Höcke auf dem AfD-Parteitag: "Wir müssen einen großen Teil der Nation auf die Couch legen und therapieren"
Samstag, Erfurt, Grußwort zum 17. AfD-Bundesparteitag, live auf phoenix. Höcke über Menschen, die sein Deutschlandbild nicht teilen:
"Das sind Menschen, denen man nicht ermöglicht hat, eine gesunde Identität auszubilden. Das sind Seelenverwundete, wie ich sie nenne. Und auch das ist eine Aufgabe unserer AfD: Normalität herzustellen und zu heilen. Wir sind im Endeffekt auch große Psychologen. Wir müssen einen großen Teil der Nation auf die Couch legen und therapieren."
Man muss das zweimal lesen. Da steht nicht: Wir wollen Menschen überzeugen. Da steht: Wer anders denkt, ist krank. Nicht anderer Meinung, sondern krank. Politischer Dissens wird zur Diagnose, der Gegner zum Patienten, die Partei zum Therapeuten. Und eine Therapie, die "ein großer Teil der Nation" braucht, ist nichts, dem man zustimmt. Sie wird verordnet.
Das Denkmuster ist nicht neu. Die Sowjetunion hat Dissidenten mit der Diagnose "schleichende Schizophrenie" in Psychiatrien gesteckt. Wer das System ablehnte, konnte ja nur krank sein. Genau diese Logik stand am Samstag auf der Bühne eines deutschen Bundesparteitags, freundlich verpackt als Heilungsangebot.
Dazu der Rest derselben Rede: Die "bunte Zivilgesellschaft" simuliere nur Volk, ihr werde "der Steuerstecker gezogen". Setzt man das zusammen, ergibt sich ein klares Bild. Kritiker sind Patienten, Zivilgesellschaft ist Simulation, und was "normal" und "gesund" ist, definiert eine Partei, deren Thüringer Landesverband als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist. Das ist kein Reformprogramm für dieses Land. Das ist der Bauplan für ein anderes.
Die Pointe liefert Höcke selbst. Ein Mann, der wegen des Rufens einer SA-Parole verurteilt wurde und laut Gericht Faschist genannt werden darf, erklärt sich zum Chefpsychologen der Nation. Termine vergibt die Partei...