Umgang mit 9 Wochen altem Baby – verlange ich als Vater zu viel?
Hi zusammen,
ich würde gerne eure Einschätzung hören, insbesondere von Eltern, die eine ähnliche Situation erlebt haben.
Meine Ex (34) und ich (33) sind im Juni Eltern eines Sohnes geworden. Er ist jetzt 9 Wochen alt und wird voll gestillt.
Wir haben uns während der Schwangerschaft getrennt. Einen großen Trennungsknall oder einen konkreten Grund wie Untreue, Gewalt o. Ä. gab es nicht. Wir hatten vor allem Kommunikationsprobleme und haben vieles bis heute nicht richtig aufgearbeitet. Unser Verhältnis ist aber grundsätzlich okay und es gibt keine großen Streits.
Mir geht es hier auch ausdrücklich nicht um unsere Beziehung, sondern darum, wie wir den Umgang mit unserem Sohn gestalten.
Unser Sohn lebt bei seiner Mutter. Ich bin bewusst in die direkte Nachbarschaft gezogen, weil es mir sehr wichtig ist, von Anfang an ein präsenter Vater zu sein, eine enge Bindung zu ihm aufzubauen und Verantwortung zu übernehmen.
Bei der Geburt durfte ich dabei sein, wofür ich meiner Ex sehr dankbar bin. Danach war ich viel im Krankenhaus und in den ersten Tagen auch täglich bei ihr zu Hause. Ich habe unseren Sohn gewickelt, ihn getragen und unterstützt wo es ging.
Irgendwann wurde ihr das verständlicherweise zu viel und sie wollte mehr Ruhe. Tägliche mehrstündige Besuche hätte ich eh nicht aufrecht erhalten können, da ich nach wenigen Tagen wieder arbeiten musste - durch unsere Trennung bzw. meinen Auszug steht mir kein Elterngeld zu.
Meine Ex hat dann mehrmals drum gebeten nicht täglichen Umgang zu haben und keine Wochenenden. Aktuell haben wir uns auf dreimal pro Woche abends und keine Wochenenden geeinigt.
Das Problem ist, dass selbst diese Termine momentan kaum noch tatsächliche Zeit mit meinem Sohn bedeuten. Häufig komme ich an und er wird gerade gestillt. Das kann auch mal über eine Stunde dauern. Danach schläft er oder wird wieder unruhig und möchte erneut gestillt werden. Dann verschieben wir den Umgang auf das nächste Mal.
In den vergangenen zwei Wochen hatte ich ihn zusammengerechnet vielleicht drei Minuten auf dem Arm.
Diese Woche ist er wohl generell sehr unruhig, sie vermutet Dreimonatskoliken. Meine Ex versucht deshalb, möglichst viele Reize zu vermeiden und verbringt mit ihm viel Zeit in einem abgedunkelten Raum. Das kann ich grundsätzlich nachvollziehen.
Gleichzeitig habe ich zunehmend das Gefühl, aus seinem Alltag zu verschwinden. Ich möchte meine Ex und vor allem unseren Sohn nicht zusätzlich stressen, aber ich möchte eben auch nicht den Kontakt zu meinem eigenen Kind verlieren.
Deshalb frage ich mich ob es in diesem Alter tatsächlich sinnvoll, den Kontakt zum Vater so stark einzuschränken, wenn das Baby unruhig ist und voll gestillt wird?
Ich hätte gedacht, dass ein Säugling – solange es gerade nicht ums Stillen geht – auch vom Vater getragen, beruhigt, gewickelt oder in den Schlaf begleitet werden kann und dass gerade regelmäßiger Kontakt wichtig ist, damit überhaupt eine Bindung entstehen kann.
Vielleicht sehe ich das aber auch zu sehr aus meiner Perspektive.
Mich würden deshalb besonders Erfahrungen interessieren:
- Wie habt ihr den Umgang mit einem wenige Wochen alten, voll gestillten Baby nach einer Trennung geregelt?
- Sind dreimal pro Woche kurze Besuche in diesem Alter normal bzw. sinnvoll?
- Wie kann man damit umgehen, wenn ein Großteil dieser Termine durch Stillen und Schlafen faktisch ausfällt?
- Sollte ich versuchen, mehr bzw. regelmäßigere Zeit mit meinem Sohn zu vereinbaren, oder sollte ich seiner Mutter momentan eher den gewünschten Raum geben?
Mir geht es nicht darum, ihr das Kind „wegzunehmen“ oder schon jetzt irgendwelche langen Aufenthalte ohne sie durchzusetzen. Ich möchte einfach eine Lösung finden, bei der die Bedürfnisse unseres Sohnes im Mittelpunkt stehen, ich aber gleichzeitig die Chance habe, von Anfang an wirklich sein Vater und eine Bezugsperson für ihn zu sein.