▲ 9 r/Pflege

Mayday einer baldigen PFK in Ausbildung - erbitte Aufklärung!

Ihr Lieben,

bitte entschuldigt den langen Text, aber ich hab nun echt schon einige Posts gesehen, die mir langsam richtig Angst machen, und ich würde euch sehr gern um ehrliche Meinung bitten - auch gern möglichst verschiedene, bloß wenn ihr‘s inhaltlich argumentieren würdet, wäre das super.

Ich beginne in einer Woche die Pflege-Ausbildung im Seniorenheim. Der Ausbildungsverantwortliche der Berufsschule hat mich initial hart irritiert, denn er sagte mir, ich wirke auf ihn sehr akademisch, und würde ins Profil der Leute passen, die weit im zweiten Lehrjahr plötzlich „aus intellektueller Frustration“ abbrächen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich zwar geschmeichelt fühle, aber ich bin nun im Vorfeld meiner Bewerbung 2,5 Jahre als studentische Assistenzkraft durch die Medizin gestolpert, und beherrsche bloß u.a. deshalb Bodyplethysmographien oder Venenplethysmographien, weil gelernte PFKs so geduldig waren, mir alles so lange zu erklären, bis ich wusste, was ich da tat. Wenn er also meine „medizinische Vorbildung beeindruckend“ findet, dann läge das ganz gewiss nicht an meinem Kunststudium, sondern an den PFKs. In diesem Sinne könne ich auch „intellektuell“ absolut nicht nachvollziehen, weshalb sich die Pflege inklusive ihm selbst immer wieder selbst unterstellt, in keinem intellektuell fordernden Beruf zu arbeiten. In anderen, auch europäischen Ländern wird der Stand der Pflege als eigenes Berufsfeld anerkannt. Nicht einfach plump unter der Ärzteschaft, sondern neben ihnen. Der Ausbildungsleiter wollte das offensichtlich hören, denn er hat plötzlich breit gegrinst und meinte da sehen Sie, und deshalb weiß ich genau, wo ich Sie hinschicke, denn ich kenne da einen Praxisträger, dessen Praxisanleitung ihren Job so ernst nimmt, wie Sie gerade klingen. Ich glaube, da kriegen Sie Ihren Wissenszuwachs.

Bei besagter Praxisanleitung hatte ich mein Vorgespräch, aber man hatte meine Bewerbung vergessen kurzfristig weiterzuleiten - also habe ich alles nochmal alles runtergerattert, warum ich nach dem Studium jetzt gern in die Pflege will, und habe alle meine Stationen benannt um zu zeigen, dass ich wirklich genug Zeit hatte, mit mir zu klären, ob ich das ernsthaft will. Bin nämlich noch nicht alt, aber jung bin ich auch nicht mehr; hatte das Gefühl, argumentieren zu müssen, warum der harte Wechsel von der Freien Kunst in die Pflege. Ich hatte an einem fürchterlichen Ort in der ambulanten Pflege gearbeitet, wo wirklich alles schief ging, was hätte schiefgehen können- und will’s halt trotzdem noch machen. Sie sagte mir dann sowas wie ach herrje, aber bei dieser Vorbildung sollten Sie doch ins Krankenhaus, ich habe Sorge, dass wir Sie hier intellektuell unterfordern. Im Krankenhaus lernen Sie fachlich mehr.

Ich habe - wahrheitsgemäß und nach bestem Wissen - argumentiert, dass man mir diesen Ort empfohlen habe, weil die Praxisanleitung ihren Job ernst nähme. Dass mir die Zustände in den Krankenhäusern unserer Region als Patientin richtiggehend Angst macht, und gern Gelegenheit hätte, (halbwegs) in Ruhe in den Job hineinzuwachsen. Dass ich gerne alles lernen will, aber dass ich erfahrungsgemäß absolut gar nichts lerne, wenn ich unter permanentem Zeitdruck stehe und die Dynamik im Team nicht stimmt. Vielleicht trifft es zu, dass ich mir gern meine Sporen irgendwann im Krankenhaus verdienen will, aber für die Dauer meiner Ausbildung reicht es mir vollkommen, mir die Arbeit im Krankenhaus für eine absehbar begrenzte Zeit zu Gemüte zu führen, bevor ich mich reinstürze. Abschließend habe ich argumentiert, dass ich die Arbeit mit älteren Semestern großartig finde, weil ich finde, dass man von unseren Altvordern eine ganze Menge über‘s Leben und Sterben lernt, als ich es mir „intellektuell“ in irgendeinem Lehrbuch anlesen könnte. Ich hätte gerne ein bisschen Zeit, mich mit den Menschen zu befassen, anstatt ständig von A nach B zu hetzten und Oma Erna zu erklären, dass ich nicht die Zeit habe zu hören, warum sie Opa Gerhardt nach 60 Ehejahren vermisst. Ich finde Oma Erna nämlich null pathetisch, wenn sie vor lauter Sehnsucht in Tränen ausbricht. Ich spüre nur dann leichtes Genervtsein, wenn Pats derart respektlos mit mir reden, dass ich Kleinkindern im Sinne meiner Sorgfaltspflicht und dem Grundsatz des Nicht-Schadens die Öhrchen dabei zuhalten müsste.

Ich war dort zur Probearbeit. Das Seniorenheim ist personell so gut aufgestellt, dass sich die Azubis offenkundig ein bisschen gelangweilt haben, aber es ist ihnen explizit erlaubt, die Zeit zum Lernen zu nutzen, und da stehen auch extra Bücher und Lernkarten für sie. Eine Azubine saß die ganze Zeit am PC der Chefin und hat für ihre Abschlussprüfung in einer Woche gelernt. Und in meiner ganzen Zeit in der ambulanten Pflege habe ich niemals männliche Kollegen erlebt, die derart respektvoll und würdig mit den Körpern alter Damen umgegangen wären, wie die Kollegen, die ich da in meiner Einrichtung bezeugen durfte. Im Unterschied zur ambulanten Pflege verliefen Übergaben extrem respektvoll, und als man mir nach der Probearbeit sagte, dass ich meinen Ausbildungsvertrag mitnehmen und es mir überlegen darf, hab ich aus voller Überzeugung unterschrieben. Ich habe mich wirklich gefreut, auch über Sätze wie „solange wir nicht kollektiv Durchfall kriegen, hebst du hier bitte niemanden wirklich niemals alleine aus dem Bett, du holst immer einen von uns, und wenn wir doch alle Durchfall kriegen sollten, steht hier alle paar Meter ein Hilfslift - es bringt uns allen gar nichts, wenn du dir schon während der Ausbildung deine Gesundheit kaputt machst“.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die mich völlig absurd finden, aber es ist mir eine Ehre, alte Menschen waschen zu dürfen. Meine eigene Oma würde nämlich lieber sterben, als irgendwem derart zu vertrauen. Im Ernst, ich mache mir Sorgen was passiert, wenn sie jemals Hilfe braucht. Meine vermeintlicher „Intellekt“ ist kein vermeintlich akademisches Denken (und selbst wenn, holy shit!), sondern korreliert mit einer Mutter, die mich im Alter von 5 Jahren vermutlich verprügelt hätte, wenn ich es jemals gewagt hätte, Kraftausdrücke zu verwenden; wenn ich heute in Gesprächen mit Vorgesetzten also sehr akademisch klinge, dann nicht wegen meines Studiums, sondern weil meine Wortwahl einmal gefühlt überlebensnotwendig war. Ich habe mich von Herzen gefreut, den Ausbildungsplatz im Allgemeinen und eben ganz konkret an diesem Ort zu erhalten. Weil es eben wie ein Ort wirkt, der sich den Negativkonsequenzen unseres desolaten Gesundheitssystems so weit zu entziehen versucht, wie es nur irgend geht.

Nun aber zerfressen mich permanente Zweifel, weil ich fast überall lese, wie schlecht die Generalistik sei. Wie wenig man in Seniorenheimen lerne und wie schreiend inkompetent generalistische Azubis aus dem Seniorenheim zum Examen dürfen.

Ich weiß aber ganz genau, dass es einmal Menschen gab, die einmal ganz explizit die Ausbildung rein in der Altenpflege gewählt haben. Und ich will nicht glauben, dass alle ihre Wahl nachträglich beschissen finden. Ich bin mir bewusst, dass ich viel Eigenverantwortung mitbringen muss, um zB Anatomie und Pharmakologie auf passablem Niveau zu beherrschen.

Aber ist es wirklich unmöglich, als verlässliche und halbwegs kompetente generalistische PFK aus den Examen hervorzugehen, wenn mein Haupteinsatzort im Seniorenheim liegt? Was muss ich konkret tun, um nicht aktiv zum qualitativen Verfall der Pflege beizutragen, sondern Mehrwert stiften zu können?

Trifft es wirklich zu, am Ende nichtmal zu wissen wie man einen Zugang legt und nach der Ausbildung grundsätzlich niemals in einem KH anfangen zu dürfen, weil nur zum Bewerbungsgespräch geladen wird, wer auch im KH gelernt hat?

die ambulante Pflege und meine Zeit als studentische Assistenz in der Allgemeinmedizin war teamdynamisch echt die Hölle, aber das hat mich nicht darin gehindert, meinen Traumjob in der Pflege zu verorten, denn Pneumologie, Phlebologie und Dermatlogie waren hingegen echt phantastisch.

Ist es denn wirklich so naiv, sich auf die Ausbildung im Seniorenheim zu freuen, und muss ich mich nun wirklich auf 3 Jahre Hölle einstellen?

Danke erstmal, für‘s Lesen. Irgendwie komme ich mir extrem weltfremd vor, mich überhaupt zu freuen. Aber ist es dann denn immer und zwangsläufig?

reddit.com
u/HopefulDrop4559 — 15 hours ago
▲ 22 r/Leipzig

Kann mir jemand evtl eine:n vertrauenswürdigen Zahnarzt in Leipzig empfehlen?

Liebe Schwarmintelligenz,

Bin eigentlich keine Angstpatientin, aber ich bin Zugezogene und drücke mich hier in Leipzig schon seit zwei Jahren davor, einen neuen Termin auszumachen, weil meine letzten beiden Besuche bisschen arg verstörend waren.

Bin auf der Suche nach einer Zahnarztpraxis, in der mich die behandelnde Person nicht behandelt, wie ein wertloses Stück Fleisch. Es braucht echt keine maximale Freundlichkeit! Bloß die Bereitschaft, sinnig zu beraten. vor allem nicht einfach weiterbohrt, wenn die Betäubung offenkundig nicht mehr wirkt, weil „ist doch gleich fertig, seien Sie nicht so“.

Bin vor allem auf der Suche nach einer guten Zahnreinigung. Hab eine Füllung im Frontzahnbereich und nach manchen sieht man die, nach anderen gar nicht.

Danke schonmal 👀

EDIT: die folgende Liste hat die Schwarmintelligenz ergeben (Stand 07.08.2026)

Mint Room (von mehreren Pats empfohlen), Riebeckstraße 65, Tel. 0341 24707 455

Zahnarztpraxis Dr. Franziska Höhne (von mehreren Pats emfpohlen) Karl-Liebknecht-Str. 152

Uniklinikum Leipzig – Abteilung Zahnheilkunde - hier bin ich noch nicht durchgestiegen wie die HomePage funktioniert

Zahnarztpraxis am Brühl/Voss (Dr. Käppler, Fr. Dr. Park) – allerdings hohe Faktorberechnung – Brühl 4, Tel. 0341 94034567

Zahnmedizin Wolff in Mölkau, Engelsdorfer Str. 57, 0341 94034567

Dr. Daniela Mechsner Josephinenstraße 24, Tel. 0341 2619636

Dr. Röhrbein, Dr. Stephanides, Großmann-Str. 12, Altlindenau, Tel. 0341 4419540

Dr. Hause, Torgauer Platz 1, 0341 2329781

Zahnarztpraxis Villa Smile, Liebertwolkwitz, Tel. 03429743075

Dr. Zöllig, Menckestr. (von langjährigem Pat empfohlen), Menckestr. 17, Tel. 0341 5830960

ZahnFee nähe Zoo Leipzig (mehrmals empfohlen), Nordplatz 2, Tel. 0341 5901591

Constanze Lehmann Arthur-Hoffmann-Straße 175, Tel. 0341 3913412

Fr. Dr. Harzendorf, Lützner-Str. 162, Lindenau, Tel. 0341 4798973

Zahnarztpraxis Schreiber Tschaikowskistraße 11 (mehrmals empfohlen),
Tel. 0341 9806267

Zmvz-Leipzig-Mockau, Tauchaer Str. 12, Tel. 0341 6014361

Dr. Krieger Dentale Leipzig , Prager Straße 2, Tel. 0341 9136730

Dr. Susanne Hüttner, Käthe-Kollwitz-Straße 10, 0341 9802932

Besonders für Angstpatient:innen wurde von euch empfohlen:

Sascha Pieger, Philipp-Rosenthal-Straße, Terminvereinbarung online www.identity32.de

Dr. Carina Hoenig, Thomaskirchhof 7 (von langjähriger Pat empfohlen), Tel. 0341 6885803

Dr. Stephan Gregor, Karl-Liebkneckt-Str. 16, 04107 Leipzig

Smile Health – MVZ, Brühl 54, Tel. 0341 3014745

Praxis Griesbach Südvorstadt (mehrmals empfohlen), Kantstr. 60, Tel. 0341 23401202

Die Sachsenpraxen – haben mehrere Standorte, bitte googlen

Dr. Melanie Wiegleb, Familienzahnarztpraxis Zwochau, Brunnenstraße 3D, 034207 72188

Zahnarztpraxis Martin Czychi (von zufriedener Mama empfohlen!) Südvorstadt, Kantstraße 26, 0341 3912663

Alexander Geidel (von langjährigem Pat empfohlen), Landwaisenhausstr. 9, 0341 4415728

Dr. Dunkel, Baumgarten-Crusius-Straße 10, Leutzsch – konnte ich nicht finden ☹ und AllDent habe ich wegen kontroverser Rückmeldungen nicht aufgenommen, soll hier aber nicht unerwähnt bleiben :-)

Ich habe eine Zahlenschwäche und könnte mich bei den Telefonnummern oder Adressen beim Abtippen evtl. verschrieben haben. Bitte weist mich darauf hin, wenn mir ein Fehler unterlaufen sein sollte!

Danke für euren Support ihr Lieben :-)

u/HopefulDrop4559 — 14 days ago

Der Kater im Garten meiner Schwester

 
Ihr Lieben,

ich entschuldige mich für den langen Text, scrollt weiter, wenn ihr schon beim Anblick Unmut empfindet, doch ich muss es ein für alle Mal loswerden, hier, öffentlich, nicht mehr zurückzunehmen.
 
Meine Schwester und ich haben die gleiche Mama, doch nicht den gleichen Vater, uns trennt ein Altersunterschied von 12 Jahren, und wir mögen einander immer so ähnlich gewesen sein wie Hund und Katze - doch so getrennt unsere Leben auch voneinander stattgefunden haben, so sehr hat sich meine große Schwester bemüht, mir eine Ansprechpartnerin zu sein. Als ich sehr klein war, musste sie sich viel um mich kümmern, weil unsere Mutter entweder den ganzen Tag in der Arbeit, oder zu Hause schlicht nicht ansprechbar war, also hat mich meine Schwester oft mit zu ihren Freunden genommen, und während die gemeinsam Drogen konsumiert haben, durfte ich mit der PlayStation spielen, das war cool. Lange verstanden wir uns gut, hatten zum Beispiel jahrelang den Tick, uns im öffentlichen Raum in Phantasiesprache zu unterhalten und die Leute höllisch mit unserem Kauderwelsch zu irritieren, meine Schwester fand das witzig, dass uns alle für komische Ausländer hielten. Als Kind hat sie auch Improtheater mit mir gespielt, mich zB als 4 Jährige mit in die Stadt genommen um Fremden zu erzählen, unsere Eltern seien gestorben; sie selbst sei nun meine Mama. Leider war ich kein sehr schlaues Kind, und nicht so gut darin, die Pointe zu begreifen, bin fürchterlich in Tränen ausgebrochen, und habe ihr demnach oft den Spaß verdorben, aber sie hat mir immer wieder verziehen. Sie hat mir sogar mit drei Jahren das Aufräumen beigebracht, das war sehr hilfreich; hat abends all meine Spielsachen auf dem Bett gehortet und mir versprochen, dass ich wieder schlafen gehen darf, wenn das alles weg ist. Als meine Schwester 15 war lebte sie aber schon überwiegend bei ihrem Vater, wurde aus dem Gymnasium genommen und auf die Hauptschule verfrachtet. Warum weiß bis heute keiner, denn ihr Papa war promovierter Mediziner, aber sie war hartnäckig, hat sich ihr Abitur auf hartem Weg nachträglich erkämpft und bekam später eine Führungsposition im Marketingbereich einer Kreditbank.
 
Spätsommer 2013, ich war 17 und obdachlos, da nimmt mich meine Schwester bei sich in ihrer Einzimmerwohnung auf und meldet mich wieder an meinem alten Gymnasium an, damit ich anders als sie direkt mein Abitur machen kann. Das war großartig von ihr, allerdings war ich keine dankbare Schwester damals und habe sie immer wieder zu Wutausbrüchen provoziert; einmal hätte sie mich fast rausgeworfen, weil ich den Käse im Kühlschrank leergegessen hatte, und sie nach der Arbeit eben Käse auf dem Brot haben wollte. 600€ zahlte mein Papa damals Unterhalt, die Wohnung kostete 750€, ich habe meiner Schwester 500€ im Monat gezahlt; ich hätte wissen müssen, dass iuns der Inhalt des Kühlschrankes nicht zu gleichen Teilen zusteht.  Wenn sie gedroht hat mich rauszuwerfen hatte ich meinen Koffer mehrmals in der Hand, um zu gehen, soviel Anstand besaß ich dann schon, aber sie selbst hat mich als verantwortungsvolle Schwester daran gehindert; sie meine es ja nicht so. ‚Du weißt doch, wie ich das meine.‘

Mein Schwager und ich wussten so gut, wie sie es meint, dass wir uns manchmal gegenseitig angerufen haben, um uns Statusupdates über ihren Gemütszustand zu geben. Hey, ich hab auf dem Flohmarkt eine alte Schreibmaschine geschenkt bekommen – bringt sie mich um, wenn die heute Abend auf dem Regal steht? Ja, scheiße, versteck die sofort im Keller. Schwägerling, ich rufe nur an um dir zu sagen, dass du unbedingt ZottMonte kaufen musst bevor deine Schwester nach Hause kommt; sie rastet aus, wenn du das gegessen hast. Aber keine Sorge, heute Abend gibt’s Martinis!

Naja. Zum Punkt. Womöglich war meine Schwester so sauer über leeren Käse und ZottMonte, weil ich damals wirklich, wirklich viel Essen in mich hineingestopft habe, aber mein Körper besitzt auch die nervige Eigenart, sich auf öffentlichen Toiletten zu arg zu genieren. Geht bestimmt vielen so, ich kann dann einfach nicht. Ich kann auch nicht in einer Einzimmerwohnung, wenn alle noch da sind. Meine Schwester war morgens für die Arbeit immer zuerst im Badezimmer, und ich hatte vor der Schule meist noch Zeit, bis ich zum Zug musste. An diesem Tag war das anders.

Der Schultag war lang, doch irgendwann hatte ich solche Schmerzen, dass ich nicht bis zum Ende geblieben bin, sondern nach Hause fahren wollte, weil ich einfach auf die Toilette musste. Kurz hab ich überlegt, doch noch im Zug zu gehen, aber es waren ja nur noch 20, nur noch 15, nur noch 10 Minuten, bis ich zu Hause war. Auf die Deutsche Bahn konnte man damals in jedem Fall noch zählen.
Die Tür zum Treppenhaus stand offen, doch als ich vor der Wohnungstür stand und meinen Schlüssel aus der Tasche kramen will musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass ich mich am Morgen offensichtlich ausgesperrt hatte. Die komplette Tasche hab ich auf links gedreht, aber da war einfach kein Schlüssel. Meine Oma, meine Mutter und auch meine Schwester besitzen alle drei die beeindruckende Fähigkeit, unverschlossene Türen mit Kreditkarten zu öffnen - ich selbst beherrsche diese Fähigkeit leider bis heute nicht. Der Druck wurde immer stärker, und ich bin ums Haus gelaufen um zu sehen, ob ich nicht vielleicht die Terrassentür versehentlich offen gelassen hatte, denn manchmal habe ich die Terassentür nur zugedrückt, anstatt sie mit dem Griff zu schließen, und ich hatte am besagten Morgen noch eine Zigarette auf der Terrasse geraucht. Diese führte auf einen Gemeinschaftsgarten mit hohen Hecken, einsehbar von den oberen Stockwerken, und die Terrasse selbst war zum Gartenweg und zur Nebenwohnung jeweils durch eine vorspringende Wand getrennt. Es war warm, ich hab geschwitzt, und plötzlich merke ich, wie mein Körper in der Idylle des kleinstädtischen Spätnachmittags beschließt, dass dieses Maß an Diskretion nun auszureichen habe;  plötzlich war nicht mehr die Frage, ob ich meiner Schwester auf die Terrasse kacke – sondern wohin zur Hölle, denn mitten in den Garten konnte ich mich ja nicht setzen, doch hätte ich mitten auf die Bodenplatten der Terrasse gekackt, hätte meine Schwester es ja gesehen, sobald sie von der Arbeit nach Hause gekommen wäre. Da gab es kein Zeitfenster, denn sie musste ja uns beiden aufsperren.
Meine Schwester mochte Blumen, aber die meisten Pflanzen sind ihr eingegangen. In einer Ecke hinter dem Tisch stapelten sich deshalb kleinere und größere rechteckige Blumenkübel, wie sie sich manche Menschen auf’s Fensterbrett stellen um Kresse zu züchten, also habe ich mir in Blitzgeschwindigkeit eins der Dinger gegriffen und so schnell und diskret ich konnte in den Blumenkübel gekackt und alles schnellstmöglich mit Erde überschüttet; allerdings war das Ding nun so voll, dass da wirklich nur eine geringe Schicht drüber passte, ich konnte den Mist aufgrund seiner Konsistenz nicht mehr umstürzen, und so habe ich alles wieder notdürftig hinter’m Tisch versteckt und alle anderen Blumenkübel davor drapiert.
Ich würde euch jetzt gern sagen, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt den Kübel entsorgt oder zumindest gereinigt habe, aber irgendetwas hat mich davon abgehalten. Vielleicht war ich zu überrascht, den Haustürschlüssel im Anschluss in meiner Hosentasche zu finden, und hab’s dann entweder verdrängt, oder vergessen.

Im Frühjahr des nächsten Jahres wollte meine Schwester mit mir und meinem Schwager Großputz machen, und wie ich so das Badezimmer putze höre ich plötzlich
SCHEISSE, WAS IST DAS DENN schreien.
Mein Schwager fragt Was?
Meine Schwester brüllt: DA IST SCHEISSE.
 Mein Schwager sagt Hä?
Ich sage Was ist da?
DA HAT EINER AUF MEINE TERRASSE GEKACKT.
Mein Schwager sagt Ne Schatz, das ist doch –
NEIN DAS IST SCHEISSE.
Ja dann… keine Ahnung - die Katze? (ich verlasse vorsichtig das Bad)
DAS IST KEINE KATZENSCHEISSE WILLST DU MICH VERARSCHEN

 Meine Schwester hält mir den Kübel hin.
DAS WAR DOCH EIN MENSCH! SOWAS MACHT KEINE KATZE! DA IST ERDE DRIN.

 Ich blicke zu meinem Schwager, mein Schwager blickt zu mir, wir sehen einander tief und ernst in die Augen, ich sage:
keine Ahnung, ist schon bisschen viel, aber Katzen buddeln ihren Kot doch normalerweise ein, oder?
Und mein Schwager sagt:
der Kater des Vermieters ist ja schon auch groß.
Ist das euer Ernst? Sagt meine Schwester.

 So intensiv habe ich mich Exkrementen noch nicht auseinander gesetzt, sage ich.

Ich auch nicht, sagt mein Schwager.

.. Meine Schwester war den ganzen restlichen Tag über sehr, sehr still. Niemand hat je wieder darüber geredet, ich nicht, mein Schwager nicht, meine Schwester nicht. Wenige Monate später bin ich ausgezogen, habe mein Abi doch noch bestanden und mein massives Übergewicht verschwand wie von selbst, nachdem ich dem intensiven Wunsch nachgekommen bin, meiner Schwester nie wieder begegnen zu müssen.

Ich beichte, dass ein kleiner renitenter Teil von mir unfreiwillig gehofft hat, dass sie meine Scheiße eines Tages findet; dass ich froh bin, diesen Moment tatsächlich selbst bezeugt zu haben, und bis heute ungewollte Heiterkeitsausbrüche erlebe, wenn mir ihr SCHEISSE-Schrei wieder in den Ohren klingelt. Doch ich darf mit Stolz verkünden, dass ich erfolgreich stubenrein geworden bin - und den Gebrauch öffentlicher Toiletten seither beherrsche.

Schwägerling, falls du das jemals liest: Ich hab dich sehr lieb!

reddit.com
u/HopefulDrop4559 — 15 days ago

An die Menschen auf dem dissoziativen Spektrum! brauchen wir ein Subreddit? 👀

Hallo ihr Lieben,
die Wissenschaft streitet sich, ob wir 1, 2 oder gar 3% der Gesamtpopulation ausmachen, weil statistisch betrachtet viele von uns lange Jahre fehl- oder nicht hinreichend diagnostiziert werden, bis einem Profi auffällt, dass ein bunter Blumenstrauß von 10+ Diagnosen womöglich auf pDIS oder DIS hinweisen, oder die Stimmen in unserem Kopf nicht psychotisch sind. Während im englischsprachigen Raum erstklassige Forschung betrieben wird und es einem kleinen Schweizer Forscherteam gelungen ist, vollforme DIS im MRT nachzuweisen, gibt es hierzulande noch immer vereinzelte Fachpersonen gibt, die trotz ihrer Traumaspezialisierung nicht richtig an die Diagnose glauben. Ich selbst habe großes Glück gehabt, sofort treffsichere spezialisierte Hilfe zu erwischen – allerdings hänge ich noch seit Jahren in der Schwebe, denn im Falle von pDIS ist die Diagnose deutlich schwerer abzugrenzen, und ehrlicherweise habe ich bislang keine letzte Gewissheit, ob hier ausgeprägte Ego-States am Werke sind, oder ob wir Viele sind. Wichtig ist auch, dass ich selbst keine Psychologin oder andersartige Fachperson aus dem therapeutischen Bereich bin.

Ich habe mich früher ganz arg an Genderthemen gestoßen, weil ich sehr eifersüchtig auf non-binäre Personen bin, die sich trauen, andere Pronomen einzufordern – während statistisch betrachtet mindestens 800 000 Personen irgendwo in Deutschland mit vielen Entitäten in sich leben, die nicht nur kein einheitliches Pronomen, sondern in vielen Fällen sogar andere Namen und Lebensalter in sich tragen. Wie adressiert man das denn? In vielen Fällen gar nicht, wie ich vermute - denn meines Wissens sind nur ca. 6% von uns offene Systeme, die ihrer Umwelt die Gelegenheit böten, ihre Teilpersönlichkeiten in Verhalten und Sprache und Kleidung voneinander unterscheiden zu können. Es gibt nun Probleme – und auch Freuden – des Alltags, die wir dadurch nur schwer kommunizieren und mit anderen teilen können, zumindest fühlt es sich für mich so an, denn nicht selten, wenn ich mich an meine Umwelt wende, egal womit, scheitert es schon allein an der mangelnden Repräsentanz; und die einzige Art, wie wir überhaupt erwähnt werden, besteht oftmals in Schwerstkriminellen, deren Taten medial ausgeschlachtet werden. Wenn ich frustriert bin oder Rat suche, dann stöbere ich häufig in der englischsprachigen Community, wo sich sowohl Menschen mit kPTBS, Derealisationsstörung, mit partieller und vollformer dissoziativer Identitätsstruktur aufhalten und ihre Erfahrungen teilen. Manchmal hab ich aber Sehnsucht danach, Dinge in meiner Muttersprache zu teilen.

Kurzum, ich möchte gern von euch wissen, sofern ihr denn dadraußen seid, ob wir einen Subreddit gründen wollen – oder ob dafür vielleicht gar kein Interesse bestünde, weil viele Systeme, viele Innies wahnsinnige Angst hätten, sich im Internet zu exponieren. Weil es Täter dadraußen gibt, die vielleicht aufmerksam werden und Leute wieder in den Teufelskreis ziehen wollen oder die Vulnerabilität für sich ausnutzen könnten. Sinn des Subreddits wäre es aus meiner Sicht explizit nicht, einander gegenseitig therapieren zu wollen, und es müsste sehr klare Regeln geben, wie wir kommunizieren, was wir kommunizieren, was zum Schutz aller aus dem Subreddit verbannt gehört, welchen Umgang wir uns mit Triggerwarnungen wünschen, usw. Ich habe hier nun aber so schöne Erfahrung mit der Reddit-Community und der Schwarmintelligenz gemacht, auch mit der Reddit-Moderation, dass ich den Versuch gern wagen würde, uns einen kleinen offenen Raum im Internet zu bauen, in denen einfach mal jemand CHECKT wovon wir reden. Ey. Kennt ihr DIS-Ding? Dieser Kanal hat mir persönlich schon manches Mal den Tag gerettet.

Zu diesem Zweck wollte ich hier nun sehr gerne (versuchsweise) brainstormen, wie das denn auf sichere Weise zu bewerkstelligen wäre – denn erstens bin ich im echten Leben zu sozialphobisch und habe außerhalb der Traumaklinik noch nie mehrere von uns gleichzeitig gesprochen, zweitens ist das Thema zu komplex für mich allein und drittens wäre es ja auch sehr gut möglich, dass hier gar nicht genug Menschen von uns vertreten sind, als dass es sich lohnen würde.

Was meint ihr? Was meinen eure Wächter:innen, Beschützer:innen, Gate Keepers, eure Innies dazu?
Gerne alle Pro und Kontras :-)

Edit: deutlich schwerer abzugrenzen - ich meinte, dass ich nicht weiß, ob’s okay ist, wenn ich mein System in wir-Form versprachliche! Weil die Grenzen krass diffus, und immer im Co. Verzeiht bitte!

reddit.com
u/HopefulDrop4559 — 16 days ago

Reddit-Community hat eine der belastendsten Fragen meines Lebens gelöst

Ich habe eine - wie ich dachte - schwierige Frage in einem Subreddit veröffentlicht, die mich seit 12 Jahren hart belastet, weil ich u.a. nicht wusste, ob mir evtl Strafe droht, wenn ich versuche, mich mit meinem Anliegen an offizielle Stellen zu wenden. Hab meinen ganzen Mut zusammengenommen und die Frage in die Welt geschickt.

Bei aktuell 110 000 views und 50 shares haben nur zwei Personen geantwortet, doch die beiden waren Profis, und haben mir Expertise geschenkt, wo ich sie im realen Leben nicht bezahlen könnte. Ich musste weinen vor Freude und Erleichterung, denn mir droht nicht nur keine Strafe, sondern mein vermeintliches Rätsel besitzt seit 2025 eine eigene Rechtsgrundlage, die mich am Ende nur ein bis zwei Behördengänge kostet, um ein riesiges Chaos zu bereinigen, das ich nicht selbst verschuldet habe, aber immer wieder Auswirkungen auf meine Lebensgestaltung zeitigt.

Ich find‘s so schön, dass es echt Leute dadraußen an den Smartphonescreens gibt, die sich die Mühe machen, Beiträge zu lesen und dann auch noch hilfreich zu kommentieren. Glaubt mal nicht, dass das spurlos vorüber zieht, was ihr beizutragen hättet - in meinem Fall hat‘s gerade mein Leben verändert.

Bei den beiden hab ich mich schon bedankt - aber ich muss es trotzdem hier nochmal loswerden:

Ich liebe Schwarmintelligenz - und ich liebe liebe liebe die Reddit-Community! Ihr seid so krass!

reddit.com
u/HopefulDrop4559 — 17 days ago

Ich besitze zwei völlig verschiedene Identitäten in zwei verschiedenen EU-Staaten und brauche Hilfe

Hallo ihr Lieben, liebe Jurist:innen -

ich habe ein kniffliges Problem und hoffe, hier jemanden zu finden, der mir erste juristische Orientierung geben kann.

Durch eine Mischung aus menschlichem Trotz und Bildungsferne habe ich zwei verschiedene Identitäten in zwei verschiedenen EU-Staaten. Meine Mutter ist Deutsche, und als mein Vater zu meiner Geburt nicht da war, hat sie ihn aus Trotz als „unbekannt“ angegeben, und es wurde also eine Geburtsurkunde nach deutschem Recht ausgestellt. Relevant ist hier, dass meine Mutter zu dem Zeitpunkt den Nachnamen ihres ersten Ehemannes trug. Mein Vater wiederum ist wenige Monate nach meiner Geburt mit mir aufs Konsulat seines Herkunftslandes gefahren, und hat meine zweite Staatsangehörigkeit vom Generalkonsul anerkennen lassen. Hierfür wurde eine Geburtdurkunde nach dortigem Landesrecht ausgestellt - mit dem Resultat, dass mein zweiter Pass einen Nachnamen trägt, der nichts mehr mit dem deutschen Nachnamen zu tun hat. Das Herkunftsland meines Papas kennt beide Identitäten. Deutschland aber nicht, ist wirklich nirgends dokumentiert. Ist jedes Mal seltsam, wenn ich ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis benötige und ein zweites EU-Land „keine Auskunft“ erteilt, obwohl es eigentlich den deutschen Nachnamen zuordnen könnte.

Es war bis vor ein paar Jahren nie wichtig und ich wollte mich echt hier in D einbringen, aber ich möchte jetzt halbwegs zeitnah das Land verlassen, weil ich die Gespräche über „Remigration“ wirklich nicht mehr aushalte, Angst habe, und alledem gern zuvorkommen will. Ich verstehe mich als Deutsche und bin im Zweitland auch so gelesen, aber im Zweitland habe ich familiären Anschluss, und deswegen läuft Integration dort auch sehr gut für mich, weil ich nicht als Ausländerin behandelt werde. Ein Problem ist, dass alle meine Zeugnisse auf deutschen Namen laufen usw - kurz, ich möchte gerne den Fehler beheben und einerseits in Deutschland gern den Namen annehmen, der auch zu mir gehört, denn mit dem ersten Ehemann meiner Mutter hab ich nix zu tun. Ich möchte den Namen aber auch angleichen, damit Führerschein usw auch im Herkunftsland meines Papas mit der Identität einhergehen, unter der ich lebe. Das wird spätestens mit der beruflichen Anerkennung dort relevant. Um dort leben und mich gut integrieren zu können mache ich gerade extra eine neue Ausbildung, die das ermöglicht - aber ich würde meinen Namen gern anpassen, bevor der Abschluss geschafft ist. Das andere Land hat krasse bürokratische Hürden, das wird mit beglaubigten Kopien UND verschiedenen Nachnamen etwas kompliziert.

Soweit angelesen, ist mein Fall nicht richtig legal, und nur deshalb nicht designiert illegal, weil es einfach zu selten vorkommt. Und beide Staaten Teil der EU sind.

Folge Fragen:

Kann dies ein Sonderfall sein, der es mir in D erlauben würde, den Nachnamen zu ändern?
Wäre dies mit Kosten verbunden und wenn ja, in welcher Höhe?
An welche juristische Disziplin müsste ich mich tatsächlich richten, wenn ich hierfür einen Anwalt suche?

Kann mich Deutschland zwingen, die zweite Staatsangehörigkeit aufzugeben, anstatt mich meinen Namen wechseln zu lassen, sobald Deutschland von dem Fall Kenntnis gewinnt?

Worauf sollte ich achten und bringe ich mich irgendwie in Teufelsküche wie ich es als Laie gerade nicht erkennen kann, sobald Deutschland davon erfährt, zB weil ich mich sofort bei Erhalt des anderen Passes hätte bemerkbar machen müssen?

Tausend Dank schonmal für‘s Lesen.

reddit.com
u/HopefulDrop4559 — 18 days ago
▲ 13 r/Pflege

Praxiseinsatz in eben jener Psychiatrie, in welcher man einmal Patientin war? (Ausbildung)

Hallo ihr Lieben,

folgendes Anliegen: bin Betroffene einer psychischen Behinderung bzw. auf dem dissoziativen Spektrum einzuordnen; das gilt als nicht heilbar, bin allerdings sehr gut therapiert, hab soeben ein Studium abgeschlossen (um zu gucken, ob/wie belastbar ich bin) und die medizinische Eignung habe ich für die Ausbildung in der Pflege nach Rücksprache mit allen Beteiligten in direkter Entscheidungsfunktion guten Gewissens erhalten. In einem Monat geht es los und ich habe enorme Vorfreude, weil ich schon mein ganzes Studium als Hilfskraft arbeite und nun endlich professionalisieren darf, was ich gelernt habe und noch lernen mag. Die Pflege kam mehr zu mir als ich zu ihr, aber ich habe ungefähr meinen Traumberuf gefunden. Trotz des Stresslevels und den katastrophalen Zuständen unseres Gesundheitssystems. Nun zerfasert mein Kopf allerdings auch alle Unwägbarkeiten, die die Vorfreude konterkarieren könnten.

Meine Berufsschule organisiert sämtliche Praxiseinsätze, und ich soll in eben jener Psychiatrie eingesetzt werden, in welcher ich selbst einmal Patientin war. Zum Zeitpunkt meines Praxiseinsatzes wird mein dortiger Aufenthalt ca 4-5 Jahre zurückliegen, allerdings habe ich Sorge, dass die mich dem Namen oder gar Aussehen nach erkennen könnten, denn meine Daten sind erstens im System (könnte jemand aus Spaß eintippen, denn ich habe sichtbare SVV-Narben), und zweitens bin ich dort wirklich nicht im Guten gegangen. Es hätte nicht viel gefehlt, und ich hätte die Leitung wegen Gewalt gegen eine Mitpatient:in angezeigt, und habe meiner Empörung damals auch lautstark kundgetan. Weil man psychotische Patient:innen nicht einfach mit Schlägen droht und sie dann fixiert, bloß, weil sie zu lange vor’m Stationszimmer herumlungert und der Pflegekraft durch die Tür erzählen, Gott sähe alles. Er kam raus, schubst sie aus dem Nichts, und fixiert sie dann zur Strafe für den eigenen Kontrollverlust, als die Patientin lachen muss. Das wäre noch kein Grund für mich, mir besagte Einrichtung nicht hinter den Kulissen zu Gemüte zu führen; wer weiß, wie die Realität für Pflegende dort denn aussieht. Andererseits habe ich wenig Motivation, an einem Ort zu arbeiten/zu lernen, der nicht gut auf die Patient:innen und noch schlechter auf die eigenen Pflegenden aufpasst, denn dieser Pfleger aus dem Beispiel steht gewiss nicht morgens mit der Motivation auf, den Leuten Angst zu machen und sie ihrer Freiheit zu berauben. Stichwort Überlastung; wenn sich Pflegende mies verhalten, liegt‘s nicht selten an der Führungsebene. Und im Falle dieser Psychiatrie weiß ich von mehreren Mitarbeitenden des RTW, dass da schon ganz andere Dinge passiert sein müssten als das, was ich da beobachtet habe.

Ich wüsste gerne, ob ich schon zu Beginn der Ausbildung mit meiner Berufsschule sprechen und meinen Fall kenntlich machen sollte - oder ob ich‘s einfach durchziehen sollte wie geplant und darauf spekulieren, dass mich unter den abertausenden Patientinnen die dort stationär sind nicht erinnert und erkannt werde? Was wären die Folgen, wenn mich die Klinik spontan ablehnt (Praxiseinsatz ist in Lehrjahr3) - wäre die Ausbildung gefährdet und wenn ja, was gäbe es dann zu tun, um trotzdem gut abschließen zu können? War hier denn schonmal jemand in einer ähnlichen Situation? Und: hat hier jemand generell konkrete Erfahrungen mit Praxiseinsätzen in der Psychiatrie, während SVV-Narben mittleren Schweregrads vorliegen? Wird man da generell eher abgelehnt oder wird das eher geflissentlich übersehen, wie in anderen Bereichen der Pflege?

Tausend Dank vorab!

reddit.com
u/HopefulDrop4559 — 21 days ago
▲ 11 r/Pflege+1 crossposts

Lebensweg Medizin ohne vernünftige Grundlage, bloß, weil‘s sinnhaft ist?

Hallo ihr Lieben,

folgendes Szenario:

Ich bin 30, habe soeben ein Kunststudium hinter mich gebracht und beginne nächsten Monat eine Ausbildung in der Pflege, weil ich über anatomische Illustrationen mehrmals Studijobs ins Arztpraxen ergattern konnte und mich nach einigen privaten Verlusten extrem in den medizinischen Bereich verliebt habe. Mit Anfang 20 sagte man mir, ich sei psychisch behindert, solle den Grad der Schwerbehinderung feststellen lassen, Frührente beantragen, denn ich hätte keine Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt - den Rest meines Lebens sollte ich quasi von Sozialhilfe leben. Ich fand, diese Prognose sei sehr pessimistisch, habe dann mehrere Jahre Therapie und einige Klinikaufenthalte hinter mich gebracht, bis ich mich schließlich - aus Mangel anderer Referenzen - an einer Kunstuni beworben habe, um zu testen, ob ich nun soweit war, um das Pensum eines Studiums prinzipiell zu meistern. Das Studium habe ich aus Angst vor Schulden selbst finanziert; u.a. mit Jobs in der Medizin. Habe viele diagnostische Verfahren erlernt und intentional die verschiedensten Bereiche kennengelernt, um zu prüfen, ob ich psychisch durchhalte. Phlebologie, Allgemeinmedizin, Dermatologie, Pneumologie, Transplantationsmedizin.
Fakt ist, die Medizin ist paradoxerweise der einzige Bereich, in welchem ich emotional durchhalte. Selbst das Kunststudium war emotional völlig untragbar, aber ich hab’s hingekriegt.

Ich werde 33 sein, wenn die Ausbildung vorbei ist. Ich spreche mehrere Sprachen fließend und könnte/müsste danach 4 Jahre in der Schweiz mit Wohnsitz im Grenzgebiet außerhalb des Landes arbeiten, um mir das nötige Budget für ein Medizinstudium zu erarbeiten, weil ich sicher bin, dass ich Vollzeitstudium+Arbeit zur Existenzsicherung nicht meistern könnte. Zusätzlich dazu müsste ich noch den TMS in Deutschland oder den MedAt mit extrem guten Werten bestehen, denn mein Abitur liegt nur bei 2,9. Zu Zeiten meines Abiturs war ich obdachlos bzw ohne Wohnung und ohne Krankenversicherung; bin relativ sicher, dass ich mit halbwegs gut geplanten Konditionen einen TMS schaffen würde.

Ich wäre min. 38, wenn das Medizinstudium beginnt, ich würde für einen in der Realität undankbaren Knochenjob studieren, der sich für mich nicht mehr auszahlen wird. Aber es ist auch völlig unwahrscheinlich, dass ich Partnerschaft und Familiengründung je erleben werde, denn wo ich in der Arbeit sehr funktional bin, kickt privat besagte psychische Erkrankung/Behinderung. Aber ich liebe nichts so sehr, wie die Auseinandersetzung mit medizinischen Inhalten. Was mir Pats bisher so gespiegelt haben, habe ich auch interrelational etwas zu geben, solange man dabei nicht erwartet, dass ich mit ihm:ihr schlafen will. Ich wurde mittlerweile ein paar Mal versehentlich als Ärztin gelesen, wo ich eigentlich Patientin bin, und als Fachkraft, wo ich nur Hilfskraft war. Weil ich mich zu hart in Themen reingefuchst hatte, die außerhalb der Bubble niemanden interessieren.

Es ist bisschen pathetisch, aber: ist es okay, einen Lebensweg einzuschlagen, von dem ich seit 3 Jahren das Gefühl habe, dass es meinem Leben Sinn und Inhalt und Perspektive verleiht - oder wirkt das mehr wie eine völlig illusorische Flucht vor sich selbst? Immerhin könnte ich immer umkehren, und wieder als Pflegekraft arbeiten. Aber es hat sich zB gelohnt, Kunst zu studieren obwohl das nix zahlt, weil ich mich selbst bzw künstlerische Gestaltung viel ernster nehme, weil ich‘s akademisiert habe - hier haben auch viele gesagt, mein Studium/meine Vorstellungen seien illusorisch und nutzlos. Dabei verleiht es meinem Erleben Substanz, und ich würde es jederzeit wieder so machen. Bloß völlig in Phantastereien versteigen möchte ich mich nicht.

Es geht mir weniger darum ob das Medizinstudium hart ist usw., ich sehe, wie unglücklich Mediziner:innen im Alltag sind, insbesondere in Deutschland - aber ich würde gern so leben, als könnte morgen mein letzter Tag sein, und weil ich schon öfter in Todesnähe war, weiß ich auch, dass es mir reichen würde zu wissen, dass ich auf dem Weg war, um im Zweifel ohne Reue zu sterben. Und es gibt auch niemanden, für den ich verantwortlich bin oder sein werde. Also würde ich mein Leben gern an die Medizin verschenken. Auch deshalb, weil es Pats gab, die mich dazu aufgefordert haben. Mit den Worten ‚wir brauchen Sie doch, was machen Sie denn da in der Kunst‘. Völlig aus dem Nichts, unabhängig voneinander. Die waren aufmerksam geworden, weil ich als Ungelernte nirgends Kasack getragen habe, und hatten nachgefragt, weshalb.

Gedanken dazu?
Ohne Hass, falls möglich.

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u/HopefulDrop4559 — 27 days ago