Stößt die klassische Psychotherapie bei Bindungstrauma an Ihre Grenzen?
Ich habe nun ungefähr 150h Verhaltenstherapie bei drei verschiedenen Therapeuten hinter mir. Mittlerweile verstehe ich mich und meine Probleme ziemlich gut, bin sehr reflektiert und kann gut in die Metaebene wechseln. Ich begreife was mir fehlt und Mittlerweile habe ich glaube ich auch begriffen was mir die Psychotherapie nicht geben kann.
Die emotionale Nachnährung, die mir in meiner Kindheit verwehrt blieb. Ich brauche etwas, was ich im Zuge einer Psychotherapie nicht bekommen werde um zu heilen, um das Defizit zu füllen. Wie soll ich emotional heilen, wenn wir uns in der Therapie nicht begegnen? Im Grunde treffen sich jede Woche unsere Masken und Schutzmauern. Die therapeutisch professionelle Maske, die ich befremdlich finde und mein Schutzwall. Die beiden kommunizieren miteinander, nicht ich und du. Es kam nie zu einer wirklichen Begegnung zweier Menschen, die einfach nur sind, wo Raum für echte (Ver)Bindung entstehen kann.
Bitte versteht das nicht als Rant. Ich hatte wirklich sehr tolle und äußerst engagierte Therapeuten und bin ihnen zutiefst dankbar für ihre Arbeit.
Mir ist bewusst, dass das was ich brauche unmöglich von einem Psychotherapeuten gegeben werden kann, da er sonst selbst verletzlich ist und das bei der Menge an Patienten nicht zu tragen wäre. Echte Begegnung, echte Wärme, Authentizität, keine Bindungsangst von Seiten des Therapeuten, echte Zuneigung. Ich glaube mittlerweile, das kann Psychotherapie nicht und dafür ist sie auch gar nicht vorgesehen oder ausgerichtet. Und wer jetzt sagt, dein innerer Erwachsener muss dein inneres Kind nähren, nein wie denn, wenn man das niemals am eigenen Leib erfahren hat. Glaube das geht, aber nur wenn du ein gewisses Mindestmaß an Fürsorge und Wärme als Kind erhalten hast.
So... Wollte einfach loswerden was mich gerade so beschäftigt...