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Reformen für Deutschland!

34 „Reformen" und keine einzige traut sich an die eigentliche Frage: Warum kann man in diesem Land mit normaler Arbeit kein Vermögen mehr aufbauen?

Ich habe mir die letzten Tage die komplette Reformkaskade der Koalition angeschaut. Das 34-Punkte-Paket vom Koalitionsausschuss, die Steuerreform 2027, die neue Grundsicherung, die Rentenpläne. Alles. Und je länger ich lese, desto wütender werde ich — nicht weil nichts drinsteht, sondern weil das, was drinsteht, so präzise um die eine Frage herumkurvt, die zählt.

Die Bilanz in Zahlen, damit mir keiner „Polemik" vorwirft:

Die große Steuerreform: ~10 Milliarden Entlastung, gestreckt auf zwei Jahre. Eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 € Einkommen bekommt ab 2028 gut 600 € im Jahr. Das sind 50 € im Monat. Ursprünglich waren 25 Milliarden im Gespräch — geliefert wird nicht mal die Hälfte.

Die unteren 20–30 % der Beschäftigten zahlen gar keine Einkommensteuer. Für die bringt diese „Entlastung der kleinen Einkommen" exakt: nichts. Der Hebel, der sie erreicht hätte — Sozialabgaben —, wurde nicht angerührt. Die Kassenbeiträge, die seit Jahren klettern, fressen jede Tariferhöhung. Dazu sagt das Paket: nichts.

Gleichzeitig: Nullrunde bei der Grundsicherung. 563 € bleiben 563 €, bei realen Preissteigerungen ist das eine Kürzung bei den Ärmsten. Aber ein „Aktionsplan gegen Sozialleistungsmissbrauch" kommt noch dieses Jahr. Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag kommt auch. Der Generalverdacht gilt nach unten — Beschäftigte, Kranke, Arbeitslose. Nach oben? Im Beschluss steht wörtlich: keine Änderung bei der Erbschaftsteuer, keine Vermögensteuer. Die Verschonungsregeln, mit denen Erbschaften über 26 Millionen faktisch steuerfrei durchgereicht werden, bleiben. Share Deals bleiben. Steuerfreie Immobiliengewinne nach 10 Jahren bleiben. Kein Aktionsplan gegen Steuerhinterziehung, die den Staat jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge kostet.

Und die „Vermögensbildung für alle"? Die Frühstart-Rente: 10 € im Monat vom Staat ins Kinderdepot. Zehn. Euro. In einem Land, in dem die Hälfte der Erwachsenen praktisch kein Nettovermögen besitzt und rund die Hälfte allen Vermögens schlicht geerbt wird. Die andere Antwort: höhere steuerfreie Sonntagszuschläge. Im Klartext: Wenn du mehr vom Leben willst, arbeite sonntags. Das ist die Vermögenspolitik dieser Regierung für Pflegekräfte, Handwerker, Erzieherinnen, Logistiker — die Leute, ohne die hier gar nichts läuft.

Das ist kein Reformpaket. Das ist ein Verteilungsdokument. Es sagt sehr klar, wer sich anstrengen soll (alle, die von Arbeit leben) und wessen Besitzstand nicht mal diskutiert werden darf (alle, die von Vermögen leben). Und das Peinlichste: Es wird als Mut verkauft. „Regierung der Erneuerung." Es ist ein Armutszeugnis — und zwar im doppelten Sinn: Zeugnis einer Politik, die Armut verwaltet statt Aufstieg zu ermöglichen, und Spiegel einer Gesellschaft, die sich eingeredet hat, mehr sei nicht drin.

Dabei ist mehr drin. Man müsste nicht mal das System stürzen, nur ehrlich werden:

1. Die Nachfolgewelle nutzen — Betriebe an Belegschaften statt an Private Equity.
In den nächsten Jahren suchen hunderttausende Mittelständler der Boomer-Generation Nachfolger und finden keine. Großbritannien macht vor, wie es geht: Verkauft ein Eigentümer an eine Belegschaftsstiftung (Employee Ownership Trust), ist der Gewinn steuerfrei — über 1.500 Firmen sind so in zehn Jahren in Mitarbeiterhand übergegangen. Ein deutsches EOT-Gesetz plus KfW-Finanzierung für Belegschafts-Buyouts, und aus der größten Übergabewelle der Nachkriegszeit würde die größte Eigentumsdemokratisierung. Die Leute, die den Laden am Laufen halten, würden ihn besitzen. Kostet fast nichts. Liegt einfach da. Niemand greift zu.

2. Grunderbe statt Almosen-Depot.
Nicht 10 € im Monat, sondern ein echtes Startkapital für jeden 18-Jährigen — das DIW hat 20.000 € durchgerechnet, finanzierbar allein aus einer Erbschaftsteuer ohne die Multimillionärs-Schlupflöcher. Zweckgebunden für Ausbildung, Gründung, erste Wohnung. Das wäre eine Antwort auf die Tatsache, dass Vermögen in diesem Land zu 50 % vererbt und nicht erarbeitet wird.

3. Ein Bürgerfonds nach schwedischem Vorbild — für alle, automatisch.
Staatlich verwaltet, Kosten nahe null, automatische Teilnahme mit Opt-out. Dann baut auch die Kassiererin Kapitalmarktvermögen auf, nicht nur der, der sich einen Honorarberater leisten kann. Nebeneffekt: Milliarden an langfristigem Kapital für europäische Unternehmen, statt dass unsere Ersparnisse US-Fonds mästen, die uns dann unsere eigenen Startups wegkaufen.

4. Gutschriften statt Freibeträge. Kleiner technischer Punkt, riesige Wirkung: Ein Freibetrag spart dem Topverdiener mit 42 % Grenzsteuersatz automatisch mehr als der Krankenschwester mit 25 % — und dem Geringverdiener gar nichts. Dieselbe Summe als direkte Steuergutschrift wäre für alle gleich viel wert. Dass fast alle „Entlastungen" trotzdem als Freibeträge kommen, ist kein Versehen. Es ist Design.

5. Bodenwertsteuer und Schluss mit steuerfreien Spekulationsgewinnen. Wer arbeitet, zahlt auf jeden Euro. Wer eine Immobilie 10 Jahre hält, kassiert den Wertzuwachs — den die Allgemeinheit mit ihrer Infrastruktur geschaffen hat — komplett steuerfrei. Das ist mit keinem Leistungsprinzip der Welt zu rechtfertigen.

Nichts davon ist radikal. Employee Ownership: läuft in UK. Bürgerfonds: läuft in Schweden. Grunderbe: durchgerechnet vom DIW. Es scheitert nicht an Machbarkeit. Es scheitert daran, dass die wirksamsten Maßnahmen die bestorganisierten Gegner haben — und eine Regierung, die den Konflikt mit ihnen scheut und stattdessen Krankgeschriebene und Bürgergeldempfänger zum Gegner erklärt.

Preisfrage zum Schluss: Wenn eine Koalition 34 Beschlüsse fasst und der einzige mit einem expliziten Tabu der ist, der Vermögen betrifft — wessen Regierung ist das dann?

reddit.com
u/FastJaguar1873 — 1 month ago
▲ 127 r/NewsD+1 crossposts

tja

Deutsche Vermögensverteilung 💀
Im Vergleich zu den anderen dargestellten Länder einfach die unmoralischste Verteilung von Vermögen 😂

u/FastJaguar1873 — 2 months ago
▲ 533 r/Staiy+2 crossposts

Gemeinderatswahl Graz erste Ergebnisse - KPÖ gewinnt mit 38.19%

u/FastJaguar1873 — 2 months ago
▲ 74 r/wirtschafts_news_de+1 crossposts

Neura Robotics bestätigt Milliarden-Deal Eine jüngst kolportierte Milliarden-Finanzierungsrunde für das schwäbische Startup Neura Robotics ist nun offiziell. Die Firma erhält bis zu 1,4 Mrd. Dollar – unter anderem von Bosch, Schaeffler, Amazon und Nvidia.

boersen-zeitung.de
u/Agee4You — 2 months ago

Erben in Deutschland - Symbolbild

Erbin eines erfolgreichen Unternehmerhauses (Krohne Messtechnik), dazu in die Adelsfamilie zu Fürstenberg eingeheiratet.
Und bitte nicht falsch verstehen: kompetent und sympathisch wirkt sie definitiv — und ich finde es auch stark, dass sie in europäische Start-ups investiert.

Aber es zeigt eben auch ganz gut, auf welche Schienen dich das Leben setzen kann, wenn du von Geburt an schon mit enorm vielen Vorteilen startest :)
„Investorin“ als Jobbeschreibung klingt dann natürlich auch ziemlich angenehm.

u/FastJaguar1873 — 3 months ago