ADHS und Arbeitsleben - ich bin sehr am struggeln. Warum wird unsere Krankheit nicht ernst genommen?
Ich werde dieser Welt nie vergeben, was sie uns genommen hat. Welche Hürden wir überwinden müssen, weil unsere Krankheit nicht ernst genommen wird. Keinem Einzelnen werde ich das jemals verzeihen.
Ich sitze heute auf der Arbeit und werde von meinem Vorgesetzten darauf angesprochen, dass ich zu viele Flüchtigkeitsfehler mache, dass ich einiges nach 4 Monaten Einarbeitung immer noch nicht sehr gut draufhabe, dass ich sehr langsam darin bin, Sachen aufzunehmen und zu verarbeiten. Ich vergesse ziemlich schnell so jede Kleinigkeit und muss deswegen immer alles nochmal überprüfen lassen. Ich habe Aufgaben zu erledigen, die sehr wichtig sind und bei kleinen Fehlern langfristige Wirkungen mit sich bringen.
Wenn mich jemand auf meine vermeintlich mangelnden Kompetenzen anspricht, bin ich in dem Moment wie lahmgelegt und kann nichts sagen bzw. habe ich enorme Wortfindungsstörungen und dadurch den Eindruck, dass ich wegen dieser Schwierigkeit nicht ernst genommen werde, und empfinde daher auch oft das Gefühl, dass ich für dumm gehalten werde. Eigentlich glaube ich sogar, dass das, was ich sagen will, sinnvoll ist, aber sobald es aus meinem Mund muss, macht alles irgendwie keinen Sinn mehr. Ich bin es leid, immer diejenige zu sein, auf die man sich nicht verlassen kann, weil ich nie wirklich etwas genau weiß. Und das mit deinem Arbeitgeber kommunizieren? Auf keinen Fall! Bloß nicht, du bist dann diejenige, die dumm dasteht und vielleicht ihren Job verlieren wird.
Und nein, meinen exekutiven Dysfunktionen hat Psychotherapie überhaupt nicht geholfen, sondern einiges nur verschlechtert. Das Einzige, was mir wirklich hilft, sind meine Medikamente, aber sobald ich dann zu viele Aufgaben habe, überrumpelt bin, verliere ich komplett den Faden und bin trotz meiner Medikamente extrem lost. Ich hasse dieses uns ignorierende und entmenschlichende System. Lustig ist ja dann noch, dass immer wieder von Diversität gesprochen wird.
Ich hasse es, dass wir nicht ernst genommen werden. Ich sehe ADHS schon oft als eine Behinderung an. Ich kenne wirklich keinen einzigen Aspekt in meinem Leben, der nicht maßgeblich negativ beeinträchtigt ist durch mein ADHS. Würdet ihr sowas ansprechen, damit eure Kollegen etwas rücksichtsvoller mit einem umgehen?
Gerade spielt das Thema Neurodiversität bei uns auch eine große Rolle, aber ich glaube, die meisten haben überhaupt nicht auf dem Schirm, wie schlimm diese Krankheit, Zeitblindheit, das nicht vorhandene visuelle Denken, langsame Aufnahmefähigkeit und Wortfindungsstörungen, dass man sich immer sozial anders fühlt, was für Auswirkungen das eigentlich wirklich hat. Aber andere Kollegen, die dann davon erzählen, dass sie Autismus haben, diese werden wiederum komplett ernst genommen. Aber nee, bei ADHS soll man doch bitte nicht übertreiben.
Ich bin einfach nur unfassbar müde von diesem täglichen Kampf.