endlich ernst zu nehmen. Oder eindringliche Mahnungen wie uns die Zeit davon läuft. Mittlerweile heißt es auf gut deutsch: Der Drops ist gelutscht.
Warum sind hier nur Klima Doomer?
Klar sind es nicht ausschließlich Klima Doomer, aber die Mehrheit der Beiträge ist immer so "Wir können eh nichts mehr tun, fuck it". Was gibt es euch, das zu Posten in einem Sub zu Klimagerechtigkeit? Fatalismus bringt uns nicht mehr (Klima-)Gerechtigkeit. Wenn man irgendwann nicht mehr die Kraft hat, ist das ja ok und verständlich, aber warum dann hier alles damit vollschreiben? Wenn ihr eh schon mit allem abgeschlossen habt, warum investiert ihr noch Zeit darein, allen anderen zu erzählen, dass es keinerlei Hoffnung gäbe?
Ich ertrage den ganzen Sche*ß nicht mehr
Ich kriegs echt nicht auf die Kette wie ignorant gefühlt 90% der menschheit sind. Ich will aufn arm 😭
Die Revolution ist international oder sie ist nicht
Es gab schon eine ganze Reihe marxistischer und eine Handvoll anarchistischer Revolutionen, die alle mit großen Problemen zu kämpfen hatten; die meisten davon existieren heute nicht mehr. Einige wurden von Konterrevolutionen im Keim erstickt, z.B. in Mexiko, Spanien und Chile. Andere bestanden länger, hatten aber Probleme mit autoritären Strukturen und sind mittlerweile größtenteils niedergegangen. Rojava existiert trotz Embargo und Krieg weiter, hat aber dadurch Schwierigkeiten, die Wirtschaft antikapitalistisch umzustellen. Die Ausweitung der genossenschaftlichen Planwirtschaft und das Zurückdrängen des Kapitalismus stagniert seit Jahren.
Der erste Impuls der meisten Linken ist es jetzt, zu sagen, dass all das keine Probleme der postkapitalistischen Gesellschaft sind, sondern äußeren Faktoren, nämlich Krieg und konterrevolutionären Eingriffen aus dem kapitalistischen Ausland, geschuldet ist. Und das stimmt auch. Gleichzeitig ist es aber auch ein strategisches Problem dieser Revolutionen.
Dazu Friedrich Engels bereits 1847 in seinen "Grundlagen des Kommunismus":
"Wird diese Revolution in einem einzigen Lande allein vor sich gehen können? (...) Nein. Die große Industrie hat schon dadurch, dass sie den Weltmarkt geschaffen hat, alle Völker der Erde, und namentlich die zivilisierten, in eine solche Verbindung miteinander gebracht, dass jedes einzelne Volk davon abhängig ist, was bei einem andern geschieht. (...) Die kommunistische Revolution wird daher keine bloß nationale, sie wird eine in allen zivilisierten Ländern, d.h. wenigstens in England, Amerika, Frankreich und Deutschland gleichzeitig vor sich gehende Revolution sein."
Ähnliches schreibt auch Marx in seiner "Kritik des Gothaer Programms" 1875.
Schon damals war die kapitalistische Wirtschaft international so stark vernetzt, dass eine isolierte Revolution in nur einem Land zum Scheitern verurteilt war. Das ist heute umso mehr der Fall, denn würde Deutschland sich wirtschaftlich vom Rest der Welt abschotten, hätte es mit einem Mal kein Öl und Benzin, kein Silicium oder seltene Erden für Computer, auch Halbleiter und Mikrochips, viele aus Indien und China importierte Medikamente - die Liste ließe sich endlos weiterführen.
Von den ökonomischen Gründen für den unausweichslichen internationalen Charakter einer sozialen Revolution, die dauerhaft erfolgreich sein soll (das heißt nicht, dass alle Revolutionen komplette Fehlschläge waren; dennoch existiert heute kein wirtschaftlich fortschrittliches, postkapitalistisches Land), abgesehen, gibt es auch einen essenziellen politischen Grund. Erst kürzlich habe ich entdeckt, dass Marx mir in diesem Punkt zustimmt, sofern ich das folgende Zitat richtig auffasse:
"Die schwierige question für uns ist die: Auf dem Continent ist die Revolution imminent u. wird auch sofort einen socialistischen Character annehmen. Wird sie in diesem kleinen Winkel nicht nothwendig gecrusht werden, da auf viel größrem Terrain das movement der bürgerlichen Gesellschaft noch ascendant ist?"
- Marx Brief an Engels vom 08.10.1858
Das Terrain, auf dem "die bürgerliche Gesellschaft noch ascendant ist", dürften Gebiete wie China, Japan, Australien und Kalifornien sein, die er im Satz davor als Beispiele nannte für Länder, durch deren Übergang zum Kapitalismus ein Weltmarkt entstanden war. Vielleicht waren auch sämtliche bürgerlichen Gebiete außerhalb (Kontinental-)Europas gemeint. So oder so: Marx wirft die Frage auf, ob das kapitalistische Ausland eine sozialistische Revolution ohne Weiteres hinnehmen würde. Die Geschichte zeigt uns: Nein. Nicht wenige Linke sind der Ansicht, dass viele Probleme, die realsozialistische Staaten hatten, ihre Ursache in der Tatsache hatten, dass sie eben nicht in der Mehrheit der fortgeschrittensten Staaten, sondern in stark "rückständigen" Ländern stattfanden. Um Reichtum gerecht zu verteilen, muss ein Land genug Reichtum erwirtschaften, was in einem Land wie der frühen Sowjetunion nicht möglich ist. Um die Entwicklung im Zeitraffer nachzuholen, waren Arbeitszwang und Autoritarismus notwendig, insbesondere als die erwarteten Revolutionen in Mitteleuropa ausblieben.
Wenn jede Revolution existenzielle Probleme mit dem kapitalistischen Ausland hat, dann muss die Revolution offenbar von genau diesen Ländern ausgehen, insbesondere von der Mehrheit der größten Volkswirtschaften wie den USA, China, Deutschland usw.
Was denkt Ihr? Seht Ihr das anders, stimmt Ihr zu, gibt es Ergänzungen?